Ludwig Uhland

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Ludwig Uhland, Gemälde von G. W. Morff (1818)

Johann Ludwig „Louis“ Uhland (* 26. April 1787 in Tübingen; † 13. November 1862 ebendort) war ein deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kindheit

Uhlandbüste von Ernst Rau in Stuttgart (Guss: Wilhelm Pelargus)

Johann Ludwig Uhland wurde am 26. April 1787 in Tübingen geboren. Sein Stammbaum lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Er entstammt einer renommierten Gelehrtenfamilie. In Tübingen war die Familie Uhland seit dem Urgroßvater Joseph zu Hause. Er war Professor am theologischen Stift. Ludwigs Vater war Universitätssekretär und seine Mutter fürsorglich und eine gutmütige Frau. Ludwig verbrachte seine Kinderjahre in Tübingen und wohnte mit seiner Familie in einem alten, bürgerlichen Haus an der Neckarhalde. Ludwig hatte zwei Geschwister. Sein Bruder Friedrich starb im Alter von 10 Jahren an Scharlach. Er war wild und draufgängerisch - das genaue Gegenteil von Ludwig. Seine Schwester Luise wurde nach Friedrichs Tod geboren.

[Bearbeiten] Studium

Von 1793 bis 1801 besuchte Uhland die Schola Anatolica - die damalige Tübinger Lateinschule. Im Sprachunterricht war Ludwig begabt und bekam stets gute Zeugnisse. Nur mit der Mathematik stand er Zeitlebens auf Kriegsfuß. Ludwig wurde oft von Freunden aus der Schule besucht, denn seine Mutter wollte nicht, dass er ein Einzelgänger wird. 1801 erhielt Ludwig ein Stipendium für das Tübinger Stift. Er studierte dort Rechtswissenschaften und Philosophie. Ludwig erfüllte die ihm auferlegten Pflichten mit unermüdlichem Eifer. Selbstbeherrschung und Ordnungsliebe zeichneten ihn aus. Er blieb aber ein schweigsamer Jüngling. Dies änderte sich erst als 1804 der Medizinstudent Justinus Kerner nach Tübingen kam. Ludwig und er wurden gute Freunde. Ludwig und seine Freunde gingen oft auf ausgedehnte Wanderungen. So entstanden 1805 sein Gedicht „Die Kapelle“ und 1809 das Gedicht „Der gute Kamerad“.

Die gleiche Gesinnung und die gemeinsame Richtung des Schrifttums verband Ludwig mit seinen Freunden Gustav Schwab, Justinus Kerner und Karl Mayer. Zahlreiche Briefe sind Beleg dafür, welche warme und innige Verbindung zwischen den schwäbischen Dichterfreunden bestand. Sie alle blieben miteinander in Kontakt.

Am 3. April 1810 wurde Uhland zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert.

[Bearbeiten] Bildungsreise und Rückkehr nach Tübingen

Einen Monat später begab er sich auf eine Bildungsreise nach Paris. Sein Interesse galt bei der Parisreise den französischen und altdeutschen Schriften. Er konnte seine schriftlichen Studien in der Pariser Nationalbibliothek betreiben. Der Hauptzweck der Reise sollte jedoch - aus Sicht des Vaters - das Studium der Französischen Rechtsverhältnisse sein. Hier wird zum ersten Mal das Aufbegehren Ludwigs gegen seinen Vater deutlich.Am 26. Januar 1811 kehrte er nach Tübingen zurück und eröffnete dort eine Anwaltskanzlei. Er arbeitete seine Forschungsergebnisse aus wobei ihm Gustav Schwabs Kenntnisse hilfreich waren. Er durchwanderte mit Freunden die schwäbischen Lande, wonach regelmäßig in kleine Wirtschaften eingekehrt wurde. In dieser Zeit (21. März 1812) entstand sein wohl bekanntestes Gedicht: „Frühlingsglaube“.

[Bearbeiten] Stuttgart

Ende des Jahres schloss Ludwig seine Kanzlei in Tübingen und zog nach Stuttgart. Er erhielt eine Anstellung als zweiter Sekretär des württembergischen Justizministers, aber diese Stelle war unbesoldet. Ludwig wollte Mitglied werden in der Schattengesellschaft, ein Zusammenschluss junger Universitätsstudenten. Am 19. September 1813 erhielt er die lang ersehnte Einladung der Schattengesellschaft. Von nun an nahm Ludwig regelmäßig an den Treffen und Diskussionen teil. Ludwig erwähnt am 15. Dezember 1814 zum ersten Mal Emilie Vischer aus Calw in seinem Tagebuch: seine spätere Ehefrau. In diesem Jahr entstand auch seine bekannteste Ballade: „Schwäbische Kunde“. Ludwigs Ballade ist ein Erzählgedicht. Die Ballade basiert auf dem Hintergrund, dass Kaiser Friedrich I. auf Kreuzzug ging und im Jahr 1190 im Fluss Saleph ertrank.

