Die Weltwoche

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Die Weltwoche
Logo der Weltwoche
Beschreibung Schweizer Wochenmagazin
Verlag Weltwoche Verlags AG
Erstausgabe 1933
Erscheinungsweise wöchentlich
Verkaufte Auflage
(WEMF 2012)
68'990 Exemplare
Chefredaktor Roger Köppel
Weblink www.weltwoche.ch

Die Weltwoche wurde 1933 als Schweizer Wochenzeitung gegründet und wird seit 2002 als Wochenmagazin herausgegeben. Chefredaktor und Verleger ist Roger Köppel.

Allgemeines[Bearbeiten]

Publikationen in der Weltwoche lösten immer wieder diverse Kontroversen aus. Beispiele dazu sind 1964 die Mirage-Affäre, 1979 die «Panzer 68»-Affäre sowie 1988/1989 eine Artikelserie über den Mord in Kehrsatz oder die Enttarnung des Holocaust-Schwindlers Binjamin Wilkomirski 1998. Mit zahlreichen Enthüllungen war sie auch 2007 bei der Roschacher-Affäre eine treibende Kraft. Sie publizierte mehrere Artikel zum Missbrauch im Sozialamt der Stadt Zürich. In der Folge wurden zwei Informantinnen des Sozialamtes entlassen und später auch wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses verurteilt, womit die Frage eines besseren Schutzes für Whistleblower in den Brennpunkt rückte.

Bekannte Kolumnisten der Zeitschrift sind unter anderen der SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, der frühere SP-Parteipräsident Peter Bodenmann, der Satiriker Andreas Thiel sowie die Journalisten Henryk M. Broder, Kurt W. Zimmermann und Mark van Huisseling.

In ihrer politischen Haltung wird Die Weltwoche heute als staatskritisch und wirtschaftsliberal eingeordnet.[1] Damit übereinstimmend beansprucht Die Weltwoche selbst in ihren Leitlinien eine skeptische Haltung gegenüber dem Staat und seinen Organen, «die sie durch eine kontinuierliche Berichterstattung aus liberaler Warte durchleuchtet». Sie sei «politisch unabhängig, vertritt aber ein freiheitliches, unternehmerisches Weltbild».[2] Dementgegen bescheinigt ihr der Schweizer Soziologe Linards Udris in jüngerer Zeit eine Tendenz zu rechtskonservativen bis rechtspopulistischen Positionen.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

1933 bis 1964[Bearbeiten]

1933 hatten Manuel Gasser und Karl von Schumacher die Weltwoche nach dem Vorbild französischer Wochenzeitungen gegründet. Sie verstand sich als antikommunistisch und war anfänglich gegenüber der Frontenbewegung, dem Nationalsozialismus und dem Faschismus positiv eingestellt. Im Laufe von 1934 und 1935 änderten die Herausgeber ihre Einstellung und schrieben kritisch über Nationalsozialismus und Faschismus. Für Jean-Rodolphe von Salis leisteten die Leitartikel und Lageberichte Karl von Schumachers gute Dienste bei der Abfassung seiner in ganz Europa beachteten Weltchronik für das Radio Beromünster. Kurze Zeit war ein Vetter von Karl von Schumacher, Felix von Schumacher-Nager, Auslandskorrespondent in London. Nach dem Tod von Karl von Schumacher im Jahre 1957 übernahm sein Bruder Pierre von Schumacher die Leitung bis zu seinem Tode 1964.

1964 bis 2001[Bearbeiten]

1964 wurde Rolf R. Bigler Chefredakteur, dessen Nachfolger 1968 August E. Hohler wurde, der 1970 von Hans O. Staub abgelöst wurde.

