Markasit

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Markasit
Marcasite-148327.jpg
Messinggelb glänzende Markasitstufe (Kammkies) aus dem Steinbruch Rensselaer, Pleasant Ridge, Jasper County, Indiana, USA (Größe: 3,8 x 3,3 x 2,0 cm)
Andere Namen
  • Speerkies, Kammkies, Strahlkies
  • Leberkies
  • Wasserkies
Chemische Formel FeS2
Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze
(8. Auflage: II/D.20) nach Strunz
02.12.02.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin rhombisch-dipyramidal 2/m 2/m 2/m
Farbe Bronzefarben über Messinggelb bis Zinnweiß, gelegentlich Grünstich und bunte Anlauffarben
Strichfarbe grünlichgrau bis schwärzlichgrau
Mohshärte 6 bis 6,5
Dichte (g/cm3) 4,8 bis 4,9
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Bruch uneben, spröde
Spaltbarkeit unvollkommen nach {110}
Habitus tafelig, pyramidisch, prismatisch, traubig, massig
Häufige Kristallflächen {001}
Zwillingsbildung oft verzwillingt nach (110)
Weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen 445 °C [1]
Ähnliche Minerale Pyrit
Magnetismus nach erhitzen magnetisch
Besondere Kennzeichen Funkenbildung, Schwefeldioxidgeruch beim Zerfall

Markasit ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Er kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung FeS2, ist also chemisch gesehen ein Eisen(II)-disulfid.

Markasit ist in jeder Form undurchsichtig und entwickelt meist tafelige, pyramidale oder prismatische Kristalle, tritt aber auch in Form rosettenförmiger, traubiger oder massiger Aggregate und radialstrahlige Konkretionen (vor allem in Braunkohlen) auf. Die Farbe von Markasit schwankt von einem eher dunklen Bronzeton über Messinggelb bis Zinnweiß mit gelegentlichem Grünstich. Seine Strichfarbe ist grünlichgrau bis schwärzlichgrau.

Die Oberflächen frischer Proben weisen einen metallischen Glanz auf. Viele Markasite werden allerdings nach einiger Zeit an der Luft durch Verwitterung stumpf und können dabei auch buntfarbig anlaufen.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Markasit ist weniger stabil als das chemisch gleiche Pyrit und zerfällt in einem Zeitraum von mehreren Jahren. Dabei wird Schwefelsäure gebildet und ein typischer Schwefeldioxidgeruch freigesetzt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Blätterkies aus Roșia Montană, Rumänien (Gesamtgröße der Probe: 4,8 x 3,3 x 2,3 cm)
Traubiger Markasit (Leberkies) auf Baryt aus der Stari Trg Mine, Trepča-Komplex, Kosovska Mitrovica, Kosovo (Größe: 9.3 x 7.4 x 2.8 cm)

Markasit erhielt seinen bis heute gültigen Namen 1845 von Wilhelm Ritter von Haidinger nach dem arabischen bzw. maurischen Wort ‏مرقشيثا‎ / marqašīṯā / ‚Feuerstein‘ für metallisch-bronzefarbene Minerale benannt. Der Name bezieht sich auf die Fähigkeit, Funken abzugeben, wenn es auf Flint (Feuerstein) oder Eisen bzw. Stahl geschlagen wird.

Markasit ist unter vielen Namen mehr oder weniger bekannt. Bevor man erkannte, dass Markasit und Pyrit zwei verschiedene Minerale sind, wurden beide in der Literatur oft als Schwefelkies, parallel auch als Markasit bezeichnet[2]. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde erkannt, dass der Schwefelkies tatsächlich aus zwei verschiedenen, wenn auch sehr ähnlichen Mineralen bestand. Seitdem werden Pyrit und Markasit als eigenständige Minerale geführt.

Aufgrund seiner Kristallformen bekam der Markasit zudem verschiedene beschreibende Synonyme wie Binarkies bzw. Binarit, Blätterkies, Graueisenkies, Kammkies, Speerkies und Strahlkies. Als Leberkies (nach Werner) wurden massige, traubige bis nierenförmige Aggregate bezeichnet. Die ebenfalls veraltete Bezeichnung Wasserkies wurde von Henkel (1678-1744) als „weißer Kies“ gedeutet, jedoch später von Hausmann (1782-1859) wieder als Synonym für den Markasit aufgenommen.[3]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Markasit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur < 1 : 1“, wo er als Namensgeber die eigenständige „Markasitgruppe“ mit den weiteren Mitgliedern Anduoit, Ferroselit, Frohbergit, Iridarsenit, Kullerudit, Mattagamit und Omeiit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Markasit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“, dort allerdings in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es ebenfalls die nach ihm benannte „Markasitgruppe“ mit der System-Nr. 2.EB.10 bildet. Die Gruppe besteht jedoch neben dem Markasit nur noch aus den weiteren Mitgliedern Ferroselit, Frohbergit, Kullerudit und Mattagamit.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Markasit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfide“. Hier ist er ebenfalls Namensgeber der „Markasitgruppe (Orthorhombisch: Pnnm)“ mit der System-Nr. 02.12.02 und den weiteren Mitgliedern Ferroselit, Frohbergit, Mattagamit, Kullerudit, Omeiit, Anduoit, Löllingit, Seinäjokit, Safflorit, Rammelsbergit und Nisbit innerhalb der Unterabteilung „Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Markasit ist polymorph zu Pyrit, hat also bei gleicher Zusammensetzung ein anderes Kristallsystem. Oberhalb von 400 °C wandelt sich Markasit in Pyrit um.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Pfirsichfarbener Calcit mit Markasit auf den Spitzen und weißem Quarz aus der San Antonio Mine, Chihuahua , Mexiko
Zinnweißer Markasit auf Kalkstein aus Blanc-Nez, Frankreich
Bunt angelaufene, irisierende Markasit-Kristalle auf irisierendem Galenit aus der Nikolaevskiy Mine, Dalnegorsk, Russland (Größe: 6,1 x 4,3 cm)

