Ili-Pfeifhase

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Ili-Pfeifhase
Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Pfeifhasen (Ochotonidae)
Gattung: Ochotona
Art: Ili-Pfeifhase
Wissenschaftlicher Name
Ochotona iliensis
Li und Ma, 1986

Der Ili-Pfeifhase (Ochotona iliensis) ist eine Säugetierart aus der Familie der Pfeifhasen innerhalb der Hasenartigen. Das Verbreitungsgebiet ist auf den Tian Shan in der chinesischen Provinz Xinjiang beschränkt.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Ili-Pfeifhase ist ein verhältnismäßig großer Pfeifhase mit großen Ohren und langen Hinterbeinen. Er erreicht eine Körperlänge von 20,3 bis 20,4 Zentimeter und ein Körpergewicht von 217 bis 250 Gramm. Die Hinterfüße haben eine Länge von 42 bis 43 Millimeter, die Ohren messen 36 bis 37 Millimeter.[1] Das Rückenfell is hellbraun, an Kopf und Nacken weist die Art eine deutliche rotbraune Fleckung auf.[2][1] Die Ohren sind stark behaart und haben eine rotbraune Randung.[1]

Der Schädel ist groß, das Schneidezahnfenster und das Gaumenfenster gehen ineinander über und bilden ein einziges, birnenförmiges Fenster.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Ili-Pfeifhasens (Ochotona iliensis)

Der Ili-Pfeifhase ist endemisch in der Volksrepublik China und nur aus dem Tian Shan in der Provinz Xinjiang bekannt; benannt ist er nach seinem Fundort in der Provinz Ili. Innerhalb des sehr begrenzten Gebiets ist das Verbreitungsgebiet stark fragmentiert.[3] Erhebungen aus dem Jahr 2005 haben einen deutlichen Rückgang der Art in den Gebieten festgestellt, in 57 % der ehemals besiedelten Regionen kommt die Art nicht mehr vor.[3]

Der Ili-Pfeifhase lebt auf Geröllhalden an Felswänden und an Steilhängen in Höhen zwischen 2800 und 4100 Metern.[2][3][1]

Lebensweise[Bearbeiten]

Über die Lebensweise dieses Pfeifhasen liegen nur sehr wenige Informationen vor. Er ist weitgehend tagaktiv, kann jedoch auch nachts unterwegs sein, und ernährt sich generalistisch von Pflanzen, die er in Form von Ballen lagert.[1]

Die Tiere sind territorial und leben in geringer Dichte, eine vokale Kommunikation zwischen den Tieren findet nicht statt.[1] Im Gegensatz zu anderen Arten pflanzt sich diese Art seltener fort. Sie produziert nur ein bis zwei Würfe pro Jahr, die Anzahl der Jungtiere pro Wurf ist unbekannt.[3][2]

Systematik[Bearbeiten]

Der Ili-Pfeifhase wurde als eigenständige Art den Pfeifhasen (Gattung Ochotona) zugeordnet, Unterarten sind nicht bekannt[3][2][4] Die Erstbeschreibung erfolgte in chinesischer Sprache durch W.D. Li und Y. Ma in der Acta Zoologica Sinica im Jahr 1986.

Zu der Verwandtschaft mit anderen Arten liegen keine Daten vor, aufgrund der rotbraunen Färbung wird eine nähere Verwandtschaft mit Ochotona erythrotis und Ochotona rutila angenommen.[2] Wilson & Reeder 2005 platzieren die Art in die Untergattung Conothoa und nehmen eine potenzielle Verwandtschaft mit Ochotona roylei und Ochotona macrotis an.[4]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Die Art wird von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) aufgrund ihres sehr begrenzten Verbreitungsgebietes und des starken Rückgangs der Populationen als bedroht (endangered) eingestuft.[3] Zu Beginn der 1990er Jahre wurde die Gesamtpopulation auf etwa 2000 Tiere geschätzt.[3] In mehreren Regionen kam es zu einem starken Rückgang der Bestandszahlen und in 57 % der Gebiete, in denen die Art vor 20 Jahren lebte, kam sie 2005 nicht mehr vor.[3] Sie ist entsprechend auch in China auf der Roten Liste als bedrohte Art verzeichnet.[1]

Die Gründe für den Rückgang sind nicht bekannt, es wird jedoch vermutet, dass sie auf einen zunehmenden Fraßdruck in den Verbreitungsgebieten sowie die Auswirkungen der globalen Umweltverschmutzung und der Globalen Erwärmung zurückzuführen sind. Aufgrund der geringen Populationsgröße, der nur begrenzten Nachwuchszahlen und der begrenzten Anpassungsfähigkeit der Art bestehen nur geringe Chancen für eine Verbesserung der Bestandssituation.[3]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Ili Pika. In: Andrew T. Smith, Yan Xie: A Guide to the Mammals of China. Princeton University Press, 2008; S. 282. ISBN 978-0-691-09984-2.
  2. a b c d e Joseph A. Chapman, John E. C. Flux (Hrsg.): Rabbits, Hares and Pikas. Status Survey and Conservation Action Plan. (PDF; 11,3 MB) International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), Gland 1990; S. 37. ISBN 2-8317-0019-1.
  3. a b c d e f g h i Ochotona iliensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011. Eingestellt von: Andrew T. Smith, C. H. Johnston, 2008. Abgerufen am 27. Juni 2012
  4. a b Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg): Ochotona iliensis in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ochotona iliensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien