Qualitätsmanagementnorm

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Fischgroßhändler am Tsukiji-Fischmarkt, der mit einer ISO-9001-Zertifizierung wirbt

Eine Qualitätsmanagementnorm beschreibt, welchen Anforderungen das Managementsystem eines Unternehmens genügen muss, um einem bestimmten Standard bei der Umsetzung des Qualitätsmanagements zu entsprechen. Es kann sowohl informativ für die Umsetzung innerhalb eines Unternehmens als auch zum Nachweis bestimmter Standards gegenüber Dritten dienen. Der Nachweis wird durch einen Zertifizierungsprozess mit anschließender Ausstellung eines zeitlich befristeten Zertifikates durch unabhängige Zertifizierungsstellen erbracht.

ISO 9000 ff.[Bearbeiten]

Mit der Normenreihe EN ISO 9000 ff. sind Normen geschaffen worden, die die Grundsätze für Maßnahmen zum Qualitätsmanagement dokumentieren. Gemeinsam bilden sie einen zusammenhängenden Satz von Normen für Qualitätsmanagementsysteme, die das gegenseitige Verständnis auf nationaler und internationaler Ebene erleichtern sollen.

Jedes Produkt (inklusive jeder Dienstleistung) unterliegt anderen spezifischen Anforderungen und ist demnach nur unter individuellen Qualitätssicherungsmaßnahmen zu erzeugen. Qualitätsmanagementsysteme hingegen sind nicht produktorientiert und daher abhängig von der Branche und den spezifischen Produkten und/oder Dienstleistungen sowie Verträgen mit Kunden individuell aufgebaut.

Das erfolgreiche Führen und Betreiben einer Organisation erfordert, dass sie in systematischer und klarer Weise geleitet und gelenkt wird. Ein Weg zum Erfolg kann die Einführung und Aufrechterhaltung eines Managementsystems sein, das auf ständige Leistungsverbesserung ausgerichtet ist, indem es die Erfordernisse aller interessierten Parteien berücksichtigt. Eine Organisation zu leiten und zu lenken umfasst neben anderen Managementdisziplinen auch das Qualitätsmanagement.

Die Normen EN ISO 9000:2000 ff. sind grundsätzlich prozessorientiert aufgebaut. Die Vorgängernormen ISO 9000:1994 ff. definierten 20 Elemente des Qualitätsmanagements, die den Standardprozessen der produzierenden Industrie von der Entwicklung über Produktion und Montage bis zum Kundendienst entsprachen, so dass der Aufbau der Vorgängernorm die Übertragung zum Beispiel auf Dienstleistungsunternehmen erschwerte, da es keine analogen Prozessbezeichnungen gab.

Entstehung der Normenreihe ISO 9000[Bearbeiten]

Im Jahr 1979 begründete die BSI mit dem BS 5750 den ersten Standard für Qualitätsmanagementsysteme, welcher als Vorläufer der ISO 9000er Serie gilt. Auf dessen Basis wurde 1987 die ISO 9000 Normenreihe eingeführt und international anerkannt.[1] Aus dieser Reihe wurde die ISO 9001 inzwischen zu einer der meistakzeptierten Normen im Qualitätsmanagement. Nach Angaben der International Organization for Standardization (ISO) wurden bis Ende 2009 über 1 Mio. Zertifikate basierend auf der Norm ISO 9001 international in über 170 Ländern erteilt.[2] In Deutschland besitzen rund 51000 Organisationen eine derartige Zertifizierung.[3]

Inhalte der ISO-9000-Normenreihe[Bearbeiten]

EN ISO 9000[Bearbeiten]

Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN ISO 9000
Bereich Qualitätsmanagement
Titel Qualitätsmanagementsysteme – Grundlagen und Begriffe (ISO 9000:2005)
Kurzbeschreibung: Begriffe zu Qualitätsmanagementsystemen in englischer, deutscher und französischer Sprache
Letzte Ausgabe 2005-12
ISO 9000

Diese Norm definiert Grundlagen und Begriffe zu Qualitätsmanagementsystemen. Erläutert werden die Grundlagen für Qualitätsmanagementsysteme und die in der Normenreihe EN ISO 9000 ff. verwendeten Begriffe. Des Weiteren werden in Kapitel 0.2 die acht Grundsätze des Qualitätsmanagements aufgelistet:[4]

  1. Kundenorientierung
  2. Verantwortlichkeit der Führung
  3. Einbeziehung der beteiligten Personen
  4. Prozessorientierter Ansatz
  5. Systemorientierter Managementansatz
  6. Kontinuierliche Verbesserung
  7. Sachbezogener Entscheidungsfindungsansatz
  8. Lieferantenbeziehungen zum gegenseitigen Nutzen

Die europäische Norm ISO 9000:2000 wurde in drei offiziellen Fassungen in englischer, deutscher und französischer Sprache veröffentlicht. Auch der prozessorientierte Ansatz des Qualitätsmanagements wird erklärt, basierend auf dem nach William Edwards Deming benannten Demingkreis (engl. auch Deming Cycle oder PDCA).

Die ISO 9000:2000 wurde im Jahr 2005 überarbeitet, um einheitliche Begriffsdefinitionen für die Normen ISO 9001:2000 und ISO 19011:2002 erweitert und als ISO 9000:2005 im Dezember 2005 veröffentlicht.

EN ISO 9001[Bearbeiten]

Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN ISO 9001
Bereich Qualitätsmanagement
Titel Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen (ISO 9001:2008)
Kurzbeschreibung: Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System)
Letzte Ausgabe 2008-12, berichtigt 2009-12
ISO 9001

EN ISO 9001 legt die Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System) fest, denen eine Organisation zu genügen hat, um Produkte und Dienstleistungen bereitstellen zu können, welche die Kundenerwartungen sowie allfällige behördliche Anforderungen erfüllen. Zugleich soll das Managementsystem einem stetigen Verbesserungsprozess unterliegen.

Die sechs allgemeinen Anforderungen an ein Qualitätsmanagement sind in der Norm in Kapitel 4.1 aufgelistet.

Die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems ist eine strategische Entscheidung für eine Organisation. Wenn die Organisation eine vermehrte Kundenfreundlichkeit anstrebt, bietet die EN ISO 9001 einen zertifizierungsfähigen Rahmen dafür, die kontinuierliche Verbesserung des Managementsystems – und damit meist verbundene wirtschaftliche Vorteile – voranzutreiben.

Der prozessorientierte Ansatz basiert auf den vier Hauptprozessen einer Organisation, welche einen Input in einen Output umwandelt. Die Norm betrachtet diese Prozesse (Vorgänge) und vergleicht die Sollvorgaben (Planungen) mit den Istwerten. Bei Abweichungen werden Verbesserungen und Veränderungen definiert und geplant. Somit schließt sich der Kreis Plan – Do – Check – Act, auch PDCA-Zyklus genannt.

Die acht Hauptkapitel der Norm sind:

  • (Kap. 1-3 enthalten Vorwort und Allgemeines)
  • Kap. 4: Qualitätsmanagementsystem
    • 4.1 Allgemeine Anforderungen
    • 4.2 Dokumentationsanforderungen (dokumentierte Anforderungen, QM-Handbuch, Lenkung von Dokumenten, Lenkung von Aufzeichnungen)
  • Kap. 5: Verantwortung der Leitung
    • 5.1 Selbstverpflichtung der Leitung
    • 5.2 Kundenorientierung
    • 5.3 Qualitätspolitik
    • 5.4 Planung
    • 5.5 Verantwortung, Befugnis und Kommunikation
    • 5.6 Managementbewertung
  • Kap. 6: Management von Ressourcen
    • 6.1 Bereitstellung von Ressourcen
    • 6.2 Personelle Ressourcen
    • 6.3 Infrastruktur
    • 6.4 Arbeitsumgebung
  • Kap. 7: Produktrealisierung
    • 7.1 Planung der Produktrealisierung
    • 7.2 Kundenbezogene Prozesse
    • 7.3 Entwicklung (dieser Punkt kann bei einer Zertifizierung ausgeschlossen werden)
    • 7.4 Beschaffung
    • 7.5 Produktion und Dienstleistungserbringung
    • 7.6 Lenkung von Überwachungs- und Messmitteln
  • Kap. 8: Messung, Analyse und Verbesserung
    • 8.1 Allgemeines
    • 8.2 Überwachung und Messung
    • 8.3 Lenkung fehlerhafter Produkte
    • 8.4 Datenanalyse
    • 8.5 Verbesserung

Die aktuelle EN ISO 9001 wurde letztmals im Jahr 2008 überarbeitet (EN ISO 9001:2008). Als „Amendment“ tituliert, handelt es sich dabei um keine größere Änderung, sondern meist um Klarstellungen (etwa durch Wortwahl „gesetzliche und behördliche Anforderungen“, Definition „ausgegliederter Prozess“, Wortwahl „Kompetenz“ statt „Schulung“, Einführung des Begriffs „Risiko“ in der Einleitung).

