Hermann Grapow

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Hermann Grapow

Hermann Grapow (* 1. September 1885 in Rostock; † 24. August 1967 in Berlin) war ein deutscher Ägyptologe.

Leben[Bearbeiten]

Schon als Schüler am Berliner Lessing-Gymnasium begann Grapow – angeregt durch Georg Steindorffs Blütezeit des Pharaonenreichs[1] ägyptisch zu lernen, indem er Adolf Ermans Ägyptisches Glossar abschrieb.[2] Im Jahre 1905 wurde er Adolf Erman vorgestellt und immatrikulierte sich im Jahr darauf an der Berliner Universität für Ägyptologie. 1912 wurde Grapow dort mit einer Dissertation über Das 17. Kapitel des ägyptischen Totenbuches und seine religionsgeschichtliche Bedeutung promoviert. Seit 1907 war er als Hilfskraft in Ermans Projekt eines Wörterbuches der ägyptischen Sprache tätig. Er war für das Sichten und Sortieren der rund 1,4 Millionen Belegzettel verantwortlich.

Die Berliner Akademie berief ihn 1922 zum wissenschaftlichen Beamten. 1928 wurde er auf Ermans Einfluss hin zum Honorarprofessor an der Berliner Universität ernannt. Seit 1929 hielt er hier neben Kurt Sethe Lehrveranstaltungen ab. Nach Sethes Tod im Jahre 1934 übernahm er zunächst stellvertretend die Leitung des ägyptologischen Seminars. Nachdem er 1937 in die NSDAP eingetreten war,[3] wurde er 1938 zum ordentlichen Professor ernannt. Im Sommer 1940 wurde er zum Dekan der Philosophischen Fakultät und im Frühjahr 1943 zum Prorektor der Berliner Universität berufen.

Am 8. Juni 1938 ernannte ihn die Preußische Akademie der Wissenschaften zum Ordentlichen Mitglied und kommissarischen Sekretär der Philosophisch-historischen Klasse. Von 1943 bis 1945 war er Vizepräsident der Akademie. 1947 gründete er gemeinsam mit Richard Hartmann und Diedrich Westermann das Institut für Orientforschung an der Berliner Akademie und wurde 1956 als Nachfolger von Richard Hartmann zu dessen Direktor ernannt. 1953 und 1959 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Grapow weiter an der Vollendung des Wörterbuches der Ägyptischen Sprache. Nach dessen Erscheinen widmete er sich altägyptischen Texten medizinischen Inhalts. Sechs Jahre nach seinem Tode erschien 1973 der neunte und letzte Band des von ihm initiierten Grundrisses der Medizin der alten Ägypter.

Schriften[Bearbeiten]

  • Aegyptisches Handwörterbuch, Berlin 1921 (zusammen mit Adolf Erman).
  • Wörterbuch der ägyptischen Sprache (7 Bände), Berlin, 1925 ff.
  • Anatomie und Physiologie, Berlin, 1954.
  • Kranker, Krankheiten und Arzt. Vom gesunden und kranken Ägypter, von den Krankheiten, vom Arzt und von der ärztlichen Tätigkeit, Berlin 1956.
  • Die medizinischen Texte in hieroglyphischer Umschreibung autographiert, Berlin, 1958.
  • Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Berlin 1959 (gemeinsam mit H. v. Deines).
  • Wie die alten Ägypter sich anredeten, wie sie sich grüssten und wie sie miteinander sprachen, Berlin 1960.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Steindorff: Die Blütezeit des Pharaonenreichs, Bielefeld 1900.
  2. Adolf Erman: Aegyptisches Glossar die häufigeren Worte der aegyptischen Sprache, Reuther & Reichard, Williams & Norgate, Berlin und London 1904.
  3. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 196.