Kachina
Ein Kachina (auch Katchina, Katsina (pl. Katsinam oder Katsinim) oder Qacína) ist ein maskierter Geist der Natur oder der Ahnen der Hopis, Zuñis und anderer Pueblo-Indianern im Südwesten Nordamerikas. Kachinas sollen als Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen wirken und den lebensnotwendigen Regen zur Erde bringen.[1] Bekannt sind Kachinas vor allem in Form von kunstvoll geschnitzten Figuren der Hopi.
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Kultureller Hintergrund [Bearbeiten]
Die kulturelle Bedeutung der Kachinas in der Religion der Hopi ist zweiteilig: Zum einen werden Kachinas bei Festen durch kostümierte und maskierte Tänzer dargestellt. Sie zeigen in ihren Bewegungen individuelle Verhaltensweisen der jeweiligen dargestellten Kachina. Dabei vollziehen sie untereinander und mit dem Publikum charakteristische Handlungen, die in Verbindung mit den Mythen um die jeweiligen Kachinas stehen und rituellen Charakter haben.
Andererseits werden Kachinas in Form von kleinen Figuren angefertigt und zu privaten Zwecken verwendet. Puppen werden unter anderem bei der Initialisierung von jungen Hopi ab dem Alter von sechs Jahren an die Initiierten verschenkt, um ihnen Gesundheit und spätere Fruchtbarkeit zu bringen.
Es gibt über 70 individuelle Kachinas, von denen viele Naturkräfte wie Regen, Wind, Sonne, Sterne und dergleichen symbolisieren.[1]
Kommerzialisierung und Sammlungen [Bearbeiten]
Ab etwa 1900 kam vor allem unter den weißen Touristen ein großes Interesse an den Kachina-Figuren auf, und die Puppen wurden zu begehrten Sammlerobjekten. Aus diesem Grund begannen viele Hopi mit der kommerziellen Herstellung der Figuren. Heute gilt die Herstellung als hohe Form der Schnitzkunst, und die Kachina-Puppen werden auf dem indianischen Kunstmarkt zu Preisen zwischen 500 und 10.000 US-Dollar gehandelt.[2] Den höchsten Preis erzielte im Dezember 1997 eine „Salako Mana“-Figur, die für 265.000 US-Dollar bei Sotheby’s in New York City versteigert wurde[3].
Die bekanntesten Sammlungen von Kachina-Figuren befinden sich im Heard Museum in Phoenix (Arizona) und im Southwest Museum in Los Angeles[4]. Bereits 1901 sammelte das Berliner Museum für Völkerkunde eine größere Anzahl dieser Puppen. Auch Künstler wie Marcel Duchamp, Max Ernst, Piero Dorazio, André Malraux, Horst Antes und andere sammelten und malten Kachina-Figuren.
2013 wurde in Paris eine Sammlung von 70 Kachina-Masken versteigert, die ein französischer Sammler über 30 Jahre zusammengetragen hatte. Vertreter der Hopi und verschiedene Menschenrechtsgruppen hatten zuvor gegen die Versteigerung protestiert. Eine der Masken wurde von einer Stiftung erworben, um sie dem Stammesrat der Hopi zu übergeben.[5]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Mariko N. Walter, Eva Jane Neumann Fridman: Shamanism: An Encyclopedia of World Beliefs, Practices and Culture. ABC-CLIO, 2004, ISBN 1-57607-645-8, S. 347–348.
- ↑ Bromberg, Eric. The Hopi Approach to the Art of Kachina Doll Carving. S. 18
- ↑ http://www.artnet.com/magazine_pre2000/news/desai/desai12-5-97.asp
- ↑ James, Harry C. The Hopi Indians, Their History and their Culture. S. 173
- ↑ Spiegel online: Versteigerung von Hopi-Masken: "Ein krimineller Akt", 12. April 2013