Johann Jacob Löwenthal

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Johann Jacob Löwenthal

Johann Jacob (János Jakab) Löwenthal (* 15. Juli 1810 in Budapest; † 20. Juli 1876[1] in St. Leonards-on-Sea, England) war ein britischer Schachmeister und Schachtheoretiker ungarischer Abstammung und einer der besten Spieler des 19. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Löwenthal kam als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Budapest zur Welt. In den Jahren 1842 bis 1845 war er neben József Szén und Vincenz Grimm Mitglied des Pester Schachklubs, der ein Korrespondenzmatch mit den führenden Pariser Meistern austrug. Nach Niederschlagung der Revolution von 1848/49 verließ Löwenthal Österreich-Ungarn in die Emigration. Er lebte einige Zeit in den Vereinigten Staaten, wo er auf den 13-jährigen Paul Morphy traf und ihm sensationell unterlag.

1851 beteiligte er sich am ersten internationalen Schachturnier in der Geschichte, ausgetragen anlässlich der Weltausstellung in London. Er scheiterte bereits in der ersten Runde gegen Elijah Williams, blieb aber nun in England ansässig und wurde Brite. 1853 spielte er, der seinen Lebensunterhalt nun ausschließlich mit dem Schach betrieb, mit Daniel Harrwitz einen dramatischen Wettkampf. Dieser ist in Erinnerung geblieben, da Löwenthal eine Führung von 9-2 noch zu einer Niederlage von 10-11 verspielte. Löwenthal gewann die bedeutenden Turniere in Manchester 1857, wo er Adolf Anderssen hinter sich ließ (man spielte nach K.-o.-System), und in Birmingham 1858, wo er Howard Staunton mit 2-0 schlug (ebenfalls K.-o.-Modus). In diesem Jahr besuchte Morphy Europa und traf in London auf die britischen Meister. Löwenthal, der voller Bewunderung für den jungen amerikanischen Meister war und sein erster Biograf wurde, spielte mit ihm einen Wettkampf, den er mit 4,5:10,5 (+3, -9, =4) verlor. Morphy, der finanziell unabhängig war, stellte seinem Freund Löwenthal sein Preisgeld (100 Pfund) in Form einer kompletten Wohnungseinrichtung, für die er sogar noch 20 Pfund hinzugab, zur Verfügung.

Er nahm die Stellung des Sekretärs des Londoner St.-John-Schachklubs an und erfand das Demonstrationsbrett im Schach. Seine Arbeit im Klub brachte ihm die Bekanntschaft mit vielen prominenten und wohlhabenden Briten. Von 1863 bis 1868 arbeitete er als Redakteur des Chess Player’s Magazine und war für die Schachspalten der Zeitungen Era, Family Herald, The Illustrated News of the World und The Glowworm verantwortlich.

Als Löwenthal 1874 schwer erkrankte und ans Geldverdienen nicht zu denken war, ermöglichte der Politiker Lord Randolph Churchill einen Hilfsfond für den Meister, der am 24. Juli 1876 nahe der Stadt Hastings starb. Nach ihm ist der „Löwenthal Cup“ benannt, der Pokal für die nationale englische Meisterschaft.

Löwenthals beste historische Elo-Zahl betrug 2616, die für Juni 1859 ermittelt wurde. Vom Oktober 1858 bis zu dem genannten Zeitpunkt lag er auf Platz zwei der nachträglich berechneten Weltrangliste.

Beitrag zur Schachkomposition[Bearbeiten]

Als Schachredakteur der englischen Wochenzeitschrift The Era veranstaltete Löwenthal 1856 das allererste Kompositionsturnier, wodurch bald auch weitere Organisationen und Zeitschriften entsprechende Wettbewerbe veranstalteten, zunächst 1857 der Amerikanische Schachkongress und 1860 La Régence. Beim Turnier der British Chess Association anlässlich der Zusammenkunft in Bristol 1861 gewann schließlich Frank Healey mit einer neuartigen Bahnungsidee den ersten Preis, wodurch die Stadt Namensgeber für ein Kompositionsthema wurde.[2]

Werke[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Litmanowicz & J. Giżycki: Szachy od A do Z, Bd. 1, Warschau 1986, S. 537.
  2. Herbert Grasemann: Problemschach. Sportverlag Berlin NW 7. 1. Auflage 1955. S. 18

Literatur[Bearbeiten]

  • Mario Ziegler: Das Schachturnier London 1851. ChessCoach, St. Ingbert 2013. ISBN 978-3-944158-00-6, S. 92-97

Weblinks[Bearbeiten]