Markasit bildet sich bei niederen Temperaturen (im Gegensatz zu Pyrit) und ist deshalb meist nahe der Erdoberfläche, in Braunkohlen, Tonen, Mergeln, Kreide; in und an tierischen und pflanzlichen Fossilien, aber auch in bei tiefen Temperaturen hydrothermal entstandenen Verdrängungslagerstätten zu finden.

An der Erdoberfläche oxidierenden Bedingungen ausgesetzt, verwittert Markasit (schneller als Pyrit) über mehrere Zwischenstufen zu Eisenoxidhydrat (Limonit oder Brauneisenerz) FeO·OH, wobei der Schwefel zu Schwefelsäure oxidiert wird. Begleitet wird Markasit von Calcit, Dolomit, Fluorit, Galenit, Pyrit, Pyrrhotin, Quarz und Sphalerit.

Weltweit konnte Markasit bisher (Stand: 2012) an rund 3900 Fundorten nachgewiesen werden.[4] In Deutschland trat das Mineral vor allem im Schwarzwald, Heidelberg, Kaiserstuhl, Kraichberg und Odenwald in Baden-Württemberg; in mehreren Regionen Frankens, Niederbayerns und der Oberpfalz in Bayern; in Rüdersdorf bei Berlin in Brandenburg; in vielen Regionen von Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen; bei Friedland, Bad Doberan und Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern; in der Eifel, am Hunsrück, im Siegerland und anderen Regionen in Rheinland-Pfalz sowie in einigen Regionen des Saarlandes, Sachsen-Anhalts, Schleswig-Holsteins und Thüringens auf.

In Österreich konnte das Mineral bei Stadtschlaining im Burgenland, bei Eichbüchl in Niederösterreich, im Lainzer Tunnel in Wien, in mehreren Regionen von Tirol und Oberösterreich sowie in vielen Regionen von Kärnten, Salzburg und der Steiermark nachgewiesen werden.

In der Schweiz fand sich Markasit an einzelnen Fundpunkten mehrerer Kantone, so unter anderem in Graubünden, Solothurn, Tessin und Wallis.

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken, Zentralindischen Rücken und Ostpazifischen Rücken wurde Markasit gefunden.[5]

Morphologie[Bearbeiten]

Markasitstufe aus Cap Blanc-Nez (Escalles), Pas-de-Calais, Nord-Pas-de-Calais, Frankreich (Größe: 3,4 x 3,2 x 2,7 cm)

Idiomorphe Kristalle (Kristalle mit vollständiger Ausbildung der Eigengestalt) sind meist tafelig bis flachprismatisch, oft beilförmig. Häufig sind die Kristalle verzwillingt, oft speerspitzige Viellinge in Wiederholung, als „Speerkies“ bzw. „Kammkies“ bezeichnet. Auch Pseudomorphosen von Markasit nach Pyrrhotin sind bekannt.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Markasit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnnm (Raumgruppen-Nr. 58) mit den Gitterparametern a = 4,44 Å; b = 5,42 Å und c = 3,39 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]

Verwendung[Bearbeiten]

als Rohstoff[Bearbeiten]

Bereits in der Steinzeit wurde Markasit ebenso wie Pyrit dazu benutzt, Feuer zu entzünden. Allerdings ist Markasit durch seine massige Struktur besser dazu geeignet.

Für die chemische Industrie wird Markasit, vor allem wenn er in einigen niedertemperiert-hydrothermalen Lagerstätten in größeren Mengen vorkommt, zur Gewinnung von Schwefelsäure abgebaut.

als Schmuckstein[Bearbeiten]

Zu Schmucksteinen wird Markasit nur von Mineralsammlern geschliffen, da das Mineral im Gegensatz zu Pyrit weniger stabil ist und langsam zerfällt, die Bildung von Schwefliger Säure macht es zudem gefährlich beim direkten Hautkontakt. Der ebenfalls im Schmuckhandel erhältliche Pyrit wird oft fälschlicherweise als Markasit bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D'Ans-Lax, Taschenbuch für Chemiker und Physiker, Band 3 (1998); ISBN 3-540-60035-3
  2. GeoMontanus - Die Mineralien von Rescheid
  3.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. Ott Verlag, Thun und München 1968, S. 272.
  4. MinDat - Marcasite (englisch)
  5. Localities for Markasit
  6.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 106.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 461–463.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 46.
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 39.
  •  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags GmbH, München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 178, 238.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Markasit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien