Grimes Graves

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Grimes Graves

Grimes Graves (auch Grime’s Graves) ist ein jungsteinzeitliches Feuersteinbergwerk im Breckland von Norfolk im östlichen England. Es liegt sieben Meilen nordwestlich von Thetford an der A134 (OS Map 144; ref TL 818898).

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Grim geht auf die Angelsachsen bzw. Normannen zurück. Er ist ein Synonym für den nordischen Gott Odin. Siehe auch Graemsay Insel der Orkney, Grimsay Insel der Hebriden, Grimsby Ort in Lincolnshire, Grimsbury Ort in Oxfordshire, Grim’s Ditch ein Erdwerk, Grim’s Dyke (Name für den Antoninuswall), Grim’s Grave Steinkiste (auch kistvaen) in Dartmoor, Grimshader (Grims Sitz) auf Lewis and Harris, Grims Lake Mire (eine Steinkiste im Grims See Morast), Grimspound in Devon, Grimsetter (Grims Sitz) auf Orkney und Shetland, Grimsthorpe Castle (Grims Dorf), sowie mehrere Orte mit dem Namen Grimston (Grimston-Lyles Hill Ware).

Datierung[Bearbeiten]

Das Bergwerk datiert in die Zeit der Grooved ware. Die Schachteingänge und der begleitende Abraum sind außergewöhnlich gut erhalten, vermutlich wegen der Lage an der Grenze zwischen zwei Kirchspielen. Im Vergleich zu den Silexbergwerken der Sussex Downs, wie Cissbury, Church Hill, Blackpatch, Harrow Hill und Martin's Clump und von Wessex (Durrington, Easton Down) beginnt der Abbau hier überraschend spät.

Rohmaterial[Bearbeiten]

Die Minen sind in prähistorischer Zeit mit Rotwild-Geweihen ergraben worden. Das hier gewonnene Rohmaterial (Brandon Flint) ist sehr feinkörnig und homogen, von charakteristisch durchgehend schwarzer Färbung. Es wurde nur der sogenannte „floorstone“ genutzt, der besonders große und homogene Rohmaterialknollen liefert, während die darüber liegenden Ablagerungen (topstone, wallstone) oft klein und sehr exzentrisch geformt sind.

Flintschicht Tiefe
Topstone 5,9m
Wallstone 8,2m
Floorstone 12m

433 Schächte sind auf einem Gelände von 7.6 ha obertägig als Mulden sichtbar. In dem naheliegenden Brandon wurde aus diesem Material bis ins frühe 20. Jh. Feuerstein für Gewehre gewonnen und bearbeitet.

Ausgrabungen[Bearbeiten]

William Camden beschrieb die Fundstelle 1695 als Befestigungsanlage, F. Blomefield hielt sie 1805 für ein befestigtes Lager der Dänen. Erste Ausgrabungen fanden bereits 1852 statt. 1868-1870 grub hier der Pfarrer und Antiquar William Greenwell den ersten Schacht bis zum Boden aus und erkundete die seitlichen Gänge (Greenwell pit). Die Prehistoric Society of East Anglia grub 1914 zwei weitere Schächte aus, Untersuchungen durch A. Armstrong folgten zwischen 1923 und 1939. Die Funde wurden dem Britischen Museum übergeben. Auf die Grabungen durch Roger Mercer 1971-72 folgten 1972-1976 die Forschungen des Britischen Museums unter Leitung von Ian Longworth und Gale Sieveking. Die Grabungen selbst wurden durch ein niederländisches Team durchgeführt, das bereits das Bergwerk von Rijckholt in Limburg untersucht hatte.

Funde[Bearbeiten]

Die in den Schächten gefundene Keramik gehört dem Durrington Walls-Stil der Grooved Ware an. Sowohl Grobkeramik als auch verzierte Schalen wurden gefunden. Im Schacht wurden eine 11,5 cm hohe anthropomorphe Kalksteinfigur einer Göttin, die als Erdmutter angesehen wird und ein Phallus aus Kalkstein gefunden. Die Echtheit der Statue wurde bezweifelt. Aus der Füllung der Schächte stammen auch zahlreiche Tierknochen[1]. Ob es sich um Siedlungsabfall oder absichtliche Deponierungen (structured deposition) handelt, ist umstritten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martyn Barber, The place of flint mines within the Neolithic of Southern England. Der Anschnitt, Beiheft 19, 2006, 55-59.
  • William Greenwell, On the opening of Grime's Graves in Norfolk. Journal of the Ethnographical society of London NS 2, 1870, 419-439.
  • Jacek Lech/Ian Longworth, The Grimes Graves site in the light of two late Neolithic workshop assemblages. Der Anschnitt, Beiheft 19, 2006, 413-422.
  • Peter Topping/M. Lynott (Hrsg.), The cultural landscapes of prehistoric mines (Oxford 2005).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anthony J Legge, Excavations at Grimes Graves, Norfolk, 1972-76 Fasc. 4, Animals, environment and the Bronze Age economy. London: Published for the trustees of the British Museum by British Museum Press 1992

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grimes Graves – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


52.4758333333330.67527777777778Koordinaten: 52° 28′ 33″ N, 0° 40′ 31″ O