Hermann Gundert (Missionar)

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Hermann Gundert
Hermann Gundert (1832)

Hermann Gundert (* 4. Februar 1814 in Stuttgart; † 25. April 1893 in Calw) war ein deutscher Missionar und Sprachwissenschaftler. Er schrieb die erste Grammatik der südindischen Sprache Malayalam.

Hermann Gundert war ein Großvater des Dichters und Schriftstellers Hermann Hesse und des Missionars und Ostasienwissenschaftlers Wilhelm Gundert.

Leben[Bearbeiten]

Hermann Gundert stammte aus einer Familie, die mit dem württembergischen Pietismus verbunden war. Er studierte am Seminar Maulbronn und in Tübingen am evangelischen Stift Tübingen und an der Eberhard Karls Universität Tübingen, wo er zum Dr. phil. promoviert wurde. Mit 21 Jahren ging er als Hauslehrer nach England. Er folgte seinem Dienstherrn mit der Absicht der christlichen Missionierung nach Bombay, nach Ceylon und an die südindische Malabarküste. Dabei entdeckte er seine Sprachbegabung und lernte mehrere indische Sprachen.

Notizen Gunderts zur Bibelübersetzung

In Malabar im heutigen Kerala trat Gundert als Missionar in die Basler Mission ein. Er übersetzte die Bibel in die dortige Hauptsprache Malayalam. Während seines Aufenthalts in Malabar heiratete er die aus dem Schweizer Jura stammende Julie Dubois, mit der er mehrere Kinder hatte, darunter Marie Hesse, die Mutter des Dichters Hermann Hesse.

1859 kehrte Gundert nach Europa zurück und wurde von der Basler Mission nach Calw geschickt. Er hatte den Auftrag, dort ein Drittel seiner Zeit den indologischen Studien zu widmen, insbesondere der Fertigstellung seines Malayalam-Lexikons, und die übrigen zwei Drittel seiner Arbeitskraft dem Calwer Verlagsverein zur Verfügung zu stellen. 1862 wurde er dessen Vorstand. Später arbeiteten dort auch sein Schwiegersohn Johannes Hesse und dessen Ehefrau Marie Hesse (geb. Gundert) mit.

Lebenswerk[Bearbeiten]

Thalassery

Neben der Bibelübersetzung erstellte Hermann Gundert ein Wörterbuch und die erste systematische Grammatik der Malayalam-Sprache.

Er beschäftigte sich intensiv mit der lokalen Kultur, schrieb Schulbücher und brachte 1847 im Städtchen Thalassery (Tellicherry) die erste Zeitung in der lokalen Sprache heraus. Er übersetzte Werke aus dem Sanskrit nach Malayalam, darunter eine buddhistische Streitschrift aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert gegen das Kastensystem. Für seine Verdienste wird Gundert in Kerala heute noch verehrt, eine Straße in Thalassery ist nach ihm benannt und ein 5 m hohes Denkmal gewidmet.

Die neue Universitätsbibliothek in Kannur, die größte Bibliothek in Südindien, wird 2014 nach ihm benannt werden. Eine Statue von ihm soll das Eingangsportal zieren.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Friedrich EpplerGundert, Hermann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 632–634.
  • Albrecht Frenz (Hrsg.): Hermann Gundert – Brücke zwischen Indien und Europa. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1993, ISBN 3-88294-186-3
  • Hermann Gundert: Hesses Großvater mit globalem Weltverständnis. In: Momente: Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg. 2 / 2002. ISSN 1619-1609
  • Johannes Hesse: Aus Dr. Hermann Gundert's Leben. Reprint der Ausgabe von 1894. Calwer Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-7668-3233-6 Buch, Inhaltsverzeichnis und Leseprobe
  • Andreas Römer: Missionar Dr. Hermann Gundert. (1814–1893). Evangelische Gesellschaft, Stuttgart 1914
  • Karl Frohnmeyer: Hermann Gundert: Missionar und Gelehrter. Evangelischer Missionsverlag, Stuttgart 1955
  • Gerhard Rosenkranz: Gundert, Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 315 f. (Digitalisat).
  • Jutta Rebmann: Julie Gundert: Missionarin in Indien und Großmutter Hermann Hesses. Stieglitz-Verlag, Mühlacker 1993, ISBN 3-7987-0314-0 Rezension
  • Wolfgang Schöllkopf: Zwischen Stadt, Stift und Stunde. Das Tübinger Theologiestudium von Hermann Hesses Großvater Hermann Gundert im Spiegel seines Tagebuchs. In: Sönke Lorenz, Volker Schäfer (Hrsg.): Tubingensia. Impulse zur Stadt- und Universitätsgeschichte; Festschrift für Wilfried Setzler. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-5510-4, S. 483–501

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Calw: Abermals großes Denkmal gesetzt, Schwarzwälder Bote, 25. Mai 2014, abgerufen am 9. Juni 2014.