Ulmen

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Pflanzengattung der Ulmen; zu weiteren Bedeutungen siehe Ulmen (Begriffsklärung).
Ulmen
Feldulme (Ulmus minor)

Feldulme (Ulmus minor)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Ulmengewächse (Ulmaceae)
Gattung: Ulmen
Wissenschaftlicher Name
Ulmus
L.

Die Ulmen (Ulmus), auch Rüster, Rusten oder Effe genannt, bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae).

Das Ulmensterben droht die mitteleuropäischen Ulmen-Arten auszurotten. In den Niederlanden wurden zwar resistente Sorten gezüchtet, doch der drastische krankheitsbedingte Rückgang stellt populationsgenetisch einen extremen Verlust dar.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Flatterulme (Ulmus laevis) ist die einzige Baumart Mitteleuropas, die Brettwurzeln ausbilden kann.

Habitus[Bearbeiten]

Die Ulmen-Arten sind immergrüne oder laubabwerfende Bäume oder Sträucher, die Wuchshöhen von bis zu 35 Metern erreichen. An einigen Zweigen findet man die botanisch eher seltene Korkflügel-Rinde, die auch beim Pfaffenhütchen (Euonymus) vorkommt. Sie sind nie mit Stacheln oder Dornen bewehrt. Die Knospen können behaart sein.

Wurzel[Bearbeiten]

Ulmen haben in der Jugend ein Pfahlwurzelsystem. Im Alter bildet sich ein Senkerwurzelsystem mit einer Tendenz zur Herzwurzel (viele Senker aus flach bis schräg streichenden Hauptwurzeln) aus. Selbst auf temporären Nassböden bilden Ulmen ein tiefes Wurzelgeflecht, dieses ist daher außerordentlich stabil.

Wechselständig und zweizeilig angeordnete Ulmenblätter.

Blätter[Bearbeiten]

Die wechselständig und zweizeilig am Zweig angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die asymmetrischen Blattspreiten sind breit verkehrt-eiförmig oder rundlich mit einfach oder doppelt gesägtem Blattrand. Sie sind fiedernervig und jeder Seitennerv endet in einem „Blattzahn“. Sie sind oft dreispitzig und werden daher oft mit der Hasel verwechselt. Alle drei mitteleuropäischen Ulmenarten sind unschwer an ihren Blättern erkennbar, deren eine Hälfte immer größer und ungleich am Grunde des Blattstieles angesetzt ist. Junge Ulmenblätter sind essbar, zum Beispiel in Salaten. Es sind zwei häutige Nebenblätter vorhanden; sie fallen relativ früh ab und hinterlassen auf beiden Seiten der Blattbasis eine kurze Narbe.

Illustratration von Ulmus wallichiana.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Die meist im Frühling (bei sommergrünen Arten vor den Blättern) erscheinenden Blüten sind mit zwei häutigen Tragblättern in kleinen, bündeligen, traubigen oder zymösen Blütenständen angeordnet und oft bereits im Vorsommer fertig ausgebildet. Der kurze Blütenstiel ist meist behaart (lang gestielt bei der Flatterulme). Die meist zwittrigen Blüten besitzen ein einfaches Perianth. Die vier bis neun Blütenhüllblätter sind unscheinbar gefärbt und glockig verwachsen. Es sind gleich viele Staubblätter wie Blütenhüllblätter vorhanden. Die Staubfäden sind flach. Der meist sehr kurze Griffel endet in einer zweiästigen, behaarten Narbe.

Früchte von Ulmus rubra.

Früchte, Samen und Keimlinge[Bearbeiten]

Es wird eine flache Nussfrucht gebildet, die ringsum einen breit-eiförmigen bis rundlichen, häutigen Flügel besitzt (solche Früchte nennt man Samara) und auf der noch die Narbe erkennbar ist. Es ist kein Endosperm vorhanden. Die Früchte werden vom Wind verbreitet. Die Samen sind nur wenige Tage keimfähig. Gleich nach der Reife gesät, keimen sie nach zwei bis drei Wochen. Die Keimblätter (Kotyledonen) sind flach bis mehr oder weniger konvex.

