Calw

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Calw (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Calw
Calw
Deutschlandkarte, Position der Stadt Calw hervorgehoben
48.7144444444448.7375347Koordinaten: 48° 43′ N, 8° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Calw
Höhe: 347 m ü. NHN
Fläche: 59,88 km²
Einwohner: 22.374 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 374 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75365
Vorwahl: 07051
Kfz-Kennzeichen: CW
Gemeindeschlüssel: 08 2 35 085
Stadtgliederung: 13 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 9
75365 Calw
Webpräsenz: www.calw.de
Oberbürgermeister: Ralf Eggert (parteilos)
Lage der Stadt Calw im Landkreis Calw
Ostelsheim Enzkreis Landkreis Karlsruhe Landkreis Karlsruhe Landkreis Böblingen Landkreis Tübingen Landkreis Rastatt Landkreis Freudenstadt Pforzheim Bad Herrenalb Dobel Höfen an der Enz Unterreichenbach Schömberg (Landkreis Calw) Oberreichenbach (Schwarzwald) Bad Liebenzell Althengstett Calw Bad Teinach-Zavelstein Bad Wildbad Enzklösterle Neuweiler Simmersfeld Altensteig Rohrdorf (Landkreis Calw) Egenhausen Haiterbach Nagold (Stadt) Wildberg (Schwarzwald) Ebhausen Neubulach Gechingen Ostelsheim Simmozheim SimmozheimKarte
Über dieses Bild

Calw (ursprünglich [kalp], heute wegen der Schreibung meist [kalf] gesprochen) ist eine Stadt in Baden-Württemberg, etwa 18 Kilometer südlich von Pforzheim und 33 Kilometer westlich von Stuttgart gelegen. Die Kreisstadt, zugleich die größte Stadt im Landkreis Calw, bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit 1. Januar 1976 ist Calw Große Kreisstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Stadtkirche
Marktplatz von unten
Marktplatz von oben
Geburtshaus von Hermann Hesse am Marktplatz
Calw mit Nikolausbrücke und Nikolauskapelle über der Nagold
Nikolauskapelle auf der Nikolausbrücke

Calw liegt im Tal der Nagold im Nordschwarzwald in einer Höhe zwischen 330 und 630 Meter ü. NHN. Die Altstadt befindet sich westlich des Flusses, die neueren Stadtteile entwickeln sich an den Hängen. Weitere Gewässer im Stadtgebiet: Tälesbach, Ziegelbach, Wurstbrunnenbach, Schießbach, Schlittenbach und Schweinbach. Im nördlichen Stadtgebiet am westlichen Hang des Nagoldtals liegt die Bruderhöhle.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Calw (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Bad Liebenzell, Althengstett, Gechingen, Wildberg, Neubulach, Bad Teinach-Zavelstein, Neuweiler, Bad Wildbad und Oberreichenbach (alle Landkreis Calw).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Calws gliedert sich in die 13 Stadtteile Altburg, Oberriedt, Speßhardt, Spindlershof, Weltenschwann, Calw, Alzenberg, Heumaden, Wimberg, Hirsau, Ernstmühl, Holzbronn und Stammheim. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt in der Form „Calw, …“, die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind die der früheren Gemeinden oder der Ortsteile der früheren Gemeinden. Das Stadtgebiet gliedert sich in die fünf Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Wohnbezirk I (mit den Stadtteilen Altburg, Oberriedt, Speßhardt, Spindlershof und Weltenschwann), Wohnbezirk II (mit den Stadtteilen Calw, Alzenberg, Heumaden und Wimberg), Wohnbezirk III (mit den Stadtteilen Hirsau und Ernstmühl), Wohnbezirk IV (der Stadtteil Holzbronn) und Wohnbezirk V (der Stadtteil Stammheim). In den Grenzen der Wohnbezirke mit Ausnahme des Wohnbezirks II sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet.[2]

