Handwerkskammer Reutlingen

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Die Handwerkskammer Reutlingen wurde – wie 70 andere Handwerkskammern auch – im Jahr 1900 gegründet; die Handwerkskammer Reutlingen selbst wurde im November 1900 gegründet[1]. Grundlage war das „Gesetz, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung. Vom 26. Juli 1897“[2]. Die Handwerkskammer Reutlingen ist eine von inzwischen 53 Handwerkskammern in der Bundesrepublik Deutschland und hat über 13.000 Mitgliedsbetriebe mit etwa 80.000 Beschäftigten in den fünf Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb. Sie hat ihren Sitz in Reutlingen und übernimmt unter anderem hoheitliche Aufgaben des Staates.

Organisation[Bearbeiten]

Stellungnahme der Allgemeinen Handwerker-Konferenz zu Berlin am 8. bis 10. September 1896 zu dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Abänderung der Gewerbe-Ordnung
Das Gesetz zur Änderung der Gewerbeordnung aus dem Jahr 1897
Mietvertrag für Räume für die Handwerkskammer Reutlingen aus dem Jahr 1901

Die Handwerkskammer Reutlingen ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Ihre Organe sind Vollversammlung, Vorstand und Führungsspitze. Die Mitglieder der Handwerkskammer – die Betriebe im Kammerbezirk – entsenden ihre Vertreter in das Parlament des Handwerks in der Region: die Vollversammlung, die aus 39 Personen besteht. 26 Vollversammlungsmitglieder vertreten die Selbständigen und 13 die Arbeitnehmer. Die Drittelparität der Vollversammlung von Handwerkskammern ist in § 93 der Handwerksordnung[3] festgehalten und markiert so einen Unterschied zum Aufbau der Industrie- und Handelskammern. Die Vollversammlung der Handwerkskammer Reutlingen wählt aus ihrer Mitte wiederum den Vorstand, der aus dem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten (davon einer von der Arbeitnehmerseite) und sechs weiteren Mitgliedern besteht.

Auch die Geschäftsführung, die aus hauptamtlichen Mitarbeitern der Handwerkskammer besteht, wird von der Vollversammlung gewählt. Der Vorstand ist für die Verwaltung der Handwerkskammer verantwortlich. Nach außen wird die Handwerkskammer durch den Präsidenten und den Hauptgeschäftsführer vertreten.

Der amtierende Präsident der Handwerkskammer Reutlingen ist Joachim Möhrle, der von der Vollversammlung am 23. November 1999 zum Präsidenten gewählt und am 19. Oktober 2004 sowie am 30. November 2009 im Amt bestätigt wurde. Möhrle steht derzeit auch dem Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT) als Landeshandwerkspräsident vor. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen ist Joachim Eisert; er wurde am 29. November 2006 gewählt und trat sein Amt im April 2007 an.

Der Kammerbezirk der Handwerkskammer Reutlingen umfasst die fünf Landkreise Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb, in denen über 13.000 Handwerksbetriebe mit zirka 80.000 Beschäftigten angesiedelt sind. Ihren Sitz hat sie in Reutlingen.

Die Handwerkskammer Reutlingen ist Mitglied beim Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT) als der Dachorganisation des baden-württembergischen Handwerks (Mitglieder sind die Handwerkskammern, die Landesfachorganisationen (Landesinnungsverbände/Landesinnungen) des Handwerks in Baden-Württemberg und Zusammenschlüsse anderer wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Einrichtungen, die vorwiegend dem Handwerk dienen) und im Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Zudem gehört sie handwerkskammer.de an, einem Zusammenschluss aller Handwerkskammern in Deutschland.

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Handwerkskammer Reutlingen erbringt eine Vielzahl von Aufgaben für ihre Mitglieder, die mit den Stichworten Interessenvertretung, Beratung und Verwaltung zusammengefasst werden können. Diese Aufgaben sind gesetzlich in der Handwerksordnung festgelegt. Die Handwerkskammer Reutlingen ist die Selbstverwaltungsorganisation der regionalen Handwerkswirtschaft, und sie übernimmt hoheitliche Aufgaben des Staates. Darunter fallen das Führen der Handwerksrolle und des Verzeichnisses der handwerksähnlichen Gewerbe (Anlage A, B1 und B2 der Handwerksordnung).

