Geode (Geowissenschaften)

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Eine Geode (altgr. γεώδης geōdēs ‚erdartig‘), früher auch Gäode, ist ein nicht einheitlich verwendeter Begriff aus der Geologie und Mineralogie, mit dem je nach Quellenlage ein rundlicher Hohlraum, begrenzt durch eine einheitliche Gesteinsaußenschicht, und/oder die durch verschiedene, geologische Prozesse entstandene Füllung mit mineralischer bzw. fossiler Substanz bezeichnet wird. Verbleibt bei einer Füllung durch Kristalle noch ein Resthohlraum, wird diese auch als Druse und bei vollständiger Füllung als Mandel bezeichnet.

In der Petrologie versteht man unter dem Begriff Geode eine meist konzentrisch aufgebaute Konkretion.

Entstehung[Bearbeiten]

Entstehung in Vulkangestein[Bearbeiten]

Innerhalb eines zwischen 800 und 1200 °C heißen Lavastroms lösen sich die leichtflüchtigen Bestandteile aus der Gesteinsschmelze und bilden zunächst kleine Gasblasen. Während diese Blasen im heißeren Kern der Lava noch einige Zeit beweglich sind und sich bei ihrer Wanderung in Richtung Oberfläche zu mehr oder weniger großen Hohlräumen verbinden können, werden sie in den schneller abkühlenden Randbereichen relativ schnell fixiert und bleiben klein mit meist rundlicher oder linsenartiger Form. Der Durchmesser der Blasen und späteren Geoden kann dabei zwischen einigen Zentimetern und mehreren Metern betragen. Eine der größten bekannten Geoden, die 1999 in Spanien entdeckt wurde, ist mit großen, vollkommenen und transparenten Gipskristallen (Marienglas) ausgekleidet, hat einen ovalen Durchmesser von 1,8 ×1,7 Metern, eine Länge von 8 Metern und kann bis zu 10 erwachsene Menschen aufnehmen.[1][2]

Da aber Lavaströme während des Abkühlprozesses noch relativ lange fließfähig sind, werden die Gasblasen in Flussrichtung in die Länge gezogen. Dabei nehmen sie eine tropfen- bis mandelähnliche Form an, deren dünnere Spitze stromaufwärts zeigt.

Bei weiterer Abkühlung auf etwa 400 °C, abhängig von der Zusammensetzung des Vulkanischen Gases, kondensiert dieses zu aggressiven, teilweise wässrigen (hydrothermalen) Lösungen, die das umgebende Gestein angreifen und zersetzen. Auf diese Weise entstehen einerseits winzige Verbindungskanäle zwischen den Blasen und im Gestein, andrerseits erste Mineralfüllungen in den Geoden aus den hochgradig abscheidenden Bestandteilen der Lösung. Weitere nachfolgende hydrothermale Vorgänge, gespeist aus den fortgesetzten vulkanischen und tektonischen Prozessen im Erdinneren, führen die Arbeit der Hohlraumfüllung bzw. Verwitterung fort, bis schließlich nach mehreren zehn bis hundert Millionen Jahren Drusen mit teilweiser Mineralfüllung und verbleibendem Hohlraum im Zentrum oder vollständig aufgefüllte Mandeln entstanden sind.

Der aus vielen kleineren und größeren erstarrten Gasblasen (Geoden) bestehende Rand des erkalteten Lavastroms wird auch als Mandelstein bezeichnet. Im Querschnitt besteht der Lavastrom demnach aus einem gasfreien, kompakten Kern, der allseitig mit einer Schicht aus Mandelstein umhüllt ist.

Sedimentäre Geoden[Bearbeiten]

Geoden können im sedimentären Bildungsraum durch Ausfällung aus dem Porenwasser und aus Fließgewässern um einen meist aus organischen Resten bestehenden Sedimentationskeim entstehen. Die Ausfällung wird durch pH-Wert-Unterschiede um den Kristallisationskeim ausgelöst, der dabei meist fossilisiert wird.[3] Das ausgefällte Material unterscheidet sich im Stoffbestand meist vom Mineralbestand der unmittelbaren Umgebung. Die Anlagerung erfolgt meist konzentrisch und spiegelt die wechselnden Ablagerungsbedingungen während der Gesteinsbildung wider. Häufig sind im sedimentären Bereich Toneisensteingeoden zu beobachten, aber auch Karbonatminerale, Pyrit bzw. Markasit und verschiedene Quarzmodifakationen sind am Aufbau der Geoden beteiligt. Geoden gehören wie auch die Septarien genetisch zu den Konkretionen.

Synonymer und irreführender Wortgebrauch[Bearbeiten]

Achatmandel mit Quarzdruse

Häufig werden Geode und Druse synonym verwendet, vor allem bei der Beschreibung von verschiedenen in der Natur auftretenden Quarzvarietäten wie Amethyste und Achate. So wird beispielsweise mit dem Begriff "Achatgeode" ein rundlicher Gesteinskörper beschrieben, dessen Rinde aus Achat besteht und der im Inneren Quarz, Amethyst oder andere freistehende Minerale in einem verbliebenen Hohlraum ausgebildet hat. Alternativ wird für diese Mischform auch die Bezeichnung Mandel mit Druse verwendet.[4]

Manche Autoren verwenden den Begriff auch für durch Sekretion entstandene Hohlraumausfüllungen (siehe dazu auch in Mandelstein), andere Autoren beschränken die Bedeutung weniger stark und verwenden den Begriff für Konkretionen ganz allgemein.[5]

Das Wort Geode steht hier für erdähnlich (von griechisch geos = Erde) und bezieht sich dabei auf die runde erdähnliche Form des Steins.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ursel Laarmann, Michael Landmesser, Maximilian Glas, Rupert Hochleitner, Rudolf Dröschel, Peter Jeckel: Achat: Der Edelstein, aus dem Idar-Oberstein entstanden ist: Geschichte, Entstehung, Funde. In: Christian Weise (Hrsg.): extraLapis. 19, Christian Weise Verlag, München 2000, ISBN 3-921656-54-0, ISSN 0945-8492, S. 26 bis 28.
  • Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 352. (Online-kopie)
  • Kitty L. Milliken: Geodes. In Gerard V. Middleton: Encyclopedia of Sediments and Sedimentary Rocks. Springer 2003, ISBN 978-1-4020-0872-6, S. 306-308 (eingeschränkte Online-Kopie in der Google-Buchsuche-USA)
  • Walter David Keller: The Common Rocks and Minerals of Missouri. University of Missouri Press 1961, ISBN 9780826205858, S. 67 (eingeschränkte Online-Kopie in der Google-Buchsuche-USA)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Messinianische Kristalle von Cynthia Reynolds, June 12, 2000
  2. The Giant Crystal Project Site - "La Gran Geoda" in Almeria, Spain
  3. Autorenkollektiv: Lexikon der Geowissenschaften, Band III, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2000, ISBN 3-8274-0422-3, S.152
  4. Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie e. V. (VFMG) - Achatbegriffe mit eigenen Worten erklärt
  5. Murawski, H., Meyer, W. (2004): Geologisches Wörterbuch. Spektrum Akademischer Verlag, 11. Auflage, 262 S. ISBN 3-8274-1445-8