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Von 1980 bis 1994 waren Rudolf Bächtold und Jürg Ramspeck die Chefredaktoren.[4] Der Jean Frey Verlag, zu dem die Weltwoche gehörte, wechselte mehrmals den Besitzer. 1987 wurde der Verlag vom Spekulanten Werner K. Rey übernommen,[5] der die Jean Frey AG und Druckerei Winterthur hielt, bis sie im April 1991 im Nachlassverfahren von Reys Omni Holding AG verkauft wurde. Der nächste Besitzer war der Detailwarenhändler Beat Curti,[6] bei dessen Curti Medien Holding AG 1993 die Basler Zeitung einstieg.[5] 1996 erwarb die Basler Zeitung schliesslich die Mehrheit der Anteile.[7] Interimschefredaktor war Felix E. Müller. Die Auflage lag zu dieser Zeit bei über 100'000.[5]

Von 1997 bis August 2001 war Fredy Gsteiger Chefredaktor der Weltwoche.[8][9] Unter ihm war die Zeitung linksliberal positioniert.[10] Zu Beginn seiner Amtszeit hatte die Weltwoche eine Auflage von gut 97'000.[11]

Seit 2001[Bearbeiten]

2001 wurde Roger Köppel Chefredaktor der Weltwoche und konzipierte sie im Magazinformat neu. Kurz darauf übernahm eine Gruppe von Finanzinvestoren um den Tessiner Financier Tito Tettamanti die Aktienmehrheit an der Jean Frey AG, dem Verlag der Weltwoche. Köppel tauschte die Redaktion fast vollständig aus und führte die Weltwoche auf einen prononciert wirtschaftsliberalen und rechtskonservativen Kurs. Die Auflage stieg bis Herbst 2003 von rund 84'000 auf 91'000 Exemplare[12] und der Verlag erzielte nach einer Verlustphase von rund zehn Jahren erstmals wieder operativen Gewinn, vor allem dank grossem Zugewinn auf dem Anzeigenmarkt. Das Layout gewann zahlreiche Preise.

Als das Blatt im Herbst 2003 begann, den rechten Politiker Christoph Blocher und seine Schweizerische Volkspartei offen zu unterstützen und Köppel einen Wahlaufruf für Blocher verfasste, wurde die Weltwoche zum Gegenstand öffentlicher Kritik. Zwischen Herbst 2003 und Sommer 2004 sank die Auflage laut Pressemeldungen um zirka 12'000 Exemplare.[12] Im Frühling 2004 wechselte Köppel als Chefredakteur zur deutschen Tageszeitung Die Welt. Die Ausrichtung der Weltwoche änderte sich durch seinen Weggang nicht. Simon Heusser wurde neuer Chefredaktor, kündigte jedoch bereits im Juni 2005 wieder wegen «nicht überbrückbarer Differenzen in Führungsfragen». Im September 2005 folgte ihm Jürg Wildberger nach. Die beglaubigte Auflage betrug im Jahr 2005 noch 80'436 verkaufte Exemplare.[13] stieg jedoch 2006 wieder auf 82'849 Exemplare.[14]

Am 1. November 2006 wurde die Weltwoche Verlags AG aus der Jean Frey AG abgespalten.[15] Köppel kaufte zunächst 60 Prozent der neuen Weltwoche Verlags AG, um sie wenig später ganz zu übernehmen. Er übernahm gleichzeitig die Leitung der Weltwoche als Verleger und Chefredaktor. Kurz darauf verliessen mehr als ein Dutzend Redaktoren den Verlag. Die Auflage stieg im Jahr 2007 auf 85'772,[16]

Nach dem Aus für das Nachrichtenmagazin Facts im Sommer 2007 bleiben als Konkurrenten auf dem deutschschweizer Markt politischer Wochenzeitungen das Magazin (eine Beilage der Samstagsausgabe des Tages-Anzeigers), die Schweizer Ausgabe der Zeit, die Sonntagsblätter SonntagsZeitung (Tages-Anzeiger), NZZ am Sonntag, Schweiz am Sonntag und Sonntagsblick, sowie die Wochenzeitung (WOZ).

Vor allem aufgrund der Rolle, die Die Weltwoche im Januar 2012 in der Affäre um den angeblichen Insiderhandel des damaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, gespielt hatte, forderten die Präsidenten verschiedener Schweizer Parteien die Wochenzeitschrift auf, ihre Eigentumsverhältnisse offenzulegen[17] - bisher folgenlos. Es bestehe der Verdacht, dass Christoph Blocher, und ihm nahestehende Personen, bei der Zeitschrift beträchtlichen Einfluss ausübten und dass Chefredakteur Roger Köppel nicht der alleinige Eigentümer des Blatts sei.[18] Köppel bezeichnete sich 2011 als „alleiniger Eigentümer der Weltwoche“[19]: „Ich habe mein gesamtes Vermögen eingebracht, ich habe Bankkredite aufgenommen und mich hoch verschuldet.“ [20] Auch Blocher bestritt den Verdacht: „Roger Köppel ist Alleineigentümer der Weltwoche. Dass das in Zweifel gezogen wird, ist Rufschädigung.“[21]

