Hymnos Akathistos

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Icon of Virgin Mary (fragment, Greece).jpg

Der Hymnos Akathistos (eigentlich Akathistos an die allerheiligste Gottesgebärerin und immerwährende Jungfrau Maria) ist ein Akathistos und gilt als der älteste und schönste marianische Hymnus. Das Attribut ἀκάθιστος (akáthistos) bedeutet, „nicht im Sitzen“ zu singen. Er wird seit über 1200 Jahren hauptsächlich in der Ostkirche gesungen.[1]

Entstehung[Bearbeiten]

In verschiedenen Entstehungsgeschichten mischen sich byzantinische und heidnische Historie und Legende und berichten von seiner gewaltigen Kraft bei der Abwehr von Angriffen auf das christliche Byzanz-Konstantinopel.[1] G. G. Meersseman OP hat die wissenschaftlichen Aspekte der Entstehungsgeschichte und damit zusammenhängend vermutbarer Autorschaft dargestellt.[1]

Seit dem 9. Jahrhundert wird der Hymnus im Morgengottesdienst (Orthros) des fünften Samstags in der großen Fastenzeit gesungen, also immer in der Nähe von Mariä Verkündigung. Er ist ein liturgischer Höhepunkt der Fastenzeit und wird als einziges Kontakion heute in seiner Gänze gesungen.[2] Bereits gegen 800 wurde der Text des Hymnos in das Lateinische übersetzt und beeinflusste die mariologische Hymnographie der Westkirche.

Es ist möglich, aber nicht endgültig beweisbar, dass Romanos Melodos der Verfasser des liturgisch bedeutsamen Hymnos Akathistos ist. Jedenfalls spricht vieles für dessen Entstehung zwischen 500 und 520, also zu seinen Lebzeiten.[3] Teilweise wird auch angenommen, dass der Hymnus von Georgios Pisides verfasst worden sei.

Inhalt[Bearbeiten]

Der erste und zweite Teil erzählt die Heilsgeschichte; der dritte und vierte Teil ist theologisch-dogmatischer Natur und preist die Menschwerdung Gottes und die Erlösung. Es kann jeder Teil separat gebetet werden. Am Ende jeden Teils endet man dann mit dem Schlussgebet.

Ist ein Priester gegenwärtig, endet das Gebet wie folgt:

P: Weisheit.
A: Geehrter als die Cherubim* und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim,* unversehrt hast du das göttliche Wort geboren:* du wahrhaft Gottesgebärerin, sei hochgepriesen.

P: Ehre sei + Dir, Christus, Gott, unsere Hoffnung, Ehre sei Dir.
A: Ehre sei dem + Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich. Gib den Segen.

P: Christus, unser wahrer Gott, durch die Fürsprache Seiner allreinen Mutter, der heiligen, glorreichen und allverehrten Apostel, unserer gotttragenden Väter und aller Heiligen, erbarme sich und errette uns, denn Er ist gütig und liebt die Menschen.
A: Amen.

Ist kein Priester gegenwärtig, endet man wie folgt:

Durch die Gebete unserer heiligen Väter, Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. (dreimal)

Struktur[Bearbeiten]

In historischer Zeit umfasste das Kontakion den gesamten Hymnus; es bestand aus dem Prooimion (Proömium, Präludium, Vorspiel) und 24 Oikoi („Häuser“, Stanzen, Strophen). Die Anfangsbuchstaben der (griechischen) Strophen bilden das (griechische) Alphabet (Akrostichon; siehe Ακάθιστος_ύμνος in der griechischen Wikisource ).

Die 24 Strophen wurden ursprünglich jeweils durch Siebenzeiler eingeleitet und hatten das gleiche Versmaß; allerdings enthalten die ungeraden Strophen (1, 3, 5 bis 23) zusätzlich die je zwölf Chairetismen: Chaire (χαι̃ρε) ist das griechische Wort für „Freue dich“ und wird auch als Gruß verwendet. Die zwölf Chairetismen teilen sich wieder in drei Vierzeiler mit gleicher Melodie (bzw. sechs Couplets mit gleichem Versmaß).

Die Chairetismen und die alle 24 Strophen und das Prooimion abschließenden Grußanrufungen bzw. Hallelujarufe (Refrains, Ephymnien) – die Refrains haben alle dieselbe Melodie – werden üblicherweise vom Chor (oder Volk) gesungen, die Einleitungen rezitiert ein Priester oder Vorsänger.

In jüngerer Zeit wurden von den langen alten Kontakien meist nur die Prooimien und die ersten Oikoi verwendet und es vollzog sich ein Bedeutungswandel. Unter slawischem Einfluss wurde aus einem Oikos ein Ikos und aus dem Wort Kontakion oft ein Kondak bzw. Kondakion. Der Ikos bezeichnet nun die lange Strophe, das Kondakion die kurze.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Aus: Eberhard Maria Zumbroich: Das Geheimnis der Gottesmutter - Hymos Akathistos. ISBN 978-3-922072-00-3
  2. http://www.ostkirchenmusik.ch/pdffiles/MB52.pdf
  3. Franz TinnefeldROMANOS der Melode. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 8, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0, Sp. 633–636.
  4. http://www.metropolitancantorinstitute.org/liturgy/Kontakia.html (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]