Schütz (Wasserbau)

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Schütze des Werrewehrs in Lage
Schütz eines alten Mühlengrabens (Westfälische Mühlenstraße)
Oberrödinger Hammerteich (Kulturdenkmal bei Menden, mit Schütz im Vordergrund).
Einlaufschütz eines Wasserkraftwerks
Warnschild am Bach Plima, Martelltal.
Möglichkeit plötzlicher Flutwellen auch Zufolge Betätigung der Staudammschütze

Als Schütz wird im Wasserbau eine Anlage (Schieber, Schützenplatte) zur Regelung des Wasserdurchflusses von Leitungen bzw. zum Absperren und Aufstauen von Wasserläufen oder Schleusen bezeichnet. Größere Anlagen werden als Wehr bezeichnet.

Bauarten und Funktionsweise[Bearbeiten]

Im einfachsten Fall, dem Plattenschütz oder Hubschütz, besteht es aus einer rechteckigen Holz- oder Metallplatte, deren Fläche senkrecht steht und den Querschnitt eines Wasserlaufs sperrt, wenn die Platte bis zum Grund abgesenkt ist. Einseitig steht dann Wasser bis zur Höhe des Wasserspiegels an - mit steigender Tiefe steigendem Druck. Die gesamte Druckkraft presst die Platte an die unterwasserseitigen Flächen in die Seiten des Wasserbauwerks eingelassenen vertikalen Führungsnute. Schon bei wenigen Zentimetern Überlappung und Ausbildung aus Stahl wird ausreichend Dichtung erzielt, zumindest bei den in Mühlgängen häufigen Wasserstandhöhen von einem bis drei Metern. Die Schütztafel sperrt somit den Querschnitt, solange der Wasserstand – oder eine Oberflächenwelle, ein Schwall – ihre Oberkante nicht übersteigt.

Ein Abfluss wird ermöglicht und erfolgt unter der Tafel, indem diese mechanisch angehoben wird. Dabei sind jene Reibungskräfte in der Führung zu überwinden, die durch die Anpresskraft des Wassers hervorgerufen werden. Wenn stromaufwärts ein seitlich abführendes Überfallwehr den Wasserspiegel begrenzt, kann ein Schütz durch graduelles Anheben den Abfluss im Hauptstrom regulieren.

Einfache kleine Schütze können dank Eigengewicht und einer gewissen Reibung manuell, über einen Hebel oder mit Seil- oder Kettenzug über eine Winde funktionieren.

Verbreitet ist jedoch Parallelführung über zwei an der Oberkante angelenkte Zahnstangen (meist leiterartig, also Querbolzen zwischen 2 Grobblechstreifen), deren Treibritzel auf einer Welle sitzen, wodurch die Abtriebe synchronisiert sind. Der Antrieb der Welle erfolgt über ein selbsthemmendes Schneckengetriebe entweder händisch über eine Kurbel oder elektromotorisch. Zum Bedienen und Warten des Schützes, aber auch dem Beobachten und Überqueren des Wasserlaufs verläuft häufig ein Steg über den Lauf und schützt eine Überdachung die Getriebe und den Steg vor Regenwasser. Manche Schütze dieser Bauart sind, vor allem wenn sie nicht zur laufenden Regelung dienen sondern bloß für einfache Absperrfunktionen - mit erneuerten Holzbrettern auch im Alter von 100 Jahren noch in Betrieb - etwa am Grazer Mühlgang.

Größere Schütze verlangen nach einem Hebewerk, etwa mit umlaufender Ketten, Zahnstange oder Schneckenantrieb, die zugleich auch das Erreichen einer bestimmten Position garantieren. Moderne Schütze (siehe unten) werden hydraulisch oder mit Elektrohubzylindern bewegt. Fernwirkung erlaubt die Automatisierung etwa eines Kleinkraftwerkes.

Je nach Ausformung des (an der Oberfläche immer offenen) Wasserlaufs kann es bei untypisch raschem Schließen eines Schützes insbesondere bei hoher Geschwindigkait des Fliessens oder Schiessens des Wasserstroms zu erhöhtem Wasserdruck durch das Abbremsen des Wassers kommen.

Beim Doppelschütz ist die Tafel geteilt, sodass man die Teile unabhängig voneinander bedienen kann. Doppel- und Segmentschütze (siehe unten) dienen zum Füllen bzw. Leeren auch größerer Schleusenkammern. Sie befinden sich bei älteren Schleusen direkt in den Schleusentoren oder den Umläufen. Bei modernen Schiffsschleusen sitzen die Schieber in Längskanälen.

Ähnlich funktioniert das Hakenschütz - ein lotrecht beweglicher Wehrverschluss mit zwei Tafeln. Es erlaubt die Senkung des Oberteils, so dass Angeschwemmtes, Flusssedimente und Eis abgeführt werden können.

Beim Drehschütz (Klappschütz) wird die Platte um eine waagrechte Achse gedreht, was eine feinere Regelung des Wasserstroms bei guter Kraftübertragung ermöglicht. Letzteres ist auch beim Segmentschütz der Fall, wo ein segmentartiger stählerner Vollkörper von oben her in die Öffnung geschwenkt wird. Beide Arten sind in der Bauweise dem Wasserschieber verwandt.

Verwendung[Bearbeiten]

Erste Anwendungen gab es vermutlich schon in der Jungsteinzeit - etwa für künstliche Bewässerung von Agrarflächen, wie sie seit der frühen Antike vielerorts belegt ist. Schütze wurden auch für die Wasserführung zu Mühlen und Wasserrädern verwendet - als sogenanntes „bewegliches Mühlenwehr“, das auch im Bergbau Verwendung fand. Plattenschütze dienten auch zum Aufstauen für die Holztrift und bisweilen als Platten- oder Doppelschütze für Entlastungsgerinne gegen Hochwässer. Weitere Anwendungen sind z. B. das Konstanthalten des Wasserspiegels bei Grundwasserkanälen oder Versickerungs-Anlagen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Weblinks[Bearbeiten]