Groundhog Day

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Dieser Artikel beschreibt ein kulturelles Ereignis, das im Englischen „Groundhog Day“ genannt wird. Zu dem Spielfilm mit gleichlautendem Originaltitel siehe Und täglich grüßt das Murmeltier.
Groundhog Day (2005) in Punxsutawney

Groundhog Day (engl.; dt. Murmeltiertag) ist ein kulturelles Ereignis, das an mehreren Orten in den USA und Kanada gefeiert wird. Am 2. Februar jedes Jahres, dem „Candlemass Day“ (Lichtmess), wird traditionell eine Vorhersage über das Fortdauern des Winters getroffen. Dazu werden öffentlich und teilweise im Rahmen von Volksfesten Waldmurmeltiere (Marmota monax) zum ersten Mal im Jahr aus ihrem Bau gelockt. Wenn das Tier „seinen Schatten sieht“, d. h. wenn die Sonne scheint, soll der Winter noch weitere sechs Wochen dauern.

Geschichte[Bearbeiten]

Zahlreiche Bauernregeln im deutschsprachigen Raum beziehen sich auf das zu erwartende Wetter, so heißt es etwa in Sammlungen von Regeln zur Wettervorhersage vom Dachs oder auch vom Bären:

  • „Sonnt sich der Dachs in der Lichtmess-Woche, geht auf vier Wochen er wieder zu Loche“.[1] [2] [3]
  • „Wenn um Lichtmeß der Dachs noch im Loche bleibt, kommt späterhin noch Kälte“.[1]
  • „Wenn der Bär auf Lichtmess seinen Schatten sieht, kriecht er wieder auf vierzig Tage in die Höhle“.[3]

Im Jahr 1859 wird für Westfalen erläutert:

  • „Wenn der Dachs zu Maria Lichtmeßen, mittags zwischen 11 und 12 Uhr seinen Schatten sieht, so muß er noch vier Wochen in seinem Baue bleiben. Lehrer Kuhn in Hemschlar“.[2]

Bei den deutschsprachigen Einwanderern in Pennsylvanien, wo es keine Dachse gibt, wurde ein ähnlicher Winterschläfer, das verbreitete, tagaktive und leicht zu beobachtende Waldmurmeltier, zum Ziel der Wetterregel.[4]

Brauchtum in Pennsylvania[Bearbeiten]

Der älteste Beleg für Pennsylvanien findet sich im Pennsylvania Dutch Folklore Center. Am 4. Februar 1841 schrieb James Morris, ein Ladenbesitzer in Morgantown, Berks County (Pennsylvania) in sein Tagebuch:

„Last Tuesday, the 2nd, was Candlemas day, the day on which, according to the Germans, the Groundhog peeps out of his winter quarters and if he sees his shadow he pops back for another six weeks nap, but if the day be cloudy he remains out, as the weather is to be moderate.“[5]

(„Letzten Dienstag, den 2. Februar, war Lichtmess. Die Deutschen[6] sagen, dass an diesem Tag das Waldmurmeltier kurz aus seinem Winterquartier hervorlugt. Wenn es seinen Schatten sieht, verschwindet es für die nächsten sechs Wochen wieder in seiner Höhle um zu schlafen. Doch ist der Tag bewölkt, bleibt es draußen, da das Wetter gemäßigt sein wird.“)