[Bearbeiten] Sprecher der Landesstände

Im Jahr 1815 berief Friedrich von Württemberg eine allgemeine Ständeversammlung ein, um ihr die neue Verfassung zu übergeben. Am 26. Juli 1815 wurde Ludwig führender Sprecher der Landstände in der Auseinandersetzung über die Verfassung. Er stand auf der Seite des alten württembergischen Landrechts. Ludwig war mit der Verfassung schließlich einverstanden, da sie seiner Meinung nach viele Vorteile mit sich bringe. Im Mai 1817 löste Ludwig sein Arbeitsverhältnis, weil ihm die Bezahlung nach wie vor verweigert wurde. Er beschloss freier Advokat in Stuttgart zu werden. Als Anwalt verdiente er aber kaum etwas, weil er hier Prozesse führen musste, wofür er sich nicht eignete. Ludwig hatte in dieser Zeit akute Geldnot. In den Stuttgarter Bürgerhäusern traf er sich mit anderen Dichtern und Gelehrten zum literarischen Teeabend.

Die Aufnahme der Verfassung wurde am 29. Oktober 1819 in Stuttgart mit der Aufführung Ludwigs Drama „Ernst, Herzog von Schwaben“ gefeiert. Ein Tag nach Eröffnung der Ständeversammlung verlobte er sich am 16. Januar 1820 mit Emilie Vischer und ließ sich, am 29. Mai desselben Jahres, mit ihr in der Stuttgarter Hospitalkirche trauen. Die Hochzeitsreise führte das junge Paar in die Schweiz, wo Ludwig sein Wissen über mittelalterliche Handschriften in der Züricher Bibliothek erweiterte.

Im Sommer 1820 unternahmen die beiden auch eine Reise nach Köln zu den Verwandten von Emilie. Als seine Frau zur Kur in Bad Liebenzell weilte, besuchte Ludwig sie. Nach der Kur unternahmen sie zusammen eine ausgedehnte Schwarzwaldreise. Hier mag ihn die alte Klosterruine von Hirsau zu seinem erst 1829 geschriebenen Gedicht vom „Ulmenbaum“ angeregt haben. Es stellt sich die Frage warum das Gedicht erst neun Jahre später geschrieben wurde. Die Antwort ist relativ einfach, denn Ludwig gehörte von 1819 bis 1826 den Landständen an. 1826 legte er diese Tätigkeit nieder und widmete sich wieder ganz seinen wissenschaftlichen Studien. Deswegen entstand sein Gedicht vom „Ulmenbaum“ erst neun Jahre später.

[Bearbeiten] Lehrstuhl an der Universität Tübingen

Ludwigs Bemühen um einen Lehrstuhl hatte erst Ende 1829 erfolg. Er wurde zum Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Tübingen ernannt. Das Ehepaar Uhland zog im April 1830 von Stuttgart nach Tübingen, wo er am 3. Mai seine erste Vorlesung hielt. Seine Studenten waren begeistert von seiner Persönlichkeit. Sie spürten die Begeisterung, mit welcher er sich selbst für diese Themen interessierte. Ludwig arbeitete intensiv auf dem noch jungen Gebiet der Germanistik und verhalf dieser Wissenschaft zum Siegeszug.

[Bearbeiten] Abgeordneter des württembergischen Landtags

Überraschend wurde Ludwig 1833 von der Landeshauptstadt erneut als Abgeordneter gewählt. Er musste schweren Herzens die Tübinger Universität verlassen und nach Stuttgart ziehen. Ludwig war von 1833 bis 1838 Abgeordneter des Landtags. Als ein adliger, sehr frommer Abgeordneter einmal vorschlug vor jeder Sitzung der Ständekammer zu beten, erhob sich Ludwig mit Würde und sagte: „Ich meine, dass es Gott genehmer sein wird, wenn wir in unserem Kämmerlein statt in der Kammer beten“. Eine solche Schlagfertigkeit entsprach eigentlich gar nicht seiner sonstigen Wortkargheit. In dieser Hinsicht hatte seine Frau sicher unter dem schweigsamen Ehegatten zu leiden. In einer Versammlung, in der sich auch Emilie Uhland befand, wurde allgemein festgestellt, dass jedes Ding zwei Seiten habe. Emilie schüttelte daraufhin den Kopf und meinte: „Ich kenne doch ein Ding das stets nur eine Seite hat“. Auf die Frage was das sei antwortete sie: „Die Briefe meines Ludwigs“.

Im Jahr 1834 nahm das kinderlose Paar Uhland den Sohn eines verstorbenen Freundes auf. Ludwig und seine Frau hatten in den Jahren ihrer Ehe zahlreiche Reisen durch ganz Deutschland und Nachbarländer unternommen. Stets hatte Ludwig dadurch die Chance, in den Bibliotheken der Städte, seine Studie über ihm unbekannten Handschriften zu betreiben. Die meisten Reisen dienten der wissenschaftlicher Forschung und der Sammlung von Quellen sowie die Begegnung mit bedeutenden Dichtern.

