Reutlingen

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Reutlingen in Baden-Württemberg; zum Quartier Reutlingen in der Stadt Winterthur, siehe Reutlingen (Winterthur).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Reutlingen
Reutlingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Reutlingen hervorgehoben
48.4833333333339.2166666666667382Koordinaten: 48° 29′ N, 9° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 382 m ü. NHN
Fläche: 87,06 km²
Einwohner: 110.681 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 1271 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 72760–72770
Vorwahlen: 07121, 07072 und 07127Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 061
Stadtgliederung: Kernstadt und 12 Stadtteile mit Ortschaftsrecht
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 22
72764 Reutlingen
Webpräsenz: www.reutlingen.de
Oberbürgermeisterin: Barbara Bosch (parteilos)
Lage der Stadt Reutlingen im Landkreis Reutlingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Biberach Landkreis Böblingen Landkreis Esslingen Landkreis Esslingen Landkreis Göppingen Landkreis Sigmaringen Landkreis Tübingen Zollernalbkreis Bad Urach Dettingen an der Erms Engstingen Eningen unter Achalm Gomadingen Grabenstetten Grafenberg (Landkreis Reutlingen) Gutsbezirk Münsingen Hayingen Hohenstein (Landkreis Reutlingen) Hülben Lichtenstein (Württemberg) Mehrstetten Metzingen Münsingen (Württemberg) Pfronstetten Pfullingen Pfullingen Pliezhausen Reutlingen Riederich Römerstein (Gemeinde) Sonnenbühl St. Johann (Württemberg) Trochtelfingen Walddorfhäslach Wannweil ZwiefaltenKarte
Über dieses Bild

Reutlingen ist eine Großstadt im Zentrum Baden-Württembergs. Sie ist die größte Stadt und zugleich Kreisstadt des Landkreises Reutlingen, in dessen äußerstem Nordwesten gelegen. Nahebei befindet sich die Mittelstadt Tübingen (12 Kilometer westlich), die nächsten Großstädte sind Stuttgart (31 Kilometer nördlich) und Ulm (57 Kilometer östlich).

Reutlingens Einwohnerzahl überschritt 1989 die Grenze von 100.000. Mit rund 110.000 Einwohnern ist es heute nach Ulm die größte Stadt des Regierungsbezirkes Tübingen sowie die jüngste und kleinste der insgesamt neun Großstädte Baden-Württembergs, als einzige unter ihnen nicht kreisfrei. In der Agglomeration Reutlingen leben etwa 316.000 Einwohner.[2]

Reutlingen hat mit 17,5 Prozent seiner Gemarkung teil am Biosphärengebiet Schwäbische Alb, weshalb sich die Stadt offiziell auch als das „Tor zur Schwäbischen Alb“ bezeichnet.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Blick vom Restaurant Achalm auf die Reutlinger Altstadt (April 2012)
Blick auf Reutlingen-Mitte vom südlich gelegenen Georgenberg
Innenstadt mit Tübinger Tor

Reutlingen liegt auf einer bis zu zwölf Meter starken, von Süden nach Norden geneigten Schotterterrasse am Fluss Echaz, der die Kernstadt in einem leichten Bogen umfließt. Das mittlere Vorland der Schwäbischen Alb rings um die Stadt erhebt sich westlich und östlich des von Achalm (706 m ü. NHN) und Georgenberg (602 m) flankierten Echaztales bis zu einer Höhe von 450 m. Der tiefste Punkt Reutlingens liegt mit 290 m im Stadtteil Mittelstadt, die höchste Erhebung mit 869 m ist der schon zur Schwäbischen Alb gehörende Roßberg im südlichsten Stadtteil Gönningen.

Reutlingen gehört mit dem näheren Umland zum südlichen Bereich der Metropolregion Stuttgart. Innerhalb der Region Neckar-Alb bildet Reutlingen zusammen mit der westlichen Nachbarstadt Tübingen eines von derzeit 14 Oberzentren Baden-Württembergs.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende zum Landkreis Reutlingen, zum Landkreis Esslingen¹ bzw. zum Landkreis Tübingen² gehörende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Reutlingen (von Norden im Uhrzeigersinn):

Pliezhausen, Neckartenzlingen¹, Bempflingen¹, Riederich, Metzingen, Eningen unter Achalm, Pfullingen, Sonnenbühl, Mössingen², Gomaringen², Kusterdingen², Wannweil und Kirchentellinsfurt²

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Reutlingen gliedert sich in die Kernstadt (Reutlingen-Mitte) und 12 Stadtteile. Bei diesen handelt es sich um ehemals selbständige Gemeinden, die zwischen 1907 und 1975 nach Reutlingen eingemeindet wurden. Für sie ist in der Hauptsatzung der Stadt Ortschaftsrecht festgeschrieben. Jede Ortschaft (auch Bezirk genannt) hat eine örtliche Verwaltungsstelle, das „Bezirksamt“ sowie einen Ortschaftsrat, der von den Bürgern der Ortschaft gleichzeitig mit dem Gemeinderat der Stadt gewählt wird. Diese Gremien sind zu wichtigen den entsprechenden Stadtteil betreffenden Angelegenheiten zu hören und wählen einen Bezirksbürgermeister. Endgültig werden jedoch alle Entscheidungen vom Gemeinderat gefällt.[3]

Die zwölf Ortschaften beziehungsweise Bezirke der Stadt Reutlingen mit ihren Wappen:

„Reutlingen-Mitte“ ist zu statistischen Zwecken weiter in Stadtteile gegliedert, deren Bezeichnungen sich aus der geschichtlichen Entwicklung beziehungsweise von der Bebauung her ergeben. Eine verwaltungsrechtliche Bedeutung haben sie nicht. Hier ihre Namen (sie stimmen teilweise nicht mit den amtlichen Bezeichnungen überein): Betzenried, Burgholz, Georgenberg, Hohbuch, Katzensteg, Orschel-Hagen, Honauer Bahn (Oststadt), Ringelbach, Römerschanze, Schafstall, Storlach, Vochezenholz und Voller Brunnen.

Auf Reutlinger Stadtgebiet befinden sich des Weiteren folgende historische Stätten: die abgegangene, vermutlich nach 1100 erbaute Burg Hugenberg im Stadtteil Bronnweiler, die Wüstungen Blauhof, Breitenbach, Kappishäuser und Rappertshofen, die in die Kernstadt aufgegangene ehemals königlich-württembergische Domäne Achalm und das Gehöft Gaisbühl.

Geschichte[Bearbeiten]

Reutlingen (Tübinger Forstlagerbuch) von Andreas Kieser.
Der Marktplatz von Reutlingen, mit den wenigen frühmittelalterlichen Steinhäusern der Stadt (späteres Bürgerhaus, Kanzleigebäude u. Königsbronner Hof).
„Reütlingen“, Kupferstich von Matthäus Merian aus der 1643 entstandenen und 1656 veröffentlichten Topographia Sueviae

Frühzeit[Bearbeiten]

Die ältesten Siedlungsspuren auf dem Stadtgebiet (Reutlingen-Mittelstadt) stammen aus der Spätsteinzeit. Archäologische Funde auf der Achalm, einem dem Albtrauf vorgelagerten Zeugenberg, wo seit den 1970er Jahren gegraben wird, deuten auf eine dauerhafte Besiedelung in vorrömischer Zeit hin. Ausgrabungen beim „Rappenplatz“ am Südhang des Berges ergaben, dass dort insbesondere während der späten Urnenfelderzeit (10./9. Jh. v. Chr.) sowie in keltischer Zeit (zwischen dem 6. und 4. Jh. v. Chr.) gesiedelt wurde. Funde keltischer Gräber im Stadtgebiet (Bereich Seestraße und Nikolaikirche) bestätigen die jüngere Siedlungsperiode. Ausgrabungen in Betzingen und Sickenhausen bezeugen die Anwesenheit der Römer zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. Darüber hinaus fand man Spuren - vor allem Gräber - aus der Bronzezeit in Gönningen und aus der Hallstattzeit in Betzingen, Rommelsbach und Ohmenhausen.

Mehrere alemannische Siedlungen im 4. und 5. Jahrhundert auf dem heutigen Stadtgebiet lassen sich ebenfalls durch Grabfunde belegen. Eine dieser Siedlungen hat vermutlich beim heutigen Friedhof „Unter den Linden“ gelegen. Selbst der Name Reutlingen weist mit der typischen Endung „-ingen“ auf eine alemannische Gründung hin.