In den Grenzen des Wohnbezirks I liegen das Dorf Altburg und die Weiler Oberriedt, Speßhardt, Spindlershof und Weltenschwann. In den Grenzen des Wohnbezirk II liegen die Stadt Calw, das Dorf Alzenberg, die Orte Heumaden, Schützenhaus und Wimberg und die Häuser Tanneneck. In den Grenzen des Wohnbezirks III liegen das ehemalige Kloster Hirsau sowie das drumherum entstandene gleichnamige Dorf, außerdem der Weiler Ernstmühl, die Orte Bleiche (Kurhaus) und Lützenhardt und die Häuser Kleinmuldbach sowie die Wüstung Gumprechtsweiler. In den Grenzen des Wohnbezirks IV liegen das Dorf Holzbronn und die Häuser und Bahnstation Talmühle. In den Grenzen des Wohnbezirks V liegen das Dorf Stammheim, die Orte Bahnhof Bad Teinach, Baumwollspinnerei Calw, die Höfe Hof Dicke und Hof Waldeck und die Häuser Obere Mühle, Öländerle, Ölmühle, Rehgrundklinge und Untere Mühle sowie die Wüstung Thuma.[3]

Raumplanung[Bearbeiten]

Calw bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Nordschwarzwald, deren Oberzentrum die Stadt Pforzheim ist. Zum Mittelbereich Calw gehören neben der Stadt Calw noch die Städte und Gemeinden Althengstett, Bad Liebenzell, Bad Teinach-Zavelstein, Gechingen, Neubulach, Neuweiler, Oberreichenbach, Ostelsheim, Simmozheim und Unterreichenbach des Landkreises Calw. Mit der Gemeinde Oberreichenbach hat die Stadt Calw eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Reste der Calwer Stadtmauer

Im 11. Jahrhundert entstand Calw, das 1075 erstmals urkundlich erwähnt wurde, um die ältere Burg der Grafen von Calw. Im Mittelalter war Calw eine bedeutende Handelsstadt, insbesondere mit Tuch- und Lederhandel. 1345 kam es an Württemberg und wurde bald Sitz eines Amtes. Im 16. Jahrhundert war die Stadt Sommerresidenz der württembergischen Herzöge. Im 18. Jahrhundert kam es durch den Holzhandel (Flößerei) zu einer weiteren wirtschaftlichen Blütezeit. 1807 wurde das alte württembergische Oberamt Calw mit dem Klosteramt Hirsau vereinigt, später mehrfach verändert und 1938 schließlich in den Landkreis Calw überführt. 1957 wurde der Ortsteil Heumaden gegründet.

Aufgrund ihrer Liebesbeziehung mit einem polnischen Zwangsarbeiter wurde die 17-jährige Calwerin Erna Brehm im August 1941 auf dem Marktplatz öffentlich kahlgeschoren. Nach Absitzen einer achtmonatigen Haftstrafe in Calw und Stuttgart wurde sie wegen des Vorwurfs der Rassenschande ins KZ Ravensbrück deportiert, aus dem sie im April 1944 als lagerunfähig entlassen wurde. Im August 1951 starb sie an den Folgen der Haftbedingungen.[4] 1945 wurde in Calw ein Nebenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof eingerichtet, das mit jüdischen Frauen belegt war und als Arbeitskräftereservoir der Kriegsindustrie diente.[5]

Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 erhielt der Landkreis Calw seine heutige Ausdehnung. Er wurde Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die zugleich dem neu umschriebenen Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Damit wird die ehemals württembergische Stadt nunmehr von der ehemals badischen Hauptstadt Karlsruhe aus verwaltet. Im Rahmen der Gebietsreform wurde die Stadt Calw zum 1. Januar 1975 mit den Gemeinden Altburg, Hirsau und Stammheim zur Stadt Calw-Hirsau vereinigt. Zum 1. Januar 1976 wurde die neue Stadt in den (alten) Namen Calw zurückbenannt. Bereits am 1. Mai 1972 wurde die Gemeinde Holzbronn nach Stammheim eingemeindet. Mit dieser Vereinigung überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die 20.000-Einwohner-Grenze. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, dem die baden-württembergische Landesregierung mit Wirkung vom 1. Januar 1976 zustimmte.

