Hepatitis D

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Klassifikation nach ICD-10
B17.8 Sonstige näher bezeichnete akute Virushepatitis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Hepatitis D ist eine Infektionskrankheit, die ausschließlich beim Menschen mit bereits vorliegender Hepatitis-B-Infektion vorkommt. Der Erreger, das Hepatitis-D-Virus (früher Delta-Agens oder Delta-Virus genannt) kann sich nur mit Hilfe des vom Hepatitis-B-Virus stammenden Oberflächenproteins (HBsAg) vermehren. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt gleichzeitig gegen Hepatitis D.

Erreger[Bearbeiten]

Das Hepatitis-D-Virus (HDV) ist aufgrund seiner genetischen Struktur und seines Replikationsweges eine Seltenheit der Natur. Es ist ein defektes Virus, ein Virusoid, das nur aus einem stark verdrillten (negativen) RNA-Ring besteht. Dieses Virus hat also keine eigenen Hüllproteine und braucht das Hepatitis-B-Virus als Hüllenspender. Es hat die Eigenschaft, die Hüllproteine (HBsAg) des Hepatitis-B-Virus zu binden und besitzt damit den gleichen Infektionsweg wie das HBV.

Aufgrund dieses Defektes kann es nur zu einer Infektion kommen, wenn auch das Hepatitis-B-Virus gleichzeitig vorhanden ist. Das heißt, nur Patienten mit einer HBV-Infektion können sich auch mit HDV infizieren.

Auch hier kann es zu einer chronischen Entzündung der Leber kommen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Das HDV ist im Mittelmeerraum, in Rumänien, auf der arabischen Halbinsel, in Teilen von Afrika und Mittel- und Südamerika endemisch. Die beim RKI für Deutschland gemeldeten Fallzahlen haben sich seit dem Jahr 2005 folgendermaßen entwickelt:

Jahr gemeldete Fallzahlen
2005 15 [1]
2006 21 [2]
2007 9 [3]
2008 7 [4]
2009 7 [5]
2010 10 [6]
2011 16 [7]
2012 18 [8]
2013 31 [9]

Übertragung[Bearbeiten]

Hepatitis D wird ebenso wie Hepatitis B hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr sowie die Benutzung infizierter Nadeln übertragen. Weitere Möglichkeiten der Infektion bestehen bei der Verwendung verunreinigter Blutkonserven, Spritzen, Tätowier- oder Akupunkturnadeln.[10]

Verlauf[Bearbeiten]

Für die Prognose des Patienten ist es von Bedeutung, ob die Infektion mit Hepatitis D gleichzeitig mit Hepatitis B erfolgte (Simultaninfektion) oder nachträglich (Superinfektion). Im letzteren Fall leidet die Leber deutlich stärker. Das entspricht der allgemeinen Beobachtung bei Hepatitis, dass der „second hit“, der zweite schwere Schädigungseinfluss, oft das Fass zum Überlaufen bringen und schnell zu einer Leberzirrhose und/oder Leberkrebs führen kann.

Vorbeugung[Bearbeiten]

Wer gegen Hepatitis B geimpft ist, ist damit gleichzeitig auch gegen Hepatitis D geschützt.

Therapie[Bearbeiten]

Bislang sind die Therapiemöglichkeiten gegen Hepatitis D noch eingeschränkt. Eine 12-monatige Behandlung mit pegyliertem Interferon kann das Hepatitis-D-Virus in einigen Fällen ausheilen. Oft steigt die Virusmenge nach Therapieende wieder an, der Verlauf der Hepatitis-D-Erkrankung scheint jedoch dennoch langsamer zu sein. Gegen Hepatitis B wirksame Nukleosid- und Nukleotidanaloga wirken nicht gegen das Hepatitis-D-Virus; falls die begleitende Hepatitis B behandlungsbedürftig ist, sollte diese möglichst optimal therapiert werden. Bei stark fortgeschrittener Leberkrankheit können Hepatitis-B- und -D-Koinfizierte transplantiert werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 19. Januar 2007
  2. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 18. Januar 2008
  3. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 19. Januar 2009
  4. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 25. Januar 2010
  5. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 24. Januar 2011
  6. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 23. Januar 2012
  7. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 21. Januar 2013
  8. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 20. Januar 2014
  9. Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI, 20. Januar 2014
  10. Medizinfo.de: Hepatitis D

Weblinks[Bearbeiten]

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