Karzinoid

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Klassifikation nach ICD-10
E34.0 Karzinoid-Syndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter dem Begriff Karzinoid versteht man in der Medizin eine bestimmte Sorte von neuroendokrinen Tumoren (NET). Die typischen Symptome, die im Rahmen von Karzinoiden auftreten, werden in ihrer Gesamtheit auch als Karzinoidsyndrom bezeichnet (Synonyme: Steiner-Voerner-Syndrom oder Cassidy-Scholte-Syndrom).

Systematik[Bearbeiten]

Karzinoid in der Wand des Dünndarms

Karzinoide sind Tumoren des so genannten neuroendokrinen Systems. Sie sind durch ihre meist niedrige Malignität gekennzeichnet, Karzinoide sind aufgrund des relativ hohen Differenzierungsgrades der Tumorzellen durch ein langsames Wachstum sowie eine gute Prognose charakterisiert. Sie können aber auch in einer bösartigen, malignen Variante auftreten.

In Abhängigkeit von der Lokalisation werden das Thymuskarzinoid, Bronchuskarzinoid, Magenkarzinoid, Duodenalkarzinoid, Jejunalkarzinoid, Ileumkarzinoid, Appendixkarzinoid, sowie das Colon- bzw. Mastdarmkarzinoid unterschieden, wobei rund 80 Prozent der Tumoren im terminalen Ileum beziehungsweise in der Appendix lokalisiert sind.

Mittlerweile wird der Begriff Karzinoid nur noch selten verwendet, stattdessen wird heute meist von diffusen neuroendokrinen Neoplasien beziehungsweise nach WHO-Definition von neuroendokrinen Tumoren (NET) gesprochen.

Spezielle NET-Formen sind die endokrin aktiven GEP-NET (z. B. VIPome, Gastrinome, Insulinome oder Phäochromozytome).

Pathologie[Bearbeiten]

Feingeweblicher Schnitt eines Kolon-Karzinoids

Karzinoide sind submukös gelegene Tumoren, die überall dort entstehen können, wo neuroendokrine Zellen vorhanden sind. Im Laufe der Tumorprogression dringen die Tumoren in die Tunica muscularis ein und im weiteren Verlauf entstehen zunächst lymphogene und später auch hämatogene Metastasen. Häufig sind beim Karzinoid die Metastasen größer als der Primärtumor.

Die Symptome entstehen im Gegensatz zu den meisten Neubildungen nicht durch Verdrängung von gesundem Gewebe oder die konsumierende Wirkung, sondern vorrangig durch die Produktion von Gewebshormonen: Kallikrein und andere, vor allem aber Serotonin.

Symptomatik[Bearbeiten]

Das Karzinoid-Syndrom ist charakterisiert durch die Trias Diarrhoe (Durchfall), Flush (Erröten) und Hedinger-Syndrom (kardiale Manifestation des Karzinoid-Syndroms).

Ein anhaltender Durchfall ist oft ein erster Hinweis auf die Krankheit. Unter einer „Flush-Symptomatik“ (auch „Flush-Syndrom“) ist eine plötzliche blau-rote Verfärbung von Gesicht, Hals und unter Umständen des Oberkörpers zu verstehen. Für die Lokalisationsdiagnostik ist der Flush insofern relevant, dass er für eine bereits metastasierte (in die Leber; häufig auch palpabel) oder primär extra-intestinale Lage des Karzinoids spricht. Bei nur intestinal (innerhalb des Magen-Darm-Traktes) gelegenen Tumoren wird das Serotonin durch die Leber abgebaut (siehe auch Pfortader-Kreislauf) und führen nicht zum Flush. Im späten Stadium ist das Syndrom durch Endokardfibrosen des rechten Herzens charakterisiert, die zur Trikuspidalinsuffizienz und zur Pulmonalstenose (beides Formen von Herzklappenschäden) führen können. Weitere Spätfolgen können unter anderem pellagraartige Dermatosen, Tachykardien (hohe Herzfrequenz), Verhaltensveränderungen, eine Cushing-Symptomatik (durch ektope ACTH-Bildung), sowie eventuell Asthmaanfälle sein.[1]

Diagnose[Bearbeiten]

Einen ersten Hinweis liefern erhöhte Chromogranin-A-Werte im Serum. Wegweisend ist zumeist der Nachweis erhöhter Serotoninspiegel in Serum beziehungsweise von 5-Hydroxyindolylessigsäure (Abbauprodukt von Serotonin) in Urin. Normale Serotoninspiegel beziehungsweise ein negativer Nachweis von 5-HIES schließen einen Tumor jedoch nicht aus. Die Diagnose wird häufig erst spät gestellt, da Karzinoide/neuroendokrine Tumoren oft lange keine Symptome verursachen. Unspezifische Beschwerden, die intermittieren können, wie Durchfälle, Verstopfung, Bauchschmerzen und Flush, werden nicht selten als Reizdarmsyndrom fehlgedeutet. Häufig sind die Tumoren daher zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten und können trotz ihrer manchmal geringen Größe Metastasen gebildet haben.

Primärtumor und Metastasen werden sonografisch, mit Computertomographie (CT), Angiografie oder Endoskopie nachgewiesen. Möglich ist auch die Octreotid-Szintigrafie, da das Karzinoid diese Rezeptoren aufweist. Mit neueren nuklearmedizinischen Nachweismethoden, vor allem mit PET (meist mit einem CT gekoppelt), wird derzeit intensiv versucht, die oft sehr kleinen Tumorherde in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen.

Therapie[Bearbeiten]

Primäre Therapie ist die operative Entfernung des Primärtumors und wenn möglich einzelner Metastasen. Die Behandlung mit dem Somatostatin-Analogon (Octreotid) kann die Symptomatik durch Hemmung der Hormonsekretion verbessern und wirkt wahrscheinlich auch zytostatisch auf den Tumor. Auch Therapien mit Alpha-Interferon und Serotoninantagonisten (Methysergid) haben sich als wirkungsvoll erwiesen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herold, Gerd: Innere Medizin - Eine vorlesungsorientierte Darstellung. Herold Verlag, Köln 2009. S. 481