George Baquet

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George F. Baquet, auch Bacquet, (* 1883 in New Orleans; † 14. Januar 1949 in Philadelphia) war ein US-amerikanischer Jazz-Klarinettist des frühen New Orleans Jazz.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Baquet stammte aus einer musikalischen kreolischen Familie und lernte Klarinette von seinem Vater Theogene Baquet (1858–1920), einem Klarinettisten, ebenso wie seine Brüder Achille und Harold („Hal“), der einer Messerattacke zum Opfer fiel. Baquet spielte in der „Excelsior Brass Band“ seines Vaters und begann ab 1897 professionell im „Lyre Club Symphony Orchestra“ zu spielen. 1901/2 spielte er in der „Onward Brass Band“ von Manuel Perez sowie in dessen „Imperial Orchestra“ . 1902 bis 1904 ging er mit den „Nashville Student Minstrels“ und den „Georgia Minstrels“ auf Tour. Ab 1904 war er wieder in New Orleans, wo er mit Buddy Bolden und dann mit John Robichaux und Freddie Keppard spielte. 1906 bis 1908 war er in der „Superior Band“ und danach bis 1914 in der Olympia und Magnolia Band. Mit Keppards (bzw. Bill Johnsons) „Original Creole Orchestra“ ging er bis 1916 nach Los Angeles. Mit Keppard und dem Bassisten Bill Johnson, mit dem sich Keppard in der Leitung abwechselte, hätten sie beinahe die ersten Jazzaufnahmen überhaupt bei Victor gemacht (möglicherweise Ende 1915 in New York). Nach Aussagen von Baquet [1] nahmen sie aber davon Abstand, weil sie befürchteten, um ihre Gage geprellt zu werden. Danach spielte er in Coney Island in New York und 1923 in Philadelphia bei Sam Gordons „Lafayette Players“. Später leitete er eigene Gruppen in Philadelphia (wo er sich niederließ) die populären „New Orleans Nighthawks“, aus denen dann in den 1930er Jahren die „George Bakey´s Swingsters“ hervorgingen.

Baquet nahm in den 1920er Jahren mit Bessie Smith auf, 1929 mit Jelly Roll Morton´s „Red Hot Peppers“ und in den 1940er Jahren mit Sidney Bechet, dessen Lehrer er 1903 in New Orleans war[2]. Bekannt wurde Baquet für sein High Society Solo, das aber auch Alphonse Picou zugeschrieben wird.

Bacquet steht mit Lorenzo Tio und Big Eye Louis Nelson am Ursprung der Entwicklung der Klarinette im frühen Jazz. Jelly Roll Morton nannte ihn in seinem autobiographischen Buch Mr.Jelly Roll den „ersten Jazz Klarinettisten“, wobei er das Wort Jazz im Schriftbild hervorhob[3]. Nach Gunther Schuller [4] sind Bacquets wenigen Aufnahmen allerdings enttäuschend, sein Spiel klinge dort „völlig steif und jaulend in Ted Lewis-Manier[5] “.

Auch sein Bruder Achille (1885–1956) war Jazz-Klarinettist, er gehörte zu den New Orleans Musikern, die den frühen Jazz nach Harlem trugen, wo er u.a. mit Jimmy Durante spielte.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Down Beat Dezember 1941, zitiert in John Chilton „Sidney Bechet – the wizzard of Jazz“. Die Plattengesellschaft Victor hatte Zweifel, ob der Kontrabass von Bill Johnson mit den damaligen Aufzeichnungsmethoden zu hören war und wollte unbezahlte Probeaufnahmen, was Keppard verärgerte. In den frühen Jazzorchestern wurde deshalb Anfang der 1920er Jahre Banjo oder Tuba verwendet. In Ramsey, Smith „Jazzmen“ von 1939 war zuvor als Grund dafür, das diese Aufnahmen scheiterten, die Befürchtung von Keppard angeführt worden, andere könnten so ihre Ideen stehlen.
  2. Bechet bemerkt in seiner Autobiographie, das Baquet damals zwar ein guter Musiker war, aber „it wasn’t really jazz . . . he stuck real close to the line in a way. He played things more classic-like, straight out how it was written“
  3. zitiert nach Schuller Early Jazz, S.142. Mortons Autobiographie wurde von Lomax herausgegeben.
  4. Schuller „Early Jazz“, Oxford University Press, S.183, er bezieht sich auf die Bessie Smith Aufnahmen
  5. Ted Lewis (1892–1971), eigentlich Friedman, Klarinettist und Entertainer, der schon 1917 mit Earl Fullers Jass Band, einer Kopie der ODJB, aufnahm. Seine Technik war sehr bescheiden, verbesserte sich aber im Laufe der Zeit. Eine Anzeige im Victor-Plattenkatalog lautete: „Die Geräusche, die wie das Jaulen eines sterbenden Hundes klingen, sind von Ted Lewis Klarinette“. Als Bandleader war er allerdings sehr bekannt und kannte auch seine Grenzen – er holte sich Musiker wie Benny Goodman an der Klarinette.