Ghichak

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Modernes Ghichak, ähnlich einer Sarinda

Ghaichak, ghichak oder ghaychak, persisch ‏ غيچک ‎(gesprochen „gitschak“), ist eine Bezeichnung für regional unterschiedliche indoiranische Streichinstrumente, die zwischen zwei und zehn Saiten besitzen und überwiegend in den Ländern Zentralasiens und insbesondere in Afghanistan vorkommen.

Der Name ghichak ist außerdem in den angrenzenden Ländern Usbekistan und Tadschikistan gebräuchlich. Er setzt sich aus dem Wort ghi oder gay und aus den Suffixen ak und cha zusammen, die in Farsi bzw. Dari als Verkleinerungsform verwendet werden. In der Region Afghanisch-Turkestan (zentrale Nordprovinzen) sind ghichak gegenüber der weit verbreiteten dambura in der Minderzahl.

Unterscheidung[Bearbeiten]

Dasselbe Instrument

Unter ghaichak wird je nach Region eine Streichlaute mit einfachem Korpus verstanden, wie die nordafghanischen Stachelfideln, die mit einer Blechbox als Resonanzkörper versehen sind.[1] Das sind zweisaitige Fideln, die von Tadschiken in den nordafghanischen Bergen verwendet werden.[2] Hierzu zählen auch Streichlauten vom Rebab-Typ mit einem Korpus aus Holz wie die persische kamancheh, die im afghanischen Herat gheichak genannt wird. Von Tadschiken in den Städten und in Usbekistan werden drei- und viersaitige ghichak gespielt. Dieser Typ von Streichlauten mit einem Resonanzkörper wird in persischen Miniaturen dargestellt, niemals der Sarinda-Typ, benannt nach der zwischen Iran und Nordindien verbreiteten sarinda.[3] Die sarinda entspricht der abgebildeten ghichak und hat einen doppelten Resonanzkörper. Zu diesem Instrumententyp gehört das afghanische Zupfinstrument rubāb und der kasachische kobys.

Ghichak in Nordafghanistan[Bearbeiten]

Zentraler Herstellungsort für ghichak, die aus einem Holzstab mit einem Blechkanister als Resonator bestehen, ist Khulm (früher Tashqurghan) in der Provinz Balch. Das Instrument besteht aus einem 70 bis 75 cm langen, bunt bemalten Stab aus Maulbeerbaumholz, an dessen oberem Ende gedrechselte Verzierungen und zwei seitlich gegenüberliegende Holzstifte als Wirbel angebracht sind. Es gibt grüne, gelbe, schwarze und rote Streifenmuster. Am unteren Ende des Stabes wird ein Abschnitt etwas verjüngt und bleibt unbemalt. Der Blechkanister wird jetzt an der Breitseite durchbohrt und bis zum Anschlag auf den Stab geschoben. In den Stab wird in ein vorbereitetes Loch am unteren Ende ein langer Nagel geschlagen, um den ein Metalldraht gewickelt wird, dessen beide Enden nach oben zu den Wirbeln geführt werden. Auf der Blechdose muss jetzt nur noch ein hölzerner Steg unter den Saiten eingeklemmt werden. Die Länge des Stabes ist standardisiert, die Größe des Resonanzkörpers reicht von kleinen runden Konservendosen bis zu rechteckigen Ölkanistern. Der Bogen (kaman, persisch ‏کمان‎, abgeleitet mit der Verkleinerungsform cha: die Fidel Kamancha) wird üblicherweise vom Spieler selbst hergestellt: Pferdehaar wird an den Enden eines Holzstabes befestigt, indem dieser mit Stoffband umwickelt wird. Der Bogen wird durch Fingerzug während des Spiels gespannt.

Die nordöstlichste Provinz Badachschan ist das Zentrum des Blechkanister-Ghichaks, von wo sich das Instrument in den 1930er Jahren im Norden zu verbreiten begann. Der paschtunische Musiker Baba Naim aus dieser Provinz entwickelte für sich selbst ein neues Modell mit einem Holzkorpus, der mit Fell bespannt ist und einen festen Steg besitzt. Zusätzlich verlaufen bei seinem Instrument acht Resonanzsaiten zu seitlich am Hals angebrachten Wirbeln. Damit trat Baba Naim in den 1970er Jahren in Kabul auf.[4]

Spielweise[Bearbeiten]

Nordafghanische ghichak oder kamancheh werden im Schneidersitz auf dem Boden gespielt, wobei das Instrument senkrecht gehalten und der Stachel auf einem Fuß aufgesetzt wird. Beim Spielen auf einem Stuhl sitzend wird es auf einem Oberschenkel aufgestellt. Die meiste Zeit werden beide Saiten gleichzeitig gestrichen, durch Drehung des Instruments in Längsachse kann eine Saite bevorzugt werden. Durch den großen Abstand der Saiten vom Hals kann mit den Fingern der linken Hand praktisch nur in der ersten Lage gegriffen werden, wodurch der Tonumfang auf weniger als eine Oktave begrenzt wird. Die beiden Saiten werden im Quart-Abstand gestimmt.

Die traditionelle Musik der Teehäuser (Samowad im Norden, sonst Chaikhana) in Afghanisch-Turkestan und Teilen von Badachschan und Tadschikistan, die an den wöchentlichen Markttagen aufgeführt wurde, bestand aus den fünf Hauptinstrumenten dambura (zweisaitige gezupfte Laute), ghichak, zerbaghali (einfellige Handtrommel, meist aus Ton), einem Paar Handzimbeln (persisch: zang, hindi: tal, usbekisch: tüsak) und einer Glöckchenkette an der rechten Hand des Dambura-Spielers (zang-i kaftar).[5]

Ghichak vom Sarinda-Typ ohne Stachel werden beim Sitzen im Schneidersitz auf dem linken Oberschenkel aufgestellt. Sarangi, dilruba und esraj könnten von dem Sarinda-Typ der ghichak weiterentwickelte Streichinstrumente in Nordindien sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Iranische Musik, Afghanische Musik

Diskografie[Bearbeiten]

  • Ochilbek Matchonov: Music from Central Asia. Uzbekistan on the Silk Road. ARC Music 2005

Literatur[Bearbeiten]

  • Hiromi Lorraine Sakata: Afghan Musical Instruments: Ghichak and Saroz. Afghanistan Journal Graz, 6 (3) 1979, S. 84–86.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ug.wikipedia.org Abbildung einer Stachelfidel mit langem Hals
  2. Mark Slobin: Music in the Culture of Northern Afghanistan. University of Arizona Press, Tucson 1976, S. 243–248
  3. John Baily: Music of Afghanistan: Professional Musicians in the City of Herat. Cambridge University Press, Cambridge 1988, S. 14
  4. Baba Naim ist mit zwei Liedern zu hören auf der Doppel-CD: Afghanistan Untouched. Traditional Crossroads, 2003
  5. Mark Slobin: Music in the Culture of Northern Afghanistan. University of Arizona Press, Tucson 1976, S.64–66