Gemeiner Samtfußrübling

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Gemeiner Samtfußrübling
XN Flammulina velutipes 473.jpg

Gemeiner Samtfußrübling (Flammulina velutipes)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Physalacriaceae
Gattung: Samtfußrüblinge (Flammulina)
Art: Gemeiner Samtfußrübling
Wissenschaftlicher Name
Flammulina velutipes
(Curtis : Fr.) Singer

Der Gemeine Samtfußrübling (Flammulina velutipes, Syn.: Collybia velutipes) ist eine Pilzart aus der Familie Physalacriaceae. Er ist ein Speisepilz, wird in Ostasien auch kultiviert und dort als Enoki vermarktet. An natürlichen Standorten wachsen die kleinen, frostresistenten Fruchtkörper im Winterhalbjahr bei kühlen Temperaturen, weshalb die Art auch Winterpilz genannt wird. Dagegen beziehen sich die Trivialnamen Samtfuß oder Samtfußrübling auf den samtig beschaffenen Stiel.

Merkmale[Bearbeiten]

  • Die Fruchtkörper bilden 2–10 cm breite, dünnfleischige und schmierige Hüte von honiggelber bis rotbrauner Farbe mit dunklerer Mitte.
  • Die faserig zähen, im Alter hohlen, ringlosen Stiele sind 3–8 cm lang, oben gelblich, unten dunkelbraun bis olivschwarz, samtfilzig, oft plattgedrückt und wurzelartig verschmälert. Charakteristisch ist auch die verdrillte Struktur der Stielfasern.
  • Die Lamellen sind weiß bis blassgelb.
  • Das Sporenpulver ist weiß.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Andere Samtfußrüblinge[Bearbeiten]

Neben dem Gemeinen Samtfußrübling kommen in Europa noch weitere, teils sehr ähnliche und nur mikroskopisch bestimmbare Gattungsvertreter vor. Einige Arten lassen sich auch durch ein anderes jahreszeitliches Vorkommen sowie anhand des Habitats voneinander unterscheiden.

Stockschwämmchen oder Gift-Häubling[Bearbeiten]

Von unkundigen Sammlern kann der Gemeine Samtfußrübling mit dem essbaren Stockschwämmchen oder dem gefährlichen Gift-Häubling verwechselt werden. Deutlichstes Unterscheidungsmerkmal ist der samtige, stets ringlose Stiel des Samtfußrüblings.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Samtfußrübling kommt in der Zeit von September bis April oft reichlich an Stümpfen, Stämmen (auch an lebenden Bäumen) und abgefallenen Ästen von Laubgehölzen, ganz selten auch an Koniferen, und gelegentlich an unterirdischem Holz vor. Eine besondere Vorliebe zeigt der Samtfußrübling für die Gattungen Salix (Weiden), Populus (Pappeln), Fraxinus (Eschen) und Holunder, häufig auch für durch das "Ulmensterben" geschädigte Ulmenarten.

Verbreitung[Bearbeiten]

Seine geographische Verbreitung umfasst sowohl gemäßigte und kalte Regionen auf der Nordhalbkugel der Erde wie China, Sibirien, Kleinasien, Europa, Nordamerika und Japan als auch Australien auf der Südhalbkugel.

Bedeutung[Bearbeiten]

Speisepilz[Bearbeiten]

Unter Lichtausschluss in Flaschen angebaut entwickelt der Gemeine Samtfußrübling (F. velutipes) langstielige, farblose Fruchtkörper (links im Bild)

Eine besondere Bedeutung besitzt der Samtfußrübling in der japanischen Küche, dort bekannt als "Enokitake" oder kurz "Enoki", wo er nach dem Shiitake der meistangebaute Speisepilz ist. Es werden insgesamt etwa 100.000 Tonnen dieses Pilzes produziert. Damit steht der Samtfußrübling weltweit an sechster Stelle in der Rangfolge der meistangebauten Speisepilze. Er zählt auch zu den Heilpilzen, ist aber weniger bedeutend.

Auch in Europa ist der Samtfußrübling Pilzkennern gut bekannt als wohlschmeckender Speisepilz, der gerade in der kalten Jahreszeit auftritt, wenn die sonstige Pilzflora ihr Wachstum wegen der winterlichen Kälte weitgehend eingestellt hat.

Kultivierung[Bearbeiten]

Der Samtfußrübling war einer der ersten Speisepilze überhaupt, der gezielt in Kultur genommen wurde. So wurde sein Anbau erstmals in der späten Tang-Dynastie in China zwischen den Jahren 800 und 900 erwähnt. Es ist überliefert, dass man damals reife Fruchtkörper auf frischen Baumstubben verrieb, mit guten Aussichten, später an diesen Plätzen eine Pilzernte erwarten zu können.

Forschungsprojekte[Bearbeiten]

Die einfache Kultivierung des saprotroph lebenden Gemeinen Samtfußrüblings führte dazu, dass Flammulina velutipes ein beliebtes Objekt in der wissenschaftlichen Forschung wurde. So nahm der Pilz 1993 an der Spacelab-Mission D-2 teil, in der u.a. der Einfluss der Schwerkraft auf das Wachstum höherer Pilze untersucht wurde.[1][2]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Der große Pilzatlas. Könemann, Köln, 1999. ISBN 3-8290-1726-X.
  • Hobbs, Christopher: Medicinal Mushrooms. Botanica Press, Santa Cruz, 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker D. Kern, B. Hock: Gravimorphogenesis and ultrastructure of the fungus Flammulina velutipes grown in space, on clinostats and under hyper-G conditions. In: Life and Gravity: Physiological and Morphological Responses 17(6-7). 1996. S. 183-186.. doi:10.1016/0273-1177(95)00633-P.
  2. David Moore, Bertold Hock, John P. Greening, Volker D. Kern, Lilyann Novak Frazer, Jan Monzer: Gravimorphogenesis in agarics.. In: Mycological Research 100(3). 1996. S. 257-275. doi:10.1016/S0953-7562(96)80152-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flammulina velutipes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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