Aufbauend auf der EN ISO 9001 existiert für die Serienfertigung der Automobilindustrie die ISO/TS 16949. Verglichen mit der EN ISO 9001 stellt sie weitergehende Anforderungen an das Qualitätsmanagementsystem.

Siehe auch: Risikomanagement

Revision der ISO 9001[Bearbeiten]

Im Jahr 2012 haben die ISO-Mitgliedskörperschaften eine formale weltweite Überprüfung der ISO 9001 beschlossen. Dabei hat sich eine Mehrheit der Befragten für eine Revision der Norm ausgesprochen. Die Norm wird den Revisionsstand ISO 9001:2015 haben, wird also im Jahr 2015 erscheinen. Ab September 2014 soll es eine DIS-Version (Draft International Standard) und im März 2015 einen Final Draft (FDIS) geben. Mit der Veröffentlichung und damit Inkraftsetzung der neuen Version ist im September 2015 zu rechnen. Danach gibt es eine dreijährige Übergangsfrist bis zu dem alle alten QM-Systeme auf die neue Revision umgestellt sein müssen.

Geplante Änderungen:

Struktur: Die neue Norm wird statt 8 Kapiteln 10 haben, die sich am PDCA-Zyklus orientieren:

  • Plan: Kapitel 4: Das Umfeld der Organisation; Kapitel 5: Führungsverhalten; Kapitel 6: Planung; Kapitel 7: Unterstützung
  • Do: Kapitel 8: Durchführung
  • Check: Kapitel 9: Bewertung der Leistung
  • Act: Kapitel 10: Verbesserung

Obwohl der prozessorientierte Ansatz schon mit der Revision 2000 eingeführt wurde, gab es doch erhebliche Probleme in der Umsetzung. Das soll durch die Revision erleichtert werden. Außerdem fordert die Norm einen verstärkt risikobasierten Ansatz. Ein formales QM-Handbuch wird nicht mehr notwendig sein, wenn die Organisation in anderer Weise eine angemessene Dokumentation zur Verfügung stellt. Auch ein „Beauftragter der obersten Leitung“ wird es im formalen Sinne nicht mehr geben müssen.[5]

EN ISO 9004[Bearbeiten]

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Bereich Qualitätsmanagement
Titel Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation – Ein Qualitätsmanagementansatz
Kurzbeschreibung: Effizienz des Qualitätsmanagementsystems
Letzte Ausgabe 2009-12
ISO 9004

Die EN ISO 9004 stellt einen Leitfaden bereit, der sowohl die Wirksamkeit als auch die Effizienz des Qualitätsmanagementsystems betrachtet. Dieser enthält Anleitungen zur Ausrichtung eines Unternehmens in Richtung Total-Quality-Management (TQM), ist aber keine Zertifizierungs- oder Vertragsgrundlage. Die EN ISO 9004 stellt eher das „Managementdesign“ (und kein eigenes Managementsystem) dar. Die konkrete Umsetzung der EN ISO 9004 ist das EFQM-Modell. Es ist keine Norm, sondern ein umfassendes ganzheitliches Qualitätsmanagementsystem im Sinne von Total-Quality-Management (TQM) welche z. B. die Protokollierung der Qualitätsprüfungen und der Qualitätskontrollen beinhaltet.

Mit Ausgabedatum Dezember 2009 liegt eine Neufassung der EN ISO 9004 mit dem Titel „Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation – Ein Qualitätsmanagementansatz“ vor.

EN ISO 19011[Bearbeiten]

Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN ISO 19011
Bereich Qualitätsmanagement
Titel Leitfaden zur Auditierung von Managementsystemen
Kurzbeschreibung: Auditierung von QM- und Umweltmanagementsystemen
Letzte Ausgabe 2011-12
ISO 19011

Diese Norm gibt eine Anleitung zur Umsetzung von Auditprinzipien, zum Management von Auditprogrammen, und zur Durchführung von Audits für Qualität- und Umweltmanagementsysteme. Ferner gibt sie eine Anleitung zur Qualifikation von Auditoren. Sie ist anwendbar für interne und externe Audits.[6]

EN ISO/IEC 17021[Bearbeiten]

Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN ISO/IEC 17021
Bereich Qualitätsmanagement
Titel Konformitätsbewertung – Anforderungen an Stellen, die Managementsysteme auditieren und zertifizieren
Letzte Ausgabe 2011-07
ISO 17021

Diese Norm enthält Anforderungen an Stellen, die Managementsysteme auditieren und zertifizieren.