Die Handwerkskammer Reutlingen versteht sich als modernes Dienstleistungszentrum des Handwerks, das die Interessen der angeschlossenen Unternehmen und der im Handwerk Beschäftigten wahrnimmt, sie bündelt und nach außen hin vertritt. So sorgt sie für eine gemeinsame und solidarische Vertretung der Anliegen aller Handwerker in Politik und Öffentlichkeit. In einer Zeit, in der sich das alltägliche Erscheinungsbild dieses Wirtschaftszweiges ändert und sich das Anforderungsprofil an die Beschäftigten in Theorie und Praxis immer rascher wandelt, gehört es zu ihren essentiellen Aufgaben, diese Entwicklungen rasch zu erkennen, geeignete Hilfestellungen zu entwickeln und im Interesse des Handwerks zu reagieren.

Beratungsangebot[Bearbeiten]

Es zählt zu den zentralen Aufgaben der Handwerkskammer Reutlingen, umfassende Beratung anzubieten. Diese Beratung ist für Mitgliedsfirmen kostenlos, ebenso wie eine Vielzahl von aktuellen Informationsveranstaltungen.

Schwerpunkte sind die Ausbildungsberatung, die betriebswirtschaftliche Beratung, die Rechtsberatung sowie die Beratung zu Fragen von Technologie, Innovation und Umwelt.

Dabei bemüht sich die Kammer, ihr Angebot ständig weiter auszubauen. So eröffnete sie im Juli 2007 ein Starter-Center, in dem Existenzgründer nicht nur beraten werden, sondern auch alle zur Gründung notwendigen Formalitäten in einem Schritt erledigen können.

Aus- und Weiterbildung[Bearbeiten]

Die Handwerkskammer Reutlingen ist Ansprechpartner sowohl für Auszubildende als auch Ausbildende. In einer umfangreichen und ständig aktualisierten Praktika- und Lehrstellenbörse im Internet bietet sie schnellen Zugriff auf freie Stellen und berät bei allen Fragen rund um Aus- und Weiterbildung.

Ihre Bildungsakademie mit den fünf Zentren in Albstadt, Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen und Tübingen übernehmen wichtige Aufgaben in der beruflichen Qualifikation sowohl im Bereich der Aus- als auch der Weiterbildung. An der Bildungsakademie Tübingen besuchen Lehrlinge im Handwerk die so genannte Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA), in der praktische Lehrinhalte in mehrwöchigen Kursen vertieft und trainiert werden.

Zweiter Schwerpunkt der Bildungsakademien ist die berufliche Weiterbildung. In Meisterkursen und Fortbildungen werden jährlich gut 10.000 Teilnehmer qualifiziert. Die Kurse reichen von A wie „Allgemeine Geschäftsbedingungen für Handwerksbetriebe“ bis zu Z wie „Zurück in den Friseurberuf“ und liefern so einen wichtigen Beitrag für die Zukunftssicherung im Handwerk.

Personen[Bearbeiten]

Präsidenten
  • 1900 – 1907: Friedrich Fischle
  • 1907 –1922: Karl Vollmer
  • 1922 – 1933: Otto Henne
  • 1933 – 1939: Philipp Baetzner
  • 1939 – 1943: Eugen Vogt
  • 1943 – 1945: Gauwirtschaftskammer
  • 1945 – 1974: Alfred Geisel
  • 1974 – 1984: Ernst August Karrer
  • 1984 – 1999: Günter Hecht
  • seit 1999: Joachim Möhrle
Geschäftsführer und Hauptgeschäftsführer
  • 1901 – 1905: Geschäftsführer Rudolf Dietrich
  • 1906 – 1911: Geschäftsführer Hans Freytag
  • 1911 – 1922: Geschäftsführer Karl Hermann
  • 1922 – 1956: Syndikus Hermann Eberhardt
  • 1956 – 1987: Hauptgeschäftsführer Herbert Beyer
  • 1987 – 2007: Hauptgeschäftsführer Roland Haaß
  • seit April 2007: Hauptgeschäftsführer Joachim Eisert

Literatur[Bearbeiten]

Eine Chronik der Handwerkskammer Reutlingen ist hier als pdf (3,5 MB) zu finden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronik der Handwerkskammer Reutlingen, Seite 15 (PDF; 3,6 MB)
  2. Gesetz, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 26. Juli 1897
  3. § 93 der Handwerksordnung