Mittelalter[Bearbeiten]

Um das Jahr 1030 begann Graf Egino mit dem Bau einer Burg auf dem Gipfel der Achalm (706 m ü. NN.), die sein Bruder Rudolf fertigstellte. Von diesem Bauwerk, das im 15. Jahrhundert zu zerfallen begann und während des Dreißigjährigen Krieges vollends geschleift wurde, existieren heute nur noch rudimentäre Fundamente. Um 1650 wurde es abgerissen. Sehr viele Steine wurden als Baumaterial für Stadthäuser verwendet. 1822 ließ der württembergische König Wilhelm I. einen Bergfried als Aussichtsturm auf den Grundmauern des alten Turmes errichten, von dem man einen weiten Blick über die Stadt und den Rand der Schwäbischen Alb sowie das Albvorland hat. Bei Altenburg gab es eine weitere Burg, die Altenburg, die im Besitz des Grafen Werner von Achalm war. Diese wurde bereits um 1070 abgerissen.

Der Ort Reutlingen findet erstmals Erwähnung im Zusammenhang mit dem Bempflinger Vertrag, der auf die Jahre 1089/1090 datiert wird. Dieser mündlich geschlossene Erbvergleich zwischen den Achalmgrafen Kuno und Liutold und ihrem Neffen Graf Werner von Grüningen wurde erstmals von den beiden Mönchen Ortlieb und Berthold in der Zwiefalter Chronik um 1135 schriftlich dokumentiert. Danach soll als Zeuge der Vereinbarung ein "Ruodolfus de Rutelingin" fungiert haben.

Vermutlich um 1180 erhielt Reutlingen von Kaiser Friedrich Barbarossa das Marktrecht. Zwischen 1220 und 1240 wurde es von dessen Nachfolger, Friedrich II., zur Freien Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erhoben und mit Mauern, Gräben und Türmen befestigt. Nach der Reichsstadt-Ära riss man die Befestigungen ein und füllte die Gräben auf. An der Jos-Weiß-Straße in der Reutlinger Innenstadt findet sich heute aber noch ein runder Zwingerturm (Eisturm genannt, da er von 1877 bis 1906 als städtischer Eiskeller genutzt wurde) und ein Stück der Mauer. (Im 18. Jahrhundert hatte man hier Häuser an sie gebaut, die ebenfalls noch erhalten sind.)

Im 13. Jahrhundert war Reutlingen für das Kaiserreich ein wichtiger Stützpunkt gegen konkurrierende Adelshäuser. So hielten die Reutlinger den Staufern auch die Treue, nachdem Papst Innozenz IV. Friedrichs II. für abgesetzt erklärt hatte. Heinrich Raspe von Thüringen, zum Gegenkönig ernannt, belagerte darum - vergeblich - im Jahr 1247 Reutlingen. Der Überlieferung zufolge begannen die Reutlinger nach der überstandenen Gefahr aus Dankbarkeit, dass ihre Gebete erhört wurden, sofort mit dem Bau der Marienkirche. 1343 war sie fertiggestellt. Die Belagerer hatten einen Rammbock zurückgelassen, an dem für die Länge des Kirchenschiffs Maß genommen wurde. Die Kirche ist heute ein Wahrzeichen der Stadt und gilt als eines der schönsten und bedeutendsten Bauwerke der Gotik in Württemberg.

Die Reutlingen zuerkannte Reichsfreiheit war zunächst eine äußerst beschränkte Freiheit. Rechtlich wie wirtschaftlich bestand eine enge Abhängigkeit zum Achalmvogt, dem die Stadt Zoll, Steuern und andere städtische Einkünfte zu entrichten hatte, der niedere und hohe Gerichtsbarkeit ausübte und den Schultheißen als Obersten der Stadt ernannte. 1262 verpfändete Konradin, der letzte Staufer, diese Rechte an Graf Ulrich von Württemberg, den Sohn Eberhards II., der zusammen mit seinem Vater Württemberg regierte.

Im Jahr 1337 übertrug Kaiser Ludwig IV. mit dem sogenannten "privilegium fori" die Gerichtsbarkeit vom Rottweiler Hofgericht und den anderen Landgerichten auf die Stadt. Die niedere Gerichtsbarkeit unterlag fortan dem Reutlinger Schultheißen. Die Hoch- oder Blutgerichtsbarkeit blieb aber zunächst beim Achalmvogt, sie ging erst im Laufe des 15. Jahrhunderts an die Reichsstadt über. Eine rechtliche Besonderheit ergibt sich aus dem vom Kaiser 1495 erteilten Privileg des Reutlinger Asyls, wonach Totschlägern, die ihre Tat ohne Vorsatz verübt hatten, ein Asylschutz in Reutlingen garantiert wurde. (Davon machten bis 1804 nahezu 2500 Menschen Gebrauch.)

Die erste städtische Verfassung von 1343 sicherte der aufstrebenden Schicht der Handwerker, die sich in Zünften zusammengeschlossen hatten, weitgehende politische Mitbestimmung. Die Verfassung von 1374 schließlich beendete die Vorherrschaft des Patriziats endgültig, sie war Grundlage der demokratisch-zünftischen Tradition bis zum Ende der Reichsstadtzeit. Nur in der Zeit zwischen 1552 und 1576 kehrte die städtische Oligarchie vorübergehend an die Macht zurück, nachdem Karl V., der die erstarkenden Zünfte für die Reformation verantwortlich machte, verfügt hatte, dass den Stadträten ein aus auf Lebenszeit bestellten Patriziern bestehender sogenannter Kleiner Rat („Hasenrat“) überzuordnen sei. Lediglich in Ulm, Reutlingen, Überlingen und Pfullendorf wurde dieser mit kaiserlicher Genehmigung in den 1570er Jahren wieder abgeschafft.

Von den 1370er Jahren an wandte sich Eberhard massiv gegen die Reichsstädte, die der Ausweitung des württembergischen Territoriums im Weg standen, insbesondere seit sie sich 1376 zur Sicherung ihrer Freiheitsrechte im Schwäbischen Städtebund auf militärischer Ebene zusammengeschlossen hatten. Diesem Bündnis stand seit 1379 der Löwenbund gegenüber, eine Vereinigung des Adels gegen die Städte, der auch Ulrich von Württemberg angehörte. Zwischen Württemberg und Reutlingen, das von Anfang an dem Bund angehörte, kam es am 14. Mai 1377 zur Konfrontation. Ulrich befand sich mit einer größeren Anzahl von Rittern auf der Burg Achalm, als Söldner aus Reutlingen einen Plünderungszug auf württembergisches Gebiet unternahmen. (Die Reutlinger hätten den Württembergern „die Kuh entführet“, so heißt es in einer alten Chronik.) Ulrich griff sie auf ihrem Rückmarsch in die Stadt an, zog sich aber nach hohen Verlusten - er selbst wurde verwundet - mit seinen Rittern auf die Achalm zurück. Auch wenn Eberhard II. mit Reutlingen sogar einen Friedensvertrag schloss („Ehinger Einung“), hielten die Auseinandersetzungen an. Sie endeten mit der Niederlage des Bundes in der Schlacht bei Döffingen und seiner Auflösung im Jahr 1388. Auch Reutlingen musste beim Friedensschluss 1389 die württembergische Vorherrschaft anerkennen.

In der ehemaligen Reichsstadt Reutlingen wird erstmals um 1329 eine jüdische Gemeinde genannt. Nach der Judenverfolgung in den Jahren 1347 und 1348 gewährte Karl IV. im Jahre 1349 den Reutlingern eine Amnestie und übergab jüdischen Besitz an die Grafen von Württemberg, die diesen an die Stadt Reutlingen veräußerten. Juden ließen sich in Reutlingen erneut um 1371 nieder und Karl IV. erließ 1377 der Stadt Reutlingen die noch ausstehenden Judengeldern. 1424 wird erstmals die "Judengasse" genannt, die heutige Rebentalstraße und ein Stück der Kanzleistraße zwischen Reutlinger Marktplatz und Oberamteistraße. Eine Judenvertreibung fand vermutlich vor 1476 statt, denn Friedrich III. befahl im Jahre 1476 der Stadt Reutlingen Juden wieder aufzunehmen.

Maximilian I. erlaubte 1495 und 1516 der Stadt Reutlingen die Juden auszuweisen.

Reformation - Christliche Konfessionen in Reutlingen[Bearbeiten]

August Stechert (1859-1933), Reutlingen, Marienkirche

Nach Beginn der Lutherischen Reformation wurde Reutlingen ab 1519 unter dem prägenden Einfluss des protestantischen Pfarrers und Predigers Matthäus Alber zu einer Hochburg der evangelischen Glaubenslehre im südwestdeutschen Raum.

Ab 1519 predigte Alber, der teilweise als „Luther Schwabens“ betitelt wird, in Reutlingen nach den Lehren von Martin Luther. Bis ins 20. Jahrhundert war Reutlingen eine Hochburg des Protestantismus im Südwesten des deutschsprachigen Raums. Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens. Nürnberg und Reutlingen waren die beiden Freien Reichsstädte im süddeutschen Raum, die sich 1530 durch Erstunterzeichnung der Confessio Augustana in Augsburg zur Lehre Luthers bekannten. Das Augsburger Bekenntnis unterzeichnete der damalige Bürgermeister Jos Weiß. Stadtschreiber und Syndikus Lorenz Zyser (Zisar) unterzeichnete 1579 für den Rat der Stadt Reutlingen die lutherische Konkordienformel von 1577[4]. Über lange Zeit war das Privileg, das Bürgerrecht der Stadt erwerben zu können, Protestanten vorbehalten. Juden waren bis in die 1860er Jahre gänzlich aus der Stadt verbannt. Katholiken wurden allenfalls als Dienstboten geduldet.

Nach dem 1802 erfolgten Anschluss an das Herzogtum Württemberg (das 1806 zum Königreich Württemberg wurde), erhielt die Stadt den Sitz eines Dekanats (siehe Kirchenbezirk Reutlingen) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Ab 1824 gab es einen Generalrat bzw. eine Generalsuperintendentur Reutlingen, die jedoch zunächst ihren Sitz in Stuttgart hatte. Aus der Letzteren wurde 1924 die Prälatur (auch „Sprengel“) Reutlingen, welcher der Prälat („Regionalbischof“) vorsteht, der heute in Reutlingen seinen Sitz hat. Alle heutigen Kirchengemeinden im Reutlinger Stadtgebiet gehören zu dem 1802 errichteten Dekanat bzw. dem später errichteten Kirchenbezirk. Lediglich die Kirchengemeinden Mittelstadt und Reicheneck gehören zum Kirchenbezirk Bad Urach.

Im 19. Jahrhundert zogen wieder Katholiken in die Stadt, doch nahm deren Zahl nur sehr langsam zu. 1823 wurde die erste katholische Gemeinde gegründet. Um 1900 waren von den 21.000 Einwohnern 1.700 katholisch. 1910 weihte die stets wachsende katholische Gemeinde ihre neu errichtete St. Wolfgangs-Kirche. Die Glieder der katholischen Gemeinden gehören heute zum Dekanat Reutlingen-Zwiefalten der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Vor der Reformation gehörten die Katholiken zum Bistum Konstanz.

Freie Reichsstadt und Anschluss an Württemberg[Bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Reutlingen unter Kaiser Maximilian I. ein Asylrecht für Totschläger, die ohne Vorsatz gehandelt hatten, verliehen. Mit der Verleihung dieses Rechts war die Entwicklung zur Freien Reichsstadt endgültig abgeschlossen. Reutlingen besaß mit diesem Status bereits seit längerem eine nur dem Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation)“ verantwortliche Autonomie, die einem eigenen staatsrechtlichen Status gleichkam, der bis 1802 existierte. Der Marktbrunnen Reutlingens mit einer Statue Maximilians II., errichtet um 1570, erinnert bis in die Gegenwart an die Verleihung der entsprechenden Rechte, und deren Festigung durch Maximilian II.

Brand der Stadt, 1726 von Gabriel Bodenehr den Älteren.

Im Jahr 1726 wurde Reutlingen von der größten Katastrophe seiner Geschichte heimgesucht, als ein Stadtbrand in 38 Stunden 80 % der Wohnhäuser und die meisten öffentlichen Gebäude zerstörte, wodurch etwa 1.200 Familien obdachlos wurden; jedoch gab es fast keine Todesopfer. Auch die Marienkirche wurde schwer beschädigt.[5]

Infolge der napoleonischen Hegemonie in den meisten Ländern der Heiligen Römischen Reichs wurde die Stadt 1802 gegen ihren Widerstand Teil des damaligen Herzogtums und späteren Königreichs Württemberg, wodurch sie den Status der Freien Reichsstadt verlor. Zum reichsstädtischen Gebiet gehörten bis dahin neben der eigentlichen Stadt auch die Dörfer Betzingen, Bronnweiler, Ohmenhausen, Wannweil, Stockach und Ziegelhausen. Bis 1648 gehörte auch Gomaringen mit Hinterweiler zur Reichsstadt, doch wurden beide Orte seinerzeit durch die - nach dem Dreißigjährigen Krieg - überschuldete Reichsstadt an Württemberg verkauft. Nach 1802 wurde Reutlingen Sitz eines württembergischen Oberamtes, die reichsstädtischen Dörfer wurden zu selbständigen Gemeinden.

Bei der bürgerlichen Märzrevolution von 1848 war Reutlingen als immer noch gedemütigte freie Stadt, bezogen auf die Situation im Königreich Württemberg, wo die Revolution wegen der frühen Zugeständnisse des Königs insgesamt eine vergleichsweise unblutige Entwicklung nahm, vorne dabei und suchte den Konflikt mit der württembergischen Obrigkeit.

Die Industrialisierung der Stadt kam erst langsam in Gang, jedoch sehr intensiv nach Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke nach Plochingen (Neckar-Alb-Bahn) 1859. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Reutlingen und sein Einzugsgebiet zu einer relativen Hochburg der sozialistischen und sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Südwestdeutschland.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Ansicht von Reutlingen“ (um 1930), Gemälde von Alice Haarburger, einer in Reutlingen geborenen Künstlerin, die aufgrund ihrer jüdischen Identität 1942 von den Nationalsozialisten im lettischen Ghetto Riga ermordet wurde (Exponat der Sonderausstellung „Reutlingen - gemalt und gezeichnet: Ausgewählte Ansichten“ im Reutlinger Heimatmuseum[6])

Nach der Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 wandelte sich Reutlingen schnell von einer sozialistisch geprägten in eine vom Nationalsozialismus dominierte Stadt. Der Gemeinderat und die öffentliche Verwaltung wurde von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet, die Gewerkschaftshäuser besetzt, Arbeiterorganisationen aufgelöst. Der NSDAP-Funktionär Richard Dederer wurde zum Oberbürgermeister der Stadt, er blieb bis zur Besetzung durch französische Truppen 1945 im Amt.

In der Diktatur des Nationalsozialismus änderte sich einiges an der hergebrachten Verwaltungsgliederung Württembergs: Aus dem Oberamt Reutlingen ging 1934 der Landkreis Reutlingen hervor. Ein Jahr später wurde Reutlingen Stadtkreis im Sinne der Deutschen Gemeindeordnung, verblieb aber weiterhin beim Landkreis Reutlingen. 1938 wurde der Landkreis Reutlingen um einige Gemeinden des aufgelösten Landkreises Urach erweitert.

Reutlingen wurde 1936 Garnisonsstadt.

Von Anfang an hatten die in Reutlingen lebenden ethnischen und religiösen Minderheiten, unter ihnen etwa zehn Sinti-Familien und über 100 Menschen jüdischen Glaubens unter der Ausgrenzung, schließlich der Verfolgung bis hin zur Ermordung zu leiden. Erst seit der Einführung der Gewerbefreiheit in den 1860er Jahren waren nach etwa 350-jähriger Verbannung der Juden aus der Stadt wieder einige jüdische Familien in Reutlingen sesshaft geworden. In den 1930er Jahren waren es vor allem Gewerbetreibende unter ihnen, die durch die Boykottmaßnahmen der Nationalsozialisten getroffen wurden. Ab Mitte der 1930er Jahre kam es auch in Reutlingen zur so genannten „Arisierung“ jüdischer Betriebe. 1942 gab es offiziell keine Juden mehr in der Stadt. Etwa 30 bis 40 von ihnen waren bereits vor dem Zweiten Weltkrieg emigriert, unter ihnen auch der vormalige Besitzer eines der größten Einzelhandelskaufhäuser in der Stadtmitte/Marktplatz, Samuel Kahn. Zwischen 50 und 70 Reutlinger Jüdinnen und Juden wurden in die KZs und Vernichtungslager im von den Deutschen besetzten Polen verschleppt, wo die meisten von ihnen im Rahmen des Holocaust ermordet wurden. Nur von acht davon ist bekannt, dass sie die KZ-Haft überlebten. Ebenso traf es die als „Zigeuner“ verunglimpften in Reutlingen lebenden Sinti. Die meisten von ihnen wurden im August 1944 in Auschwitz-Birkenau umgebracht.

Politische NS-Gegner aus Württemberg wurden während des Jahres 1933 oftmals im „SchutzhaftlagerHeuberg bei Meßstetten, einem der ersten Konzentrationslager (KZ) des NS-Regimes, interniert. Von dort wurden einige nach dessen Auflösung in größere KZs verlegt, darunter der vormalige Reutlinger KPD-Bezirksvorsitzende und Stadtratsmitglied Fritz Wandel, der mit aufgrund seiner führenden Teilnahme am Mössinger Generalstreik nach einer 4½jährigen Einzelhaftstrafe bis 1943 Gefangener im KZ Dachau war, danach bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Strafbataillon 999 eingesetzt wurde.[7] Unmittelbar nach dem Krieg war er neben anderen zusammen mit Oskar Kalbfell, der als SPD-Mitglied dem Kern der später so genannten „Reutlinger Widerstandsgruppe“ um den beigeordneten NS-Bürgermeister Georg Allmendinger angehört hatte[8] an entscheidender Stelle beim demokratischen Wiederaufbau der Stadt beteiligt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Reutlingen mehrere Zwangsarbeiterlager für insgesamt 3.950 Menschen (etwa 10 % der damaligen Reutlinger Einwohnerschaft) errichtet, die nach Deutschland verschleppt worden waren und in verschiedenen als kriegswichtig geltenden Industriebetrieben eingesetzt wurden. Darunter befand sich auch ein Lager der damaligen Firma Heim im Stadtteil Betzingen, in der Tragflächen und Höhenleitwerke für die „V1“ – eine von Hitlers angeblichen „Wunderwaffen“ – produziert wurden. Auf dem Alten Friedhof Unter den Linden erinnern einige Sammelgräber und acht Einzelgräber mit einem Denkmal aus dem Jahr 1952 an die zahlreichen Opfer von Zwangsarbeit.

Der Wehrmachtsdeserteur Karl Erb aus dem Ortsteil Sickenhausen wurde wenige Tage vor dem Eintreffen der französischen Truppen ergriffen und öffentlich gehenkt (siehe auch Endphaseverbrechen).[9]

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurde Reutlingen durch vier Luftangriffe der Westalliierten schwer in Mitleidenschaft gezogen, rund 25 Prozent des Gebäudebestandes wurden vernichtet. Um weitere Zerstörungen zu vermeiden, übergab im April 1945 Oskar Kalbfell in einer beherzten Aktion den anrückenden französischen Truppen die Stadt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

1945 wurde die Stadt unter französischer Besatzung wieder Teil des Landkreises Reutlingen und zur „unmittelbaren Kreisstadt“ erklärt. Der Wiederaufbau Reutlingens und seine Demokratisierung ist eng mit dem Namen Kalbfells verbunden, der als erster demokratisch gewählter Oberbürgermeister der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg die politische Geschichte Reutlingens bis 1973 prägte. Seit Inkrafttreten der Gemeindeordnung des Bundeslandes Baden-Württemberg zum 1. April 1956 ist Reutlingen eine Große Kreisstadt. 1984 war Reutlingen Gastgeber der fünften Landesgartenschau Baden-Württemberg. Im Jahre 1988 überstieg Reutlingen die 100.000-Einwohner-Marke und wurde zur neunten Großstadt in Baden-Württemberg. 1987 wurde die Pädagogische Hochschule Reutlingen als selbstständige Hochschule aufgelöst. 2009 richtete Reutlingen unter dem Motto „Kultur schafft Heimat“ die Heimattage Baden-Württemberg aus.

Am 28. Juli 2013 verwüstet ein Hagelsturm Reutlingen und weite Teile der Region Neckar-Alb.[10] Tausende zerstörter Dächer, Häuserfassaden, Solaranlagen und Autos verursachen bei den Versicherungen eine Schadenssumme von mindestens 600 Millionen Euro.[11] Damit gilt das Unwetter als zweitschlimmstes Hagelereignis in Deutschland nach dem Hagelsturm von München 1984.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Jahr 1900 betrug die Fläche des Stadtgebietes 2.782 ha. Durch die Eingemeindungen zwischen den Jahren 1907 und 1975 vergrößerte sich die Fläche auf 8.706 ha, ein Zuwachs von 5.924 ha oder 213 %.

Ehemals selbständige Gemeinden beziehungsweise Gemarkungen, die in die Stadt Reutlingen eingegliedert wurden:[12]

Jahr Orte Zuwachs in ha
1. April 1907 Betzingen 784
1. April 1939 Sondelfingen 624
1. April 1949 Ohmenhausen 574
1. Januar 1971 Bronnweiler 119
1. Januar 1971 Gönningen 1.567
1. Januar 1971 Oferdingen 317
Jahr Orte Zuwachs in ha
1. Januar 1971 Reicheneck 226
1. Januar 1972 Altenburg 261
1. Januar 1972 Degerschlacht 175
1. April 1972 Sickenhausen 262
1. Juli 1974 Rommelsbach 369
1. Januar 1975 Mittelstadt 646

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung

1907 hatte Reutlingen 25.000 Einwohner, die sich bis 1952 auf 50.0000 verdoppelten. Im Jahre 1988 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Großstadt-Marke von 100.000 und wächst weiterhin, auf zuletzt über 110.000 im Jahre 2012, an.

Im Juni 2004 betrug der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung nach Angaben der Stadtverwaltung 15,2 Prozent (16.541 Personen). Die meisten Ausländer stammen aus der Türkei (3.046), Griechenland (2.969), Italien (2.050), Kroatien (1.642) sowie Bosnien und Herzegowina (1.132).

Die politischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen der nichtdeutschen Einwohner gegenüber der Stadtverwaltung werden durch einen seit 1984 in der Regel alle 4 bis 5 Jahre - zuletzt am 10. Juli 2011 - von den wahlberechtigten Immigranten gewählten kommunalen Integrationsrat (bis 1995 betitelt als Ausländerbeirat, danach einige Jahre als Ausländerrat) mit derzeit 10 Mandatsträgern vertreten.[13] Dieser Beirat tagt etwa vier Mal jährlich und nimmt eine beratende Funktion gegenüber dem Gemeinderat ein.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1733 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1300 4.500
1347 5.000
1542 5.420
1600 5.043
1659 4.376
1733 6.663
7. Dezember 1803 ¹ 7.798
1. November 1822 ¹ 9.475
3. Dezember 1846 ¹ 12.660
3. Dezember 1849 ¹ 12.659
3. Dezember 1852 ¹ 12.410
3. Dezember 1855 ¹ 12.367
3. Dezember 1858 ¹ 12.729
3. Dezember 1861 ¹ 13.449
3. Dezember 1864 ¹ 13.420
3. Dezember 1867 ¹ 13.781
1. Dezember 1871 ¹ 14.237
Jahr Einwohner
1. Dezember 1875 ¹ 15.246
1. Dezember 1880 ¹ 16.609
1. Dezember 1885 ¹ 17.319
1. Dezember 1890 ¹ 18.542
2. Dezember 1895 ¹ 19.822
1. Dezember 1900 ¹ 21.494
1. Dezember 1905 ¹ 23.848
1. Dezember 1910 ¹ 29.763
1. Dezember 1916 ¹ 25.691
5. Dezember 1917 ¹ 25.355
8. Oktober 1919 ¹ 28.891
16. Juni 1925 ¹ 30.501
16. Juni 1933 ¹ 33.204
17. Mai 1939 ¹ 38.885
31. Dezember 1945 36.562
29. Oktober 1946 ¹ 36.785
13. September 1950 ¹ 45.735
Jahr Einwohner
25. September 1956 ¹ 60.481
6. Juni 1961 ¹ 67.407
31. Dezember 1965 73.375
27. Mai 1970 ¹ 79.534
31. Dezember 1975 95.289
31. Dezember 1980 95.456
31. Dezember 1985 97.030
25. Mai 1987 ¹ 98.853
31. Dezember 1990 103.687
31. Dezember 1995 108.565
31. Dezember 2000 110.650
31. Dezember 2005 112.252
31. Dezember 2010 112.484
9. Mai 2011 ¹ 109.799
31. Dezember 2011 ² 110.084

