Hans Marquardt (Botaniker)

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Hans Ferdinand Marquardt (* 1. Oktober 1910 in Öhringen; † 2009, vor 1. Oktober[1]) war ein deutscher Biologe, Botaniker und Forstwissenschaftler.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Marquardt wurde 1934 an der Universität Tübingen zum Dr. phil. und 1937 an der Universität Freiburg mit einer Arbeit zur Genetik von Nachtkerzen bei Friedrich Oehlkers zum Dr. rer. nat. promoviert.[2][3] Während des Studiums wurde er Mitglied der Studentenverbindung Landsmannschaft Schottland.[4] Danach war er wissenschaftlicher Assistent bei Oehlkers und an dessen Forschungen zur Induktion von Mutationen bei Pflanzen beteiligt. 1939 habilitierte er sich mit einer Schrift zum Effekt von Röntgenstrahlen auf die Mitose.[5]

Ab 1949 lehrte Marquardt als außerordentlicher Professor am Forstbotanischen Institut der Universität Freiburg, wo er 1954 zum Ordinarius ernannt wurde.[6][7] Marquardt wurde 1979 emeritiert.

Hauptforschungsgebiete von Marquardt waren Cytologie, Cytochemie und Physiologie lebender Gewebe in Stamm und Wurzel mit dem Ziel, Bau und funktionelle Leistungen von Baumstämmen aufzuklären. Die Cytogenetik cancerogener Chemikalien war ein weiteres Arbeitsgebiet. In Zusammenarbeit mit anderen Universitätsinstituten hat er mit seiner Arbeitsgruppe die Wirkung mutagener Substanzen auf den Modellorganismus Hefe sowie auf die Chromosomen höherer Pflanzen erforscht. Ein weiteres Feld waren Untersuchungen über die Auswirkungen ionisierender Strahlen auf die Entwicklung männlicher Keimzellen bzw. auf die Befruchtung höherer Pflanzen mit Hilfe des Elektronenmikroskops.[8]

Neben seinen Aufgaben als Universitätsprofessor war Marquardt zeitweise Mitglied der Mitte der 1950er Jahre gegründeten Arbeitskreise Medizin, Biologie und Landwirtschaft sowie Strahlenbiologie des Bundesministeriums für Atomfragen.[9]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Preis der Gesellschaft für Umwelt-Mutationsforschung e. V. (1979)

