Kapillare (Anatomie)

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Glomerulus mit gebrochener Blutkapillare im REM
Kapillare mit Durchmesser von 7 bis 8 µm. In der Mitte schwarz ein Erythrozyt. (TEM-Aufnahme)

Kapillaren (Haargefäße) sind kleinste Gefäße in Tieren und Menschen. Man unterscheidet Blut-, Lymph- und Luftkapillaren.

Blutkapillaren[Bearbeiten]

Blutkapillaren sind etwa 0,5 mm lang und haben einen Durchmesser von 5 bis 10 µm. Sie bilden ein feines Netzwerk (Kapillarnetz, Rete capillare) in den meisten Organen und Geweben des Körpers, das von Arteriolen gespeist und über Venolen drainiert wird. Die Kapillardichte ist in den einzelnen Geweben unterschiedlich und entspricht etwa der mittleren Stoffwechselaktivität. Lediglich die Hornhaut, die Augenlinse, Horngebilde, hyaliner Knorpel und Epithelien sind kapillarfrei. Über die Kapillaren findet ein ständiger Stoffaustausch statt. Nährstoffe werden über die Funktion der Mikrozirkulation dem Gewebe zugeführt und die Abfallstoffe wieder abtransportiert. Kapillaren sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Sie wurden erstmals 1661 vom italienischen Anatomen Marcello Malpighi in der Froschlunge entdeckt.

Die dünnen Kapillarwände sind halbdurchlässig (semipermeabel) und bestehen aus einer Schicht Endothelzellen, die einer Basallamina aufsitzen, in die zumeist Perizyten eingeschaltet sind. Man unterscheidet drei Bautypen von Kapillaren:

  • Kontinuierliche Kapillaren besitzen eine geschlossene Endothelschicht und erlauben daher nur den Durchtritt sehr kleiner Moleküle.
  • Fenestrierte Kapillaren (gefensterte Kapillaren) haben zwischen den Endothelzellen kleine, 60–80 nm große Poren, durch die kleinere Proteine hindurchtreten können. Gefensterte Kapillaren finden sich in endokrinen Drüsen, Darm, Bauchspeicheldrüse und Niere. In den Nierenkörperchen sind die Poren am größten.
  • Sinusoide sind erweiterte Kapillaren, die ebenfalls fenestriert sind und auch eine fenestrierte Basallamina aufweisen. Die Poren der Sinusoide sind etwa 30–40 μm groß und erlauben den Durchtritt größerer Proteine und von Blutkörperchen. Sinusoide finden sich in Leber (→ Lebersinusoide), Milz, Knochenmark, Lymphknoten und Nebennierenmark.

Lymphkapillaren[Bearbeiten]

Lymphkapillaren sind der Anfangsabschnitt des Lymphgefäßsystems von Menschen und vielen Wirbeltieren. Sie beginnen blind und sind mit Ankerfilamenten zwischen den Zellen des Gewebes eingebettet. Lymphkapillaren bestehen aus einer einfachen Lage flacher Zellen (Endothel), die miteinander verbunden sind, aber Lücken zum Einfließen der Gewebsflüssigkeit aufweisen. Diese Endothelzellen überlappen einander mit eichenblattartigen Ausstülpungen. Diese sind mit einer Kittsubstanz aneinander geheftet, dazwischen ergeben sich diese großen Lücken. Hierdurch können u. a. sogar Zellen wie Bakterien oder Abwehrzellen (Leukozyten), Fremdkörper, großmolekulare Eiweisse wie z. B. Albumin, Antikörper oder Fibrin in den Lymphkapillaren aufgenommen werden. Ihr Lumen (Gefäßdurchmesser) ist deshalb mit 30–50 Mikrometern deutlich größer als das von Blutkapillaren (3–5 Mikrometer). Das Lymphsystem ist so in der Lage beispielsweise Zelltrümmer und Blutbestandteile bei Verletzungen abzutransportieren. Die Lymphkapillaren münden in größere Lymphgefäße, die die Lymphflüssigkeit den Lymphknoten zuführen. Tritt Gewebsflüssigkeit in das Lymphgefäßsystem über die Lymphkapillaren ein, wird sie als Lymphe bezeichnet.

Luftkapillaren[Bearbeiten]

Luftkapillaren (Pneumocapillares) sind das Luftaustauschgewebe der Vogellunge. Sie bilden ein Netzwerk meist untereinander kommunizierender Röhren und sind von dichten Blutkapillarnetzen umgeben. Im Gegensatz zu den Lungenbläschen der Säugetiere handelt es sich nicht um ein blind endendes System, sondern um ein offenes Röhrensystem.

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Gille: Herz-Kreislauf- und Abwehrsystem, Angiologia. In: F.-V. Salomon et al. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag Stuttgart, 2. erw. Aufl. 2008, S. 404-463. ISBN 978-3-8304-1075-1