Die Chromosomensätze sind meist n = 14.

Verbreitungsgeschichte[Bearbeiten]

Fossiles Blatt von Ulmus fischeri, einer tertiären Ulmenart

Fossil sind Ulmen schon im Tertiär nachgewiesen. Vor 10 Mio. Jahren zeigt ihr vermehrtes Aufkommen, etwa in Sedimenten der Niederrheinischen Bucht, eine langsame Abkühlung des bis dahin im Rheinland subtropischen Klimas an. Ein Rückgang der Ulmen lässt sich pollenanalytisch bereits im Atlantikum beobachten, ob er krankheitsbedingt oder anthropogen ist, ist umstritten.

Gefährdung[Bearbeiten]

Seit 1920 werden die Ulmen durch das Ulmensterben dezimiert. Betroffen sind vor allem die Bergulme und Feldulme aufgrund ihrer rauen Borke. Der Ulmensplintkäfer überträgt eine aus Ostasien eingeschleppte Pilzerkrankung: die Pilze wuchern im Splintholz und verstopfen die Wasserleitbahnen im Frühholz. Dadurch wird der Wasserfluss unterbunden und der Baum stirbt ab. Im Flachland führt dies zu einem Totalausfall, oberhalb von 700 Meter nur phasenweise.[1]

Nutzung[Bearbeiten]

Viele Arten liefern gutes Holz. Von vielen Arten werden die Früchte gegessen. Medizinische Wirkungen wurden untersucht. Einige Arten werden in der chinesischen Medizin eingesetzt.[2]

Holz der Ulme[Bearbeiten]

Das Holz der Ulme wird „Rüster“ genannt. Ulme nennt man also nur den stehenden Baum, nicht das aufgeschnittene Holz. Die Ulme ist ein Kernreifholzbaum. Das ringporige Holz der Bergulme hat drei Zonen, die den Jahrringen folgen: ein gelblich-weißes Splintholz, ein ähnlich helles Reifholz und ein blassbraunes bis rötliches Kernholz. Es ist zäh, mäßig hart, sehr stoß- und druckfest und gut zu bearbeiten. Das wertvolle Holz wird zu Furnieren, Möbeln, Gewehrschäften, Parkett und Täfelungen verarbeitet. Früher wurden auch Langbögen, Felgen, Räder, Speichen und Wagenkästen aus Rüster gefertigt. Das Schwindmaß des Rüsterholzes gehört zu den geringsten aller Holzarten.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Ulmen-Arten sind vor allem in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel beheimatet: Eurasien und Nordamerika bis nach Mexiko. Alleine in China kommen 21 Arten vor, 14 davon nur dort.

Der Gattungsname Ulmus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, 225 veröffentlicht. Ein Synonym für Ulmus L. ist Chaetoptelea Liebm.[3]

Die Gattung Ulmus wird in zwei Untergattungen mit jeweils einigen Sektionen gegliedert und insgesamt etwa 40 Arten [3]:

