Kapodaster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vier verschiedene Arten von Kapodaster
Beispiel für einen Kapodaster
Gitarre mit Kapodaster im dritten Bund. Darunter zwei Kapodaster unterschiedlicher Bauform.

Der Kapodaster (ital. capotasto, „Hauptbund“) ist eine Vorrichtung, um die schwingende Länge der Saiten einer Gitarre oder eines verwandten Saiteninstruments (etwa Mandoline oder Banjo) zu verkürzen. Sie wird zwischen zwei Bundstäben um den Hals des Instruments gespannt und drückt die Saiten auf diese. Spieltechnisch nutzbar bleibt die Saitenlänge zwischen dem korpusseitigen der beiden Bünde und dem Steg.

Kapodaster werden benutzt, um das Instrument beispielsweise der Gesangsstimme anzupassen. Die Gitarre klingt durch die Saitenverkürzung höher: Das Musikstück muss nicht erst in eine geeignetere Zieltonart mit einem eventuell schwierigeren Fingersatz transponiert werden, sondern man kann den gewohnten Fingersatz beibehalten.

Tabelle zur Erhöhung einer Tonart [Bearbeiten]

In der folgenden Tabelle wird davon ausgegangen, dass man einen Kapodaster (kurz: Capo) in einen bestimmten Bund setzt, und dort alle Akkorde so greift, als wäre gar kein Kapodaster vorhanden.

  0
ohne Capo
Capo
1
Capo
2
Capo
3
Capo
4
Capo
5
Capo
6
Capo
7
Capo
8
Capo
9
Capo
10
Capo
11
Capo
12
Akkord C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C
Akkord D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
D
Akkord E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E
Akkord F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E F
Akkord G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G
Akkord A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A
Akkord H C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H
Akkord Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
Akkord Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
Akkord Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
Akkord Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
Akkord Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B

Alle Akkordzusätze wie „m, 7, sus4, add9, m7b5, dim7“ etc. bleiben erhalten. Lediglich ein zusätzlich mit angegebener Basston wird nach den gleichen Regeln transponiert, wie der Grund-Akkord.

Der Kapodaster hat den Ruf, ein Hilfsmittel für Gitarristen zu sein, die keine Barrégriffe beherrschen. Es ist jedoch in vielen Fällen unmöglich, ein Stück ohne Kapodaster originalgetreu in eine andere Tonart zu transponieren. Dies gilt besonders dann, wenn ein Gitarrenstück Flageoletttöne enthält.

Mit einem Kapodaster kann man außerdem ein Musikstück in zwar derselben Tonart, jedoch in einer anderen, höheren Umkehrung spielen, wodurch die Gitarre eine neue Klangfarbe erhält.

Ein Kapodaster ermöglicht die Umsetzung eines Musikstückes in eine spieltechnisch einfachere Form, ohne die Tonart, in der es erklingt, zu ändern. Dieser Aspekt ist beim Zusammenspielen mit anderen Instrumenten von Bedeutung, da hier im Allgemeinen die Tonart nicht geändert werden soll. Beispielsweise sind in Es-Dur gesetzte Stücke auf der Gitarre schwieriger umzusetzen als Stücke in C-Dur (Standardstimmung: E-A-d-g-h-e' vorausgesetzt). Durch ein Kapodaster im dritten Bund werden alle Saiten um drei Halbtöne höher gestimmt. Statt des Es-Dur Akkordes wäre dann der C-Dur Akkord zu greifen, oder ein g-Moll Akkord würde durch einen e-Moll Akkord ersetzt. Die entsprechende Umsetzung kann der Transponiertafel entnommen werden: In genanntem Beispiel ist die Ausgangstonart Es-Dur (Vorzeichen: 3b) in der letzten Spalte zu finden. Die Zieltonart C-Dur (ohne Vorzeichen) ist in der dritten Spalte aufgeführt. Die Akkord- oder Notenentsprechungen können zeilenweise abgelesen werden: Es-Dur (Es) → C-Dur, g-Moll → e-Moll.

Kapodaster werden seit langer Zeit für Gitarren, Lauten und andere Instrumente eingesetzt und gelten bei kundigen Musikern als übliches Hilfsmittel, genau wie Dämpfer, Tremolo, etc. „Barré-Künstler“, wie bekannte Gitarristen der Rock- und Bluesszene, greifen gerne darauf zurück (z. B. Keith Richards).


Dur B F C G D A E H Fis
Ges
Des As Es
Moll g d a e h fis cis gis dis
es
b f c
Vorzeichen 2b 1b 1# 2# 3# 4# 5# 6#
6b
5b 4b 3b
Es B F C G D A E H Ges Des As
B F C G D A E H Fis
Ges
Des As Es
F C G D A E H Fis Cis
Des
As Es B
C G D A E H Fis Cis Gis
As
Es B F
G D A E H Fis Cis Gis Dis
Es
B F C
D A E H Fis Cis Gis Dis B F C G
A E H Fis Cis Gis Dis B F C G D
E H Fis Cis Gis Dis B F C G D A
H Fis Cis Gis Dis B F C G D A E
Ges Des As Dis B F C G D A E H
Des As Es B F C G D A E H Ges
As Es B F C G D A E H Ges Des

Weiterhin gibt es noch Kapodaster, die nur bestimmte Saiten herunterdrücken, die sogenannten „Partial-Capos“.

Daneben gibt es noch Ausführungen, bei denen man für jede einzelne Saite bestimmen kann, ob sie heruntergedrückt werden soll, die sogenannten „Third-Hand-Capos“.

Probleme [Bearbeiten]

Bei der Anschaffung und Verwendung eines Kapodasters sollte auf folgende Punkte geachtet werden:

  • Der Druck auf die Saiten sollte ausreichend hoch bzw. regulierbar sein, um für eine sichere Auflage der Saiten auf dem Bundstäbchen zu sorgen, ohne dass „Schnarrgeräusche“ auftreten. Dies gilt besonders für Instrumente mit gewölbtem Griffbrett. Hier ist es hilfreich, wenn das drückende Bauteil elastisch ist.
  • Das auf die Saiten drückende Bauteil darf die Saiten nicht schädigen, das Bauteil, welches sich am Hals des Instruments abstützt darf diesen nicht schädigen. Dieses Problem tritt oft bei Kapodastern auf, die mit einer Spannschraube ausgestattet sind.
  • Die Stimmung des Instruments, eine möglicherweise nicht ausreichende Bundreinheit, der Zustand der Saiten und ihre durch die Dicke verursachte unterschiedliche Spannung beim Niederdrücken können dazu führen, dass ein Akkord, und auch Einzeltöne nicht korrekt klingen oder eine abweichende Tonhöhe haben. Es ist empfehlenswert, das Instrument nachzustimmen bzw. einzelne Akkorde genau zu prüfen.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Kapodaster – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikibooks Wikibooks: Gitarre: Kapodaster – Lern- und Lehrmaterialien