Grube Carl

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Ehemalige Brikettfabrik mit Wohneinheiten
Grube Carl von Westen aus
Zierbrikett der Brikettfabrik Grube Carl (Marke "Beller Hammer")

Grube Carl ist heute ein Stadtteil von Frechen im Rhein-Erft-Kreis an der Stelle der ehemaligen Grube und Brikettfabrik Grube Carl.

Mit dem Erwerb der Konzession am 25. Juli 1867 durch den Obersteiger der Frechener Klüttenkaulen Carl Sutor für zwei Abbaufelder im Villewald zwischen Frechen und Horrem im Rheinischen Braunkohlerevier, die er nach sich und seinem Bruder Wilhelm benannte, beginnt die Geschichte von Grube Carl. 1869 wurde mit dem Geldgeber und Tonröhrenfabrikanten Heinrich Eduard Sticker die Gewerkschaft Vereinigte Carl gegründet, die 1872 auch noch das Feld Wachtberg erwarb. Aber erst als die Konzessionen in die Hand der 1904 gegründeten Gewerkschaft Bellerhammmer übergegangen war, wurde mit einem Obligations-Kredit von 600.000 Reichsmark des Bankhauses Deichmann 1905/07 die Brikettfabrik mit vorerst sechs Pressen errichtet und 1905 die Grube aufgeschlossen. Der Abraum kam auf zwei Halden östlich und nordwestlich der Fabrik.[1] Die Brikettfabrik Grube Carl war von 1907 bis 1995 in Betrieb und hat in diesem Zeitraum 40 Millionen Tonnen Briketts produziert[2]. Die Kohle hierfür kam anfangs aus der gleichnamigen kleineren Grube Carl und der Grube Wachtberg, ab 1951 dann aus dem Tagebau Frechen.[3]

Versuche, die gesamte Anlage unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterten. Nach Stilllegung der Brikettfabrik wurde seit Mitte der 1990er-Jahre in der Umgebung durch verstärkte Wohnbebauung eine neue Nutzung für das Gelände gefunden. Von zehn Fabrikgebäuden wurden sechs erhalten, auf eine museale Gesamtpräsentation der Maschinen und des Produktionsprozesses musste jedoch verzichtet werden. Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude "Pressenhaus", "Nassdienst", "Elektrostation" und "Niederdruckkesselhaus" der Brikettfabrik wurden entkernt und zu hochwertigen Loftwohnungen umgebaut.

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen hat das Trocken- und Pressenhaus der Grube Carl in Kooperation mit dem Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW im April 2008 im Rahmen der Aktionsplattform „NRW wohnt“ ausgezeichnet. Eine Jury unter Vorsitz von Landeskonservator Udo Mainzer wählte unter den 41 Einreichungen zwölf Arbeiten aus, die in besonderer Weise virulente Probleme und Aufgabenstellungen der städtebaulichen Entwicklung in Nordrhein-Westfalen aufgreifen und überzeugende, beispielhafte Lösungen gefunden haben.

Die nächste Autobahn-Anschlussstelle ist „Gleuel“ an der A 1. Die Siedlung wird über die Dürener Straße erreicht.

Ende April 2010 wurde auf Grube Carl eine Bürgerinitiative gegründet.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Buschmann: Brikettfabrik Carl in Frechen. Historische Nutzung und Stand der Erhaltungsbemühungen. In: Cöllnisch Umbra. Das rheinische Braunkohlenrevier als Denkmallandschaft. Hrsg. v. Landschaftsverband Rheinland – Rheinisches Amt für Denkmalpflege. Petersberg 2002. S.59-66. ISBN 3-935590-41-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Buschmann, Norbert Gilson, Barbara Rinn: Braunkohlenbergbau im Rheinland. hg. vom LVR und MBV-NRW, 2008, S. 441 ff
  2. Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers vom 29. November 2005: "Das Brikett mit dem Hammer" (abgerufen am 25. Juli 2009)
  3. Der Tagebau Frechen auf rwe.com
  4. Website Bürgerinitiative Grube Carl

50.9103333333336.7805Koordinaten: 50° 55′ N, 6° 47′ O