Great Ape Project

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Das Great Ape Project (GAP) ist eine internationale Initiative, hinter der die Idee steht, bestimmte Grundrechte, die derzeit dem Menschen vorbehalten sind, auch für die anderen Mitglieder der Familie der Menschenaffen (engl. Great Apes) – also Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans – zu fordern, darunter das Recht auf Leben, der Schutz der individuellen Freiheit und das Verbot von Folter.

Geschichte[Bearbeiten]

Das GAP geht zurück auf das 1993 erschienene Buch „Menschenrechte für die Großen Menschenaffen – Das Great Ape Projekt“ (Originaltitel: The Great Ape Project: Equality Beyond Humanity), das von den Philosophen Paola Cavalieri und Peter Singer herausgegeben wurde. Es enthält Beiträge von 34 Autoren, darunter Jane Goodall, Jared Diamond und Richard Dawkins. Nach dem ersten Schwung in den 90er Jahren lösten sich zahlreiche Arbeitsgruppen zum GAP allmählich auf. Im Gefolge der Verleihung des Ethik-Preises 2011 der Giordano-Bruno-Stiftung an Paola Cavalieri und Peter Singer wurde das GAP in Deutschland neu gestartet.[1]

Ziele und Argumentation[Bearbeiten]

Das Buch „Menschenrechte für die Großen Menschenaffen“ beginnt mit einer „Deklaration über die Großen Menschenaffen“, welche die Ziele des Great Ape Project definiert:

„Wir fordern, daß die Gemeinschaft der Gleichen so erweitert wird, daß sie alle Großen Menschenaffen miteinschließt: Menschen, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans. Die „Gemeinschaft der Gleichen“ ist die moralische Gemeinschaft, innerhalb derer wir bestimmte moralische Grundsätze oder Rechte anerkennen, die unsere Beziehungen untereinander regeln und gerichtlich einklagbar sind.“

Zu diesen Rechten oder Grundsätzen gehören das „Recht auf Leben“, der „Schutz der individuellen Freiheit“ und das „Verbot der Folter“.[2]

Das Ziel des GAP besteht darin, die aus Sicht der Autoren unzulängliche Tier-Mensch-Grenze zu überwinden, da sie biologisch und damit zugleich ethisch falsch sei. Der Evolutionsbiologe Jared Diamond argumentiert, dass das Erbgut von Schimpansen und Bonobos mit dem Menschen zu 98,4 Prozent übereinstimme und zwischen Menschen und den Großen Menschenaffen sogar Bluttransfusionen möglich seien. Nach Ansicht der Autoren soll nicht die Zugehörigkeit zu einer Spezies, sondern der Grad des Ich-Bewusstsein , bzw. der Status als Person (Singer) darüber entscheiden, wie wir nicht-menschliche Lebewesen betrachten und behandeln. Da die Großen Menschenaffen mit Menschen ein ähnliches Gefühls- und Denkvermögen sowie ein ähnliches Verhalten teilen, müssten sie in die menschliche Moralgemeinschaft mit einbezogen werden und nicht als "Tiere" außen vor bleiben. Diese Ähnlichkeit der menschlichen Spezies mit den "nicht-menschlichen Primaten" ließe sich schon seit Charles Darwins Forschungen beobachten, beispielsweise in den verschiedenen Gefühlsregungen, die sich bei Menschenaffen in ähnlichen Gesichtsausdrücken wie beim Menschen zeigen würden. Auch eine Konversation mit ihnen über Zeichensprache sei möglich. Da die Ähnlichkeit der Menschen und Großen Menschenaffen nicht zu leugnen sei, dürfe man ihnen die elementaren Rechte des Menschen nicht vorenthalten. Uneinig hingegen sind sich die Autoren, ob das GAP nur als ein erster Schritt zu betrachten sei, elementare Rechte auch auf andere Tiere auszuweiten. So etwa fordert Peter Singer in Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere allen empfindungsfähigen Tieren Rechte zuzusprechen. Diese Ansicht wird nicht von allen Mitstreitern des GAP geteilt, manchen genügt bereits der Einbezug der Großen Menschenaffen in die Ethik und Rechtsprechung.

Einfluss[Bearbeiten]

Unter anderem aufgrund des Einflusses des GAP änderte Neuseeland im Jahr 1999 den rechtlichen Schutz der „nicht humanen Hominiden“ im Tierfürsorgegesetz. Danach dürfen Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos in Neuseeland nur noch dann in Experimenten eingesetzt werden, wenn die Ergebnisse den Affen selbst oder ihrer Spezies zugutekommen.[3] Die neuseeländische Rechtsprechung folgte damit der Einsicht, dass die „erhöhten kognitiven und emotionalen Fähigkeiten der Menschenaffen“ eine Neudefinition ihres moralischen und rechtlichen Status erforderten.

Im Juni 2008 sprach sich der Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Fischerei des spanischen Parlaments dafür aus, der Spezies der Großen Menschenaffen (Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans) erweiterte Rechte zuzusprechen und das GAP zu unterstützen. Die spanische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Jose Luis Zapatero wurde aufgefordert, sich für eine Erklärung in der Europäischen Union einzusetzen und innerhalb eines Jahres ein Gesetz zu erlassen, das potenziell schädliche Experimente an Menschenaffen untersagt. Das Halten von Menschenaffen in Gefangenschaft solle nur für Zwecke der Arterhaltung erlaubt sein. Darüber hinaus wurde empfohlen, in internationalen Foren und Organisationen Schritte zum Schutz der Menschenaffen vor Misshandlung, Sklaverei, Folter, Tötung und Ausrottung einzuleiten.[4][5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Menschenrechte für die Großen Menschenaffen – Das Great Ape Projekt, Hg. Paola Cavalieri/Peter Singer, München 1994 (London 1993) ISBN 3442306132
  • Ethik-Preis 2011: Grundrechte für Menschenaffen. Redebeiträge von Paola Cavalieri, Colin Goldner, Peter Singer, Michael Schmidt-Salomon und Volker Sommer, Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung, Band 4. Alibri Verlag. Aschaffenburg 2012 ISBN 9783865692030
  • Goldner, Colin Lebenslänglich hinter Gittern - Die Wahrheit über Gorilla, Orang Utan & Co in deutschen Zoos, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2014 ISBN 978-3-86569-112-5.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Humanistischer Pressedienst: Great Ape Project relaunched, vom 14. Juni 2011
  2. Cavalieri/Singer: Menschenrechte für die Großen Menschenaffen, Abschnitt Vorwort
  3. Die Zeit: Die Würde des Affen, vom 11. November 1999
  4. Der Tagesspiegel: Spanien fordert Grundrechte für Affen, vom 27. Juni 2008
  5. Die Weltwoche: Manche Affen haben recht. Ausgabe 32/2008