Welternährungspreis

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Der Welternährungspreis (World Food Prize) ist eine internationale Auszeichnung für Personen, die besondere Leistungen für die Verbesserung der Quantität, Qualität oder Verfügbarkeit von Lebensmitteln erbracht haben.

Der Preis wurde 1986 vom Friedensnobelpreis-Träger Norman Ernest Borlaug geschaffen und wird seit 1990 vom Geschäftsmann und Philanthropen John Ruan finanziert. Der Preis berücksichtigt Beiträge auf allen Gebieten, die der Welternährung dienen: Ernährungswissenschaft, Agrarwissenschaft und Agrartechnologie, Produktion, Marketing, Lebensmittelforschung, Volkswirtschaftslehre, Armutsbekämpfung, politische Initiativen und Sozialwissenschaften. Neben der Anerkennung persönlicher Leistungen sah Borlaug den Preis auch als Mittel, Vorbilder zu etablieren, die andere inspirieren würden.

Die offizielle feierliche Preisverleihung erfolgt in Des Moines, Iowa im Sitzungssaal des Iowa State Kapitol. Zur selben Zeit wird das World Food Prize International Symposium veranstaltet, das sich jedes Jahr mit einem Thema betreffend Welthunger und Sicherung der Welternährung beschäftigt.

Kritik[Bearbeiten]

Kritik kommt von NGOs und von Trägerinnen und Trägern des Alternativen Nobelpreises, welche die intransparenten Interessen hinter diesem Preis kritisieren. So wird der Preis von zweifelhaften Konzernen wie Monsanto unterstützt,[1][2] die durch Patentierung von Saatgut und giftigen Spritzmitteln besonders Kleinbauern abhängig machen und sie großen gesundheitlichen Gefahren aussetzen.

So verurteilten nach der Bekanntgabe der Preisträger im Juni 2013 internationale Experten wie 81 Preisträger des Right Livelihood Awards[3] („Alternativer Nobelpreis”) und Mitglieder des World Future Council (Weltzukunftsrat), die Verleihung des World Food Prize an Führungskräfte von Monsanto und zeigten sich entsetzt und empört über die Verleihung an Wissenschaftler und Führungskräfte von Firmen, die genmanipuliertes Saatgut herstellen und vertreiben.[4] Die Kritik wendet sich in diesem Fall speziell gegen Robert Fraley, Executive Vice President und Chief Technology Officer von Monsanto.

Preisträger[Bearbeiten]

Die Preisträger werden jährlich im Oktober geehrt. Die Preisträger erhalten 250.000 US-Dollar. Die Veröffentlichung der Preisträger erfolgt Ende Frühling/Anfang Sommer vor der feierlichen Anerkennung im Oktober.

Jahr Preisträger Leistung
1987 M. S. Swaminathan Einführung von Hochertrags-Weizen und Reissorten in Indien, Grüne Revolution.
1988 Robert F. Chandler Gründungsdirektor des International Rice Research Institute, Förderung der Entwicklung tropischer Reissorten, Verdopplung und Verdreifachung der Erträge der traditionellen Sorten.
1989 Verghese Kurien Entwickelte aus den milksheds in Indien die Amul-Kooperativen, die Milch produzieren, verarbeiten und in den städtischen Zentren des Landes vermarkten.
1990 John Niederhauser Entwicklung von dauerhaften Mitteln gegen potato late blight Mehltau.
1991 Nevin S. Scrimshaw Studien über menschliche Ernährung, die zur Anwendung proteinreicher Ernährung in Entwicklungsländern führte, um Unterernährung zu bekämpfen.
1992 Edward F. Knipling und Raymond C. Bushland Entwicklung der Sterile-Insekten-Technik (SIT), zur Bekämpfung von parasitären Insekten.
1993 He Kang Initiierung von Reformen als Landwirtschaftsminister, die China in der Lebensmittelproduktion zum Selbstversorger machten.
1994 Muhammad Yunus Gründer der Grameen Bank in Bangladesh, entwickelte innovative Kleinkreditprogramme, um Millionen Armen den Zugang zu besserer Ernährung zu ermöglichen.
1995 Hans Rudolf Herren Entwicklung eines pest control-Programmes gegen Schädlinge der afrikanischen Maniok-Frucht.
1996 Henry Beachell und Gurdev Khush Entwicklung von „Wunderreis“-Sorten, Verdopplung der Reisproduktion in Asien.
1997 Ray F. Smith und Perry Adkisson Entwicklung des Konzepts Integrated Pest Management (IPM), Anwendung verschiedener umweltgerechter nachhaltiger Techniken zur Schädlingsbekämpfung bei Feldfrüchten
1998 Badrinarayan Ramulal Barwale Gründer der unabhängigen Saatgutfirma Mahyco, Stärkung der Saatgut-Versorgung und Verteilung in Indien.
1999 Walter Plowright Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Viehseuche Rinderpest.
2000 Evangelina Villegas und Surinder K. Vasal Entwicklung von Qualitäts-Protein-Mais (QPM).
2001 Per Pinstrup-Andersen Einführung von „Food For Education“ Programmen, bei denen Familien, deren Kinder die Schule besuchen, Lebensmittelunterstützung erhalten.
2002 Pedro A. Sanchez Entwicklung von Methoden, die Bodenfruchtbarkeit ausgelaugter Ackerböden in Afrika und Südamerika wiederherzustellen.
2003 Catherine Bertini Transformation des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen von einem Entwicklungshilfeprogramm zur größten und effektivsten humanitären Lebensmittelhilfe-Organisation
2004 Monty Jones und Yuan Longping Entwicklung neuer Reissorten.
2005 Modadugu Vijay Gupta Entwicklung und Verbreitung von Low-Cost-Technik für Süßwasser-Fischzucht (von Tilapia-Arten) durch die arme Landbevölkerung.
2006 Edson Lobato, Alysson Paolinelli, A. Colin McClung Pionierarbeit in der Erforschung der Ackerbodens und Verfahrensweisen um die Cerrado-Region in Brasilien für Landwirtschafts- und Lebensmittelproduktion zu erschließen.
2007 Philip E. Nelson Lagerung und Transport von Obst und Gemüse
2008 Bob Dole und George McGovern Schulernährungsprogramme.
2009 Gebisa Ejeta Züchtung von trocken- und strigatoleranten Hirsenhybriden.
2010 David Beckmann und Jo Luck Aufbau von Bread for the World und Heifer International.
2011 John Agyekum Kufuor und Luiz Inácio Lula da Silva Politik der Hunger- und Armutsbekämpfung.
2012 Daniel Hillel Mikrobewässerung
2013 Marc Van Montagu, Mary-Dell Chilton und Robert T. Fraley Landwirtschaftliche Biotechnologie
2014 Sanjaya Rajaram Kreuzung von Sommerweizen und Winterweizen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.worldfoodprize.org/en/about_the_prize/sponsors/
  2. Executive at Monsanto Wins Global Food Honor nennt eine 5-Mio.-Dollar-Spende von Monsanto 2008
  3. http://www.rightlivelihood.org/worldfoodprize_2013.html
  4. http://www.huffingtonpost.com/frances-moore-lappe-and-anna-lappe/choice-of-monsanto-betray_b_3499045.html

Weblinks[Bearbeiten]