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hans Marquardt: Die Meiosis von Oenothera I. Cell and Tissue Research, 1937, Volume 27, Number 2, Seiten 159-210.
  • Hans Marquardt: Untersuchungen über den Formwechsel der Chromosomen im generativen Kern des Pollens und Pollenschlauchs von Allium und Lilium. Planta, 1940, Volume 31, Number 4, Seiten 670-725.
  • Hans Marquardt: Die Herstellung von Dauerpräparaten aus Essigsäurekarmin-Quetschpräparaten. TAG Theoretical and Applied Genetics, 1946, Volume 17, Numbers 13-15, Seiten 447-449.
  • Hans Marquardt: Das Verhalten Röntgeninduzierter Viererringe mit grossen interstitiellen Segmenten bei Oenothera hookeri. Molecular and General Genetics MGG, 1948, Volume 82, Numbers 3-4, Seiten 415-429.
  • Friedrich Oehlkers und Hans Marquardt: Die Auslösung von Chromosomenveränderungen durch Injektion wirksamer Substanzen in die Knospen von Paeonia tenuifolia. Molecular and General Genetics MGG, 1949, Volume 83, Number 3, Seiten 299-317.
  • Hans Marquardt: Die Schädigung des Zellkerns durch Röntgenbestrahlung. Cellular and Molecular Life Sciences, 1949, Volume 5, Number 1, Seiten 31-43.
  • Hans Marquardt: Neuere Auffassungen über einige Probleme aus der Pathologie der Kernteilung. Naturwissenschaften, 1950, Volume 37, Number 18, Seiten 416-424.
  • Hans Marquardt: Neuere Auffassungen über einige Probleme aus der Pathologie der Kernteilung. Naturwissenschaften, 1950, Volume 37, Number 19, Seiten 433-438.
  • Hans Marquardt: Die Wirkung der Röntgenstrahlen auf die Chiasmafrequenz in der Meiosis von Vicia faba. Chromosoma, 1950, Volume 4, Number 1, Seiten 232-238.
  • Hans Marquardt: Die Auslösung von Chromosomenmutationen durch Röntgenstrahlen und durch die Invertseife Zephirol in der Meiosis von Oenothera hookeri. Molecular and General Genetics MGG, 1949, Volume 83, Number 5, Seiten 513-530.
  • Hans Marquardt: Die Auslösung von Chromosomenmutationen in der Meiosis durch tiefe Temperatur. Molecular and General Genetics MGG, 1951, Volume 84, Number 3, Seiten 169-181.
  • Elisabeth Bautz und Hans Marquardt: Das Verhalten oxydierender Fermente in den Grana mit Mitochondrienfunktion der Hefezellen. Naturwissenschaften, 1953, Volume 40, Number 20, Seiten 531-532.
  • Elisabeth Bautz und Hans Marquardt: Die Grana mit Mitochondrienfunktion in Hefezellen. Naturwissenschaften, 1953, Volume 40, Number 20, Page 531.
  • Hans Marquardt: Über die spontanen Aberrationen in der Anaphase der Meiosis von Paeonia tenuifolia. Chromosoma, 1953, Volume 5, Number 1, Seiten 81-112.
  • Hans Marquardt: Über eine Methode zur züchterischen Bearbeitung von Standorteigenschaften bei der Pappel. TAG Theoretical and Applied Genetics, 1953, Volume 23, Number 12, Seiten 365-370.
  • Hans Marquardt: Karyotische Vererbung. Naturwissenschaften, 1953, Volume 40, Number 3, Seiten 69-78.
  • Elisabeth Bautz und Hans Marquardt: Sprunghafte Änderungen des Verhaltens der Mitochondrien von Hefezellen gegenüber dem Nadi-Reagens. Naturwissenschaften, 1954, Volume 41, Number 5, Seiten 121-122.
  • Hans Marquardt und Elisabeth Bautz: Das Verhalten verschiedener Hefearten gegenüber der in vivo durchgeführten Indophenolblau-(Nadi-)Reaktion. Archives of Microbiology, 1955, Volume 23, Number 3, Seiten 251-264.
  • Hans Marquardt und Eberhard Gläss: Die Chromosomenzahlen in den Leberzellen von Ratten verschiedenen Alters. Chromosoma, 1956, Volume 8, Number 1, Seiten 617-636.
  • Hans Marquardt: Natürliche und künstliche Erbänderungen. Probleme der Mutationsforschung. Rowohlt Taschenbuch Verlag. 1957, Hamburg rowohlts deutsche enzyklopädie 44, 177 S.
  • Hans Marquardt und Eberhard Gläss: Die Veränderungen der Häufigkeit euploider und aneuploider Chromosomenzahlen in der hepatektomierten Rattenleber bei Buttergelb-Verfütterung. Naturwissenschaften, 1957, Volume 44, Number 24, Page 640.
  • Hans Marquardt und Elisabeth Bautz: Die Wirkung einiger Atmungsgifte auf das Verhalten von Hefe-Mitochondrien gegenüber der Nadi-Reaktion. Naturwissenschaften, 1954, Volume 41, Number 15, Seiten 361-362.
  • Hans Marquardt und Gerhard Schubert: Die Strahlengefährdung des Menschen durch Atomenergie. Rowoldt Taschenbuch Verlag 1959 rowohlts deutsche enzyklopädie 91, 184 S.
  • Hans Marquardt: Erbänderungen somatischer Zellen und ihr Anteil bei experimenteller Krebsauslösung. Naturwissenschaften, 1959, Volume 46, Number 7, Seiten 217-223.
  • Hans Marquardt: Die gegenwärtige Strahlenbelastung des Menschen und ihre biologische Beurteilung. Universitas 2/1962. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  • Hans Marquardt, F. K. Zimmermann und R. Schwaier: Nitrosamide als mutagene Agentien Naturwissenschaften, 1963, Volume 50, Number 19, Page 625.
  • Hans Marquardt: Elektronenoptische Untersuchungen über die Ascosporenbildung bei Saccharomyces cerevisiae unter cytologischem und cytogenetischem Aspekt. Archives of Microbiology, 1963, Volume 46, Number 3, Seiten 308-320.
  • Hans Marquardt: Neuere Ergebnisse der somatischen Genetik. Naturwissenschaften, 1967, Volume 54, Number 9, Seiten 217-222
  • Hans Marquardt und Uta von Rahden: Die Wirkung des genetisch aktiven, krebsauslösenden 1-Nitroso-imidazolidon-2 auf die Feinstruktur der Hefe Rhodotorula rubra. Protoplasma, 1968, Volume 66, Numbers 1-2, Seiten 131-137.
  • Hans Marquardt, Ortrud M. Barth und Uta von Rahden: Zytophotometrische und elektronenmikroskopische Beobachtungen über die Tapetumzellen in den Antheren vonPaeonia tenuifolia. Protoplasma, 1968, Volume 65, Number 4, Seiten 407-421.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Mantel (1966): Die Forstwirtschaft an der Universität Freiburg i. Br.. Herausgegeben anläßlich der 500-Jahrfeier der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. 1957. 27 S. Neu bearbeitet 1966.
  • Walter Liese (1990): Prof. Dr. Dr. Hans Marquardt 80 Jahre. Allgemeine Forst- und Jagdzeitung S. 219 [1]
  • Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Eberswalde Hg. (1995): Professor Marquardt 85. Forst und Holz 50(21):701. [2]