¹ Volkszählungsergebnis, ² letzte offiziell bekannte Zahl

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die letzte Gemeinderatswahl war am 7. Juni 2009. Die Wahl erbrachte folgendes Ergebnis:

Gemeinderatswahl 2009
(in %)[14][15]
 %
30
20
10
0
25,9
20,6
15,5
14,5
10,9
8,0
4,5
keine
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-2,5
+0,6
+1,9
+2,1
+5,0
-2,8
+4,5
-8,9
Partei/Vereinigung  % (2009) Sitze (2009)
CDU 25,9 (−2,5) 11 (−1)
SPD 20,5 (+0,5) 9 (±0)
Die Grünen und Unabhängigen 15,5 (+1,9) 6 (±0)
FWV 14,5 (+1,5) 6 (+1)
FDP 10,9 (+5,0) 4 (+2)
WiR "Wir in Reutlingen" 8,0 (−1,0) 3 (-1)
Linke Liste 4,5 (+4,5) 1 (+1)
BMR "Bürgerliche Mitte Reutlingen" (−5,9) (−2)

Ergebnisse der Kommunalwahlen in Reutlingen

Nach fraktionsinternen Differenzen traten am 20. Oktober 2011 zwei Gemeinderäte der Grünen und Unabhängigen aus ihrer Fraktion aus, und bildeten daraufhin gemeinsam mit dem Stadtratsmitglied der Linken Liste die Fraktion Reutlingen sozial und ökologisch (RSÖ). Damit änderten sich die politischen Kräfteverhältnisse im Reutlinger Stadtrat zu Ungunsten der Grün-Unabhängigen Fraktion, nicht jedoch von Bündnis 90/Die Grünen als Partei, da beide auch weiterhin Mitglied dieser bleiben wollen.[16]

Bürgermeister[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt Reutlingen stand der Schultheiß als Vorsitzender des Gerichts. Später gab es zwei Schultheißen. In württembergischer Zeit wurde vom König ein Oberbürgermeister eingesetzt, der später teilweise den Titel Stadtschultheiß führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg regierte Oskar Kalbfell (SPD) die Stadt unumstritten bis 1972 als Oberbürgermeister.

Kalbfell folgte der ehemalige Landrat des Altkreises Münsingen, Manfred Oechsle (CDU), mit dem ebenfalls eine Ära begann, die mit der Wahl von Stefan Schultes (CDU) im April 1995 endete. Bei der jüngsten Oberbürgermeisterwahl 2003 musste Schultes sein Amt für die bisherige beigeordnete Bürgermeisterin von Fellbach, die von der SPD favorisierte parteilose Barbara Bosch, räumen.

Der Oberbürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Die erste Amtszeit von Barbara Bosch endete am 2. April 2011. Am 6. Februar 2011 wurde Bosch für eine weitere Amtszeit als Oberbürgermeisterin wiedergewählt.[17]

Vertretungen in Land und Bund[Bearbeiten]

Die Stadt Reutlingen befindet sich im Landtagswahlkreis Reutlingen. Dieser Wahlkreis wird im Landtag von Baden-Württemberg vertreten durch Dieter Hillebrand (CDU, Direktmandat), Thomas Poreski (Bündnis 90/Die Grünen) und Nils Schmid (SPD).

Die Mitglieder des Deutschgen Bundestages für den Bundestagswahlkreis Reutlingen sind Michael Donth (CDU, Direktmandat) und Beate Müller-Gemmeke (Bündnis 90/Die Grünen).

Wappen[Bearbeiten]

Ältere Form des Wappens

Das Wappen der Stadt Reutlingen zeigt in Gold den rot bezungten schwarzen Reichsadler belegt mit einem von Schwarz, Rot und Silber geteilten Brustschild. Die Stadtflagge ist Schwarz-Rot-Weiß.

Der Adler ist das Symbol der Reichsfreiheit, welche die Stadt Reutlingen bis 1802 innehatte, bevor sie zum Herzogtum Württemberg, dem späteren Königreich, kam. Der Reichsadler tauchte im 15. Jahrhundert auf einem schwarz-rot-silbernem Schildfuß auf. Später wurde ein zweifach geteilter Schild zwischen den Fängen des Adlers hinzugefügt. Dieser wurde danach teils alleine, teils mit Adler verwendet. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Schild meist als Brustschild dargestellt. Die Stadtfarben wechselten mehrmals, doch sind die heutigen Farben inzwischen schon sehr lange gebräuchlich.

Jugendgemeinderat[Bearbeiten]

Alle zwei Jahre wird in Reutlingen ein Jugendgemeinderat gewählt. Wahlberechtigt ist jeder Jugendliche zwischen dem 14. und dem 21. Lebensjahr, der seit mindestens drei Monaten in Reutlingen seinen Hauptwohnsitz hat. Die letzte Jugendgemeinderatswahl fand vom 18. bis zum 25.Januar 2013 statt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Reutlingen unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Kultur und Sehenswürdigkeiten sowie Brauchtum[Bearbeiten]

Theater, Kleinkunst, Kabarett[Bearbeiten]

  • Theater in der Tonne (Theater, vereinzelt Kleinkunst und Varieté)
  • Naturtheater Reutlingen, Amateur-Freilichttheater
  • Kleinkunstbühne Reutlingen e. V. (Kabarett, Comedy, Kleinkunst, früher als Kleinkunstbühne Rappen bekannt)
  • franz.K - Kultur im alten französischen Kino (ehem. Kulturbühne Foyer U3)
  • Theaterverein D´Moospritzer e.V. - schwäbisches Amateur-Mundarttheater (verschiedene Spielstätten)

Musik[Bearbeiten]

  • Württembergische Philharmonie Reutlingen (klassische Musik)
  • Junge Sinfonie Reutlingen (klassische Musik)
  • Nachwuchsorchester Reutlingen (klassische Musik)
  • Knabenchor capella vocalis Reutlingen (klassische Musik)
  • Jazzclub In der Mitte e. V. (Jazz, Ragtime, Blues)
  • Musikschule Reutlingen (MsR) Reutlingen-Spitalhof (Kingbee, Feetofpulse)
  • KuRT e. V. (Förderung der Reutlinger Kultur aus junger Perspektive)
  • New-Wave-Band Diorama

Archive[Bearbeiten]

Museen und Institutionen[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

Hauptturm der Marienkirche
  • Marienkirche (evang.), das Wahrzeichen der Stadt
  • Nikolaikirche (evang.)
  • Peter-und-Paul-Kirche (Gönningen) (evang.), Ersterwähnung 1275
  • St.-Wolfgangskirche
  • Christuskirche von 1936
  • Kapelle im Garten des heutigen Heimatmuseums: Die Kapelle wurde um 1500 als kleine Messkapelle für den Königsbronner Klosterhof im Stil der Spätgotik errichtet. Sie besteht aus einem schlichten, einschiffigen Innenraum mit Netzgewölbe, an den ein Chor mit sechs Spitzbogenfenstern mit zweiteiligem Mauerwerk anschließt. Der Baumeister ist nicht bekannt, vermutlich ist die Kapelle ein Werk des Steinmetzen Peter von Braisach, der von 1489 bis 1505 in Reutlingen ansässig war und Ausbesserungsarbeiten an der Marienkirche vornahm.

Profanbauten[Bearbeiten]

  • Der Königsbronner Hof ist eines der ältesten heute noch bestehenden Bauwerke der Stadt. Es war als steinernes Haus im Jahr 1278 erbaut worden; der damalige Bauherr und Besitzer sind unbekannt. Der Fachwerkausbau erfolgte 1537 durch Abt Melchior von Königsbronn. Über Jahrhunderte hinweg wurde der Bau als Pfleghof des Zisterzienserklosters Königsbronn genutzt, heute beherbergt es das Heimatmuseum.
  • Neues Spital („Volksbildungshaus“)
  • Rathaus
  • Stadthalle
  • Spendhaus
  • Reste der Stadtmauer mit Tübinger Tor, Gartentor und Zwinger
  • Landratsamt (ehemaliger Regierungssitz Württembergs)
  • Eisturm
  • Stadtmauerhäuser
  • Oberes Bollwerk
  • Gmindersdorf
  • Haus der Südwestmetall (vollständig aus Metall gebaut)
  • Aussichtsturm Roßberg

Brunnen[Bearbeiten]

  • Aquamobil (Brunnen vor der Hauptpost), erbaut 1986 von Gottfried Gruner
  • Aquamobil (Brunnen in der Kaiserpassage), ebenfalls von Gottfried Gruner
  • Gartentorbrunnen, erbaut im Jahre 1931 als Ersatz für einen alten Brunnen von 1590
  • Gerber- und Färberbrunnen, erbaut im Jahre 1921 von Professor Josef Zeitler an Stelle des Löwenbrunnens
  • Gockelbrunnen, erbaut 1979 von Ulrich Boss; bis 1856 befand sich an diesem Platz der „Rote Brunnen“
  • Kaskadenbrunnen im Volkspark
  • Kirchbrunnen, erbaut 1561 von Hans Motz, auf der Brunnensäule der Stauferkaiser Friedrich II.
  • Lindenbrunnen, erbaut 1544 als Ziehbrunnen von Hans Huber und Sohn, 1954 restauriert durch die Brüder Raach
  • Marktbrunnen, erbaut 1570 von Leonhard Baumhauer, auf der Brunnensäule befindet sich eine Ritterskulptur Kaiser Maximilians II. (1527–1576)
  • Springbrunnen (Listplatz)
  • Springbrunnen vor dem Rathaus
  • Steinfeld, erbaut 1983 von Rainer Hantschke
  • Wasserplastik, erbaut 1980 (Brunnen vor dem Arbeitsamt Reutlingen) von Jörg Failmezger
  • Wöhrwoldbrunnen
  • Zunftbrunnen, mit Miniaturskulpturen der 12 ehemaligen Zünfte der Stadt Reutlingen, gestaltet von Bonifatius Stirnberg 1983

Denkmäler[Bearbeiten]

Parks[Bearbeiten]

Eingangsportal zum Friedhof "Unter den Linden"
  • Volkspark und Pomologie
  • Parkanlage am Listplatz
  • Parkanlage hinterm Achalmbad
  • Planie (Allee)
  • Garten des Heimatmuseums
  • Stadtgarten, 1902 angelegt
  • Friedhof Unter den Linden

Landschaftliche Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Achalm, 707 m hoher „Hausberg“ Reutlingens, ragt über 300 m über die Stadt empor, mit Resten einer Burgruine und Aussichtsturm.
  • Georgenberg, 602 m über N.N., Berg vulkanischen Ursprungs im Süden der Kernstadt.
  • Gönninger Seen, renaturierte Travertin-Steinbrüche im Gönninger Tal mit zahlreichen kleineren Wasserfällen
  • Gönninger Wasserfall der Wiesaz im Ortsteil Gönningen (Höhe: 6 m)
  • Naturschutzgebiet Listhof. Das rund 120 Hektar große Gebiet im Südwesten der Stadt umfasst das ehemalige Panzerübungsgelände auf den Gemarkungen Reutlingen, Betzingen und Ohmenhausen. Bis Anfang 1992 wurde das Gelände militärisch genutzt, die Spuren sind heute noch deutlich zu erkennen. Nach Abzug der französischen Truppen gab es in der Kommunalpolitik zunächst Überlegungen, das Areal als städtebauliche Reservefläche oder als Freizeitgebiet zu sichern. In Zusammenarbeit mit der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Tübingen entwickelte die Stadt Reutlingen jedoch ein Naturschutz-Konzept, das der Gemeinderat 1996 einstimmig billigte. Für damals rund 3,1 Millionen Mark kaufte die Stadt zudem vom Bund die Flächen, die ihr noch nicht gehörten. Dass der ehemalige Übungsplatz als „ökologisch besonders wertvoll“ eingestuft wurde, hat mehrere Gründe: zum einen sind derartige Anlagen in der Regel verhältnismäßig groß und nicht durch öffentliche Straßen oder Siedlungen zerschnitten, zum anderen wird hier nicht gedüngt, so dass es zu keiner nennenswerten Belastung durch Pestizide oder Entwässerungen kommt - und da die Übungsplätze nicht betreten werden dürfen, sind Störungen durch Menschen, abgesehen vom militärischen Betrieb, ausgeschlossen. Im September 2000 erklärte das Regierungspräsidium den Listhof schließlich zum Naturschutzgebiet. Am südlichen Zugang hat die Stadt Reutlingen zudem ein Umweltbildungszentrum eingerichtet.

Sonstige Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Spreuerhofstraße, an der Hauswand rechts das Hinweisschild auf den Weltrekord
  • Kepis Lehrpfad - biologisch-geologischer Lehrpfad im Markwasen.
  • Spreuerhofstraße, laut dem Guinnessbuch der Rekorde seit 2007 die engste Straße der Welt.[19] Sie ist im Durchschnitt nur zirka 40 Zentimeter breit, an der engsten Stelle 31 Zentimeter schmal. Die Gasse entstand nach dem Stadtbrand von 1726. Der Spreuerhof war ursprünglich ein Getreidelager für das Reutlinger Spital.
  • Stadtmauerhäuser an der Jos-Weiß-Straße. Die Häuser wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts an und in die bestehende Stadtmauer errichtet.
  • Sternwarte und Planetarium Reutlingen

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Januar: Donnerstag nach dem Dreikönigsfest: Mutscheltag (siehe unten bei Kulinarische Spezialitäten)
  • Februar: Reutlinger Vesperkirche, soziale und gemeinnützige Veranstaltung der evangelischen Kirchen.[20]
  • Februar/März: Mundartwochen (seit 1976)
  • März: Schiedweckentag am Mittwoch nach dem 2. Fastensonntag, traditionelle Reutlinger Kalbfleischpastete zum Ende der Winterzeit.
  • Mai: GardenLife in der Pomologie
  • Juni: Zelt am ZOB
  • Juni/Juli: KuRT-Festival („Umsonst und Draußen“), zweitägig, erstmals 2007
  • Juni/Juli: Stadtfest, erstmals 1977 (seit 1980 jedes gradzahlige Jahr alternierend mit Tübingen (ungradzahlig))
  • Juli: Am zweiten Sonntag nach dem 4. Juli ist Schwörtag, eine reichsstädtische Tradition seit ca. 1347 bis zum Ende der Reichsstadtzeit 1802, wiederbelebt 2005 durch Oberbürgermeisterin Barbara Bosch
  • Juli: Oststadtfest „Neigschmeckt“ mit regionalen Spezialitäten (seit 2006)
  • Juli: Reutlinger Classic Open Air
  • Juli/August: Reutlinger Orgelsommer, Orgelfestival in verschiedenen Reutlinger Kirchen
  • September: Oldtimer-Wochenende Retromotor
  • September: Weindorf Reutlinger Herbst
  • September/Oktober: Herbst-Grillfest für Alle, soziale und gemeinnützige Veranstaltung der Achalmritterschaft Reutlingen e.V., wurde 2012 vom Gründer und Schirmherr des Kulturvereins, Frank Christoph Schnitzler, ins Leben gerufen.[21] [22]
  • Oktober: Reutlinger Kulturnacht
  • Dezember: Reutlinger Weihnachtsmarkt

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

  • Kimmicher - Brötchen mit viel Kümmel, Reutlinger Traditionsgebäck
  • Mutschel - Sternförmiges Mürbteiggebäck, Reutlinger Traditionsgebäck
  • Schiedwecken - Eine Blätterteigpastete mit Kalbfleisch gefüllt, Reutlinger Traditionsgebäck

Bäder[Bearbeiten]

  • Achalmbad
    Das historische Sport- und Familienbad (renoviert 2000) liegt am Rande der Reutlinger Innenstadt. Es besitzt ein Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken, einen Kleinkinderbereich, ein Kneippbecken, Nackenbrausen sowie Sonnenbänke und Fitnessgeräte. Außerdem verfügt das Achalmbad über einen zweigeteilten Saunabereich mit einer Aufguss-Sauna auf der einen Seite sowie einem Osmanischen und einem Römischen Dampfbad auf der anderen Seite sowie über ein Bistro im Eingangsbereich.
  • Wellenfreibad Markwasen
    Das Sport- und Freizeitbad bietet auf über 100.000 m² Parkanlage ein Sport- und Wellenbecken sowie ein Nichtschwimmerbecken mit Breitwasserrutsche und 85-Meter-Riesenrutschbahn und ein Sprungbecken mit einer Sprungturmanlage bis zu 10 m Höhe. Außerdem bietet das Wellenfreibad einen großen Kinderspielplatz mit Rollenrutsche, Kletternetz, Wipptieren sowie einen Sandplatz und eine Matschstelle. Das Bad bietet Tischtennis, eine Spielwiese mit Fußball-, Basketball-, Federball- und Volleyballfeldern sowie ein Beachvolleyballfeld.
  • Hallenbad Betzingen
    Das Hallenbad Betzingen direkt an der Echaz bietet vier 25 m-Bahnen zum Sporttreiben sowie eine Liegewiese.
  • Hallenbad Orschel-Hagen
    Das Hallenbad Orschel-Hagen liegt mitten in der Gartenstadt Orschel-Hagen und bietet vier 25 m-Bahnen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten]

Reutlingen weist zwei Gewerbegebiete, ein Industriegebiet und einen Dienstleistungspark aus.

