Ignaz Lindl

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Ignaz Lindl

Ignaz Lindl (* 3. Oktober 1774 in Baindlkirch, heute zu Ried bei Mering; † 23. Juni 1846 in Barmen) war ein katholischer Priester. Er gründete mit seinen Anhängern 1822 das Dorf Sarata, eine Ansiedlung von Bessarabiendeutschen in Bessarabien.

Leben[Bearbeiten]

Wirken in Deutschland[Bearbeiten]

Lindl wurde in Baindlkirch nahe dem heutigen Ried (bei Mering) in Bayern als Sohn der Gastwirte Urban und Monika Lindl, geborene Friedl, geboren. Er hatte acht Geschwister. Er studierte am damaligen Jesuitenkolleg St. Salvator in Augsburg und in Dillingen. 1799 wurde er zum Priester geweiht und erhielt die Kaplanstelle in seinem Heimatdorf. 1818 wurde ihm die Pfarrei entzogen wegen Gefährdung des kirchlichen Friedens aufgrund seines Eintretens für die Erweckungsbewegung. Er trat eine neue Stelle in Gundremmingen an. Dort unterhielt er weiter Kontakte zu Anhängern der Allgäuer Erweckungsbewegung. Diese katholische Bewegung trug ökumenische Züge und äußerte sich in Form von öffentlichen Predigten und der Befürwortung von gemeinsamem Eigentum und einfachen strengen Riten wie im vermuteten Urchristentum. Als Lindl 1818 durch Erlass von König Maximilian I. seine erste Pfarrei verlor und in Gundremmingen eine neue fand, wo er Predigten vor mehreren Tausend Menschen abhielt, musste er auch dort gehen.

Wirken in Russland[Bearbeiten]

Lindl traf mit dem russischen Zaren Alexander I. zusammen, der zu dieser Zeit in Deutschland weilte. Der Zar als Freund der Erweckungsbewegung bot Lindl eine Zufluchtsstätte an und Lindl forderte seine Anhänger auf, ihm zu folgen.

Zunächst predigte er in Sankt Petersburg in Russland. Er konnte dort dem Zaren seinen Wunsch vortragen, im russischen Süden (damals Neu-Russland), im Gebiet von Odessa, eine Gemeinde zu gründen. In Sankt Petersburg lernte er den Deutschen Alois Schertzinger kennen, mit dem er den Plan zur Gründung eines Dorfes in Bessarabien entwickelte. Dort 1820 eingetroffen fand allerdings unter den dortigen Katholiken keine Zustimmung zu seinen Ideen. Darum begann er in seiner alten Heimat mit Hilfe des wohlhabenden Kaufmanns Christian Friedrich Werner aus Württemberg und dessen Geschäftsteilhaber Gottlieb Veygel, um Auswanderer nach Bessarabien zu werben. Mit ihnen gründete er die neue Kolonie Sarata.

Gründung von Sarata[Bearbeiten]

Sarata entstand 1822 als Neugründung auf vom russischen Zaren Alexander I. zugewiesenen 16.000 Deßjatinen Land in Bessarabien als bessarabiendeutsches Kolonistendorf. Gründer waren etwa 70 Auswandererfamilien aus Bayern und Württemberg sowie ihr Anführer, Ignaz Lindl. Die Familien waren katholischen wie evangelischen Glaubens. Die Kolonisten trafen in Planwagen am 19. März 1822 am Fluss Sarata ein und bauten das Dorf auf.

Ausweisung[Bearbeiten]

Ignaz Lindl

Lindl mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seiner großen Zuhörerschaft unter den Gläubigen - in St. Petersburg und Bessarabien kamen bis zu 10.000 Menschen zu seinen Predigten - hatte auch Feinde. Sie klagten ihn beim Zaren als Volksaufrührer und Sektenführer an. Hinzu kam, dass er als katholischer Priester mit seiner Haushälterin Elisabeth Völk, Schwester des bayrischen Kaplans Martin Völk (*1787)[1], die Ehe einging und Kinder hatte. Daraufhin wurde Lindl 1823 vom russischen Zaren binnen 72 Stunden des Landes verwiesen, erhielt jedoch von diesem noch 2000 Rubel Reisegeld.[2] Lindl verließ mit seiner Familie Russland und hielt sich 1824 für einige Monate in Berlin auf, ehe er nach Barmen ging.

Werners Firmenteilhaber Gottlieb Veygel übernahm als Bürgermeister die Leitung der Gemeinde Sarata, die evangelisch wurde. Er beendete die von Lindl eingeführte Gütergemeinschaft und verteilte das Land an die Familien. Auf der ursprünglichen Landmenge von 16.000 Deßjatinen entstanden in den 1830er Jahren die bessarabiendeutschen Dörfer Gnadental und Lichtental.

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Joseph Hergenröther: Handbuch der allgemeinen Kirchengeschichte, Band 3, Freiburg im Breisgau 1886, S. 956
  2. Hermann Dalton: Johannes Gossner, ein Lebensbild aus der Kirche des neunzehnten Jahrhunderts; Friedenau Berlin 1898, S. 288f

Weblinks[Bearbeiten]