James Cox (Uhrmacher)

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James Cox (* um 1723; † 1800[1]) war ein englischer Uhrmacher, Juwelier und Unternehmer aus London. Er handelte unter anderem mit aufwendigen als Dekorationsstücke konzipierten Uhrwerken und Automaten, die er in London und Genf produzieren ließ und vor allem nach China exportierte.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Das älteste Zeugnis der unternehmerischen Tätigkeiten von Cox ist die Gründung einer Niederlassung am Racquet Court in der Fleet Street im Jahre 1749. Von 1757 bis 1795 unterhielt er beziehungsweise seine Firma James Cox & Son dann eine Niederlassungen in der Shoe Lane 103 ebenfalls in der Fleet Street. James Cox produzierte seine Uhrwerke und Automaten nicht nur in London sondern handelte auch mit Werken bekannter Schweizer Uhrmacher aus Genf wie Pierre Jaquet-Droz und Jean-Frédéric Leschot und vergab Auftragsarbeiten dorthin. Eigenen Angaben zufolge beschäftigte er zu Beginn der 1770er Jahre etwa 800 bis 1000 Arbeiter. 1769 erwarb er zudem von Nicholas Sprimont die Chelsea Porcelain Factory, eine der bedeutendsten englischen Porzellanmanufakturen, die er allerdings nach fünf Monaten wieder verkaufte. Um den Bekanntheitsgrad seiner Uhrwerke und Automaten zu erhöhen und eine größere Nachfrage zu erzeugen, eröffnete Cox 1772 am Charing Cross das Spring Gardens Museum, in welchem er dann eine Auswahl seiner besten Kreationen zur Schau stellte. Das Museum selbst war jedoch kein finanzieller Erfolg, so dass er es 1774 wieder schloss und die Exponate anschließend durch eine Lotterie vertrieb, zu der er vom Parlament die Erlaubnis erhalten hatte. Für die 56 Exponate wurden etwa 120.000 Lose verkauft, deren Einnahmen sich auf sich auf etwa 197.500 Pfund Sterling beliefen. Trotz der anfänglich erfolgreichen Exporte nach Indien und China geriet Cox später in finanzielle Schwierigkeiten und musste im November 1778 zu zweiten mal Bankrott anmelden.[2][3]

The Peacock Clock im der Eremitage

In den 1760er Jahren begann Cox nach Indien und China zu exportieren, allerdings musste Exporte über die Ostindien-Kompanie die zu jener Zeit Handelsmonopol für China und Indien besaß. Viele Details dieser Exporte sind nicht bekannt, gesichert ist jedoch, dass Cox 1766 im Auftrag der Ostindien-Kompanie zwei Automaten als Geschenk für den Kaiser Qianlong anfertigte. Seine Kreation waren am chinesischen Kaiserhof sehr beliebt. Das St. James Chronicle berichtete 1772, dass der Kaiser Qianlong eine komplette Schiffsladung mit Erzeugnissen von Cox aufkaufte, während er Schiffe anderer Händler hingegen abwies. Einem Bericht aus dem Jahre 1773 zufolge hatte Cox zu diesem Zeitpunkt Uhrwerke und Automaten im Wert von über 500.000 Pfund Sterling in Ausland verkauft. Nachdem die britische Regierung jedoch 1772 den Export von Luxusgütern nach China verbot, verlor Cox seinen Hauptexportmarkt. Es wird vermutet, dass er das Spring Gardens Museum auch deshalb gründete, um eine Verwendung seine ursprünglich zum Export bestimmten Automaten zu finden. Nach seinem Bankrott 1778, reiste sein Sohn John Henry zu Beginn der 1780er Jahre nach Guangzhou um dort eine Niederlassung zu gründen und vorort für den chinesischen Markt zu produzieren. John Henry hatte zunächst von der Ostindien-Kompanie die Erlaubnis zu halten, für drei Jahre als freier Händler in China tätig zu sein. Er geriet dann jedoch in Konflikt mit ihr, vermutlich weil er versuchte sich mit zwei eigenen Schiffen am Baumwoll- und Opiumhandel zu beteiligen. Die Ostindienkompanie zwang ihn daraufhin Guangzhou zu verlassen. John Henry umging das Monopol der Ostindien-Kompanie, indem er offiziell unter der Flagge anderer Länder operierte. Nachdem er zwischenzeitlich mit Unterstützung des schwedischen König Gustaf III. im nordamerikanischen Fellhandel tätig war, kehrte er 1791 unter im Auftrag Preußen nach Guangzhou zurück. Bereits 1788 jedoch geriet James Cox & Son erneut in finanzielle Schwierigkeiten und bereits ein jahr zuvor hatte Henry Cox Daniel Beale (1759-1827) an der Niederlassung Geldgeber beteiligt. Diese wechselte dann in der Folgezeit noch mehrmals Namen und Besitzer. Die Niederlassung in London blieb operierte hingegen noch bis 1795 unter Namen von James Cox & Son[2][4]

Das letzte gesicherte Lebenszeichen von James Cox selbst stammt aus dem Jahre 1791 und Pagani nimmt daher an, dass Cox Ende 1791 oder Anfang 1792 verstorben ist. Es ist jedoch noch eine Anekdote überliefert nach der Cox 1799 noch am Leben war. Ihr zufolge erwarb Cox 1787 den einbalsamierten Kopf Oliver Cromwells und verkaufte diesen über ein Jahrzehnt später 1799 für 230 Pfund Sterling, um private Schulden zu begleichen. Unabhängig vom genauen Wahrheitsgehalt dieser Anekdote wird sie von einige Autoren (z. B. Smith, Corbeiller) als ein Hinweis betrachtet, dass Cox 1799 noch am Leben war und erst im darauffolgenden Jahr verstarb.[5]