  • Untergattung Oreoptelea:
    • Sektion Blepharocarpus (Auswahl):
    • Sektion Chaetoptelea (Syn.: Chaetoptelea Liebm., Auswahl):
      • Ulmus alata Michx.: Sie ist in Höhenlagen zwischen 0 und 600 Meter in den USA weit verbreitet.
      • Ulmus mexicana (Liebm.) Planch.
    • Sektion Trichoptelea (Auswahl):
      • Ulmus crassifolia Nutt.
      • Ulmus serotina Sarg.: Sie wächst in Höhenlagen zwischen 0 und 400 Metern in den USA. Sie blüht im Spätsommer bis Herbst.
      • Felsen-Ulme (Ulmus thomasii) Sarg. (Syn.: Ulmus racemosa D.Thomas): Sie wächst in Höhenlagen zwischen 30 und 900 Metern in den USA.
  • Untergattung Ulmus:
    • Sektion Lanceifolia
    • Sektion Microptelea (Auswahl):
      • Chinesische Ulme (Ulmus parvifolia Jacq., Syn.: Ulmus sieboldii Daveau): Ihr Verbreitungsgebiet ist Indien, Japan, China, nördliches Korea und Vietnam.
    • Sektion Ulmus:
      • Ulmus androssowii Litv.
      • Ulmus davidiana Planch.: Verbreitet in China, Japan, Korea, Mongolei und Russland (Sibirien):
        • Ulmus davidiana var. davidiana
        • Ulmus davidiana var. japonica (Sarg. ex Rehder) Nakai (Syn.: Ulmus campestris var. japonica Sarg. ex Rehder., Ulmus japonica (Sarg. ex Rehder) Sarg., Ulmus propinqua Koidz., Ulmus wilsoniana C.K.Schneid.)
      • Ulmus densa Litv. (Syn.: Ulmus bubyriana Litv., nom. inval.)
      • Ulmus elliptica K.Koch
      • Bergulme (Ulmus glabra Huds., Syn.: Ulmus montana With., Ulmus scabra Mill., Ulmus sukaczevii Andronov): Sie ist in Eurasien weit verbreitet.
      • Ulmus harbinensis S.Q.Nie & G.Q.Huang: Es ist ein Endemit in Mischwäldern im chinesischen Heilongjiang (Harbin).
      • Ulmus laciniata (Trautv.) Mayr (Syn.: Ulmus montana var. laciniata Trautv.) Sie ist in China, Korea, der Mongolei und Russland (Sibirien) verbreitet.
      • Ulmus macrocarpa Hance: Sie ist in China, Korea, der Mongolei und Russland (Sibirien) verbreitet.
      • Feld-Ulme (Ulmus minor Mill., Syn.: Ulmus campestris auct., Ulmus campestris var. umbraculifera Trautv., Ulmus carpinifolia Gled., Ulmus carpinifolia var. suberosa (Moench) Rehder, Ulmus carpinifolia var. umbraculifera (Trautv.) Rehder, Ulmus foliacea Gilib., nom. inval., Ulmus foliacea var. suberosa (Moench) Rehder, Ulmus foliacea var. umbraculifera (Trautv.) Rehder, Ulmus glabra var. suberosa (Moench) Gürke, Ulmus nitens Moench, Ulmus suberosa Moench)
      • Sibirische Ulme (Ulmus pumila L.): Sie wächst in Höhenlagen zwischen 0 und 2200 Meter in den USA.
      • Rot-Ulme (Ulmus rubra Muhl., Syn.: Ulmus fulva Michx.): Sie wächst in Höhenlagen zwischen 0 und 600 (selten bis 900) Meter in den USA.
      • Ulmus szechuanica W.P.Fang: Nur in den chinesischen Provinzen Anhui, Jiangsu, Jiangxi, zentralen Sichuan und Zhejiang.
       