Bedeutung[Bearbeiten]

Drei Bereiche lassen sich für die Bedeutung einer Einführung von ISO 9000 herausstellen: Marktstrategie, Zukunftssicherung und rechtliche Aspekte. Bedeutsam ist, dass die Normen selbst keinen Rechtscharakter haben, vielmehr werden die Managementsysteme auf freiwilliger Basis durch eine für diese Aufgabe akkreditierte Stelle zertifiziert. In Anwendung der EU-Vorschriften existiert in jedem EU-Land nur noch jeweils eine nationale (zentrale) Akkreditierungsstelle, welche die Zertifizierungsstellen akkreditiert. Mit diesem Verfahren soll eine zuverlässige Ausführung der durch die Normen festgelegten Vorgaben gesichert werden.

In Deutschland wurde durch das Gesetz über die Akkreditierungsstelle[7] gemäß Artikel 4 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 die Deutsche Akkreditierungsstelle[8] mit der Aufgabe beliehen. Der Gesetzestext meint mit dieser Bezeichnung das alleinige Recht die zertifizierenden Stellen zu bestätigen und zuzulassen, also zu akkreditieren.

In der Schweiz wird diese Aufgabe durch die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS) wahrgenommen.

Marktstrategische Bedeutung[Bearbeiten]

Aus marktstrategischer Sicht dient ein Zertifikat dazu, einem Unternehmen den Standard seiner Prozesse und Produkte oder Dienstleistungen nachzuweisen. Für Hersteller, Zulieferer und große internationale Unternehmen kann das Zertifikat als zwingend betrachtet werden, um überhaupt Aufträge einer gewissen Größenordnung zu bekommen.

Zukunftssicherung[Bearbeiten]

Die Einführung eines guten QMS hilft einem Unternehmen bei der Weiterentwicklung des eigenen Potentials. Ein QMS, welches den Anforderungen der Normenreihe genügt, ist somit ein Weg, ein Unternehmen – trotz des Wandels und der dadurch veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen – zukunftssicher zu gestalten und zu lenken.

Rechtliche Bedeutung[Bearbeiten]

Rechtlich gesehen werden nur die Normen EN ISO 13485 für Medizinprodukte sowie die ISO 9000 ff. Normenreihe für alle anderen Produkte als einzige Zertifizierungsgrundlagen von allen nationalen Normungs- und Zertifizierungsgesellschaften in der EU und weitgehend weltweit akzeptiert. Damit bieten diese Normen eine rechtliche Basis, die gerade für international tätige Unternehmen von großer Bedeutung ist. Dies ist insbesondere bei der Produkthaftung ein wesentliches Argument, welches für die Zertifizierung eines Unternehmens spricht.

Zurückgezogene Normen[Bearbeiten]

Folgende Normen wurden zurückgezogen:

EN ISO 8402:1994

enthielt „Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung - Begriffe“ und definierte die Grundbegriffe für die Qualitätskonzeption, wie sie für Erzeugnisse und Dienstleistungen, für die Vorbereitung und Anwendung von Qualitätsnormen und für das gegenseitige Verständnis bei der internationalen Kommunikation angewendet werden sollten. Sie wurde im Dezember 2000 zurückgezogen und durch EN ISO 9000:2001 ersetzt (jetzt EN ISO 9000:2005).

EN ISO 9000:2000

wurde im Dezember 2005 zurückgezogen und durch die EN ISO 9000:2005 ersetzt.

EN ISO 9002:1994

betrachtete nur einen Ausschnitt aus dem Entstehungsprozess eines Produktes, indem sie nur Produktion und Montage im Blick hatte, also die Bereiche, in denen Zulieferer ihre Teilaufgaben erfüllten. Diese Norm hat mit der Revision der Normenreihe zum Qualitätsmanagement (ISO 9000ff) im Jahr 2000 ihre Gültigkeit verloren. In einer Übergangsfrist bis Ende 2003 gab es noch Zertifikate nach dieser Norm.