The Silver Swan im Bowes Museum

Uhrwerke und Automaten von Cox befinden sich heute in den Sammlungen international bekannter Museen wie dem Metropolitan Museum of Art[3] in New York, der Eremitage[3] in Sankt Petersburg, der Zhongbiao Guan (Uhrenhalle)[6] in der Verbotenen Stadt in Peking, dem Bowes Museums[2] in Nordengland und dem Victoria and Albert Museums[2] in London. Die mit Abstand größte Anzahl von Exponaten ist dabei im Besitz der Museen der verbotenen Stadt, während die zwei berühmtesten Einzelstücke, der silberne Schwan (Bowes Museum) und die Pfauenuhr (Eremitage) in Europa zu finden sind. Der silberne Schwan ist ein von drei Uhrwerken angetriebener Automat, der die Bewegeungen eines schwimmenden Schwans darstellt. Die Pfauenuhr ist ein mit Gold und Juwelen verzierter Automat, der mit einem Pfau, einem Hahn und einer Eule über drei mechanisierte Vögel verfügt. Katharina die Große erhielt die Pfauenuhr vermutlich 1781 als ein Geschenk von Potjomkin.[4][7]

Um 1760 entwickelte Cox zusammen mit Jean-Joseph Merlin, der auch die Mechanik für einige von Coxs Automaten entwickelte, eine der ersten atmosphärische Uhren. Diese nutzt Luftdruckschwankungen, um die das Uhrwerk automatisch aufzuziehen. Auf diese Weise entsteht der Eindruck eines vermeintlichen Perpetuum mobiles und Cox selbst gab ihr den Namen The Perpetual Motion. Sie enthielt ursprünglich 68 Kiliogramm Quecksilber zur Erfassung der Luftdruckveränderungen. Heute befindet sie sich in den Sammlungen des Victoria and Albert Museums.[2][8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Catherine Pagani: "Eastern magnificence & European ingenuity": Clocks of Late Imperial China. University of Michigan Press, 2001, ISBN 0-472-11208-2, S. 100-112 (Auszug (Google))
  • Ingrid Schuster: Faszination Ostasien: Zur kulturellen Interaktion Europa--Japan--China : Aufsätze aus drei Jahrzehnten. Peter Lang, 2007, ISBN 978-3-03911-260-9, S. 189-192 (Auszug (Google))
  • Shannon Venable: Gold: A Cultural Encyclopedia. ABC-CLIO, 2011, ISBN 978-0-313-38430-1, S. 75-77 (Auszug (Google))
  • Marcia Pointon: Dealer in Magic: James Cox's Jewelry Museum and the Economics of Luxury Spectacle in Late 18th Century London. In: Neil De Marchi, Craufurd D. W. Goodwin: Econonimcs Engagements with Art. Duke University Press, 1999, ISBN 0-8223-2489-X, S. 423-449 (Online-Kopie; PDF; 276 kB)
  • Clare Le Corbeiller: James Cox: A Biographical Review. In: Burlington Magazine. 112 (1970), S. 351–58.
  • Roger Smith: James Cox (c. 1723–1800): A Revised Biography. In: Burlington Magazine. 142 (Juni 2000), S. 353–61.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: James Cox – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach Pagani verstarb James Cox Ende 1791 oder Anfang 1792, allerdings wird in anderer Literatur auch 1788 (Schuster, Ord-Hume) oder 1800 (Venable, Corbeiller, Smith) als Todesjahr angegeben
  2. a b c d e Catherine Pagani: "Eastern magnificence & European ingenuity": Clocks of Late Imperial China. University of Michigan Press, 2001, ISBN 0-472-11208-2, S. 100-112. (Auszug in der Google-Buchsuche)
  3. a b c Clare Vincent, J. H. Leopold: James Cox (ca. 1723–1800): Goldsmith and Entrepreneur. In: Heilbrunn Timeline of Art History. The Metropolitan Museum of Art, New York 2000–. http://www.metmuseum.org/toah/hd/jcox/hd_jcox.htm (November 2008)
  4. a b Shannon Venable: Gold: A Cultural Encyclopedia. ABC-CLIO, 2011, ISBN 978-0-313-38430-1, S. 75-77. (Auszug in der Google-Buchsuche)
  5. Clare Le Corbeiller: Cox and his Curious Toys. Metropolitan Museum of Art Bulletin.
  6. Damian Harper, David Eimer: Beijing. Lonely Planet, 2010, ISBN 978-1-74104-877-3, S. 66. (Auszug in der Google-Buchsuche)
  7. Yuna Zek, Antonina Balina, Mikhail Guryev, Yuri Semionov: The Peacock Clock. Virtual Exhibitions (The State Hermitage Museum) auf hermitagemuseum.org (abgerufen 16. Februar 2012)
  8. Arthur W. J. G. Ord-Hume: Perpetual Motion: The History of an Obsession. 1977, Nachdruck: Adventures Unlimited Press, 2006, ISBN 1-931882-51-7, S. 110-124. (Auszug in der Google-Buchsuche)