Gonimbrasia belina

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Gonimbrasia belina
Gonimbrasia belina

Gonimbrasia belina

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Pfauenspinner (Saturniidae)
Unterfamilie: Saturniinae
Gattung: Gonimbrasia
Art: Gonimbrasia belina
Wissenschaftlicher Name
Gonimbrasia belina
(Linnaeus, 1758)

Gonimbrasia belina ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Pfauenspinner (Saturniidae). Im Englischen wird der Falter als Mopani und die Raupe als Mopane worm, zu deutsch Mopane-Raupe, bezeichnet, da sich die Raupe vom Mopanebaum Colophospermum mopane ernährt. Auch unter deutschsprachigen Namibiern ist die Bezeichnung Mopane-Raupe geläufig.[1][2] Die Raupe des Falters ist eine wichtige Eiweißquelle für Millionen von Menschen im südlichen Afrika.

Verbreitung[Bearbeiten]

Gonimbrasia belina ist in Namibia, Botswana, Simbabwe und den südafrikanischen Provinzen Limpopo und Mpumalanga verbreitet.

Lebensweise[Bearbeiten]

Raupe von Gonimbrasia belina

Nach der Paarung legt das Weibchen 50 bis 200 Eier auf Blätter und Zweige von Mopanebäumen. Nach etwa 10 Tagen schlüpfen die Raupen aus den Eiern und fressen die Blätter in ihrer unmittelbaren Nähe. Die Raupe häutet sich vier bis fünf mal während ihres Wachstums, um sich danach in der Erde in einem Kokon zu verpuppen.[3] Nach sechs bis sieben Monaten schlüpft der Falter im November bis Dezember zu Beginn des Sommers. Der Falter nimmt keine Nahrung auf und lebt nur drei bis vier Tage, in denen er sich paart und Eier ablegt.[4] Eine zweite Generation Raupen wächst in guten Jahren bis Anfang April heran und verpuppt sich dann.

Die Raupe ernährt sich hauptsächlich von Mopane, frisst jedoch auch andere einheimische Bäume der Region. Das ermöglicht dem Falter ein Verbreitungsgebiet über eine ziemlich große geographische Region. Da das Raupenstadium verglichen mit anderen Raupen relativ kurz ist, ist auch der Schaden für die Blätter der Bäume relativ gering.

Feinde[Bearbeiten]

Oft sind über 40 % der Eier eines Jahres von einem der zahlreichen Parasiten befallen. Die Raupen dienen vielen Vögeln und einigen Kleinsäugern als Nahrung. Daneben ist die Raupe auch durch eine Virusinfektion mit einer beträchtlichen Sterberate bedroht.

Zucht und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Das Sammeln der Raupen und deren Verkauf ist ein Wirtschaftszweig mit mehreren Millionen Euro Jahresumsatz im südlichen Afrika und macht die Raupe zu einem der wirtschaftlich wichtigsten Insekten.[5] Normalerweise werden die Raupen in der freien Wildbahn eingesammelt und nicht gezüchtet.

Sammeln[Bearbeiten]

Eingesammelte Raupen

Traditionell wurde die Raupe als Nahrung gesammelt. Durch das saisonale Angebot im Dezember und Ende März, Anfang April der essbaren Raupen waren sie eher eine Ergänzung des Speiseplans als eine dauerhafte Nahrung. Seit den 1950er Jahren werden landwirtschaftliche Methoden zur Ernte eingesetzt. Dabei sammeln hunderte Helfer in Gruppen die Raupen von Hand ein und packen sie in Säcke, um sie für die weitere Verarbeitung transportieren zu können. Viele Landbesitzer mit Mopanebäumen verlangen von den Sammlern Geld, damit diese die Raupen von ihren Bäumen pflücken dürfen. Während hierbei beide Seiten profitieren, leiden die ansässigen Menschen darunter, da sie auf die Raupen als Nahrung angewiesen sind.

Konservieren[Bearbeiten]

Die Raupen können in Salzlauge eingelegt und in Dosen verkauft werden. Das ist typisch für ländliche Supermärkte im südlichen Afrika. Eine andere Konservierungsmethode ist das Trocknen in der Sonne, damit die Raupen längere Zeit transportiert werden können. Anschließend werden diese wieder eingeweicht oder gesalzen.

Nachhaltigkeit[Bearbeiten]

Da die Raupe ein wichtiger lokaler Wirtschaftszweig ist, zieht sie viele Menschen an, die die Raupe als Nahrung verkaufen. Das führte zu einer Übernutzung und geringeren Populationen in den Folgejahren. Farmer und Gemeinden haben daraufhin Schritte unternommen, die Ernten so anzupassen, dass die Folgepopulationen stabil bleiben.

Manche Farmer sehen die Raupe als Bedrohung für ihre Ernten und versuchen die Plage mit Insektiziden und ähnlichem zu bekämpfen. Diese Angst ist unbegründet, da die Raupe nur einen geringen Schaden am Blattwerk anrichtet und die angefressenen Blätter zu einem neuen Blattaustrieb führen.

Wiederansiedlung[Bearbeiten]

Raupe von Gonimbrasia belina auf Mopane, Botswana. Der Kopf der Raupe ist rechts.

In einigen Gebieten, in denen Gonimbrasia belina weit verbreitet war, ist er durch die Übernutzung verschwunden, da es keinen vernünftigen Ansatz zur kommerziellen Nutzung gab. Da der Falter nur drei bis vier Tage lebt, hat er wenig Zeit in verlassene Gebiete wieder einzufliegen. Wenn das erfolgreich war, dürfen die Raupen nicht gleich wieder eingesammelt werden, um eine stabile Population zu ermöglichen, was nur in Zusammenarbeit mit den Farmern möglich ist. Es wurde beobachtet, dass Falter aus Wildreservaten, auf deren Gelände keine Mopaneraupen gesammelt wurden, die Populationen in übernutzten Gebieten wieder aufbauten.[5]

Zucht[Bearbeiten]

Es gibt Überlegungen, die Raupe von Gonimbrasia belina ähnlich wie die Seidenraupe zu züchten. Damit wäre die Industrie weniger abhängig von klimatischen Veränderungen, Trockenheiten und anderen Faktoren, die die Ernte beeinflussen. Damit die Zucht in kleinem Maßstab gelingt und den Ärmsten der Armen zugänglich ist, müssen die Kosten der Zucht mit den Kosten für das Sammeln in der freien Natur vergleichbar sein.

Zubereitung[Bearbeiten]

Mopane-Raupen gekocht mit Zwiebeln

Die Raupe kann getrocknet als Knabberei, gekocht oder eingeweicht angebraten gegessen werden. Häufig wird sie mit Sadza serviert, dem Grundnahrungsmittel vieler Afrikaner. Sie wird in der Regel mit Haut gegessen, obwohl diese relativ hart ist. Der Inhalt der Eingeweide wird allerdings in der Regel entfernt. Dafür wird die Raupe Richtung Ende zusammengekniffen, um die Innereien zu zerreißen. Danach wird der Inhalt der Eingeweide durch den Darm wie bei einer Tube Zahnpasta herausgedrückt.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Namibias Alltag erleben (PDF; 292 kB) Namibia-Tourism (abgerufen am 16. November 2012)
  2. Das Glück liegt in der Strohhütte Allgemeine Zeitung vom 26. Februar 2010 (abgerufen am 16. November 2012)
  3. Mopane Worm Life Cycle and Metamorphosis
  4. The Mopane Worm - Indigenous Knowledge in the Classroom
  5. a b On the trail of missing Mopane Worms

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gonimbrasia belina – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien