Jules Schelvis

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Jules Schelvis (* 7. Januar 1921 in Amsterdam) ist ein Überlebender mehrerer Konzentrationslager, u. a. des Vernichtungslagers Sobibór, und trat später als Nebenkläger bei den Sobibor-Prozessen auf. Schelvis hat seine Erlebnisse in einem Buch veröffentlicht, das heute als das Standardwerk zum Vernichtungslager Sobibór gilt.

Jules Schelvis bei einem Vortrag in Dresden (Juni 2006)

Leben[Bearbeiten]

Jules Schelvis, seine Frau Rachel und deren Familie wurden im Mai 1943 in Amsterdam durch die deutsche Polizei festgenommen. Es folgte die Deportation nach Sobibór über das Durchgangslager Westerbork. Schelvis, der in einem Transport von mehr als 3000 Personen nach Sobibór gelangte, war einer von 81 Männern, die als Arbeitshäftlinge selektiert wurden und so nicht schon am Tag der Ankunft den Tod in den Gaskammern fanden. Jules Schelvis überlebte als einziger seines Transportes und er war einer von achtzehn niederländischen Juden die das KZ Sobibór überlebten. Als Arbeitshäftling brachte man ihn in das SS-Arbeitslager Dorohucza, danach in das Ghetto von Radom. Später nach Auschwitz deportiert, entging er bei der Selektion erneut dem Tod durch Vergasung. Im März 1945 wurde Schelvis, der bis dahin zehn Konzentrationslager überlebt hatte, durch französische Truppen befreit. Zuletzt befand er sich im KZ Vaihingen/Enz, welches ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof war.

Schelvis hat seine Erlebnisse in Sobibór und den anderen Lagern, ergänzt mit Zeugenaussagen aus den Sobibór-Prozessen und umfangreichem Archivmaterial, in einem Buch veröffentlicht. Sein heute als Standardwerk geltendes Buch Vernichtungslager Sobibór erschien 1993 in den Niederlanden. Schelvis lebt heute in den Niederlanden, ist jedoch trotz seines hohen Alters oft auf Vortragsreisen unterwegs. Am 30. Juni 2014, nach 71 Jahren fuhr Jules Schevis die Strecke des Transportes von Amsterdam nach Sobibor erneut mit dem Zug. Er wurde ehrenamtlich, ohne Gage, von den Musikern des niederländischen Nationalen Symphonie- und Kammerorchesters begleitet. Nach einem ersten Konzert in Amsterdam am 30. Juni 2014 las Jules Schelvis am 2. Juli auch in Berlin, diesmal auf Deutsch, die erschütternde Geschichte der Reise. Das dritte Konzert mit der Lesung von Jules Schelvis war am 4. Juli in Lublin.

Werke[Bearbeiten]

  • Vernichtungslager Sobibór. Unrast Verlag, Münster 2003. ISBN 3-89771-814-6 (Originalausgabe: Metropol, Berlin 1998, ISBN 3-926893-33-8).
  • Eine Reise durch die Finsternis. Ein Bericht über zwei Jahre in deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagern. Unrast Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-815-4.

Weblinks[Bearbeiten]