EN ISO 9003:1994

machte Aussagen zur Qualitätssicherung im Bereich von Verantwortlichkeit, Fehlerkorrektur und anderes. Diese Norm ist zwischen Zulieferer und Abnehmer anwendbar, wenn beim Zulieferer ein bewährtes Qualitätssicherungssystem besteht. Diese Norm hat mit der Revision der Normenreihe zum Qualitätsmanagement (ISO 9000ff) im Jahr 2000 ihre Gültigkeit verloren. In einer Übergangsfrist bis Ende 2003 gab es noch Zertifikate nach dieser Norm. Kurioserweise hat diese Norm in der Medizintechnik weiterhin Gültigkeit. Da es für die EN 46003:1999 noch immer keine Nachfolgenorm analog zur EN ISO 13485:2003 gibt, kann die EN ISO 9003:1994 in dieser Branche weiterhin als Zertifizierungsgrundlage angewandt werden.

QS 9000

QS 9000 war ein Qualitätsstandard, der gemeinschaftlich von den Automobilherstellern General Motors, Chrysler und Ford entwickelt wurde. Er wurde ab 1994 in der Automobilindustrie angewendet. Der Standard teilte sich in drei Abschnitte.

  • Teil 1: ISO 9001 mit einigen Erweiterungen für Anforderungen in der Automobilindustrie.
  • Teil 2: Zusätzliche Anforderungen, die von den drei genannten Automobilherstellern übernommen wurden.
  • Teil 3: Systemanforderungen, die für einzelne Hersteller spezifisch sind.

Am 14. Dezember 2006 wurden alle drei Teile zurückgezogen. Die QS 9000 wird nun von der ISO 9001 und der ISO/TS 16949 ersetzt.

Umsetzung im betrieblichen Rahmen[Bearbeiten]

Bei der Einführung eines Qualitätsmanagementsystem nach EN ISO 9001 in einer Organisation kann die Entwicklung in eine von drei Phasen eingeteilt werden.

  1. Betriebe, die vor der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems stehen;
  2. Betriebe in der Einführungsphase kurz vor der Zertifizierung und
  3. Betriebe, die bereits zertifiziert sind und dieses System weiterhin verfolgen.

Bei Betrieben die bereits ein QM-System haben, dieses aber für eine ISO-Zertifizierung umstellen wollen, muss das bestehende System in einzelne Abläufe und Verfahrensbeschreibungen zerlegt, die einzelnen Prozesse auf Aktualität, Angemessenheit, Plausibilität und Notwendigkeit geprüft werden und abschließend die Abläufe nach neuen Gestaltungsprinzipien wieder zusammengefügt werden.

Branchenspezifische Normen[Bearbeiten]

Es gibt eine Reihe von branchenspezifischen Normen und anderen Spezifikationen zum Qualitätsmanagement, die teilweise als Ergänzungsnormen zur EN ISO 9001:2008 oder als Leitfaden verfasst sind.

