Skordatur

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Die Skordatur oder Scordatura (it.: scordare = umstimmen) ist eine von der Norm abweichende Stimmung eines Saiteninstruments. Skordaturen werden häufig bei der Violine und der Gitarre angewendet. Das Gegenteil, also die jeweils übliche Stimmung, ist die Akkordatur oder Accordatura (it.: accordare = abstimmen).

Violine[Bearbeiten]

Die Skordatur erlaubt bereits in tiefen Lagen das Spielen schwieriger Akkorde und eröffnet dem Instrument gleichzeitig andere Klangmöglichkeiten durch Über- oder Unterspannung der Saiten. Allerdings lässt sich eine Saite nicht unmittelbar um zwei Töne tiefer stimmen, ohne sich bei der Akkordatur sofort wieder zu verstimmen. Dies und die Entwicklung neuer Fingertechniken, werden wohl die Gründe für die Aufgabe der Technik gewesen sein, die hauptsächlich in der Zeit zwischen 1600 und 1720 zum Einsatz kommt. In dieser Zeit wurde ein Großteil der Literatur für die Viola d'amore skordiert veröffentlicht.

Der erste, der die Skordatur auf der Violine verwendet hat, scheint Biagio Marini zu sein. In seiner Sonata d'Inventione, op. 8 (Venedig 1629) muss der Geiger die E-Saite während des Stückes um eine Terz auf ein c herunterstimmen. Georg Philipp Telemann verwendete die Skordatur noch in einigen Werken und in Ausnahmen Niccolò Paganini und Gustav Mahler, auch Robert Schumann (op.47) und Igor Strawinski („Der Feuervogel“). Beim Spielen entsprechender Stücke hält man vielfach ein zweites oder mehrere gestimmte Instrumente bereit. Um das Lesen zu erleichtern, wird in einer Griffschrift oder einer Art Tabulatur notiert, die nicht dem klingenden Ton entspricht. Der Violinist greift dem Notenbild entsprechend, wie bei einer normal gestimmten Geige, jedoch erklingen durch die Skordatur andere Töne.

Stimmung von Bibers 16 Rosenkranzsonaten

Einrichtung einer Violine für die 11. Rosenkranzsonate, hier wird die A-Saite mit der D-Saite vertauscht.

Bekanntestes musikalisches Beispiel aus der Barockmusik sind die Rosenkranz- oder Mysteriensonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber, in denen 15 verschiedene Stimmungen eingesetzt werden (siehe obige Abbildung, die Violine steht bei der 1. und der 16. Sonate in Normalstimmung).

Wolfgang Amadeus Mozart notiert die Solo-Violastimme seiner „Sinfonia Concertante“ Es-Dur KV 364 um einen halben Ton tiefer, also in D-Dur, was spieltechnisch sehr viel bequemer liegt. Die Viola ist also um einen Halbton höher gestimmt, wodurch sie auch eine größere klangliche Brillanz erhält.

Die Skordatur erscheint ebenfalls in der Folkloretradition; schottische und norwegische (Hardanger-) Fiedler verändern die Stimmung der beiden tiefen Saiten und haben damit passende Bordune zur Verfügung.

Weblinks[Bearbeiten]

Gitarre[Bearbeiten]

Bei der Gitarre ist die Skordatur nach wie vor beliebt. Typische Stimmungen neben der Normalstimmung sind „offene Stimmungen“ (Open Tuning), so dass viele andere Akkorde einfach durch Barrégriffe erreicht werden können. Bereits in der Renaissance stimmten die Gitarristen ihre Saiten in Ausnahmefällen um. In Frankreich bezeichnete man die durch eine solche Skordatur entstehenden Akkorde, wenn nicht nur eine Saite umgestimmt wurde, als nouvelles accordes. So beispielsweise in dem von Robert de Visée 1682 herausgegebenen Band mit Hoftänzen. [1]

Bei Metal-Gitarristen ist die Dropped-D-Stimmung beliebt.

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Johannes und Ingrid Hacker-Klier: Die Gitarre. Ein Instrument und seine Geschichte. herausgegeben und eingeleitet von Santiago Navascués, Bad Buchau 1980, ISBN 3-922745-01-6, S. 115, 122. (Biblioteca de la Guitarra)