Haushaltsbuch

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Haushaltsbuch einer Familie, geführt 1933–1943

Ein Haushaltsbuch wird in der Regel von Privatpersonen geführt. Es stellt dabei alle Einnahmen den Ausgabenposten gegenüber. Alle Einnahmen und Ausgaben sollten dabei übersichtlich und nach Monaten geordnet sein, um eine klare Budgetierung zu ermöglichen.

Ein Haushaltsbuch hilft dabei, regelmäßige und unregelmäßige Ausgaben genau festzustellen, so dass verfügbare Einnahmen schon am Monatsanfang genau für Ausgaben und Sparbeträge (Vermögensbildung) geplant werden können. Die übersichtliche Auflistung von Einnahmen und Ausgaben sorgt für Kostentransparenz: die persönliche Finanzsituation stellt sich auf einem Blick dar.

Nachdem das Haushaltsbuch ein Jahr geführt wurde, gibt es die Möglichkeit, eine Jahresbilanz zu ziehen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Haushaltsbücher werden traditionell und in erster Linie deshalb geführt, um die Kontinuität von Einnahmen und Ausgaben innerhalb eines Haushalts mit mehreren Haushaltsmitgliedern festzuhalten und gegebenenfalls Einsparpotentiale zu erkennen. Außerdem lässt sich so ein Vergleich darstellen, wie sich die Preisentwicklung auf die Kasse des Haushalts ausgewirkt hat (Konsumverhalten).

Erst in zweiter Linie bieten sie eine Kontrollfunktion, die es einem Prüfer erleichtert, Unregelmäßigkeiten in der Abrechnung einer Einzelperson und überflüssige Vorgänge wie nicht notwendige Zahlungsverpflichtungen festzustellen und abstellen zu lassen.

Geschichte[Bearbeiten]

Haushaltsbücher existieren bereits seit der Antike: Aus dem antiken Griechenland sind unter anderem die Ökonomiken des Hesiod, des Xenophon und des Aristoteles bekannt. Der früheste noch erhaltene Prosatext stammt von 150 v. Chr. aus der Feder von Cato dem Älteren: De agri cultura.[1] Diese frühen Haushaltsbücher waren, wie auch die christlichen Ökonomiken aus dem europäischen Mittelalter, noch keine reinen Gegenüberstellungen von Einnahmen und Ausgaben. Dennoch dienten auch diese Schriften bereits einer besseren Haushaltsführung und damit der Erhaltung und gegebenenfalls der Vergrößerung des Hauses.[2]

Frühe Haushaltsbücher beschreiben die Organisation aller mit dem Haushalt verbundenen Dinge und bieten etwa eine Übersicht über Ernten, Lagerbestände, Angestelltenzahlen, Schlachtvieh, Küchengeräte und andere Haushaltsgeräte, eine Auflistung der sonstigen Besitztümer – häufig aber auch detaillierte Kochrezepte oder die Beschreibungen von Festmählern. Darüber hinaus regelten die Haushaltsbücher auch das Zusammenleben im Haushalt und legten die gesellschaftlichen Rollen und Erwartungen an die Familienmitglieder und Angestellten fest.

Kulturhistorische Bedeutung des Haushaltsbuchs[Bearbeiten]

Haushaltsbücher sind kulturhistorisch interessante Schriften, da sie einen Einblick in die Haushaltsführung und das Wirtschaften früherer Epochen ermöglichen, der direkte Rückschlüsse auf die damaligen Lebensgewohnheiten zulässt. Zudem geben sie Aufschluss über die soziale Stellung der Familienmitglieder und der Angestellten bzw. der Sklaven.[3]

Kategorien[Bearbeiten]

Ein Haushaltsbuch ist in verschiedene Kategorien unterteilt. Wie beschrieben, dient es der Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben; die Kategorien richten sich daher nach einer Einnahmenseite und einer Ausgabenseite mit monatlichen Fixkosten und veränderlichen Ausgaben.

  • Einnahmen: Zu den Einnahmen gehören alle Nettolöhne und –gehälter, sowie alle weiteren Bezüge, etwa Renten, Sozialbezüge, Kindergeld, etc., zudem Einnahmen aus Vermietung und Zinsen.
  • Fixkosten: In dieser Kategorie werden die festen Kosten erfasst, die jeden Monat anfallen. Unterkategorien sind zum Beispiel die Miete, Versicherungsbeiträge, Kosten für Strom und Gas, etc. Bei halbjährlich oder jährlich anfallenden Beträgen kann es sinnvoll sein, diese auf den Monat herunterzurechnen, um eine aktuelle Finanzübersicht zu erhalten.

Die Übersichten für Einnahmen und Fixkosten werden jeweils im Voraus zum Beginn eines Monats angefertigt. Aus der Rechnung Einnahmen – Fixkosten ergibt sich dann das Budget, das für veränderliche Ausgaben zur Verfügung steht.