Versorgungs- und Dienstleistungsunternehmen[Bearbeiten]

Die Stadtwerke Reutlingen GmbH bzw. ihr Tochterunternehmen, die FairEnergie GmbH (Gründung 2000) sind seit über 100 Jahren in der Energie- und Wasserversorgung (Strom, Erdgas, Trinkwasser und Fernwärme) tätig.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Reutlingen hat als eine von nur zwei deutschen Großstädten (gemeinsam mit Solingen) keinen direkten Fernstraßenanschluss. Die Autobahn A 81 StuttgartSingen (Hohentwiel) über Rottenburg am Neckar (Ergenzingen) und Tübingen ist etwa 40 Fahrminuten, die A 8 Stuttgart—Ulm über Filderstadt etwa 25 Minuten entfernt. Durch die Stadt führen die B 28 Tübingen—Ulm, die B 312 Stuttgart—BiberachMemmingen. Die B 464 bildet einen Zubringer zur B 27 und weiter Richtung Böblingen zur A 81. Ab 2016 soll der Scheibengipfeltunnel die Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Reutlinger Hauptbahnhof liegt an der „Neckar-Alb-Bahn“ Stuttgart – Plochingen – Tübingen. Er wird stündlich von Regionalbahn-Zügen der Relationen (Plochingen –) WendlingenHerrenberg und Bad Urach – Reutlingen (– Herrenberg) sowie von Regional-Express-Zügen der Linie StuttgartTübingen bedient. Außerdem verkehrt ein zweistündlicher Interregio-Express nach Stuttgart bzw. nach Aulendorf sowie seit 2009 täglich ein Intercity-Zugpaar nach Düsseldorf bzw. Tübingen.[23] Im Zuge des Großprojektes Stuttgart 21 soll eine direktere Linienführung über den Flughafen Stuttgart zu einer deutlichen Verbesserung der Anbindung nach Stuttgart sowie an das Fernverkehrsnetz führen.

Der Reutlinger Bahnhof besitzt einen ausgedehnten Güter- und Rangierbahnhof, der vor einigen Jahren geschlossen wurde. Die Gleisanlagen sind allerdings komplett erhalten.

Seit einigen Jahren gibt es Überlegungen, bestehende Eisenbahnstrecken gemeinsam mit einigen Streckenneubauten bzw. -reaktivierungen in eine nach dem Karlsruher Modell aufzubauende Regionalstadtbahn Neckar-Alb zu integrieren.

ÖPNV[Bearbeiten]

Die vier Linien der einstigen Reutlinger Straßenbahn wurden zwischen 1970 und 1974 stillgelegt. Heute bedienen Busse der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft mbH (RSV) und verschiedener anderer Verkehrsunternehmen den Nahverkehr im Stadtgebiet. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) nutzbar, hier befindet sich Reutlingen in der Wabe 220.

Am Reutlinger Hauptbahnhof fahren Züge Richtung Bad Urach, Metzingen, Tübingen und Stuttgart.

Seit 2003 gibt es eine direkte Busverbindung zur Messe und zum Flughafen Stuttgart.

Medien[Bearbeiten]

In Reutlingen erscheinen die Tageszeitungen Reutlinger General-Anzeiger und Reutlinger Nachrichten, eine Lokalausgabe der Südwest-Presse, deren Hauptredaktion ihren Sitz in Ulm hat. Auch das Schwäbische Tagblatt aus Tübingen berichtet auf einer eigenen Reutlingen-Seite. Im lokalen Kabelnetz ist der Fernsehsender RTF.1 auf dem Kanal K08 mit regionalen Nachrichten zu empfangen.

Von 1949 bis 1964 betrieb der Südwestfunk zwischen Reutlingen und Degerschlacht bei 48° 30′ 54″ N, 9° 11′ 30″ O48.5159.1916666666667 einen Rundfunksender für Mittelwelle. Der 48 Meter hohe, gegen Erde isolierte abgespannte Sendemast befand sich am nordwestlichen Rand des heutigen Erweiterungsgeländes für den Friedhof Römerschanze. An der Stelle des ehemaligen Betriebsgebäudes befindet sich heute eine Gaststätte.

Die Privatsender Antenne 1 und Radio Ton haben Studios in Reutlingen.

Außerdem ist die Wüste Welle, das Freie Radio für Tübingen und Reutlingen, in Reutlingen auf 96,6 MHz zu empfangen.

Gerichte, Behörden und Einrichtungen[Bearbeiten]

Reutlingen ist, neben der Stadtverwaltung im Rathaus, Sitz folgender Behörden und Einrichtungen beziehungsweise Körperschaften des öffentlichen Rechts (K. d. ö. R.):

Ferner ist Reutlingen Sitz der Prälatur Reutlingen und des Kirchenbezirks Reutlingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sowie des Dekanats Reutlingen-Zwiefalten des Bistums Rottenburg-Stuttgart, in dem die früher selbständigen Dekanate Reutlingen und Zwiefalten zusammengefasst wurden.

Bildung[Bearbeiten]

In Reutlingen gibt es folgende Hochschulen bzw. Fachhochschulen und Seminare:

Die Stadt Reutlingen ist Träger von vier allgemeinbildenden Gymnasien: Albert-Einstein-Gymnasium (AEG), Isolde-Kurz-Gymnasium (IKG), Johannes-Kepler-Gymnasium (Kepi) und Friedrich-List-Gymnasium (FLG). Ein weiteres Gymnasium findet sich im Bildungszentrum Nord (BZN), das neben dem Gymnasium eine Realschule und eine Hauptschule umfasst. Ferner gibt es zwei weitere Realschulen (Eichendorff- und Hermann Hesse Realschule), neun Grund- und Hauptschulen (Eduard-Spranger-Schule, Gerhart-Hauptmann-Schule, Hermann-Kurz-Schule, Hoffmann-Schule Betzingen, Matthäus-Beger-Schule, Mörike-Schule Sondelfingen, Rossberg-Schule Gönningen, Schillerschule Orschel-Hagen und Wald-Schule Ohmenhausen), neun selbständige Grundschulen (Auchtert-Grundschule, Friedrich-Silcher-Schule Sickenhausen, Grundschule Mittelstadt, Grundschule Oferdingen, Grundschule Rommelsbach, Hof-Grundschule Altenburg, Hohbuchschule, Jos-Weiß-Schule und Römerschanz-Grundschule) und zwei Förderschulen (Bodelschwingh-Schule und Gutenberg-Schule).

Der Landkreis Reutlingen ist Träger der vier Beruflichen Schulen (Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Gewerbliche Schule I, Kerschensteinerschule Gewerbliche Schule II, Laura-Schradin-Schule - Hauswirtschaftliche Schule und Theodor-Heuss-Schule - Kaufmännische Schule) sowie der Erich-Kästner-Schule für Sprachbehinderte mit Schulkindergarten, der Peter-Rosegger-Schule für Geistigbehinderte und des Schulkindergartens für Lernbehinderte.

Zahlreiche Privatschulen runden das schulische Angebot in Reutlingen ab. Es bestehen ein Abendgymnasium, eine Abendrealschule Kolpinghaus, die Christian-Morgenstern-Schule, die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik, die Berufliche Heimsonderschule, die Fachschule für Ergotherapie der Volkshochschule, die katholische Sankt Wolfgang-Schule (Grund- und Hauptschule, die vom Bischof in Rottenburg unterstützt wird), die Freie Evangelische Schule Reutlingen (FES- Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule), die Freie Georgenschule (einheitliche Volks- und Höhere Schule - Freie Waldorfschule), die Carlo-Schmid-Haus Förderberufsfachschule des Internationalen Bundes, die Ita-Wegman-Schule für Erziehungshilfe, das Lederinstitut Gerberschulen Reutlingen, die Oberlinschule für Erziehungshilfe, die Private Sonderberufsschule der Gustav-Werner-Stiftung, die Schule für Pflegeberufe des Klinikums am Steinenberg, ein Schulkindergarten für Geistig- u. Körperbehinderte, ein weiterer Schulkindergarten für Geistigbehinderte, die St.-Wolfgang-Schule GHS Freie Katholische Schule, die Werkstattschule e. V. - Schule für Erziehungshilfe und Private einjährige Sonderberufsfachschule sowie die Wilhelm-Maybach-Schule Förderberufsschule.