Die längste Tradition des Groundhog Day besteht in Punxsutawney, Pennsylvania.[5] Die dortige Lokalzeitung Spirit nannte den 2. Februar 1886 Groundhog Day „obwohl das Biest bis zur Drucklegung dieser Ausgabe seinen Schatten noch nicht sah“. Am 2. Februar 1887 wurde der Groundhog Day mit einem gemeinsamen Essen von Waldmurmeltieren begangen. Die weitere Ausgestaltung des Brauchs ist verknüpft mit dem Namen des langjährigen Redakteurs des Spirit Clymer H. Freas (1867–1942), der für die Kommunikation mit den Tieren die Geheimsprache Groundhogese erfand, Gobbler's Knob als Ort der jährlichen Prognose auswählte und jährlich in der Lokalzeitung darüber berichtete. In seiner Todesanzeige im Spirit vom 22. Oktober 1942 wird er „Vater des Konzepts von Punxsutawney als Waldmurmeltier-Zentrum“ genannt.[5] International bekannt geworden sind Punxsutawney und der Waldmurmeltiertag 1993 durch den Kinofilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (Originaltitel: „Groundhog Day“) mit Bill Murray und Andie MacDowell in den Hauptrollen. Gegenwärtig zieht die Veranstaltung in Punxsutawney jährlich mehrere Zehntausend Besucher an.

Die von George W. Hensel Jr. in Quarryville, Lancaster County als Männerbund gegründete Slumbering Groundhog Lodge begeht den Groundhog Day seit 1908.[7]

In Pennsilfaanisch Deitsch heißt das Waldmurmeltier Grundsau oder in englisch-deutscher Orthographie Grundsow. Bei den Pennsylvania Dutch pflegen besondere Männerbünde, die Grundsow Lodges (englisch: Groundhog Lodges) das Brauchtum zugleich mit der Mundart mit jährlichen Festessen. Die Tradition geht auf das Jahr 1934 zurück. Bei den Festessen darf nur Pennsilfaanisch Deitsch gesprochen werden. Wer Englisch spricht, muss eine symbolische Strafe zahlen, zum Beispiel 5, 10 oder 25 Cent pro Wort, die in eine Schale in der Tischmitte gelegt werden.[8] Neben den etwas in die Jahre gekommenen Groundhog Lodges gibt es in deren Tradition häufig vom gleichen Personenkreis besuchte Fersommlinge (Versammlungen) mit Festessen, die auch Frauen offenstehen und mit Ansprachen und Theater ebenso der Sprachpflege dienen. Aktuell bestehen dort etwa zwei Dutzend Vereine, deren jährliche Versammlungen jeweils mehrere Hundert Teilnehmer anziehen.[9]

Die Traditionen an anderen Orten, im gesamten Verbreitungsgebiet des Waldmurmeltieres und darüber hinaus, sind jüngeren Datums, und schließen an die Popularität der älteren Veranstaltungen an.

Berühmte Waldmurmeltiere[Bearbeiten]

Ein Waldmurmeltier

Das bekannteste Tier mit „hellseherischen Fähigkeiten“ ist das Waldmurmeltier Punxsutawney Phil aus dem Ort Punxsutawney in Pennsylvania. Die dortigen Feiern sind auch die ältesten und finden seit 1887 statt. Durch den Film Und täglich grüßt das Murmeltier (Originaltitel: Groundhog Day) wurde Phil auch international berühmt. Insgesamt gibt es etwa zwei Dutzend Murmeltiere, die jährlich befragt werden, z. B. Balzac Billy (Balzac, Alberta/Kanada), General Beauregard Lee (Stone Mountain, Georgia), Jimmy the Groundhog (Sun Prairie, Wisconsin), Shubenacadie Sam (Shubenacadie, Neuschottland/Kanada), Staten Island Chuck (Staten Island (New York City), New York) und Wiarton Willie (Wiarton, Ontario/Kanada).

Letzte Vorhersagen[Bearbeiten]

