Kaffeeröster

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Dieser Artikel behandelt das Gerät zum Rösten von Roh- und Ersatzkaffee; zum Röstbetrieb, siehe Kaffeerösterei.
Kaffeeröster für Kleinbetrieb

Ein Kaffeeröster ist eine Vorrichtung um Rohkaffee (oder Kaffee-Ersatz) zu rösten.

Funktionsprinzip[Bearbeiten]

Zur Röstung muss der verwendete Röster eine vom Röstmeister definierbare Temperatur (typischerweise 100 °C bis 260 °C)[1] oder eingestellte Temperaturkurve haben. Die Energiezufuhr vom Röster auf die Bohnen erfolgt durch Kontakt und Konvention oder überwiegend Konvention.[2] Während der Röstung muss der Kaffee ständig umgewälzt werden, um eine gleichmäßige Erwärmung des Röstgutes sicherzustellen; das in den Bohnen enthaltene Wasser verdampft zum größten Teil und die Bohnen erhalten so einen gleichmäßigen Röstgrad.[1] Während der Röstung werden häufig Kontrollen der Farbe und anderer sensorischer Kriterien durchgeführt, entweder manuell oder automatisiert. Zum Abbruch des Röstvorgangs muss der Kaffee schnell abgekühlt werden, entweder im Luftstrom oder durch die Zugabe von Wasser.[1] Nach dem Rösten gasen die gerösteten Kaffeebohnen noch über einen längeren Zeitraum aus.[3] Bei einer sofortigen Verpackung muss gewährleistet werden, dass die Ausgasung weiterhin erfolgen kann, ohne dass Sauerstoff an die Bohnen gelangt.[3] Durch diverse komplexe Reaktionen, insbesondere die Maillard-Reaktion, entsteht das eigentliche Kaffeearoma.[2] Es konnten bisher über 1000 Aromakomponenten identifiziert werden.[1]

Die Röstung kann im diskontinuierlichen oder kontinuierlichen Betrieb erfolgen.[1] Die Röstzeiten liegen zwischen anderthalb und zwanzig Minuten.[1]

Anwendungen[Bearbeiten]

Für die Röstung werden für verschiedene Anwendungsfälle unterschiedliche Geräte eingesetzt:

Probenröster

Ein Gerät zum Rösten von kleinen Mengen Kaffees in dem Labor oder der Probenküche. Diese Geräte werden auf Plantagen im Kaffeehandel und in der Produktion eingesetzt. Mit dem Probenröster werden Kaffeequalitäten geprüft, Mischungen hergestellt und die laufende Qualitätskontrolle (Verkostung) durchgeführt. Es gibt Geräte mit einer und solche mit mehreren Rösttrommeln, um gleichzeitig mehrere Mischungen herzustellen.

Laden oder Kleinröster

Geräte für die laufende Produktion von kleinen Mengen Kaffees. Typische Größen sind 1  kg bis 25 kg. Meist werden hierfür Trommelröster, die elektrisch oder mit Gas beheizt werden, verwendet. Mit diesen Geräten können kleine Mengen Kaffees auf Kundenwunsch, sortenreine, unverschnittene Kaffees oder Blends nach den Vorstellungen eines Röstmeisters hergestellt werden.

Industrieröster

Röstanlagen für den Gebrauch in Fabriken sind Apparate im industriellen Maßstab. Mit dem Begriff Industrieröster werden Röster in Produktionsprozessen bezeichnet, die Kaffee rösten. Oft werden verschiedene Heissluftverfahren eingesetzt,;diese sind sparsamer, schneller und ermöglichen einen kontinuierlichen Prozess.[1] Oft sind diese in Produktionslinien integriert, die von der Reinigung und Mischung der Rohkaffeebohne bis zum gemahlenen, konfektionierten Endprodukt (Vakuumverpackung, Pad etc.) alle Prozessschritte in einer geschlossenen Kette ablaufen.[1]

Heimröster

Einst war der Röster ein gängiges Küchengerät zum Rösten von Rohkaffee, Kaffeebohnen. Die Geräte verbreiteten sich im 18. und 19.Jahrhundert mit der Einführung des Kaffees zunächst in wohlhabenden Häusern und allmählich auch im Bürgertum und auf dem Land. Es gab Kaffeeröster für den Einsatz am offenen Feuer der Bauernhäuser in Topfform und als Einsatz in Kohleherde. Die Töpfe waren mit einem Schiebe- oder Klappdeckel versehen. Eine weitere Variante waren Trommelröster aus Eisenblech. Die Geräte wurden solange in der Glut gedreht, bis sich die gewünschte Farbe und das typische Aroma bildete. Dazu wurden die Röster für das offene Feuer auf einem Dreibein oder Feuerbock gelagert oder an einem speziellen Ständer mit Drehmechanik eingehängt.

Im 20. Jahrhundert, besonders in oder nach Kriegszeiten, wurde die private Kaffeeröstung erneut populär. Dies hatte verschiedene Gründe, gerösteter Bohnenkaffee wurde hoch besteuert und war schlecht verfügbar, so wurde Rohkaffee oft mit anderen Ersatzkaffees versetzt, um ein günstigeres Produkt zu erhalten. Oder es wurden sehr verschiedene Ersatzkaffees nach Verfügbarkeit getrunken.

Heute werden Heimröster nur von kleinen Teilen der Bevölkerung im Hobbybereich eingesetzt. Hier sind die Gründe meist in bestimmten Geschmacksvorstellungen zu suchen, wie Säure, Körper oder Crema optimiert werden sollen. Es ergeben sich daher viele Möglichkeiten. Die Röstung wird entweder in eigens dafür hergestellten elektrischen Geräten durchgeführt oder mit anderen Geräten, wie Popcornmaschinen mit Heißluft oder solche als Herdaufsatz.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaffeeproduktion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Garloff; H. Lange; R. Viani: Kaffee, in: Rudolf Heiss (Hrsg.): Lebensmitteltechnologie, 3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 1990, ISBN 3-540-51737-5, S. 358-370
  • Dieter Seyer, Feuer – Herd – Ofen: Unterricht in westfälischen Museen Heft 17, Landschaftsverband Westfalen- Lippe, Münster (Westf.) 1985, ISBN 3-923432-19-4
  • VDI 3892:2012-04 (Entwurf) Emissionsminderung - Röstkaffee produzierende Industrie - Anlagen mit einer Tagesproduktion von midestens 0,5 Tonnen Röstkaffee. Berlin: Beuth Verlag (Zusammenfassung online)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h VDI 3892:2012-04 (Entwurf) Emissionsminderung - Röstkaffee produzierende Industrie - Anlagen mit einer Tagesproduktion von mindestens 0,5 Tonnen Röstkaffee. Berlin: Beuth Verlag (Zusammenfassung online)
  2. a b H. Garloff; H. Lange; R. Viani: Kaffee, in: Rudolf Heiss (Hrsg.): Lebensmitteltechnologie, 3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 1990, ISBN 3-540-51737-5, S. 358-370
  3. a b Verarbeitung - Rösten. Abgerufen am 17. September 2014.