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Religion[Bearbeiten]

Calw gehörte ursprünglich zum Bistum Speyer und war dem Archidiakonat zur Hl. Trinitatis, Kapitel Weil unterstellt. 1534 wurde in Calw wie im gesamten damaligen Herzogtum Württemberg die Reformation eingeführt. Calw wurde 1555 Sitz eines Dekanats (siehe Kirchenbezirk Calw), das bis heute besteht. Zunächst gehörte es zur Generalsuperintendentur Maulbronn, ab 1823 zu Tübingen und heute zur Prälatur Reutlingen. Das Dekanat Calw umfasst heute 43 Kirchengemeinden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Dekan in Calw ist seit 2004 Erich Hartmann. Im Stadtgebiet Calws gibt es die Gesamtkirchengemeinde Calw, bestehend aus der Innenstadtgemeinde (Stadtkirche Calw), der Bergkirchengemeinde Wimberg/Alzenberg und der Versöhnungskirchengemeinde Heumaden, wobei die beiden letztgenannten Kirchengemeinden erst durch Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Ferner gibt es Kirchengemeinden in den Stadtteilen Altburg, Hirsau, Holzbronn und Stammheim.

Daneben gibt es in Calw auch eine Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche, einer evangelischen Freikirche.

Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken nach Calw. Sie gründeten 1885/86 die Pfarrei St. Josef, die später Sitz eines Dekanats innerhalb des Bistums Rottenburg (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart) wurde. Die Pfarrei St. Josef ist heute für das gesamte Stadtgebiet und für einige Umlandgemeinden zuständig und bildet zusammen mit der Pfarrei St. Lioba Bad Liebenzell die Seelsorgeeinheit 2 Calw-Bad Liebenzell innerhalb des Dekanats Calw.

Auch die Neuapostolische Kirche ist in Calw sowie in den Stadtteilen Heumaden, Holzbronn, und Stammheim vertreten.

Der Stadtteil Wimberg beheimatet ein Konferenzzentrum der Internationalen Schule des Goldnen Rosenkreuzes, Lectorium Rosicrucianum.

Die Adventgemeinde in Calw wurde 1914 gegründet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Hirsau mit Kloster 1907

Die folgenden Gemeinden wurden nach Calw eingegliedert oder mit der Stadt Calw zusammengeschlossen:

  • 1933: Alzenberg
  • 1. Mai 1972: Holzbronn (nach Stammheim)
  • 1. Januar 1975: Vereinigung von Calw, Altburg (mit der 1933 eingegliederten Gemeinde Speßhardt), Hirsau und Stammheim

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand; die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze):

Jahr / Datum Einwohner
1525 ca. 1.500
1622 2.545
1702 1.896
1803 3.199
1849 4.529
1. Dezember 1871 5.582
1. Dezember 1880 ¹ 4.662
1. Dezember 1890 ¹ 4.522
1. Dezember 1900 ¹ 4.943
1. Dezember 1910 ¹ 5.595
16. Juni 1925 ¹ 5.681
16. Juni 1933 ¹ 5.478
17. Mai 1939 ¹ 6.160
Jahr / Datum Einwohner
1946 6.795
13. September 1950 ¹ 7.416
6. Juni 1961 ¹ 9.690
27. Mai 1970 ¹ 13.075
31. Dezember 1975 21.561
31. Dezember 1980 23.165
27. Mai 1987 ¹ 21.018
31. Dezember 1990 22.668
31. Dezember 1995 23.709
31. Dezember 2000 23.357
31. Dezember 2005 23.828
31. Dezember 2010 23.230
14. Mai 2013 23.189

¹ Volkszählungsergebnis

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat der Stadt Calw hat insgesamt 30 Mitglieder, die den Titel Stadträtin/Stadtrat führen. Außerdem gehört ihm als Vorsitzender der Oberbürgermeister mit Sitz und Stimme an. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 kam es zu folgendem Ergebnis:[6]

Partei / Liste Stimmenanteil + / - Sitze + / -
FW 33,0 % - 2,7 10 − 1
CDU 20,4 % - 3,0 6 − 1
SPD 13,7 % - 0,3 4 ± 0
Neue Liste Calw 17,3 % + 9,8 5 + 3
Gemeinsam für Calw 15,7 % + 15,7 5 + 5

Bürgermeister[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt Calw stand schon im 15. Jahrhundert ein Bürgermeister, der vom Gericht alle zwei Jahre gewählt wurde. Ein Rat ist seit 1433 nachweisbar. Seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt 1976 trägt das Stadtoberhaupt den Titel Oberbürgermeister. Sein Stellvertreter ist der Erste Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.

Bürgermeister und Oberbürgermeister

  • 1799–1802: Ernst Friedrich Wagner
  • 1802–1809: Ernst Bernhard Wagner
  • 1809–1817: Johann Gottfried Konrad und Johann Naschold
  • 1817–1820: Carl Friedrich von Gärtner
  • 1820–1826: Johann Jakob Hess
  • 1826–1835: Johann Friedrich Dreiß
  • 1835–1884: Christian Friedrich Schuldt
  • 1884–1902: Hermann Haffner

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Calw zeigt in Gold auf blauem Dreiberg einen stehenden blau bezungten und blau gekrönten roten Löwen. Die Stadtflagge ist rot-gelb. Der Löwe auf dem Dreiberg ist das Wappen der Grafen von Calw, der früheren Ortsherren der Stadt. Das Wappen wird schon seit Jahrhunderten geführt und auch von der im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre neu gebildeten Stadt übernommen. Dabei wurde es am 20. Juli 1976 vom Regierungspräsidium Karlsruhe neu verliehen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Calw unterhält seit 1957 mit Latsch im Vinschgau (Südtirol) eine Städtepartnerschaft. Darüber hinaus besteht eine Städtefreundschaft mit der thüringischen Stadt Weida.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Calw hat über 8.000 Arbeitsplätze, davon über 5.200 im Dienstleistungssektor und etwa 2.700 im produzierenden Gewerbe.

Alter Bahnhof Calw um 1900

Verkehr[Bearbeiten]

Calw liegt an den Bundesstraßen 295, 296 und 463. Die B 296 hat aus dem Nagoldtal bergauf in Richtung Stuttgart zwei Fahrstreifen (Stuttgarter Straße bis Abzweig Heinz-Schnaufer-Straße, gegen Ende B 295). Der 2,7 km lange Abschnitt erleichtert somit in zwei Serpentinen das Überholen von langsameren Fahrzeugen.

In Calw befinden sich zwei Haltepunkte der Nagoldtalbahn, die von Pforzheim nach Hochdorf führt: die direkt beim zentralen Omnibusbahnhof gelegene Station Calw sowie der Haltepunkt Hirsau. Der alte, außerhalb des Stadtzentrums gelegene Bahnhof Calw wurde hingegen aufgelassen, das repräsentative Empfangsgebäude dient heute anderen Zwecken. Er war früher Verknüpfungsbahnhof mit der württembergischen Schwarzwaldbahn nach Stuttgart, deren westlicher Abschnitt jedoch 1988 stillgelegt wurde. Seit dem Ankauf des stillgelegten Streckenabschnitts bis Weil der Stadt durch den Landkreis Calw im Jahr 1994 bemüht sich dieser intensiv um eine Reaktivierung im Zuge des Projekts Hermann-Hesse-Bahn.

Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen mehrere Buslinien. Mit Bussen der Unternehmen Regional Bus Stuttgart, Däuble Reisen, Volz Reisen sowie SüdwestBus bestehen Verbindungen nach Unterreichenbach, Böblingen, Sindelfingen und Weil der Stadt (Regional Bus Stuttgart) sowie nach Herrenberg (Däuble Reisen).

Behörden, Gericht und Einrichtungen[Bearbeiten]

Calw ist Sitz des Landratsamts des Landkreises Calw. Ferner gibt es ein Finanzamt und ein Amtsgericht, das zum Gerichtsbezirk des Landgerichts Tübingen und dem des OLG Stuttgart gehört.

Die Stadt ist Sitz des Kirchenbezirks Calw der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und des Dekanats Calw der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Militär[Bearbeiten]

Das Kommando Spezialkräfte KSK der Bundeswehr ist seit 1996 in der Graf-Zeppelin-Kaserne bei Calw-Heumaden stationiert. Von 1961 bis zu ihrer Auflösung im September 1996 war die Luftlandebrigade 25 (LLBrig 25) in Calw stationiert.

Bildung[Bearbeiten]

  • Seit 2002 ist Calw Sitz der privaten, staatlich anerkannten Fachhochschule Calw mit den beiden Fachbereichen „Steuer- und Prüfungswesen“ sowie „Medien- und Kommunikationsmanagement“.
  • An allgemeinbildenden Schulen hat Calw zwei Gymnasien (Hermann-Hesse-Gymnasium und Maria-von-Linden-Gymnasium). Das Maria-von-Linden-Gymnasium ist ein allgemeinbildendes Gymnasium in Calw-Stammheim mit einem sprachlichen und einem naturwissenschaftlichen Profil. Es wurde nach der Wissenschaftlerin Maria Gräfin von Linden (1869–1936) benannt und ging aus der Teilung des Hermann-Hesse-Gymnasiums hervor.
  • Zudem gibt es eine Realschule und eine Förderschule (Seeäckerschule) sowie mehrere Grundschulen bzw. Grund- und Hauptschulen (Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Calw, Heumadenschule Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule sowie Wimbergschule Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule und je eine Grundschule in den Stadtteilen Altburg, Hirsau und Stammheim). Ferner existiert eine Klinikschule für Kranke an der Landesklinik Nordschwarzwald.
  • Der Landkreis Calw ist Träger der Beruflichen Schulen Hermann-Gundert-Schule (Kaufmännische und Hauswirtschaftliche Schule) und der Johann-Georg-Doertenbach-Schule (Gewerbliche Schule).
  • Die Privatschulen Betriebswirtschaftliche Fachschule Calw e. V., die Evangelische Berufsfachschule für Altenpflege Calw und die Private Heimsonderschule für Sprachbehinderte Calw-Stammheim runden das schulische Angebot in Calw ab.
  • Ferner verfügt Calw über eine Volkshochschule und eine Musikschule in städtischer Trägerschaft. Aus letzterer sind viele Preisträger bei nationalen Wettbewerben (Jugend musiziert, Deutscher Chorwettbewerb und andere) hervorgegangen. Die Aurelius-Sängerknaben Calw sind der Musikschule angegliedert.

Kultur, Kunst und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Calw verfügt über eine kleine, sehenswerte Altstadt, die vom letzten Krieg weitgehend verschont blieb. Von vielen Gästen besucht werden der Marktplatz der Stadt und die Nikolausbrücke.

In den 1970ern wurde ein Teil der historischen Innenstadt durch ein Einkaufszentrum ersetzt, die Innenstadt bald darauf durch die Einrichtung einer Fußgängerzone normiert und abgeriegelt. Gebäude aus Waschbeton (Busbahnhof, Parkhaus) prägen seit einigen Jahren den der Nagold zugewandten Teil. Ein um die Jahrtausendwende gebautes Einkaufszentrum begrenzt die Altstadt nach Norden.

Zu den Höhepunkten des Calwer Kulturjahres gehört der Calwer Hermann-Hesse-Preis. Mit ihm werden alle zwei Jahre Literaturzeitschriften und Übersetzer ausgezeichnet, die sich um das Werk von Hermann Hesse verdient gemacht haben; das Hermann-Hesse-Kolloquium, aktuelle Fragen zum Thema Hermann Hesse werden hier von internationalen Fachleuten diskutiert. Jedes Jahr finden in der Benediktinerruine des Klosters St. Peter und Paul die Festspiele zum „Calwer Klostersommer in Hirsau“ statt, die 2008 die traditionsreichen Klosterspiele Hirsau ablösten. Hermann Hesses Gerbersauer Erzählungen sind der Stoff für den jährlich stattfindenden „Gerbersauer Lesesommer“. Aus über drei Dutzend Erzählungen und Betrachtungen Hermann Hesses über das Leben in Gerbersau, sein lit. Pseudonym für Calw, werden Geschichten und Anekdoten vorgetragen. Ein besonders Merkmal der Lesereihe bilden dabei die oftmals originalen Schauplätze. Einen kulturellen Schwerpunkt der Hesse-Stadt bildet die Musik; genannt seien die Aurelius-Sängerknaben, deren Renommee weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinausreicht. Weitere musikalische Akzente werden von den Konzertreihen in der Ev. Stadtkirche und in der St. Aureliuskirche gesetzt.

Theater[Bearbeiten]

Mit den traditionsreichen Klosterspielen Hirsau werden Theater, Musik und Lesungen unter freiem Himmel dargeboten. 1959 stand zur 900 Jahr-Feier von Hirsau zum ersten Mal eine Bühne im Kreuzgang. Hier wird die Geschichte durch das Spiel wieder lebendig und zum unverwechselbaren Ereignis.

Museen[Bearbeiten]

Calw hat eine reiche Museumslandschaft zu bieten. In einem 1813/14 errichteten Stadtpalais, dem „Haus Schüz“, sind seit 1990 das Hermann-Hesse-Museum und die Galerie der Stadt Calw mit der Stiftung Gunter Böhmer untergebracht. Das Hesse-Museum ist dem Leben und Schaffen des großen Sohnes der Stadt gewidmet und besitzt die umfangreichste Sammlung über den Literaturnobelpreisträger von 1946. Die interaktive Ausstellung „Weltflechtwerk“ öffnet einen anderen Blick auf Hesses Werk und lädt zur thematischen Auseinandersetzung ein.

Das Museum der Stadt im 1787/91 erbauten Palais Vischer gibt Einblick in die gehobene Wohnkultur des 18. Jahrhunderts und zeigt in 18 Räumen Sehenswertes zur Stadtgeschichte.

Weitere Museen sind das (derzeit geschlossene) Spielzeugmuseum, das Gerbereimuseum und im Stadtteil Altburg das Bauernhausmuseum sowie das Klostermuseum im Stadtteil Hirsau. Im zweijährigen Turnus findet eine „Lange Nacht der Museen“ statt, in der alle Museen geöffnet sind.

Bauwerke[Bearbeiten]

Nikolausbrücke mit Nikolauskapelle und Hermann-Hesse-Skulptur

Sehenswert ist der historische Marktplatz. Das älteste Gebäude auf dem Platz ist das Haus Schäberle, das Stadtzerstörung bzw. Stadtbrände von 1634 und 1692 mehr oder weniger unbeschadet überstand. Das Geburtshaus von Hermann Hesse, Marktplatz 6, wurde 1692 von Johann Conrad Moseter erbaut. 1697 richtete Christoph Mayer ein Einzelhandelsgeschäft in dem von ihm erworbenen Haus ein. Bis auf den heutigen Tag blieb das Gebäude ein Handelshaus.

Das Calwer Rathaus steht am Marktplatz 9, der erste Rathausbau erfolgte 1454. Im 19. Jahrhundert wurden etliche Renovierungen und Veränderungen vorgenommen. 1929 wurden die Figuren an die Fassade angebracht. Sie symbolisieren die drei wichtigsten Aufgaben der Stadt gegenüber ihren Bürgern: Rittergestalt – Schutz und Gerechtigkeit, Baum der gepflanzt wird – Verwurzelung und damit Blühen des Gemeinwesens, Mutter mit Kindern – Fürsorge für die in Not Geratenen. Unter den Rathausarkaden waren die Bänke oder Schrannen (Marktstände) der Bäcker und Metzger aufgebaut, heute ist dort ein moderner Veranstaltungsraum untergebracht, dessen Glasfassade die architektonische Urgestalt unterstreicht.

Die Nikolausbrücke mit Nikolauskapelle, die Hermann Hesse oft in seinen Werken erwähnt, ein Lieblingsplatz seiner Kindheit, wurde 1400 im gotischen Stil erbaut. 1926 wurde bei der Renovierung durch Ernst Yelin die beiden Figuren rechts und links, ein Tuchhändler und ein Flößer, eingesetzt; sie symbolisieren die einstigen wirtschaftlichen Säulen der Stadt.

Der weit über die Stadt hinausragende „Lange“ diente einst als Gefängnis, oben war eine Wächtersstube untergebracht. Das ehemals als Spielzeugmuseum dienende Haus Reichert steht leer.

Das Georgenäum wurde der Stadt 1868 gestiftet und sollte vor allem der Aus- und Weiterbildung der Jugend dienen.

Im Stadtteil Hirsau gibt es zwei Klöster zu besichtigen. Die „Aureliuskirche“ – heute Kirche der katholischen Gemeinde – ist das älteste der Hirsauer Klosterbauten aus dem Jahr 1070. Sie ist liebevoll restauriert und von dem bekannten Bildhauer Otto Herbert Hajek künstlerisch einfühlsam ausgestaltet. Das ehemalige Benediktinerkloster St. Peter und Paul war in der Klosterbewegung von Cluny im 11. und 12. Jahrhundert das bedeutendste deutsche Reformkloster nördlich der Alpen, es wurde 1692 im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Die baugeschichtlich hochbedeutenden Ruinenanlagen beinhalten Relikte aus unterschiedlichen Baustilen: die romanische Säulenbasilika, die einst die größte romanische Kirche Südwestdeutschlands war, den gotischen Kreuzgang, die spätgotische Marienkapelle und die Ruine eines Renaissanceschlosses, innerhalb deren erhaltenen vier Außenwänden bis 1989 die berühmte Ulme zu Hirsau wuchs, der Ludwig Uhland 1829 sein Gedicht Ulmenbaum widmete.[7]

Das Calwer Schafott

Am Rande des Stadtteils Stammheim befindet sich zwischen bewaldeten Hügeln am Bachlauf des Schlittenbachs die Untere Mühle, mit dem größten oberschlächtigen hölzernen Wassermühlrad Europas. Mit 11,5 Meter Durchmesser. Im Türstock der Mühlenscheune ist die Jahreszahl von 1853 eingemeißelt.[8]

Im Stadtwald im Westen der Stadt befindet sich das Calwer Schafott, eine um 1800 errichtete und nur für kurze Zeit benutzte Hinrichtungsstätte.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Auf dem Friedhof in der Bischofsstraße erinnert eine Gedenktafel an alle Opfer des NS-Regimes. Mit einem Gedenkrelief des Künstlers Wolfram Eisele in einer Werkstatt der Firma Bauknecht wird seit 1990 der jüdischen Zwangsarbeiterinnen und KZ-Häftlinge gedacht, die hier von Januar bis April 1945 für die Luftfahrtgeräte GmbH (Lufag) Zwangsarbeit im Flugzeugbau verrichten mussten.[9]

Sport[Bearbeiten]

Der Tischtennisverein TTC Calw stieg innerhalb von sieben Jahren von der Kreisklasse in die Tischtennis-Bundesliga auf [10].[11] Dieser gehörte er von 1976 bis 1981 an. Die beste Platzierung erreichte er in der Saison 1977/78 mit der Vizemeisterschaft. Hauptsponsor war die Firma Jägermeister, weshalb der Verein 1977 in TTC Jägermeister Calw umbenannt wurde. 1981 wurde die Profiabteilung aufgelöst. Der bekannteste Spieler war Dragutin Šurbek. Daneben gibt es noch den Calwer Tauchclub, den Fußballverein Calw, den Tanzsportverein Calw und viele weitere Vereine.

„Die Hermann-Hesse-Stadt“[Bearbeiten]

Calw bezeichnet sich selbst als „Die Hermann-Hesse-Stadt“ und nutzt dieses Attribut zugleich als Claim zur selbstbewussten Eigenwerbung.[12] Der 1946 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Hermann Hesse wurde 1877 in Calw geboren - er gehört bis heute zu den weltweit meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellern.[13] In Calw informiert das Hermann-Hesse-Museum über Leben und Werk des berühmtesten Sohnes der Stadt.[14]

Udo-Lindenberg-Stiftung[Bearbeiten]

Zu Hermann Hesses Geburtsstadt Calw gehört auch die Udo-Lindenberg-Stiftung (gegründet am 10. Dezember 2006). Die kulturpolitische Stiftung will Leben und Werk des Dichters Hermann Hesse mit moderner Musik verbinden. Sie fördert junge Texter und Musiker mit Wettbewerben, um „neue Wege gegen das Mitmarschieren in der Masse zu suchen, provokant zu schreiben und sich nicht anzupassen“, so der sich mit Hermann Hesse verbunden fühlende Stifter und Initiator Udo Lindenberg.[15] Die Stiftung bietet talentierten Musikern und Nachwuchsbands eine öffentliche Plattform für mehr Bekanntheit und für den angestrebten künstlerischen Durchbruch. Die Geschäftsführung der Udo-Lindenberg-Stiftung verantwortet die Sparkasse Pforzheim Calw.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hermann-Hesse-Skulptur auf der Nikolausbrücke „Zwischen Verweilen und Aufbruch“

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die Stadt Calw hat den folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:

  • Hermann Hesse (1947)
  • Rolf Sannwald
  • Richard Bauer
  • Karl-Heinz Lehmann, Oberbürgermeister
  • Karl Weiß (2010)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die in Calw gelebt und gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Stöckle: Führer durch Calw und Umgebung. Würzburg u. Wien, Verlag Leo Woerl, 1889
  • Württembergisches Städtebuch; Band IV, Teilband Baden-Württemberg, Band 2 aus "Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte – Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages", hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart, 1961
  • Josef Seubert: Von Auschwitz nach Calw. Jüdische Frauen im Dienst der totalen Kriegsführung. Ed. Isele Eggingen, 1989. 75 Seiten. ISBN 3-925016-49-X
  • Uli Rothfuss: Daud – Ein »schwäbischer Neger« im Schwarzwald. Tübingen: Silberburg-Verlag 2000. ISBN 978-3-87407-360-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Großen Kreisstadt Calw vom 21. Juli 2005 (PDF; abgerufen am 20. August 2008)
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 492–498
  4. http://www.zeit.de/1985/06/verbotene-liebe/komplettansicht
  5. Internetpräsenz des ehem. KZ Stuthof, Liste der Nebenlager (abgerufen am 3. November 2008)
  6. CALW Journal vom 30. Mai 2014
  7. Ulmenbaum, Ludwig Uhland (1829)
  8. Imagebroschüre der Stadt Calw 2008 (PDF; 3,3 MB) im Internet Archive
  9. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 30, ISBN 3-89331-208-0
  10. Zeitschrift DTS, 1976/12 S.44
  11. Zeitschrift DTS, 1976/18 S.22
  12. http://www.calw.de/willkommen
  13. http://www.calw.de/de/Kultur+Tourismus/Calw-historisch/Berühmte-Persönlichkeiten/Hermann-Hesse
  14. http://www.calw.de/Hermann-Hesse-Museum
  15. http://www.udo-lindenberg-stiftung.de/seelenverwandtschaft.81630.htm
  16. http://www.udo-lindenberg-stiftung.de/impressum.33052.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Calw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Calw – Reiseführer