Sport[Bearbeiten]

  • Sportverein TSG Reutlingen mit etwa 4600 Mitgliedern.
  • Polizeisportverein Reutlingen (PSV Reutlingen) mit 2300 Mitgliedern
  • SSV Reutlingen 05 hat über 1600 Mitglieder. Die Fußballabteilung spielte 1975/76, 2000/01, 2001/02 und 2002/03 in der Zweiten Bundesliga.
  • Europazentrale der philippinischen Kampf- und Bewegungskunst Pekiti-Tirsia Kali
  • Karate-Team Reutlingen e.V., erhielten 2010 den Großen Stern des Sports in Gold
  • TTC rollcom Reutlingen mit über 150 Mitgliedern. Ehemalige Deutsche Jugendmeister. Erfolgreichste Tischtennisjugendabteilung der Region

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste von Persönlichkeiten der Stadt Reutlingen

Die Liste umfasst die Ehrenbürger der Stadt, vor Ort geborene Persönlichkeiten sowie solche, die ihren Wirkungskreis in Reutlingen haben oder hatten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Keyser (Herausgeber): „Württembergisches Städtebuch“; Band IV Teilband Baden-Württemberg Band 2 aus „Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte“ - Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, Stuttgart 1961
  • Carl Bames: „Chronica von Reutlingen und Pfullingen - In Freud und Leid im Festtags- und Werkstattskleid von 1803 bis 1874“, Knödler-Verlag Reutlingen, Neuauflage 1985, ISBN 3-87421-095-2
  • Paul Landmesser, Peter Pächler, IG Metall Reutlingen (Herausgeber): „Wir lernen im Vorwärtsgehen! - Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Reutlingen 1844 – 1949“; Distel-Verlag, Heilbronn 1990, ISBN 3-923208-25-1
  • Stadtverwaltung Reutlingen/Schul-, Kultur- und Sportamt/Heimatmuseum und Stadtarchiv (Herausgeber): „Reutlingen 1930 – 1950. Nationalsozialismus und Nachkriegszeit“; Katalog und Buch mit Hintergrundbeschreibungen zur gleichnamigen Ausstellung von 1995, ISBN 3-927228-61-3
  • Fetzer, J.J.: Brand von Reutlingen. Rückblick auf das große Brandunglück, durch welches die Stadt Reutlingen im September des Jahres 1726 in Schutt und Asche gelegt worden ist. Reprint aus dem Jahre 1826. Knödler Verlag, 1998.ISBN 3-87421-200-9
  •  Johannes Dillinger; Thomas Fritz; Wolfgang Mährle, Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen (Hrsg.): Zum Feuer verdammt: die Hexenverfolgungen in der Grafschaft Hohenberg, der Reichsstadt Reutlingen und der Fürstpropstei Ellwangen. Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07304-3.
  • Karl Rommel: Reutlinger Heimatbuch. Bilder, Sagen und Geschichten aus Stadt und Land. 6. erweiterte Auflage 1999, Knödler-Verlag Reutlingen,ISBN 3-87421-201-7
  • Naturschutzgebiet Listhof, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU). Verlag Regionalkultur, Ubstadt-weiher 2004.ISBN 978-3-89735-272-8
  • Stadt Reutlingen, Werner Ströbele (Hrsg.): Kulturkonzeption Reutlingen; Reutlingen 2005, 224 Seiten, ISBN 3-933820-78-2 (Vorstellungsseite mit Link zur pdf-Datei der Kulturkonzeption)
  • Artur C. Ferdinand: "Reutlingen - Der Stadtführer"; Oertel+Spörer, Reutlingen, 2. überarb. Aufl. 2007,ISBN 978-3-88627-410-9
  •  Thomas Deuschle: So war's in den 1960ern: Reutlingen zwischen VW-Käfer und Flowerpower. Oertel+Spörer, Reutlingen 2009, ISBN 978-3-88627-431-4.
  •  Thomas Deuschle: So war's in den 1950ern : Reutlingen zwischen Enttrümmerung und Isetta-Romantik. Oertel+Spörer, Reutlingen 2010, ISBN 978-3-88627-471-0.
  •  Thomas Deuschle: So war's in den 1970ern : Reutlingen zwischen "Döschewo" und "Neue Deutsche Welle". Oertel+Spörer, Reutlingen 2011, ISBN 978-3-88627-495-6.
  • 106 Abgegangene Synagoge, später Zunfhaus der Schuhmacher (I), Marktplatz, Bereich zwischen Nr. 20 und 22 (ehemals Kanzleistraße 2). In: Alois Schneider, Dorothee Ade-Rademacher: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Bd. 23 : Reutlingen. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2003, ISBN 3-927714-70-4, S. 178-179.
  • Karin-Anne Böttcher:Ausgrenzung und Verfolgung - Auswirkungen der nationalsozialistischen Rassenpolitik in Reutlingen. In: Heinz Alfred Gemeinhardt: Reutlingen 1930 - 1950 : Nationalsozialismus und Nachkriegszeit, Reutlingen, 1995, ISBN 3-927228-61-3, S. 130 - 173.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reutlingen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Reutlingen – Reiseführer
 Wikinews: Kategorie:Reutlingen – in den Nachrichten
 Wikisource: Reutlingen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Agglomeration Reutlingen in der Auflistung der Agglomerationen 2010 mit 315.735 Einwohnern an 34. Stelle in Deutschland
  3. Hauptsatzung der Stadt Reutlingen
  4. Vgl. BSLK, S. 765; vgl. S. 17.
  5. Anke Bächtiger: Der Große Stadtbrand von Reutlingen 1726. In: Feuerwehr Reutlingen. 25. September 2006, abgerufen am 6. April 2010 (gekürzte Fassung eines Vortrages).
  6. Vom Grün dominiert (Artikel des Reutlinger Generalanzeigers vom 21. Juni 2011 zum abgebildeten Gemälde)
  7. Lebenslauf Fritz Wandels auf Stadtwiki Reutlingen mit angegebenen Belegstellen
  8. Stadtverwaltung Reutlingen/Schul-, Kultur- und Sportamt/Heimatmuseum und Stadtarchiv (Herausgeber): „Reutlingen 1930 - 1950. Nationalsozialismus und Nachkriegszeit“; Seite 292 bis 295, Kapitel: Die „Reutlinger Widerstandsgruppe“ und ihre Nachkriegsplanung. Zitat S. 293: „… das Hauptziel der Gruppe darin bestand, ein Netz von Verbindungsleuten - auch in der NS-Stadtverwaltung - aufzubauen, das die personellen Voraussetzungen für eine Umstrukturierung nach dem Kriegsende schaffen sollte.“
  9. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 71, ISBN 3-89331-208-0
  10. Reutlinger-General Anzeiger vom 28. Juli 2013 - Hagelsturm verwüstet Reutlingen und Teile der Region
  11. Reutlinger-General Anzeiger vom 2. August 2013 - Versicherung: Hagelschäden fast 600 Millionen Euro
  12. Reutlingen im Spiegel der Statistik 2007 − Gebietsstatistik − Entwicklung des Stadtgebiets seit 1907, abgerufen 5. Juni 2009
  13. Wahlergebnisse der Integrationsratswahl 2011
  14. Ergebnis Gemeinderatswahl 2009 Stadt Reutlingen
  15. Ergebnis Gemeinderatswahl 2004 Stadt Reutlingen
  16. Reutlinger General-Anzeiger vom 22. Oktober 2011
  17. www.reutlingen.de Mitteilung und vorläufiges Endergebnis der Oberbürgermeister-Wahl 2011
  18. Feuerwehrmuseum in der Feuerwache
  19. 31 Zentimeter breite Straße, Das bisschen Weltrekord Spiegel-Online vom 10. Juli 2012
  20. Offizielle Homepage der Stadt Reutlingen/Veranstaltungen Reutlinger Vesperkirche
  21. Offizielle Homepage der Stadt Reutlingen/Veranstaltungen Herbst-Grillfest für Alle
  22. Achalmritter Grillfest für Obdachlose ein voller Erfolg Meine Bühne, vom 5. Oktober 2012
  23. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBald kommt der IC-Anschluss. Schwäbisches Tagblatt, abgerufen am 21. September 2009.