Im April 2012 druckte die Zeitung ein Foto auf der Titelseite ab, auf dem ein Roma-Kind mit einer auf den Betrachter gerichteten Pistole und der Schlagzeile „Die Roma kommen: Raubzüge in der Schweiz“ zu sehen ist sowie eine dazugehörige Reportage im Innenteil mit dem Titel „Sie kommen, klauen und gehen“. Der österreichische Journalist Klaus Kamolz zeigte die Verantwortlichen aufgrund Titelfoto und Titelzeile wegen Verhetzung an,[22] weitere Strafanzeigen aus Deutschland wie dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma[23], Österreich und der Schweiz folgten.[24][25] Der stellvertretende Chefredaktor Philipp Gut wies die Kritik zurück.[26] Das für die Titelgeschichte verwendete Foto stammte vom italienischen Fotografen Livio Mancini, der 2008 spielende Kinder auf einer Mülldeponie am Stadtrand von Gjakova im Kosovo fotografierte.[27][28] Die Bildagentur, woher das Bild stammt, spricht von einer missbräuchlichen Verwendung des Bildes durch die Weltwoche. Das Bild sei sinnentstellend und wahrheitsverändernd verwendet worden. Die Aussage des Bildes sei ins Gegenteil verkehrt und als Illustration für einen Artikel missbraucht worden.[29] Die Staatsanwaltschaften Zürich und Wien stellten auf Kosten der Staatskasse das Verfahren gegen die Weltwoche ein, da weder das Titelbild noch der Artikel nach Ansicht der Staatsanwaltschaften den Tatbestand der Rassendiskriminierung erfüllten.[30][31] Der Schweizer Presserat rügte die Weltwoche wegen des Titelbildes, da die Zeitung der Leserschaft damit suggeriere, dass das abgebildete Kind Teil der Roma-Kriminalität sei.[32] Die Schlagzeile trage außerdem, so der Presserat, «in diskriminierender Weise dazu bei, Ängste zu schüren und stereotype Vorurteile gegenüber einer ethnischen Gruppe zu verstärken».[33]

2011 betrug die Druckauflage 77'800 [34] und sank WEMF-beglaubigt auf 62'597 im Jahr 2013.

Kooperationen[Bearbeiten]

Die Weltwoche pflegt seit Jahren eine enge Kooperation mit dem Weblog Die Achse des Guten, dessen Gründer die Weltwoche-Autoren Henryk M. Broder, Dirk Maxeiner und Michael Miersch waren. Die Blog Beiträge der Achse des Guten werden auf einer extra Weltwoche-Website präsentiert.[35] Ebenso wird auf dem Blog Die Achse des Guten auf Artikel der Weltwoche verwiesen.[36] (mittlerweile jedoch ohne Verlinkung der einzelnen Artikel; Stand 26. August 2013)

