Johann Friedrich Blasius Ziesenis

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Johann Friedrich Blasius Ziesenis (getauft 10. August 1715 in Hannover; † 16. September 1787 ebenda) war ein deutscher Holz- und Steinbildhauer. Er entstammt einer bedeutenden Kunsthandwerker- und Künstlerfamilie des 17. und 18. Jahrhunderts[1], deren Werke zum Teil dem Hannoverschen Rokoko[2] zugerechnet werden.

Familie[Bearbeiten]

Johann Friedrich Blasius war der Sohn des hannoverschen Bildhauers Johann Heinrich Ludwig Ziesenis (* 10. November 1686 in Hannover, † 7. Juli 1765 ebenda). Er war Vetter des Malers Johann Georg Ziesenis d. J. und über diesen verwandt mit dessen Tochter Maria Elisabeth Ziesenis. Ein Vorfahre war darüber hinaus der hannoversche Bildhauer Johann Conrad Ziesenis.

Leben[Bearbeiten]

Johann Friedrich Blasius Ziesenis erhielt seine Bildhauer-Ausbildung vermutlich erst bei seinem Onkel Johann Heinrich Ludwig Ziesenis (1686 – 1765)in Hannover. Man nimmt an, dass er danach in der Werkstatt des Hildesheimer Bildhauers Ernst Dietrich Bartels tätig war. Sein dritter – und gleichzeitig wichtigster – Lehrer war sicherlich der Mannheimer Bildhauer Paul Egell, der 1731 seinen Altar der ‚Unbefleckten Empfängnis‘ im Hildesheimer Dom aufstellte. Durch seine Arbeit in der Werkstatt von Bartels hatte er sicher Gelegenheit, die Arbeiten von Egell im Dom zu sehen. So ist anzunehmen, dass er dort mit ihm zusammentraf und weiter bei ihm lernen konnte. Auf Grund stilistischer Eigenheiten kann man davon ausgehen, dass er mit Egell nach Mannheim ging und sich dort weiter ausbildete. Leider liegen darüber aber keine schriftlichen Quellen vor (nach Bleibaum, F. (1924)). Bildschnitzerfamilen des hannoverschen und hildesheimischen Barock, in Studien zur Kunstgeschichte . Straßburg: J.H.Ed. Heitz. S. 236ff 1743 schuf Ziesenis für den Hildesheimer Dom die Alabaster-Figuren am Altar der Georgskapelle. Für den 1742–1745 neugebauten Schnellen Graben in Hannover formte er einen Stein mit Kleeblattwappen.[3] 1746 schuf er eines seiner Hauptwerke - das Epitaph für den Landdrosten Johann Georg von dem Bussche.

Chronos ist in der griechischen Mythologie eine Personifikation der Zeit, seit dem 14. Jahrhundert gilt er auch als Figur des Todes - dargestellt mit Sense und Stundenglas.
Ursprünglich stand das Epitaph in der Marktkirche Hannover. Nachdem in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Regotisierung stattgefunden hatte, wurden die Figuren des Epitaphs in das damalige Museum für Kunst und Wissenschaft gebracht. Heute sind sie im Landesmuseum Hannover aufgestellt. Chronos als Symbol des Todes oder der Vergänglichkeit wird von drei Putten begleitet, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verkörpern.

1747 wurde er nach Paris geschickt, "um sich (..) unter dem berühmten Bouchardon zu perfectionieren..." Bleibaum, F. (1924). Bildschnitzerfamilen des hannoverschen und hildesheimischen Barock, in Studien zur Kunstgeschichte . Straßburg: J.H.Ed. Heitz. S. 241 In Hannover schuf Ziesenis 1758 gemeinsam mit Johann Paul Heumann die Kanzel der Kreuzkirche und 1759 den Altar den Neustädter Kirche. Ziesenis hat in den folgenden Jahren fast nur für Kirchen gearbeitet. Das lag vermutlich daran, dass Hannover auf Grund der Personalunion mit England von London aus mit regiert wurde. So bekam Ziesenis, obwohl er um 1747 zum Hofbildhauer ernannt worden war, kaum einen Auftrag vom Hof. Insbesondere hat er Kanzelaltäre in und um Hannover geschaffen - siehe dazu besonders: Müller, Ulfried (1972).Die Gestaltung des einachsigen Kanzelaltars durch Johann Friedrich Blasius Ziesenis, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 11 München, Berlin: Deutscher Kunstverlag. In seinem letzten Lebensjahr 1787 schuf er einen Kanzelaltar, eine Balustrade und eine Taufe für die Liebfrauenkirche in Neustadt am Rübenberge. Das besondere daran ist für uns heute, dass von diesen Arbeiten noch eigenhändige Zeichnungen vorliegen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alvensleben, U. v. (1929). Herrenhausen, die Sommerresidenz der Welfen Berlin: Deutscher Kunstverlag.
  • Bleibaum, F. (1924): Bildschnitzerfamilen des hannoverschen und hildesheimischen Barock, in: Studien zur Kunstgeschichte, Straßburg: J.H.Ed. Heitz.
  • Georg Dehio (1935): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Erster Band Niedersachsen und Westfalen. Berlin: Deutscher Kunstverlag.
  • Feulner, A. (1929): Skulptur und Malerei des 18. Jahrhunderts in Deutschland, in: Hdb. der Kunstwissenschaft.
  • Habicht, V. (1930): Der niedersächsische Kunstkreis, Hannover: Wirtschaftswissenschaftliche Gesellschaft zum Studium Niedersachsens.
  • Koberg, H. (1991): Kirchen - Klöster - Kapellen im Landkreis Hannover von Helmershausen bis Hase, Hannover: Landkreis Hannover.
  • Klaus Mlynek, (2009): Stadtlexikon Hannover, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft .
  • Müller, Ulfried (1972): Die Gestaltung des einachsigen Kanzelaltars durch Johann Friedrich Blasius Ziesenis, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 11 München, Berlin: Deutscher Kunstverlag
  • Arnold Nöldeke (1979): Die Kunstdenkmäler der Stadt Hannover, Osnabrück: H.Th.Wenner.
  • Rasmussen, J. (1976): Egell und Ziesenis, in: Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen, Bd.21, Seite 155 - 164. Hamburg: Ernst Hauswedel und Co.
  • Stuttmann, O. (1937): Hannoversches Rokoko - Ausstellungskatalog, Hannover : Ausstellungskatalog Landesmuseum Hannover.
  • Thieme, U. u. (1947): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart; Bd. 36 . Leipzig.
  • Volk, P., & Hirmer, A. u. (1981): Rokokoplastik, München : Hirmer.
  • Hugo Thielen: Ziesenis, (2) Johann Friedrich Blasius, in: Stadtlexikon Hannover, S. 690

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Da Hugo Thielen im Stadtlexikon Hannover nur die für Hannover von Bedeutung gewesenen Künstler listet und beschreibt, gab es offensichtlich an anderen Orten weitere verwandte Künstler, die das Stadtlexikon aus Beschränkungsgründen nicht erfasst.
  2. Landesmuseum Hannover: Johann Friedrich, Johann Georg, Elisabeth Ziesenis: Hannoversches Rokoko
  3. Waldemar R. Röhrbein: Schneller Graben, in: Stadtlexikon Hannover, S. 547f.