Johannes von Tepl

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Der Ackermann von Böhmen (Blatt 2v)
Gedenkstele mit Porträtbüste des Johannes von Saaz

Johannes von Tepl, auch Johannes von Saaz (tschechisch Jan ze Žatce) oder Johannes von Schüttwa, (* um 1350 in Schüttwa, Westböhmen; † 1414 in Prag) war ein deutscher Dichter, Stadtschreiber und Notar.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Geboren wurde Johannes von Tepl um 1350 in Schüttwa, einem Dorf in Westböhmen. Seinen Namen hat Johannes von Tepl möglicherweise von der Klosterschule in Tepl, die er als Knabe besuchte, was allerdings nicht nachgewiesen ist; eventuell war Tepl sein erster Wirkungsort. Er nannte sich manchmal aber auch Johannes de Sitbor nach dem Dorf Šitboř (Schüttwa), welcher der Geburtsort seines wohlhabenden Vaters ist. Dieser besaß dort bis 1374 eine Pfarre.

Tepl absolvierte zunächst ein Studium der Artes liberales in Prag, womöglich an der 1348 gegründeten Prager Universität. Ein Aufbaustudium der Jurisprudenz an einer anderen Universität ist wahrscheinlich. Mehrere Urkunden belegen, dass er die Würde eines Magisters erlangte. Er wirkte ab ca. 1373 zunächst als öffentlicher Notar (notarius civitatis) und seit den frühen achtziger Jahren als Leiter der örtlichen Lateinschule (rector scolarium) in Saaz. Seit dem jahr 1383 führte er außerdem das Saazer Stadtbuch.

Seine vielfältigen Tätigkeiten machten ihn zu einem Mitglied der städtischen Eliten. Der Rat der Stadt verlieh ihm wegen seinen Verdiensten auf ein Jahr die Berechtigung, Wein, Bier und Met auszuschenken. Man geht davon aus, dass ihm dies hohe Einnahmen eingebracht habe, denn nicht viel später kaufte er sich vor der Stadtmauer einen Bauplatz und errichtete dort ein turmartiges Gebäude. 1404 gewährte ihm König Wenzel wieder eine zusätzliche Einnahme: Johannes von Tepl durfte von jedem Schlächter, der Fleisch auf den Markt brachte, Geld verlangen.

Ab 1411 lebte er als Pronotar in der Prager Neustadt. Dort kaufte er 1411 ein Haus in der Brenta-Gasse (heute Spàlenà 23) Allerdings erkrankte er schon 1413 und starb dann im darauffolgenden Jahr.

Mit Der Ackermann aus Böhmen (erstmals als Druckwerk um 1460) verfasste er 1401 eine der wichtigsten deutschsprachigen Prosadichtungen des späten Mittelalters. Dieses als Streitgespräch verfasste Werk gilt überdies als einer der wenigen literarisch bedeutenden deutschsprachigen Texte des späten Mittelalters. Gleichzeitig ist "Der Ackermann" auch ein Bindeglied zum frühen Humanismus.

Im Klostergarten der Stadt Saaz wurde im Oktober 2011 ein Denkmal für Johannes von Saaz eingeweiht.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]