[Bearbeiten] Privatlehrer in Tübingen

Ludwig erwarb im Jahr 1836 in Tübingen ein Haus mit großem Obstgarten am Fuße des Österbergs, nahe der Neckarbrücke. Er kaufte sich noch einen Weingarten mit Weingartenhäuschen hinzu. Hier arbeitete er im Sommer an der frischen Luft an seinen Sammlungen und wissenschaftlichen Studien. Ludwig war stets sehr bescheiden. Es gibt eine Anekdote die besagt, dass Ludwig beim Auszug aus Stuttgart einen Lorbeerkranz zur Ehrung bekommen habe. Als sie außerhalb der Stadtgrenze in einem Wald waren ließ Ludwig die Kutsche anhalten. Er stieg aus und hängte den Kranz an einen Baum. Ihm war der Kranz und die Ehrung lästig geworden und ließ sich nicht mit seiner Bescheidenheit vereinbaren. Im Jahr 1838 verzichtete Ludwig auf eine Wiederwahl in den Landtag und arbeitete jetzt in Tübingen als Privatlehrer.

[Bearbeiten] Rumpfparlament in der Frankfurter Pauluskirche

Doch zehn Jahre später war er wieder zurück auf der politischen Bühne. Im Revolutionsjahr 1848 wurde er nochmals württembergischer Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Dort stimmte Ludwig gegen das „Erbkaisertum“ und gegen den Anschluss Österreichs. Doch das hoffnungsfroh begonnene Frankfurter Parlament scheiterte. Die restlichen Abgeordneten fanden sich im Sommer 1849 noch zum so genannten Rumpfparlament zusammen. Die Abgeordneten zogen mit Ludwig Uhland an der Spitze durch Stuttgart und wurden von Soldaten auseinander getrieben. Von da ab betätigte er sich nicht mehr in der Politik. Dennoch fehlt es auch später nicht an gelegentlichen kritischen Anmerkungen.

[Bearbeiten] Rückkehr nach Tübingen

Ludwig kehrte nach Tübingen zurück und wurde wieder als Privatlehrer tätig. Er widmete sich wieder den wissenschaftlichen Studien, unternahm Reisen und betrieb Sagenkunde. Auf Bestreben von Alexander von Humboldt in Berlin wurde Ludwig der „Pour le Mérite“ und der bayrische „Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst“ verliehen. Er lehnte jedoch beide Orden ab. Ludwig zog sich nun mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurück. Sein Freundeskreis lichtete sich immer mehr. Mit fast 75 Jahren ging er noch auf die Beerdigung seines besten Freundes Kerner, der am 22. Februar 1862 gestorben war. Er nahm an der Beisetzung teil und zog sich an dem eisigen Wintertag eine Erkältung zu, von der er sich nicht mehr richtig erholen sollte.

Am 26. April 1862 feierte Ludwig seinen 75. Geburtstag und mit ihm das ganze deutsche Volk. Uhland wurde von den Deutschen sehr verehrt, denn er verkörperte das nationale Ideal der Freiheit. Überall im Land wurden Uhlandlinden und Uhlandeichen gepflanzt. Seine Popularität beim deutschen Volk hatte Ludwig nie verstanden. Es war seine Gradlinigkeit, seine Redlichkeit und sein selbstloser Einsatz für die Nation, die ihm diese Beliebtheit verschaffte. Auf Grund dieser verkörperten Ideale und auch der Tatsache, dass sein Wohnhaus in Tübingen direkt neben dem Haus der örtlichen Burschenschaft Germania stand, wurde ihm am 15. Januar 1862 das Ehrenband der Burschenschaft angetragen, welches er gerne annahm.[1] Im Sommer suchte Ludwig Stärkung im Solebad Jagstfeld, was ihm aber keineswegs Besserung brachte. Am 13. November 1862 starb Ludwig Uhland im Alter von 75 Jahren. Er wurde auf dem Tübinger Stadtfriedhof begraben. Nur ein dunkler Granitblock mit dem Namen in goldener Schrift gibt Hinweis auf den großen Dichter. Sein Grab ist nicht weit von dem seines Dichterfreundes Friedrich Hölderlin entfernt.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. K. Philipp: Burschenschaft Germania Tübingen, Gesamtverzeichnis der Mitglieder seit der Gründung 12. Dezember 1816, Stuttgart 2008.

[Bearbeiten] Werke, Gedichte

Uhland auf einer Briefmarke der DDR, 1987
Uhland-Stein in Bad Harzburg

[Bearbeiten] Literatur

  • Hermann Bausinger (Hrsg.): Ludwig Uhland. Dichter – Politiker – Gelehrter. Attempto, Tübingen 1988.
  • Victor G. Doerksen: Ludwig Uhland and the Critics. Camden House, Columbia, South Carolina 1994.
  • Hartmut Froeschle: Ludwig Uhland und die Romantik. Böhlau, Köln 1973.
  • Armin Gebhardt: Schwäbischer Dichterkreis. Uhland, Kerner, Schwab, Hauff, Mörike. Tectum, Marburg 2004, ISBN 3-8288-8687-6.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Ludwig Uhland – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikisource Wikisource: Ludwig Uhland – Quellen und Volltexte

[Bearbeiten] Siehe auch

Persönliche Werkzeuge