2004
6 weitere Wochen Winter: Punxsutawney Phil, Wiarton Willie, Spanish Joe, Balzac Billy, General Beauregard Lee, Malverne Mel
2005
6 weitere Wochen Winter: Punxsutawney Phil, Shubenacadie Sam, Spanish Joe, Octorara Orphie, Malverne Mel
Früher Frühling: Wiarton Willie, Jimmy the Groundhog, General Beauregard Lee, Balzac Billy, Staten Island Chuck
2006
6 weitere Wochen Winter: Dunkirk Dave, Punxsutawney Phil, Buckeye Chuck
Früher Frühling: Spanish Joe, Wiarton Willie, General Beauregard Lee, Staten Island Chuck, Shubenacadie Sam, Jimmy the Groundhog, Malverne Mel, French Creek Freddie
2007
6 weitere Wochen Winter: Dunkirk Dave, Jimmy the Groundhog, PeeWee
Früher Frühling: Punxsutawney Phil, Staten Island Chuck, Balzac Billy, General Beauregard Lee, Shubenacadie Sam, Wiarton Willie, Buckeye Chuck
2008
6 weitere Wochen Winter: Punxsutawney Phil, PeeWee
Früher Frühling: Jimmy the Groundhog, Balzac Billy, Buckeye Chuck, Wiarton Willie
2009
6 weitere Wochen Winter: Punxsutawney Phil, Wiarton Willie
2010
6 weitere Wochen Winter: Punxsutawney Phil, Wiarton Willie
2011
Früher Frühling: Punxsutawney Phil
2012
6 weitere Wochen Winter: Punxsutawney Phil
Früher Frühling: Staten Island Chuck
2013
Früher Frühling: Punxsutawney Phil
2014
6 weitere Wochen Winter: Punxsutawney Phil
Früher Frühling: French Creek Freddie

Trefferquote der Vorhersagen[Bearbeiten]

Eine Studie mit Wetterdaten aus 13 kanadischen Städten hat in den letzten 30 bis 40 Jahren die Trefferquote der Murmeltiere analysiert und ergab eine Wahrscheinlichkeit von 37 %, dass die Vorhersage am Groundhog Day zutrifft. Dabei wird eine gegensätzliche Vorhersage oder ein normal verlaufender Winter als nicht zutreffend angesehen, so dass die per Zufall erreichbare Wahrscheinlichkeit bei 33 % liegt.[10] Das US National Climatic Data Center setzt 39 % als Anteil der sich bewahrheiteten Vorhersagen seit 1887 an, wobei die Trefferquote in den letzten 20 Jahren sogar bei 59 % gelegen haben soll.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Don Yoder: Groundhog Day, Stackpole Books, Mechanicsburg PA, 2003, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  • Collier Rhoads: Pennsylvania German Groundhog Lodges. In: Keystone folklore quarterly, published by The Pennsylvania Folklore Society, Bd. 5, 1960, S. 7-9. Volltext in der Google-Buchsuche

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wilhelm Körte: Die Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten der Deutschen, Leipzig:Brockhaus 1837, S. 551
  2. a b Adalbert Kuhn: Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, 2. Teil: Gebräuche und Märchen, Leipzig:Brockhaus 1859, S. 118
  3. a b C. H. Edmund Freiherr von Berg: Pürschgang im Dickicht der Jagd- und Forstgeschichte, Dresden:Schönfeld 1869, S. 171
  4. Bob Berman: Der Komet unterm Küchentisch, Frankfurt am Main:Campus 2005, ISBN 3-593-37664-4, S. 122
  5. a b c Don Yoder: Groundhog Day, Stackpole Books, Mechanicsburg PA, 2003
  6. Anm.: Gemeint sind die Deutschen in Pennsylvania
  7. Jack Brubaker: Remembering Lancaster County: stories from Pennsylvania Dutch country, Charleston, SC, History Press, 2010, ISBN 978-1-59629-863-7, S. 72 f.
  8. Homer Tope Rosenberger: The Pennsylvania Germans: 1891-1965. Pennsylvania German Society, Lancaster, PA 1966, S. 194–199.
  9. Andreas Gardt; Bernd-Rüdiger Hüppauf: Globalization and the future of German, Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017918-0, S. 236 f.
  10. Groundhog Day. In: The Canadian Encyclopedia, abgerufen am 4. September 2010 (englisch)
  11. Groundhog Day. In: Pet Love Shack, abgerufen am 4. September 2010 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]