Grundton

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Als Grundton bezeichnet man in der Musiktheorie den fundamentalen Referenzton für alle Tonbeziehungen innerhalb eines harmonischen Akkordes, einer Tonleiter, einer tonalen Melodie (bis hin zu einem geschlossenen Musikstück) oder auch innerhalb eines Spektrums von Obertönen. Als grundlegender Bezugston ist der Grundton die Grundvoraussetzung für die Darstellung von musikalischem Zusammenhang. Seltener wird mit Grundton auch die Stimmung eines Instruments bezeichnet.

Grundton im Akkord[Bearbeiten]

Der Grundton eines C-Dur Akkordes ist C, ( Play?/i). Im Notenbild in rot in der unteren und oberen Oktave.

Im einfachsten Fall bezeichnet der Grundton den tiefsten Ton eines Akkords in Grundstellung, d.h. bei dessen terzweisen Aufbau.[1] Die eindeutige Bestimmbarkeit eines Grundtones ist demnach nur bei einfachen Dur- und Molldreiklängen gegeben, sowie bei den meisten Typen von Septakkorden und Nonenakkorden.

Bei einem in beliebiger Umkehrung auftretenden Akkord ist nicht zwangsläufig der tiefste Ton auch der Grundton; es gibt auch Akkorde, bei denen der Grundton im Sinne der Partialtonreihe fehlt: So nennt man z.B. den Akkord h-d'-f' in C-Dur einen verkürzten Dominantseptakkord, dessen Grundton g zwar als Basis im Sinne der Partialtonreihe fungiert, aber nicht gespielt wird. Ähnlich verhält es sich bei verminderten Septimakkorden, die sich auf vier verschiedene Grundtöne beziehen können (wobei Einzeltöne enharmonisch verwechselt sind).

Grundton einer Melodie oder Tonleiter[Bearbeiten]

Durtonleiter über dem Grundton C. Die Klammern kennzeichnen die Halbtonschritte innerhalb der Skala.

Der Grundton einer Tonleiter ist ihr zentraler Ton und daher namensgebend für die Tonart, wie zum Beispiel C-Dur oder a-Moll. Meist ist er zugleich auch der erste Ton der Tonleiter. Eine Ausnahme bilden hier jedoch die plagalen Kirchentonarten (z.B. Hypodorisch), bei denen sich der Grundton nicht am Beginn, sondern in der Mitte der Skala befindet.

Sehr häufig, ganz besonders bei Kinder- und Volksliedern sowie im Gregorianischen Choral, erklingt der Grundton zugleich auch als Schlusston einer Melodie. In der Gregorianik wird dieser Schlusston daher auch als "Finalis" bezeichnet.

Grundton eines Klanges[Bearbeiten]

Notation der ersten 16 Töne der Teiltonreihe über dem Grundton C. Die Zahlen und Pfeile kennzeichnen die Abweichung der Teiltöne von den notierten Tonhöhen in Cent.

Bei einem einzelnen Ton, im Sinne eines harmonischen Klanges, entspricht dessen Grundton der Grundfrequenz und somit der wahrgenommenen eigentlichen Tonhöhe. In den meisten Fällen entspricht die wahrgenommene Tonhöhe auch der Grundfrequenz, die mit dem ersten Partialton identisch ist. Seltener gibt es das akustische Phänomen, dass die Grundfrequenz bei einem Klang ganz fehlt und dieser trotzdem in Höhe der fehlenden Grundfrequenz wahrgenommen wird ('Missing Fundamental').

Die Obtertonreihe eines Grundtones bestimmt generell nicht nur die Klangfarbe sondern hat aufgrund ihrer Zusammensetzung (etwa bezüglich der Unterschiede in der Stärke der einzelnen Obertöne) auch direkten Einfluss auf die Klangfarbe des wahrgenommen Tones.

Sind die Obertöne eher gering ausgeprägt, spricht man von einem "grundtönigen" Klang. Die Zweierpotenzen der Grundfrequenz (diese entsprechen den Partialtönen 2, 4, 8 und 16) eines Tones ergeben stets deren Oktavierungen.

Grundton von Musikinstrumenten[Bearbeiten]

Der Grundton, der die Stimmung des Instrumentes bezeichnet, ist nicht identisch mit dem Stimmton, der die Feinstimmung des Instrumentes bestimmt. Insbesondere bei transponierenden Instrumenten bezeichnet man den Grundton als jenen Ton, der erklingt, wenn der Musiker ein "klingendes C" spielt bzw. greift.

  • Bei vielen Blasinstrumenten entspricht er dem tiefsten Ton bei kompletter, unmodifizierter Luftsäule, wobei alle Grifflöcher geschlossen bzw. keine Ventile oder Zusatzklappen betätigt sind. Der tatsächlich erreichbare tiefste Ton hängt noch zusätzlich von der Bauart des Blasinstrumentes und vom Können des Musikers ab. Der Grundton von Blasinstrumenten ist daher nicht zwingend mit der Bezeichnung oder Stimmung der Instrumente in Übereinstimmung.
  • Bei Pauken wird das Instrument auf den jeweils gewünschten Grundton gestimmt.
  • Bei Streichinstrumenten verwendet man die Stimmung der Saiten als Referenz, und verwendet den Begriff eher kaum
  • Bei Tasteninstrumenten ist die Referenz im üblichen der Ton C, wobei durch die Transponierfunktionen von Keyboards man wiederum jenen Ton als Grundton benennt, der beim Spielen der Taste C erklingt.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Grundton heißt in der Generalbaßlehre derjenige Ton, welcher bei terzenweisem Aufbau des Akkords der tiefste ist, z.B. c in c.e.g. oder g in g.h.d.f. Liegt der Grundton im Baß, so erscheint der Akkord in Grundlage, liegt einer der andern Töne im Baß, so hat man eine Umkehrung vor sich." - "Grundton". In: Hugo Riemann: Musik-Lexikon, Berlin 1922, S. 478.