KISS-Prinzip

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Das KISS-Prinzip besagt, dass eine möglichst einfache Lösung eines Problems gewählt werden sollte. Dabei ist KISS ein Apronym, das wahlweise eine der unten aufgezählten Bedeutungen haben kann. In seiner Grundaussage ähnelt es sehr Ockhams Rasiermesser, welches besagt, dass in der Wissenschaft die Theorie zu bevorzugen ist, die weniger Annahmen machen muss, um gemachte Beobachtungen zu erklären. Vergleichbar ist auch das Prinzip der Einfachheit.

Keep it simple, stupid. („Halte es einfach, Dummkopf!“; sinngemäß: Mach's so einfach wie möglich)
Keep it simple [and] stupid („Halte es einfach und [dumm=] beschränkt“; sinngemäß: „Mit einfachsten Mitteln verständlich und bewältigbar.“)
Keep it short and simple („Gestalte es kurz und einfach“, aus dem Bereich des Marketing)
Keep it simple and smart („Mach es einfach und schlau“)
Keep it simple and straightforward („Gestalte es einfach und überschaubar“)
Keep it safe and sound („Halte es sicher und stimmig“)
Keep it sweet and simple („Gestalte es gefällig und einfach“)
Keep it small and simple („Gestalte es klein und einfach“)
Keep it simple and safe („Mach es einfach und sicher“)
Keep it safe and simple („Mach es sicher und einfach“)
Keep it strictly simple („Mach es konsequent einfach“)
Keep it speckless and sane („Mach es sauber und gesund“)
Keep it sober and significant („Mach es schlicht und wesentlich“)


Das Akronym wurde angeblich von Clarence "Kelly" Johnson geprägt, leitendem Ingenieur bei Lockheed Skunk Works (u. a. Hersteller der Spionageflugzeuge Lockheed U-2 und SR-71 Blackbird).[1] Während das Akronym für Jahrzehnte von der Allgemeinheit als "Keep it simple, stupid" übersetzt wurde, übersetzte es Johnson selbst als 'Keep it simple [&] stupid', und in dieser Variante wird es von vielen Autoren verwendet.[2] Es gibt keine implizierte Bedeutung, dass der Ingenieur "dumm" sei, sondern das Gegenteil sei der Fall.[1] Das Prinzip wird verdeutlicht durch eine exemplarische Geschichte Johnsons. Er gab angeblich einer Gruppe von Designingenieuren ein paar Werkzeuge und stellte ihnen die Aufgabe, dass das zu entwerfende Düsentriebwerk von einem durchschnittlichen Ingenieur im Felde unter Kampfbedingungen mit nur diesen Werkzeugen reparierbar sein müsse. Daher zielt der "stupid"-Begriff auf die Beziehung zwischen der Art und Weise, wie Dinge zu Bruch gehen, und deren Ausgereiftheit bezüglich der Reparatur. Es soll eine möglichst einfache und „beschränkte“ Herangehensweise sein.

Verbreitet ist das KISS-Prinzip insbesondere in der United States Air Force und dem Feld der Softwareentwicklung. Als Designprinzip beschreibt es im Gegensatz zu einer Problemlösung in der Form einer Fehlerumgehung ("workaround") die möglichst einfache, minimalistische und leicht verständliche Lösung eines Problems.

Ein weiteres gutes Beispiel ist das Internet, welches auf der TCP/IP-Protokollfamilie basiert. Der einfache Aufbau dieser Protokolle hat dafür gesorgt, dass dieses Netz das sehr schnelle Wachstum seit dem Aufkommen des World Wide Web ohne große Probleme überstanden hat, obwohl die TCP/IP-Protokolle ursprünglich für ein wesentlich kleineres Netzwerksystem (für die Forschungszentren der DARPA)[3] entwickelt wurden.

Daneben wird das KISS-Prinzip immer häufiger im allgemeinen Zusammenhang mit komplexen Planungsaufgaben im Marketing und der Werbung verwendet, wo es sich neben dem AIDA-Modell (Attention Interest Desire Action, Aufmerksamkeit, Interesse, Verlangen, Aktion) und dem MAYA-Prinzip (Most Advanced Yet Acceptable, so komplex wie gerade noch akzeptabel) inzwischen fest etabliert hat.

Ferner wird die „Keep It Short and Simple“-Version gemeinsam mit PEE (Point, Evidence, Explain, Behaupte, Belege, Erkläre) an englischen Schulen und Universitäten im Zusammenhang mit dem Schreiben von Essays, Inhaltsangaben und Interpretationen gelehrt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ben R. Rich (1995), Clarence Leonard (Kelly) Johnson 1910—1990: A Biographical Memoir (PDF; 179 kB), National Academies Press, Washington, DC, S. 13.
  2. Ram B. Misra (2004), "Global IT Outsourcing: Metrics for Success of All Parties", Journal of Information Technology Cases and Applications, Volume 6 Issue 3, S 21. Online version (PDF; 2,0 MB). Abgerufen am 19. Dezember 2012.
  3. Stefano Albrecht: Hardwareview: Netzwerktechnologie TCP/IP