Hans Cornelius

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Hans Cornelius (* 27. September 1863 in München; † 23. August 1947 in Gräfelfing) war ein deutscher Philosoph, Psychologe und Pädagoge. Er war Professor an der Universität Frankfurt am Main.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Cornelius war der Sohn des altkatholischen Historikers Carl Adolph Cornelius. Er erwarb 1886 den Doktorgrad als Chemiker und habilitierte sich 1894 als Philosoph in München. Darauf war er seit 1903 apl. Professor in München, wo er auch an der Kunstgewerbeschule dozierte, und seit 1910 Ordinarius der Philosophie in Frankfurt a. M., wo er 1928 emeritiert wurde. Cornelius betätigte sich auch als Maler und Bildhauer und bereiste intensiv Italien.

Cornelius' Philosophie, die von der Erkenntnistheorie Machs und der Transzendentalphilosophie Kants ausging, wollte den Kantischen Apriorismus radikalisieren und auch die kategorialen Mechanismen, die bei Kant aus der Einheit des Bewusstseins deduziert waren, allein aus der Analyse des unmittelbar Gegebenen gewinnen. Cornelius suchte die für die Einheit des Bewusstseins zentralen Humeschen Begriffe des Dings, der Kausalität und der Person einer über ihre Rettung durch Kant hinausführenden Klärung zuzuführen. Dabei gelangte er zu einer neuen Auffassung vom Wesen des Bewusstseins, indem der Begriff der Gestalt zu einer philosophischen Fundamentalkategorie erhoben wurde, durch welche Idealismus und Materialismus paradox ineinander verschränkt wurden.

Großen Einfluss übte Cornelius auf Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus, deren philosophischer Lehrer er war. Horkheimer wurde bei ihm 1922 summa cum laude promoviert und 1925 habilitiert. Adorno promovierte 1924 über Husserls Phänomenologie. Cornelius wies einen kulturpessimistischen Zug auf, den beide später teilten.

Cornelius, der ein konsequenter Gegner des Ersten Weltkriegs war, trat 1918 in die SPD ein und legte in den zwanziger Jahren den Plan einer europäischen Konföderation vor. Er unterstützte die Idee eines Völkerbunds in seiner Schrift Völkerbund und Dauerfriede (1919).

Schriften[Bearbeiten]

  • Versuch einer Theorie der Existentialurteile, München 1894
  • Grundlagen der Erkenntnistheorie. Transcendentale Systematik, 2. Aufl., München 1926
  • Einleitung in die Philosophie, 2. Aufl., Leipzig, Berlin 1911
  • Kommentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft, Erlangen 1926
  • Psychologie als Erfahrungswissenschaft, Leipzig, Berlin 1897
  • Elementargesetze der bildenden Kunst. Grundlagen einer praktischen Ästhetik, 4. Aufl., Berlin 1921 (zuerst 1908)
  • Kunstpädagogik. Leitsätze für die Organisation der künstlerischen Erziehung, Zürich 1921
  • Die Aufgabe der Erziehung, Langensalza 1928
  • Völkerbund und Dauerfriede, München 1919
  • Vom Wert des Lebens, Hannover 1923

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]