  • Veränderliche Ausgaben: Veränderliche Ausgaben werden laufend aktuell erfasst. Dazu gehören zum Beispiel Ausgaben für die Ernährung, Bekleidung, Gesundheit, Freizeit, Verkehrsmittel, Genussmittel, usw. Bei ordentlicher Haushaltsbuchführung werden für jede noch so kleine Ausgabe Belege (Quittungen, Kassenbons) gesammelt und die einzelnen Posten werden im Haushaltsbuch vermerkt. In der Regel bedeutet dies, dass Verbraucher ihre veränderlichen Ausgaben täglich ins Haushaltsbuch eintragen.

Anhand der tatsächlichen veränderlichen Ausgaben lässt sich am Ende des Monats das Saldo ermitteln und feststellen, ob ein Überschuss oder ein Minus entstanden ist. Dazu wird vom Budget für veränderliche Ausgaben die tatsächliche Ausgabensumme abgezogen. Die genaue Auflistung der veränderlichen Posten zeigt, wo sich noch Einsparpotential ergibt und auf welche Ausgaben eventuell verzichtet werden kann.

  • Besondere Ausgaben: In dieser Kategorie können Kosten für einmalige größere Anschaffungen, etwa Autos oder Immobilien, Urlaube oder Familienfeiern, eingetragen werden.[4]

Unterscheidung zwischen digitalen und papierbasierten Haushaltsbüchern[Bearbeiten]

Nachdem heute vielfach auch die private Finanzverwaltung digital abgewickelt wird ist eine Unterscheidung zwischen elektronischen und papierbasierten Haushaltsbüchern notwendig.

Papierbasierte Haushaltsbücher[Bearbeiten]

Wie der Name schon sagt, sind Haushaltsbücher traditionell "Bücher" oder Heftchen. Viele Haushalte legten und legen sich diese selber an, z. B. mittels DIN-A5-Karoheftchen aus dem Schreibwarenladen. Ebenfalls im Schreibwarenladen gibt es vorgedruckte Haushaltsbücher von Herstellern von Formularheften. Sparkassen bieten oft kostenlos Haushaltsbücher an, Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungsstellen oft zu einem geringen Preis. In diesen Heftchen werden dabei jeweils Ausgaben und Einnahmen auf verschiedenen Seiten gegenübergestellt, um so im Ergebnis eine Verbesserung oder Verschlechterung der finanziellen Situation aufzuzeigen.

Digitale Haushaltsbücher[Bearbeiten]

Nachdem die Verbreitung von Online-Banking in den letzten Jahren stark gestiegen ist, und 2008 bereits 38 %[5] aller Bundesbürger ihre Kontoverwaltung über das Internet abgewickelt haben, ist auch der Anteil der Benutzer von elektronischen Haushaltsbüchern gestiegen. Bei elektronischen Haushaltsbüchern kann hierbei zwischen Lösungen, welche online verwaltet werden, und solchen, die auf einem bestimmten PC als Software oder in einem Tabellenprogramm benutzt werden, unterschieden werden. Zur Verwaltung eines eigenen Haushaltsbuches in einem Tabellenprogramm eignet sich hierbei MS Excel oder OpenOffice. Hierfür werden im Internet eine Vielzahl von kostenlosen und auch kostenpflichtigen Excel-Haushaltsbüchern angeboten. Vorgefertigte Haushaltsbücher haben den Vorteil, dass die Daten nur noch eingetragen werden müssen und sämtliche Berechnungen automatisch erfolgen. Eine weitere Möglichkeit sind Online-Haushaltsbücher, die teilweise kostenlos angeboten werden. Sie sind insofern sinnvoll, als dass sie ortsunabhängig gepflegt werden können.

Der Vorteil von Softwarelösungen oder einer Online-basierten Verwaltung des Haushaltsbuches ist, dass auf die vorhandenen Kontobewegungen meist mittels HBCI zurückgegriffen werden kann, und Ein- und Ausgaben kategorisiert werden können. Da ein Abtippen von Belegen oder Kassenzetteln entfällt, ist auch die Auswertung meist deutlich schneller. Durch Visualisierungen beispielsweise mit Kreisdiagrammen kann die finanzielle Situation übersichtlich aufbereitet, und mit anderen Zeiträumen verglichen werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Irmintraut Richarz (Hrsg.): Haushalten in Geschichte und Gegenwart. Beiträge eines internationalen disziplinübergreifenden Symposions an der Universität Münster. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1994, ISBN 3-525-13228-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Haushaltsbuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zotter, Hans (2008): Das Haushaltsbuch: Eine Erfolgsgeschichte – Vortrag, PDF
  2. Christiane Damos-Kienzel: Von der Ökonomik zur politischen Ökonomie. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, S. 48 ff.
  3. Zotter, Hans (2008): Das Haushaltsbuch: Eine Erfolgsgeschichte – Vortrag, PDF
  4. Mein Haushaltsbuch, Sparkasse (PDF; 230 kB)
  5. heise.de, Online-Banking wächst nur langsam, 22. Febr. 2009