  • ISO 10006 Leitfaden Qualitätsmanagement in Projekten
  • ISO/TR 10013 Leitfaden für die Dokumentation des Qualitätsmanagementsystems
  • ISO 10014 Qualitätsmanagementsysteme – Leitfaden zur Erzielung finanziellen und wirtschaftlichen Nutzens
  • ISO/TR 14969 Qualitätssicherungssysteme – Medizinprodukte - Anleitung zur Anwendung von ISO 13485
  • ISO 15189 Medizinische Laboratorien – Besondere Anforderungen an die Qualität und Kompetenz
  • ISO 15378 Primärverpackungen für Arzneimittel – Besondere Anforderungen für die Anwendung von ISO 9001:2000 entsprechend der Guten Herstellungspraxis (GMP)
  • ISO/TS 16949 Qualitätsmanagementsysteme – Besondere Anforderungen bei Anwendung von ISO 9001:2008 für die Serien- und Ersatzteil-Produktion in der Automobilindustrie
  • ISO/IEC 17025 Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien
  • ISO/IEC 19796-1 Informationstechnik – Lernen, Ausbilden und Weiterbilden – Qualitätsmanagement, -sicherung und -metriken – Teil 1: Allgemeiner Ansatz
  • ISO/TS 29001 Erdöl-, petrochemische und Erdgasindustrie – Bereichsspezifische Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen an Organisationen für Produkt- und Dienstleistungsbereitstellung
  • ISO 29990 Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung – Grundlegende Anforderungen an Dienstleister
  • ISO/IEC 90003 Software- und Systemtechnik – Richtlinien für die Anwendung der ISO 9001:2000 auf Computersoftware
  • EN ISO 13485 Medizinprodukte – Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen für regulatorische Zwecke
  • EN ISO 16106 Verpackung – Verpackungen zur Beförderung gefährlicher Güter – Gefahrgutverpackungen, Großpackmittel (IBC) und Großverpackungen - Leitfaden für die Anwendung der ISO
  • EN 9100, AS 9100 Luft- und Raumfahrt – Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen (basiert auf ISO 9001:2000) und Qualitätssysteme
  • EN 12507 Dienstleistungen im Transportwesen – Leitfaden zur Anwendung von EN ISO 9001:2000 auf den Straßen- und Schienengüterverkehr, die Lagerhaltung und die Verteilerindustrie
  • prEN 12798:1999 Qualitätsmanagement für die Beförderung – Beförderung auf der Straße, mit der Eisenbahn und auf Binnenwasserstraßen – Forderungen des Qualitätsmanagementsystems zur Ergänzung von EN ISO 9001 im Hinblick auf Sicherheit bei der Beförderung gefährlicher Güter
  • EN 13980 Explosionsgefährdete Bereiche – Anwendung von Qualitätsmanagementsystemen
  • EN 15038 Übersetzungsdienstleistungen – Dienstleistungsanforderungen
  • EN 15224 Dienstleistungen in der Gesundheitsversorgung – Qualitätsmanagementsysteme – Anleitung zur Anwendung von EN ISO 9001:2008
  • EN 15838 Qualitätsmanagementsystem mit besonderen Anforderungen an die Call Center spezifischen Voraussetzungen – erste europäische Branchennorm für diesen Bereich
  • prCEN/TS 15358 Feste Sekundärbrennstoffe – Qualitätsmanagementsysteme – Besondere Anforderungen für die Anwendung bei der Herstellung von festen Sekundärbrennstoffen
  • CEN/TR 15592 Dienstleistungen in der Gesundheitsversorgung – Qualitätsmanagementsysteme – Leitfaden für die Anwendung der EN ISO 9004:2000 auf die Dienstleistungen in der Gesundheitsversorgung zur Leistungsverbesserung
  • KTQ Anforderungen an Einrichtungen des Gesundheitswesens, insb. Krankenhäuser
  • VDA 6.1 Regelwerk der deutschen Automobilindustrie – QM-Systemaudit –
  • VDA 6.2 Regelwerk der deutschen Automobilindustrie – Dienstleistungen –
  • VDA 6.4 Regelwerk der deutschen Automobilindustrie – Produktionsmittelherstellung –
  • E DIN VDE 0753-4: Anwendungsregeln für Verfahren zur chronischen extrakorporalen Nierenersatztherapie – Qualitätsmanagement in Dialyseeinrichtungen
  • PAS 1037 Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme von Organisationen der wirtschaftsorientierten Aus- und Weiterbildung: QM STUFEN-MODELL
  • S 9000' Regelwerk der nordamerikanischen Automobilindustrie (gültig bis 14. Dezember 2006, danach Upgrade auf ISO/TS 16949:2002 gefordert)
  • TL 9000 QuEST – Quality Excellence for Suppliers of Telecommunications
  • IRIS (Bahnstandard) International Railway Industry Standard – Anforderung an das Qualitätsmanagementsystem der Lieferanten von Bahnsystemherstellern
  • ISAS BC-9001 Internationale Qualitätsmanagementnorm für die Medienbranche – Anforderungen an das Qualitätsmanagementsystem von Rundfunkorganisationen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BSI Fast Facts
  2. The ISO Survey of certifications 2009, 18. Ausgabe (2010), ISBN 978-92-67-10535-2.
  3. Klaus Petrick und Frank Graichen: 25 Jahre ISO 9001: Erfolgsweg einer Systemnorm, Qualität und Zuverlässigkeit 57 (2012) Heft 3, S. 26−28.
  4. DIN EN ISO 9000:2000-12, Abschnitt 0.2
  5. Frank Bünting, Thomas Votsmeier, Ronald Menacher, Leo Stühler: "QM wird Chefsache!" in QZ – Qualität und Zuverlässigkeit 7/2014.
  6. ISO 19011:2011, deutsche Fassung, S. 8.
  7. AkkStelleG
  8. DAkkS