Kaffee Hag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Werbung in einer US-amerikanischen Zeitung vor dem Ersten Weltkrieg

Kaffee HAG ist eine Marke für koffeinfreien Kaffee von Mondelēz International. Sie geht zurück auf ein 1906 von Ludwig Roselius in Bremen gegründetes Unternehmen.

Geschichte[Bearbeiten]

Büste Roselius’ in der Böttcherstraße

Gemeinsam mit anderen Bremer Großhändlern gründete Ludwig Roselius am 21. Juni 1906 die Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffee HAG) mit einem Kapital von 1,5 Millionen Mark, die als erstes Unternehmen weltweit koffeinfreien Kaffee herstellte. Die Produktion begann 1907 in der neu errichteten Fabrikanlage im Holzhafen Bremens. Schon in der Anfangszeit konnte die enorme Menge von 13.000 Pfund Kaffee täglich verarbeitet werden.

1908 entstanden die ersten unverkennbaren Werbemotive für den Kaffee und plakative Werbeslogans, wie „Stahlharte Nerven durch Sport und Kaffee Hag“ oder „Immer unschädlich! Immer bekömmlich!“. Kaffee HAG wurde als erster Kaffee bereits zu Stummfilmzeiten in Kinos beworben. Roselius setzte noch vor Henry Ford bei der Produktion eine Fließbandfertigung ein. Im Laufe des Ersten Weltkriegs musste die Produktion eingestellt werden.

Ab 1922 wurde wieder Kaffee HAG produziert, aber erst 1926 konnte die Produktionsleistung der Vorkriegszeit erreicht werden.

1929 kam als zweites Produkt das Kakaopulver Kaba hinzu und Kaffee HAG bekam als Erkennungszeichen das „rote Herz“ auf die Verpackung.

Im Zweiten Weltkrieg gab es für die Soldaten heiße „Hag-Cola“.

Ab 1950 ergänzte die Kaffeemarke Onko das Sortiment.

Im Jahre 1979 verkaufte Roselius’ Sohn die Firma Kaffee HAG an das US-amerikanische Unternehmen General Foods Corporation, heute Mondelēz International.

Corporate Design[Bearbeiten]

Kaffee-HAG-Dose

Als eines der ersten Unternehmen setzte man auf einen einheitlichen und grafisch anspruchsvollen werblichen Auftritt. Damit war (neben der AEG mit Peter Behrens) Kaffee Hag einer der Pioniere des modernen Corporate Design. Einheitlich gestaltet war alles, was der Kaffeetrinker zu sehen bekam, von den Geschäftspapieren über die Produktverpackungen bis zu den Werbemitteln, wie Blechschilder, Tassen und Kännchen.

Als Hausfarben wurden die Farben Schwarz und Rot auf weißem Grund definiert. Ein Herz auf Plakaten und ein roter Rettungsring als Logo, entworfen von Wilhelm Christoph Eduard Scotland in Zusammenarbeit mit Otto Haupt, sollte die Rettung vor gesundheitlichen Schäden symbolisieren. Für die Werbung wurde eine eigens dafür entworfene Schrift eingesetzt.

Das imagepflegende Auftritt des Unternehmens wurde sehr weit gefasst. So wurde der Ausbau der Böttcherstraße in Bremen auch als Reklame gesehen und wesentlich durch die Kaffee HAG finanziert.

Sammelalbum Wappen

Werbung[Bearbeiten]

Im Rahmen der umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit für seine Firma gab Roselius ab 1913 unter anderem auch Wappenzeichnungen als Sammlermarken heraus, die Reklamemarken genannt wurden. Für die Marken des Heraldikers Otto Hupp gab es entsprechende Sammelalben. Später wurden auch Alben in anderen europäischen Ländern ausgegeben.[1]

Fabrikgebäude [Bearbeiten]

Werk I, Hagstraße 3
Fabrikenufer 115

In der Hagstraße und am Fabrikenufer in Bremen-Walle im Ortsteil Überseestadt wurde von 1899 bis 1915 nach Plänen von Hugo Wagner (1906–1907) sowie Hildebrand und Günthel (1899, 1914–1915) in verschiedenen Bauphasen ein Ensemble von Fabrikgebäuden erstellt. Die Fabrik ist ein architekturgeschichtlich prägender Bau für die Reformbestrebungen im Fabrikneubau. Das Ensemble und die Einzelbauten sind ein hochrangiges Bremer Denkmal (Siehe dazu Liste der Kulturdenkmäler in Walle).

Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören:

  • das Kaffee-HAG-Werk I, das 1906–1907 nach Plänen von Hugo Wagner entstand und 1914–1915 von dem Bremer Industriearchitekturbüro Hildebrand und Günthel erweitert wurde (Siehe hier),
  • das Kaffee-HAG-Werk II, Cuxhavener Straße 28 / Fabrikenufer / Hagstraße, besteht aus den beiden fünfgeschossigen Speicherbauten Speicher I und II der ehemaligen Kaba-Produktion, die 1906 bzw. 1912 von Hildebrand und Günthel für die Ölmühle Groß-Gerau-Bremen in Betonskelettbauweise, jedoch mit Mauerwerk-Außenwänden errichtet wurden (Siehe hier),
  • das frühere Maschinenhaus der Ölmühle Groß-Gerau-Bremen 1899 von Hildebrand und Günthel,
  • der Marmorsaal im Lagererweiterungsgebäude der Kaffee HAG, gebaut 1914 nach Plänen von Hildebrand und Günthel (Siehe hier).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe auch Artikel Coffee Hag albums, nl:Koffie Hag-albums und pl:Albumy Coffee Hag

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]