      Hybriden in dieser Sektion Ulmus sind:
      • Holländische Ulme (Ulmus ×hollandica Mill. = U. minor × U. glabra, Syn.: Ulmus glabra var. vegeta Loudon, Ulmus ×hollandica var. vegeta (Loudon) Rehder, Ulmus ×vegeta (Loudon) Ley):
      • Ulmus ×viminalis Lodd. ex Bean
    • In keine der genannten Sektionen eingeordnete Arten:
      • Ulmus androssowii Litvinov
      • Ulmus bergmanniana C.K.Schneider: Nur in China.
      • Ulmus castaneifolia Hemsley: Nur in China.
      • Ulmus changii W.C.Cheng: Nur in China.
      • Ulmus chenmoui W.C.Cheng: Kommt nur in Höhenlagen zwischen 100 und 200 Meter in Anhui (Chuxian) und Jiangsu (Jurong) vor.
      • Ulmus chumlia Melville & Heybroek: Die Heimat reicht von Kashmir ostwärts bis Nepal in Höhenlagen zwischen 1100 und 2000 Meter.
      • Ulmus crassifolia Nuttall: Sie ist in Höhenlagen zwischen 0 und 500 Meter in den südlichen USA und nördlichen Mexiko.
      • Ulmus elongata L.K.Fu & C.S.Ding: Sie kommt in immergrünen Lorbeerwäldern in Höhenlagen zwischen 200 und 900 Metern in Anhui, nördlichen Fujian, Jiangxi und Zhejiang vor.
      • Ulmus gaussenii W.C.Cheng: Sie wächst nur an den Flussläufen in den Kegelkarstbergen in der chinesischen Provinz Anhui (Langya Shan).
      • Ulmus glaucescens Franch.: Die Heimat ist China.
      • Ulmus lamellosa C.Wang & S.L.Chang: Nur in Höhenlagen von etwa 1200 Meter in Hebei, Henan, Nei Mongol und Shanxi.
      • Ulmus lanceifolia Roxburgh ex Wallich: Das Verbreitungsgebiet reicht von Bhutan, Indien, Laos, Myanmar, Sikkim, Thailand, China bis Vietnam.
      • Ulmus microcarpa L.K.Fu: Es ist ein Endemit in Lorbeerwäldern in Höhenlagen von etwa 2800 Meter im südöstlichen Xizang (Zayü).
      • Ulmus mianzhuensis T.P.Yi & L.Yang: Eine 2006 neu beschriebene Art die ein Endemit in Höhenlagen von etwa 600 Meter in Sichuan (Mianzhu City) ist.
      • Englische Ulme (Ulmus procera Salisbury): Sie ist in Europa heimisch, aber in den gemäßigten Breiten als Zierpflanze verwendet und durch Verwilderung vielerorts ein Neophyt.
      • Ulmus prunifolia W.C.Cheng & L.K.Fu: Sie wächst nur in Höhenlagen zwischen 1000 und 1500 Meter in Chongqing Zhixiashi und im westlichen Hubei.
      • Ulmus pseudopropinqua Wang & Li: Von der wenig bekannten Art kennt man nur das Fundgebiet Heilongjiang (Harbin).
      • Ulmus uyematsui Hayata: Es ist ein Endemit der Bergwälder in Höhenlagen zwischen 800 und 2500 Meter im zentralen Taiwan.
      • Ulmus villosa Brandis ex Gamble: Sie kommt im nordwestlichen und westlichen Himalaja vor.
      • Ulmus wallichiana Planch.: Die Verbreitung reicht von den pakistanischen Provinzen Ziarat und Murree ostwärts bis Nepal in Höhenlagen zwischen 2200 und 3000 Meter.

Symbolik[Bearbeiten]

Im Altertum, zum Beispiel im Antiken Griechenland galt die Ulme als Symbol des Todes und der Trauer.[4]

Quellen[Bearbeiten]

  • Liguo Fu, Yiqun Xin & Alan Whittemore: Ulmaceae in der Flora of China, Volume 5: Ulmus - Online.
  • Rubina Akhter: Ulmaceae in der Flora of Pakistan: Ulmus - Online.
  • Susan L. Sherman-Broyles : Ulmus in der Flora of North America, Volume 5: Online.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jochen Kleinschmit und H. Weisgerber (Hrsg.): Ist die Ulme noch zu retten?. Berichtsband des 1. Ulmensymposiums in Hannoversch Münden am 21. und 22. Mai 1992, veranstaltet von den Abteilungen Forstpflanzenzüchtung der Niedersächsischen und der Hessischen Forstlichen Versuchsanstalt / Hessisches Ministerium für Landesentwicklung, Wohnen, Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz. Forschungsberichte der Hessischen Forstlichen Versuchsanstalt, Band 16. Hessische Forstliche Versuchsanstalt, Hannoversch Münden 1993.
  2. Liguo Fu, Yiqun Xin & Alan Whittemore: Ulmaceae in der Flora of China, Volume 5: Ulmus - Online.
  3. a b Ulmus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  4.  Udo Becker: Lexikon der Symbole. Nikol Verlag (genehmigte Lizenz des Verlags Herder), Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-139-0, S. 316.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gordon Mackenthun: Die Gattung Ulmus in Sachsen. Forstwissenschaftliche Beiträge Tharandt, Heft 9 (zugleich Dissertation). Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-4712-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ulmen (Ulmus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien