Hitzeschaden

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Dieser Artikel behandelt den Hitzeschaden in der Medizin. Für den Begriff aus dem Straßenbau siehe Hitzeschaden (Betonfahrbahn).
Klassifikation nach ICD-10
T67.0 Hitzschlag und Sonnenstich
T67.1 Hitzesynkope (Hitzekollaps)
T67.2 Hitzekrampf
T67.3 Hitzeerschöpfung durch Wasserverlust
T67.4 Hitzeerschöpfung durch Salzverlust
Hitzeerschöpfung, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Hitzeschaden wird in der Medizin jede Gesundheitsstörung bezeichnet, die durch eine für längere Zeit erhöhte Umgebungstemperatur bedingt ist. Man unterscheidet den Sonnenstich, den Hitzekrampf, den Hitzekollaps, die Hitzeerschöpfung und den Hitzschlag. Als schlimmste Folge kann der Hitzetod eintreten.

Sonnenstich[Bearbeiten]

Ein Sonnenstich (Insolation, Heliosis) entsteht durch lange andauernde direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf und den Nackenbereich. Der für diese Schädigung verantwortliche Teil der Sonnenstrahlung ist der langwellige, das heißt die Wärmestrahlung des Sonnenlichtes. Das führt zu einer Irritation der Hirnhaut und des Hirngewebes und zu einer Entzündungsreaktion, die in schweren Fällen in ein Hirnödem übergehen kann.[1] So gesehen ist ein Sonnenstich ein isolierter Hitzschlag des Kopfes, also ein rein thermisches Problem. Die immer wieder auftauchende Erklärung, die Hirnhautreizung entstehe durch den UV-Anteil des Sonnenlichtes, ist ein Mythos. Die UV-Strahlung kann die Haut nicht durchdringen, geschweige denn den knöchernen Schädel.[2]

Der Sonnenstich äußert sich durch Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit bis zum Erbrechen, Ohrgeräusche, Benommenheit, innere Unruhe, Abgeschlagenheit, erhöhter Pulsschlag, und Nackenschmerzen bis hin zu Nackensteifigkeit (Meningismus). Die Körpertemperatur ist fast immer normal.[1] In schweren Verlaufsfällen kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit und zu Kreislaufversagen führen. Auch Todesfälle wurden bereits beschrieben.[1]

Einem Sonnenstich kann durch das Tragen einer hellen Kopfbedeckung vorgebeugt werden. Vor allem kleine Kinder sind durch den Sonnenstich gefährdet. Dazu tragen die Fontanellen sowie die spärliche Kopfbehaarung der ersten beiden Lebensjahre bei. Auch Träger einer Glatze oder einer Kurzhaarfrisur unterliegen einem erhöhten Risiko.[3]

Hitzekrampf[Bearbeiten]

Ein Hitzekrampf entsteht durch einen Mangel an Flüssigkeit und Elektrolyten (vor allem Natriumchlorid) infolge von erhöhtem Schwitzen. Vor allem betroffen sind dabei nicht an die Temperaturen angepasste Menschen (Akklimatisierung), deren Elektrolytkonzentration im Schweiß im Vergleich zu akklimatisierten Menschen deutlich höher ist.[4]

Die Symptome sind Krämpfe in der belasteten Muskulatur, häufig auch schmerzhaft, bei normaler Körpertemperatur. Kreislaufbeschwerden oder ein Anstieg der Körpertemperatur sind untypisch für Hitzekrämpfe, sie können auf das Vorliegen eines anderen oder weiteren Hitzeschadens hinweisen. Stark gewürzte Suppen oder Elektrolytgetränke bessern beim Hitzekrampf meist die Beschwerden.[4]

Hitzekollaps[Bearbeiten]

Ein Hitzekollaps, auch Hitzeohnmacht oder Hitzesynkope ist eine Fehlfunktion des Kreislaufs mit kurzer Bewusstlosigkeit aufgrund einer hitzebedingten Erweiterung der peripheren Blutgefäße.[5]

Um die Wärmeabgabe über die Haut zu verstärken, erweitern sich Blutgefäße in der Peripherie des Körpers. Dies führt zu einer massiven Umverteilung des Blutvolumens in diese Bereiche, welches dort "versackt". Das Herz bekommt nun nicht mehr genug Blut angeboten, um es weiter zu pumpen. Der Blutdruck wird drastisch verringert, das Gehirn bekommt nicht genügend Blut und es kommt dadurch zu einer meist nur kurz andauernden Bewusstlosigkeit (Synkope).

Risikofaktoren hierbei sind vor allem Alkoholgenuss sowie längeres Stehen, vor allem in größeren Menschenmengen, wo die Möglichkeiten der Wärmeabgabe über die Haut verringert sind.[5] Symptom ist zumeist nur die plötzlich einsetzende Bewusstlosigkeit. Warnzeichen können Schwindel, Schwächegefühl, Übelkeit und Erbrechen sein.[5]

Hitzeerschöpfung[Bearbeiten]

Zu einer Hitzeerschöpfung kommt es durch Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ohne entsprechende Zufuhr von außen – und damit zu einer Abnahme des extrazellulären Flüssigkeitsvolumens ohne Erhöhung der Körpertemperatur (Abnahme des Blutvolumens im Kreislauf). Folge kann ein Versagen des Kreislaufs sein. Verstärkt wird dies, wenn durch Wasserverluste die zirkulierende Blutmenge vermindert ist. Die kritische Grenze liegt etwa bei einem Wasserverlust von 12 % des Körpergewichts.

Die Symptome einer Hitzeerschöpfung sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Die Haut ist zuerst gerötet, dann blass und feucht. Der Puls ist schnell, der Blutdruck niedrig, die Atmung schnell und flach. Ab etwa 40 °C tritt die Gefahr des Hitzekollaps auf, der keine direkte thermische Schädigung des Körpers ist, sondern ein Versagen des Kreislaufs. Infolge der starken Erweiterung der Hautgefäße entsteht ein Missverhältnis zwischen Gefäßkapazität und zirkulierender Blutmenge, so dass es zum Blutdruckabfall (Hypovolämischer Schock) und schließlich zur Bewusstlosigkeit kommt.

Die wichtigste Maßnahme in der ersten Hilfe besteht darin, den Patienten in den Schatten oder eine kühle Umgebung zu bringen. Ist der Patient noch bei Bewusstsein, sollte er in die Schocklage gebracht werden. Ein bewusstloser Patient muss in die stabile Seitenlage gebracht werden, wenn er noch normal atmet. Atmet ein bewusstloser Patienten nicht (Atemstillstand), muss eine Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolgen.[6]

Hitzschlag[Bearbeiten]

Hitzschlag beim Menschen[Bearbeiten]

Bei dem lebensgefährlichen Hitzschlag oder Hitzeschlag steigt zusätzlich die Körpertemperatur auf über 40 °C an (Rektaltemperatur). Diese akute Überhitzung des Körpers führt zu einem Hirnödem. Symptome sind eine Körpertemperatur wie bei sehr hohem Fieber, Krämpfe, Ausbleiben der Schweißabsonderung durch akuten Wassermangel und Bewusstseinstrübung, die wie Müdigkeit und Schlaf erscheinen kann. Es kann zur Hirnschädigung kommen. Ursachen sind häufig eine körperliche Überanstrengung bei feuchter Hitze oder der Aufenthalt in überhitzten, geschlossenen Räumen.

Hitzschlag bei Pferden[Bearbeiten]

Ein Pferd, das bei hohen Temperaturen arbeitet, aber kaum oder gar nicht mehr schwitzt, steht kurz vor dem Hitzeschlag. Es ist nahezu ausgetrocknet (dehydriert) und kann sich nicht mehr durch Schwitzen abkühlen. Es versucht nun, Wärme über die Lunge abzugeben, deshalb atmet es flach und stoßweise. Häufig bekommt es Muskelzittern, hervorgerufen durch Calciummangel, weil mit dem Schweiß auch viel Calcium ausgeschieden wird. Das Blut verdickt sich, dadurch muss das Herz angestrengter und schneller arbeiten. Im schlimmsten Fall bricht das Pferd zusammen.[7]

Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes[Bearbeiten]

Seit 2005 gibt der Deutsche Wetterdienst regionale Hitzewarnungen heraus. Mit dem Warnsystem will der Deutsche Wetterdienst die Zahl der Todes- und Krankheitsfälle bei Hitze verringern. Anlass für die Entwicklung des Warnsystems war der heiße Sommer 2003, in dem allein in Deutschland vermutlich mehr als 7000 Menschen Opfer der hohen Temperaturen wurden.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Kersten Enke, Andreas Flemming, Hans-Peter Hündorf, Peer G. Knacke, Roland Lipp, Peter Rupp: LPN3 Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Bd.3 - Schwerpunkt Traumatologie (4. Auflage) S.203-204. Stumpf & Kossendey Verlag, Edewecht 2009, ISBN 978-3-938179-70-3.
  2. Tiedt, Zwiener: Taschenbuch der Pathophysiologie, Berlin 1988, S. 692 f.
  3. Sonnenstich, DRK
  4. a b  Kersten Enke, Andreas Flemming, Hans-Peter Hündorf, Peer G. Knacke, Roland Lipp, Peter Rupp: LPN3 Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Bd.3 - Schwerpunkt Traumatologie (4. Auflage) S.204-205. Stumpf & Kossendey Verlag, Edewecht 2009, ISBN 978-3-938179-70-3.
  5. a b c  Kersten Enke, Andreas Flemming, Hans-Peter Hündorf, Peer G. Knacke, Roland Lipp, Peter Rupp: LPN3 Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Bd.3 - Schwerpunkt Traumatologie (4. Auflage) S.206-207. Stumpf & Kossendey Verlag, Edewecht 2009, ISBN 978-3-938179-70-3.
  6. Lutz Rothe, Volker Skwarek: Erste Hilfe konkret: für Ausbildung und Praxis. Bildungsverlag EINS; 5. Auflage 2007. ISBN 978-3-441-92000-7
  7. Gefahren von Hitze und Sonne, van Damsen, Kavallo
  8. Lothar Baumann: Die „Hitzetoten“ des Jahres 2003. In: Statistisches Monatsheft 04/2005, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, S. 23–27.

Weblinks[Bearbeiten]

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