Hans Rudolf Herren

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Hans Rudolf Herren (2009)

Hans Rudolf Herren (* 30. November 1947 in Mühleberg) ist ein Schweizer Insektenforscher, Landwirtschafts- und Entwicklungsexperte. Als Pionier in der biologischen Schädlingsbekämpfung bekämpfte er in den 1980er Jahren erfolgreich die Schmierläuse, die in Afrika das wichtige Grundnahrungsmittel Maniok bedrohten. Dies soll entscheidend dazu beigetragen haben, eine Hungersnot zu verhindern.[1] 1995 wurde er hierfür mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet[2], 2013 erhielt er den Right Livelihood Award.[3]

Laufbahn[Bearbeiten]

Hans Rudolf Herren nahm 1979 seine Tätigkeit am International Institute of Tropical Agriculture (IITA, Internationales Institut für tropische Landwirtschaft) in Nigeria auf, nachdem er an der ETH Zürich sowie an der University of California in Berkeley studiert hatte. Als er eintraf, kämpften die dortigen Forscher gegen einen sechs Jahre zuvor eingeschleppten Schädling, der den Maniok gefährdete.

Maniok, auch Kassava genannt, stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde im 16. Jahrhundert von den Portugiesen nach Afrika gebracht. Dort gedieh er sehr gut, da er allgemein eine anspruchslose Pflanze ist und in Afrika keine natürlichen Feinde hatte. So wurde er zu einem wichtigen Grundnahrungsmittel, das vorwiegend von Kleinbauern angebaut wird und für 200 Millionen Menschen mehr als 50 Prozent der Nahrungsenergie liefert. Nun aber war die Maniok-Schmierlaus ebenfalls aus Südamerika eingeschleppt worden und vernichtete in manchen Gegenden vier Fünftel der Maniokernte. Die Regierungen der betroffenen Länder versuchten die drohende Hungersnot zu verhindern, indem sie Pestizide gegen die Schädlinge spritzen ließen. Dies hatte jedoch nur mäßigen Erfolg.

Hans Rudolf Herren und andere Forscher am IITA suchten stattdessen im südamerikanischen Ursprungsgebiet nach natürlichen Feinden der Schmierlaus. Dabei fanden sie 1984 in Paraguay eine Schlupfwespe, welche die Schmierläuse tötet, andere Organismen aber nicht beeinträchtigt. In einem groß angelegten Programm wurden diese Schlupfwespen daraufhin nach Afrika gebracht und in den Maniokanbaugebieten von Senegal bis Angola und Madagaskar verbreitet. 1986 setzte Herren pro Sekunde etwa 2.000 Wespen frei. 1993 hatte sich schließlich ein natürliches Gleichgewicht zwischen Schlupfwespen und Schmierläusen eingependelt, in 30 Ländern war die Schmierlauspopulation auf einem kontrollierbaren Niveau. Entgegen großen Befürchtungen trat keine große Hungersnot ein, von der bis zu 20 Mio. Menschen betroffen gewesen wären.

Nach seiner Tätigkeit am IITA leitete Herren von 1994 bis 2005 das International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Kenia, wo er biologische Lösungen für weitere Schädlingsprobleme fand, insbesondere die Push-pull-Technologie gegen Maisschädlinge. Seit 2005 ist er Präsident der Millennium Foundation in Arlington, Virginia (USA). Ferner nimmt Herren wichtige Positionen im International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology und in der International Association of the Plant Protection Sciences ein.

Mit dem Preisgeld des Welternährungspreises gründete Hans Rudolf Herren 1998 die gemeinnützige Organisation Biovision, die die Methoden der nachhaltigen Landwirtschaft und biologischen Schädlingsbekämpfung in Afrika fördert. Bisher ist Biovision vor allem in Kenia – in Zusammenarbeit mit dem ICIPE – sowie in Äthiopien tätig.

Herren ist Mitautor und Kovorsitzender des Weltagrarberichtes 2008 des Weltagrarrates (IAASTD).[4]

Schriften[Bearbeiten]

  • Die Ernährungskrise – Ursachen und Empfehlungen in: Universitas 4/2009, S. 335–345. (PDF)
  • Ein Wegweiser zur Ernährung der Welt in: Hunger im Überfluss (Worldwatch Institute (Hrsg.))[5]

Literatur[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dazu: Herbert Cerutti, Wie Hans Rudolf Herren 20 Millionen Menschen rettete, Zürich 2011, ISBN 978-3-280-05409-3
  2. 1995: Herren - The World Food Prize - Improving the Quality, Quantity and Availability of Food in the World
  3. Matthias Meili: «Wir haben ein bisschen geahnt, dass etwas im Busch ist». Als erster Schweizer hat Hans Rudolf Herren den Alternativen Nobelpreis bekommen Basler Zeitung vom 26. September 2013
  4. http://www.unep.org/dewa/agassessment/docs/IAASTD_SECRETARIAT.pdf
  5. Hunger im Überfluss: Neue Strategien gegen Unterernährung und Armut | Heinrich Böll Stiftung
  6. Hans Herren | Genøk - Centre for Biosafety
  7. Hans Rudolf Herren Bio
  8. The Kilby International Awards Foundation
  9. One World Award
  10. One World Award 2010, Biographie des Preisträgers Hans R. Herren. Abgerufen 30. September 2013
  11. Right Livelihood Award 2013: Hans R. Herren auf der Website der Right Livelihood Award Foundation
  12. Manuela Donati, Markus Krucker: «SwissAward»: Die Gewinner im Überblick. In: SRF 1 vom 12. Januar 2014