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Mutations- und Zellkulturforschung in den ersten 60 Jahren des 20. Jahrhunderts" Vortrag von Herbert G. Miltenburger am 14. Oktober 2010 bei der GUM - Tagung in Potsdam (PDF; 92 kB)
  2. Freiburger Bibliographisches Taschenbuch der Albert-Ludwigs-Universität. 7. Ausgabe 1989; S. 267
  3. Marquardt, Hans: Die Meiosis von Oenothera. Freiburg i.B., Naturwiss.-math. Diss. v. 3. Febr. 1938. Zeitschrift für Zellforschung und mikroskopische Anatomie 27:159-210. 1937
  4. Erich Faul (Hrsg.): Landsmannschaft Schottland zu Tübingen - Liste aller Bundesbrüder 1849-1959. Stuttgart 1969.
  5. Marquardt, Hans: Die Röntgenpathologie der Mitose III : Weitere Untersuchungen des Sekundäreffekts der Röntgenstrahlen auf die haploide Mitose von Bellavalia romana. Freiburg i.Br., Nat. Math. F., Hab. Schr. vom 19. März 1940. Zeitschrift für Botanik 36:274-386. 1941
  6. Kurt Mantel (1966:11)
  7. "Neuere Untersuchungen zur Theorie der Mutationen" von Hans Marquardt sowie "Der molekulare Mechanismus der Übertragung der genetischen Informationen" von Detmar Beyersmann
  8. Kurt Mantel (1966:11)
  9. Rüdiger Vom Bruch,Brigitte Kaderas: Wissenschaften und Wissenschaftspolitik: Bestandsaufnahmen zu Formationen, Brüchen und Kontinuitäten im Deutschland des 20. Jahrhunderts, S. 467, 2002, ISBN 3-515-08111-9