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Weltwoche. Extrablatt [Jubiläum 70 Jahre Weltwoche], Weltwoche, Zürich 2003 (ohne ISBN).
  • Rita Flubacher: Flugjahre für Gaukler. Die Karriere des Werner K. Rey. Weltwoche, Zürich 1992, ISBN 3-85504-138-5.
  • Hugo Loetscher, Charles Linsmayer (Hrsg.): Für den Tag schreiben. Journalismus und Literatur im Zeitungsland Schweiz [eine Anthologie]. Weltwoche-ABC-Verlag, Zürich 1999, ISBN 3-855504-180-6 (formal falsche ISBN).
  • Markus M. Ronner (Hrsg.): Die Weltwoche Elegien, Eskapaden, Kapriolen und Humoresken [Ein Wort-Bild-Mix]. Jean Frey, Zürich 1977 (ohne ISBN).
  • Linards Udris: Politischer Extremismus und Radikalismus. Problematisierung und diskursive Gelegenheitsstrukturen in der öffentlichen Kommunikation der Deutschschweiz. VS, Wiesbaden 2011, ISBN 3-531-17968-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcel Hänggi: Bunte Strichlein sind noch nicht die Wahrheit, WOZ Die Wochenzeitung vom 9. September 2007.
  2. Publizistische Leitlinien der Weltwoche auf weltwoche.ch, abgerufen am 23. November 2011
  3. Udris 2011, S. 88. (Textauszug bei Google Books)
  4. «Interessiert das die Leute?», fragte Frau Zuppinger. In: Die Weltwoche, Ausgabe 30/06.
  5. a b c Schweizer "Weltwoche" torkelt von Krise zu Krise: Mythos mit etwas welkem Charme, Die Zeit vom 30. August 1996
  6. Einst ein blühendes Familienunternehmen, Schweizer Fernsehen vom 8. Oktober 2007.
  7. Basler Zeitung Medien: Unternehmensgeschichte Basler Zeitung Medien
  8. Fredy Gsteiger: Aus dem Leben eines Frankreich-Korrespondenten. Der Franzose, das unbekannte Wesen, Die Zeit vom 11. April 1997
  9. Abschied von der Weltwoche. In: Die Weltwoche, Ausgabe 33/01.
  10. David Herrmann: Niklaus Meienberg, eine Ikone des Schweizer Journalismus? Vergleich des beruflichen Rollenselbstverständnisses Niklaus Meienbergs mit ausgewählten Schweizer Journalisten (PDF; 471 kB), Diplomarbeit, Zürcher Hochschule Winterthur, August 2006.
  11. Jean Frey Verlag über die Weltwoche: Juni 1997, Januar 1998.
  12. a b «Weltwoche» stürzte unter Köppel ab, NZZ am Sonntag vom 21. Juli 2006.
  13. Auflagen-Bulletin 2005, WEMF AG für Werbemedienforschung (PDF-Datei)
  14. Auflagen Express, Auflagenbeglaubigung WEMF/SW 2006, Ringier (PDF-Datei)
  15. Weltwoche Verlags AG, SHAB No. 213/2006, S. 19, 2. November 2006
  16. Auflagen-Bulletin 2007, WEMF AG für Werbemedienforschung (PDF-Datei)
  17. Allianz für "Lex Weltwoche" "Sonntagszeitung" vom 15. Januar 2012
  18. Kritik wegen Hildebrand: "Weltwoche" soll Eigentumsverhältnisse offenlegen in Der Standard vom 15. Januar 2012
  19. "Herr Blocher ist und war an der Weltwoche nicht beteiligt!" Interview mit persoenlich.com vom 11. März 2011
  20. "Ich misstraue der Masse" Interview mit medienwoche.ch vom 25. November 2011
  21. "Ich kritisiere die Journalisten, weil sie wichtig sind" Interview mit medienwoche.ch vom 15. April 2013
  22. Roma-Bericht: Wiener Journalist zeigt "Weltwoche" an in Der Standard vom 7. April 2012
  23. Sinti und Roma zeigen "Weltwoche" an, Spiegel Online vom 10. April 2012
  24. Weniger Leser? Mehr hetzen! in die tageszeitung vom 9. April 2012
  25. Anzeigen gegen «Weltwoche» wegen Verhetzung, Schweizer Fernsehen vom 7. April 2012
  26. Die «Weltwoche» versteht Aufregung nicht, Basler Zeitung vom 8. April 2012
  27. Livio Mancini: The Garbage Gang, Kosovo, September 2008
  28. "Weltwoche"-Cover erregt Widerspruch: Ein Fall von Missbrauch in Süddeutsche Zeitung vom 9. April 2012
  29. «Weltwoche» hat Bild missbräuchlich verwendet. In: NZZ Online vom 11. April 2012
  30. Juristisch in Ordnung, moralisch nicht
  31. weltwoche.ch: «Roma»-Strafverfahren gegen Weltwoche eingestellt
  32. Presserat rügt «Weltwoche» wegen Roma-Titelbild, Basellandschaftliche Zeitung
  33. «Weltwoche»-Titelseite mit Roma-Bub diskriminierte, Schweizer Presserat
  34. WEMF Auflagebulletin 2011, WEMF AG für Werbemedienforschung (PDF-Datei; 664 kB)
  35. http://www.weltwoche.ch/die-weltwoche/die-achse-des-guten.html
  36. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/weltwoche/