Kfz-Werkstatt
Eine Kfz-Werkstatt (auch Autowerkstatt, Kfz-Werkstätte oder Garage; in der Schweiz auch: Carrosserie) ist ein handwerklicher Betrieb, der Reparaturen an Kraftfahrzeugen (Kfz) durchführt und für die Abwicklung von Gewährleistungs- und Garantieansprüchen sorgt. Weiter bietet sie vorbeugende Service-Arbeiten sowie Beratung und technische Überprüfungen von Kraftfahrzeugen an, wie beispielsweise die Kfz-Inspektion.
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[Bearbeiten] Freie und Vertragswerkstätten
Der deutsche Markt für Kfz-Reparaturwerkstätten teilt sich in die beiden großen Gruppen der so genannten markengebundenen (das heißt von Fahrzeugherstellern autorisierten) und den freien Werkstätten. Laut dem aktuellen DAT-Report 2009 existierten im Jahr 2008 39.100 Kfz-Service-Betriebe. Dabei handelt es sich um 18.900 Markenbetriebe und 20.200 nicht markengebunden Kfz-Betriebe.
In den letzten Jahren ist die Gesamtzahl der Werkstätten rückläufig. Besonders ist dies aber an den Zahlen der markengebundenen Unternehmen festzustellen, deren Zahl sich von 19.800 im Jahr 2006 auf 19.700 im Jahr 2007 und auf aktuell 18.900 verringert hat. Eine Verlagerung der Zahlen zugunsten der freien Werkstätten hat sich vor allem durch die Verkleinerung der Servicenetze ergeben, die so gut wie alle Fahrzeughersteller und Importeure in den letzten Jahren vorgenommen haben.
Während im Segment der Markenbetriebe seit längerem ein Trend zu wirtschaftlich größeren Einheiten festzustellen ist, handelt es sich bei den freien Werkstätten in der Regel um kleinere, inhabergeführte Betriebe, die in ihrem lokalen Umfeld fest verwurzelt sind.
Zwar bekommen markengebundene Servicebetriebe seitens der Marke Unterstützung in den Bereichen technische Informationen, Teilehandel, Schulungen etc., doch bieten – vermehrt seit Mitte der 90er Jahre – Werkstattsysteme den freien Werkstätten diese Leistungen bei gleichzeitigem Nutzen eines eigenen Mehr-Marken-Profils. Getragen werden die Werkstattsysteme durch den Teilegroßhandel bzw. die Fahrzeugteileindustrie.
Während sich die markengebundenen Werkstätten in ihrem Leistungsspektrum lange Zeit auf einen Fahrzeughersteller konzentriert haben, waren die freien Werkstätten schon immer für alle Fahrzeugtypen und –marken offen. Diese Flexibilität zahlt sich gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aus. Zunehmend ist deshalb auch erkennbar, das markengebundene Werkstätten eine Zweitmarke – oder aber ein Werkstattsystem als Zweitmarke hinzunehmen. Seit Inkrafttreten der Kfz-GVO 1400/2002 sind Fahrzeughersteller darüber hinaus verpflichtet, ihre Fahrzeugdaten auch an andere Marktteilnehmer weiterzugeben, um den Wettbewerb zu stärken.
Prognosen gehen davon aus, dass die Gesamtzahl der Werkstätten in den nächsten Jahren weiter abnehmen wird – jedoch gehen die meisten Marktbeobachter davon aus, dass es den freien Werkstätten gelingen wird, sich im Markt weitgehend zu behaupten.
Viele Vertragswerkstätten sind Teil eines Autohauses; viele größere Unternehmen betreiben auch eine Tankstelle oder eine Autowäsche sowie den Verkauf von Neuwagen und/oder Gebrauchtwagen.
Freie Werkstätten sind teilweise Franchise-Unternehmen oder Marketing-Ketten angeschlossen. Diese Ketten bezeichnet man auch als Werkstattsysteme oder Werkstattkonzepte.
[Bearbeiten] Berufsbilder
Die Ausbildungsberufe, die in einer Autowerkstatt benötigt werden, sind unter anderem Kfz-Mechatroniker, Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik, Karosseriebauer (Spengler) und Sattler.
Außerdem ist ein Meister der Kfz-Technik als verantwortlicher Werkstattleiter notwendig, da Arbeiten an sicherheitsrelevanten Systemen oder Arbeiten mit gefährlichen Stoffen (Chemikalien, Gase, Airbags, etc.) nur unter Federführung eines entsprechenden Meisters durchgeführt werden dürfen. Berufsabschlüsse der genannten Gewerke als Geselle reichen dazu nicht aus.
[Bearbeiten] Abrechnung
Die Abrechnung der Leistungen erfolgt entweder durch den Meister oder eigens dazu abgestellte Service-Mitarbeiter
- nach Arbeitszeit und verbrauchtem Material,
- oder pauschaliert nach den von großen Autoherstellern erarbeiteten Richtlinien.
- Bei größeren Reparaturen ist die Erstellung eines Kostenvoranschlags möglich bzw. wird seitens der Werkstatt angeboten.
[Bearbeiten] Spezielle Ausstattung
Zur Ausstattung einer Kfz-Werkstatt gehören unter anderem Hebebühne, Bremsenprüfstand, Scheinwerfereinstellgerät, Diagnosegeräte/-vorrichtungen (elektronisch, chemisch, mechanisch), Bremsenentlüftungsgerät (meist elektropneumatisch), Standpresse (hydraulisch), Achsvermessungsstand, Klimaanlagenservicegerät, Reifenmontiermaschine und Auswuchtmaschine.
[Bearbeiten] Begriffsabgrenzung
Neben den reinen Kfz-Werkstätten gibt es Tuning-Werkstätten, die sich auf die technische und optische Veränderung von Fahrzeugen nach Kundenwunsch spezialisiert haben. Der Begriff „Tuning“ wird dabei eher neueren Fahrzeugen zugeordnet (ab ~1980er-Jahre bis heute), wohingegen die Veränderung von Oldtimern häufig mit dem Begriff „Customising“ (engl.: Customer = Kunde) beschrieben wird, wobei die Übergänge nicht exakt abzugrenzen sind.
Da der Begriff des Tunings häufig mit minderwertigen oder (aus heutiger Sicht) optisch fragwürdigen Veränderungsmaßnahmen der 1980er- und 1990er-Jahre in Verbindung gebracht wird, nennen sich Tuning-Werkstätten im PKW/SUV-Breich euphemistisch auch „Fahrzeug-Veredler“, um die Hochwertigkeit heutiger Umbauten zu unterstreichen. Spezialbetriebe für die Umbauten von Motorrädern legen häufig Wert auf die Herausstellung der Nähe ihres Gewerkes zur Technik und zum Handwerk (siehe z.B. Walzwerk).
[Bearbeiten] Weblinks
- Podcast über die Arbeit in einer Autowerkstatt
- Bolay Ch., Kelter J., Lorenz D.: Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsumgebung in Kfz-Werkstätten, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, abgerufen am 20.Oktober 2011