Hochablass

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Der Hochablass (Luftbild)

Der Hochablass ist ein Stauwehr in Augsburg. Hier wird Wasser vom Lech abgezweigt, das über den Hauptstadtbach in die Augsburger Altstadt geleitet wird und dort zusammen mit dem Wasser des Lochbachs in vielen Kanälen das Lechviertel durchfließt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im Jahr 1346 ist ein erster Wehrdamm an der Stelle des heutigen Ablasses urkundlich belegt. Seither erlitt die Wehranlage und ihre Gebäude insgesamt immer wieder schwere Hochwasserschäden, sowie mehrere Zerstörungen in Kriegen.

Um das Recht, Wasser vom Lech zur Nutzung in der Stadt abzuleiten, gab es jahrhundertelang immer wieder Auseinandersetzungen zwischen der Reichsstadt Augsburg und den Wittelsbachern, deren Gebiet, das herzogliche Bayern, an das Ostufer des Lechs angrenzte. Im Jahr 1418 erteilte König Sigismund der Stadt Augsburg das Recht, den Lechfluss „nach Frommen“ zu nutzen, auf ihm zu flößen, Bauten einzurichten und falls nötig, Hindernisse mit Gewalt zu entfernen. Doch der Bayernherzog Albrecht III. verweigerte 1457 der Stadt dieses Recht. Der Streit endete mit der Erlegung von 2000 Gulden durch die Stadt. Fünf Jahre später stellte Kaiser Friedrich III. der Stadt Augsburg einen Freiheitsbrief aus, der es ihr erlaubte, aus dem Lech so viele Bäche abzuzweigen, als für sie nötig wären. Dessen ungeachtet ließ der bayerische Herzog Albrecht IV. im Jahr 1468 den Lechanstich nach Augsburg mit Pfählen verrammen, so dass keine Flöße mit Waren und Rohstoffen mehr in die Stadt gelangen konnten. Als Reaktion darauf verriegelte die Stadt im darauffolgenden Jahr ihrerseits den Fluss, so dass er nicht mehr befahren werden konnte. Nach weiteren Eskalationen ging die Sache erneut bis vor den Kaiser (Maximilian I.), der letztlich vermittelte.

In den 1590er Jahren verlagerte der Lech sein Flussbett nach Osten, wodurch die Stadt Augsburg von Wassermangel bedroht wurde. Um diesem entgegenzuwirken, ließ sie neue Kastenbauten in den Lech einsetzen, die die Versorgung des Anstichs sicherstellten. Dies brachte wiederum den Bayernherzog Wilhelm V. auf, der am 31. Januar 1596 in das Wehr eine 64 Fuß breite Öffnung einbrechen und gegen den Stadtkanaleinlass einen 140 Fuß langen Damm aufschütten ließ, so dass der Stadt das Wasser vollends ausblieb. So herausgefordert, sandte die Stadt 250 Arbeiter, die ihrerseits die bayerischen Uferkorrektionen schliffen, gesichert von 160 Schützen. Nachdem 100 weitere Augsburger Schützen mobilisiert und 300 Söldner zur Unterstützung der Wachtruppen bereitgestellt wurden, endete die Machtprobe des Augsburger Wasserkriegs schließlich gütlich. Das Lechablasswehr wurde – mit kostenlosem bayerischen Holz – erneuert.[1][2]

Der umstrittene Ablass mit den Bauten vor 1595
Plan über den Stadt Augspurgischen Hochablas, 1762

Im Dreißigjährigen Krieg wurden am 5. Oktober 1634 sämtliche Ablaßgebäude durch kaiserliche Kroaten niedergebrannt. 1635 wurden sie wieder errichtet, doch am 4. September 1703 erneut im Spanischen Erbfolgekrieg zerstört. 1707 bis 1710 wurden sie wieder aufgebaut. 1793 brannte das hölzerne Hauptschleusengebäude durch eine Nachlässigkeit nieder. Am 20. September 1797 zogen die letzten Teile der französischen Arrièregarde über den Lech und steckten dabei die Friedberger und Lechhauser Lechbrücken in Brand. In den Jahren 1797-1798 erfolgte ein massiver Neubau des Hauptschleusengebäudes. In Hochwassern von 1816, 1824 und 1831 wurde das Ablaßwehr beschädigt und jeweils wieder danach repariert.

Bei einem verheerenden Hochwasser im Jahr 1910 wurde schließlich nicht nur das Wehr, sondern auch das steinerne Hauptschleusengebäude von 1798 zerstört.

Heutiger Hochablass[Bearbeiten]

Der Hochablass, in der Mitte das Getriebehäuschen mit Glockenturm

Seit seinem Wiederaufbau 1911/1912 ist der Hochablass eine massive Konstruktion aus Stahlbeton, die sich auf insgesamt 145 Metern Länge dreifach geknickt durch den Lech spannt. Errichtet wurde die heute denkmalgeschützte Anlage mit Fußgängersteg, Getriebehäuschen und Glockenturm im Wesentlichen vom damaligen Augsburger Stadtbaurat Otto Holzer. Der plastische Schmuck am westlichen Brückenkopf (ein Flößer und eine Spinnerin mit Spindel, Füllhorn und Turbinenrad) stammt von Josef Köpf.

Technischer Aufbau[Bearbeiten]

Das Wehr mit seinen „Wasserfällen“

Das Hochablasswehr wurde in den Jahren 1935 und 1970 modifiziert und saniert. Nach dem schweren Pfingsthochwasser 1999 wurden Schäden durch Unterspülung festgestellt; saniert wurde in zwei Bauabschnitten in den Jahren 1999 bis 2003. Das Wehr besteht (Stand 2004[3]) aus folgenden Abschnitten, von Ost nach West:

  • Dem Aus- und Überlauf des Kuhsees. Hier kann bei Bedarf der Wasserspiegel des Kuhsees um einen Meter abgesenkt werden.
  • Zwei feste Wehre mit 6,3 m Fallhöhe.
  • Drei Wehre mit selbstregulierenden Gegengewichtsklappen.
  • Ein 20 Meter langes Walzenwehr mit einer Verschlusshöhe von 3 Metern, der Grundablass des Wehrs. Wenn es geöffnet wird, fließen bis zu 154 Kubikmeter Wasser pro Sekunde hindurch und die Unterströmung reißt das Geschiebe, d.h. den vom Fluss antransportierten Kies, hindurch. Beim Walzenwehr befindete sich ein Getriebehaus mit einem Beobachtungsturm und einer Alarmglocke im Dachreiter.
  • Ein 12 Meter langes Wehr mit Doppelschütz. Es hat eine Verschlusshöhe von 2,50 Metern und einen Durchlass von bis zu 55 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Die Schütztafel ist zweigeteilt, dadurch kann die Ober- und Unterströmung separat reguliert werden.
  • Ein Wehr mit Fischbauchklappe zur Feinregulierung des Oberwasserstandes.
  • Eine Fischtreppe.
  • Eine Kiesschleuse mit Doppelschütz.

Die abgeleiteten Kanäle[Bearbeiten]

Auf der Westseite des Hochablasswehres wird das Wasser in den Hauptstadtbach gespeist. Hier werden bis zu 45 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausgeleitet. Das Einlaufbauwerk besitzt 11 elektromotorisch betriebene Einfach- und Doppelschütze.

Der Hauptstadtbach versorgt den größten Teil der Lechkanäle der Augsburger Altstadt und die Kanäle des Augsburger Textilviertels. Vom Hauptstadtbach zweigt zunächst links ein Kanal, der Neubach, zum Wasserwerk am Hochablass ab und mündet in den Hauptstadtbach zurück. Heute ist dieses ehemalige Wasserwerk ein Wasserkraftwerk, ein Technikmuseum und eine Informationszentrale zur Augsburger Trinkwasserversorgung. Rechts zweigt der Augsburger Eiskanal ab, der in den Lech zurückführt. Er diente ursprünglich als Umgehungskanal für Treibeis, damit dieses im Winter nicht die Turbinen des Wasserwerks am Hochablass beschädigte. Im Jahr 1971 wurde er in eine Kanustrecke der Olympischen Sommerspiele 1972 umgebaut.

Das neue Wasserkraftwerk[Bearbeiten]

2012 bis 2013 wurde an der Ostseite des Hochablasswehrs ein neues, vollständig unter Wasser liegendes Wasserkraftwerk mit zwei Turbinen und einer neuen Fischtreppe gebaut, das künftig 4000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Das Kraftwerk ging am 22. Dezember 2013 in Betrieb.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Franz Joseph Kollmann: Der Lech-Ablaß bei Augsburg. 1839.
  •  Anton Werner: Die Wasserkräfte der Stadt Augsburg im Dienste von Industrie und Gewerbe. Rieger, 1905.
  •  Wilhelm Ruckdeschel, Klaus Luther: Technische Denkmale in Augsburg. Eine Führung durch die Stadt. Brigitte Settele Verlag, Augsburg 1984, S. 64ff.
  •  Wilhelm Ruckdeschel: Industriekultur in Augsburg. Denkmale der Technik und Industrialisierung. Brigitte Settele Verlag, Augsburg 2004, ISBN 3-932939-44-1, S. 37ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hochablass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Wilhelm Ruckdeschel, Klaus Luther: Technische Denkmale in Augsburg. Eine Führung durch die Stadt. Brigitte Settele Verlag, Augsburg 1984, S. 66f.
  2.  Michael Friedrichs (Hg.): Hochzoll, Seit 100 Jahren ein Stadtteil von Augsburg. Wißner-Verlag, Augsburg 2013, ISBN 978-3-89639-908-3, S. 45., dort wiederum zitiert aus: Rupert Zettl: Lechauf lechab, S. 231f
  3.  Wilhelm Ruckdeschel: Industriekultur in Augsburg. Denkmale der Technik und Industrialisierung. Brigitte Settele Verlag, Augsburg 2004, ISBN 3-932939-44-1, S. 43ff.

48.34416666666710.936388888889Koordinaten: 48° 20′ 39″ N, 10° 56′ 11″ O