Kikuchi Kan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kikuchi Kan

Kikuchi Kan (jap. 菊池 寛, bürgerlich bei derselben Schreibung: Kikuchi Hiroshi; * 26. Dezember 1888 in Takamatsu; † 6. März 1948 in Tokio) war ein japanischer Erzähler und Dramatiker. Er stiftete 1935 den Akutagawa-Preis und den Naoki-Preis für Massenliteratur.

Leben[Bearbeiten]

Kikuchi Kan studierte von 1913–1916 Anglistik in Kyōto. Als Student las er Shaw und schrieb Dramen. Danach war er als Journalist tätig. Er gründete 1922 die erfolgreiche Literaturzeitschrift Bungei Shunjū. 1935 stiftete er den Akutagawa-Preis, der halbjährlich vom Förderverband für japanische Literatur an meist noch unbekannte Nachwuchsautoren verliehen wird.

Seine ersten Stücke fanden zunächst kaum Beachtung. Nachdem seine autobiografische Novelle Mumeisakka no nikki (1918) und die Erzählung Onshū no kanata ni (1919) erschienen waren, galt er zeitweilig neben Akutagawa als einer der Hauptvertreter des Neorealismus. Ab 1920 wandte er sich mehr dem Unterhaltungsroman zu und wurde zu einem Modeschriftsteller seiner Zeit. Kikuchi Kan machte den modernen Bürger zum Thema seiner Werke. In „Dichter und Anlage“ (1920) behauptete er, „dass auch ein Durchschnittsmensch sich zum Dichter heranbilden kann [...] und dass die Tür zur Dichtung jedem offen stehe.“[1]

Kikuchi Kan starb 1948 im Alter von 59 Jahren an Stenokardie.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1916 Okujō no kyōjin (屋上の狂人) - Der Irre auf dem Dach, engl. The Madman on the Roof, 1956
  • 1917 Chichi kaeru (父帰る) - Der Vater kehrt zurück, 1935
  • 1918 Mumeisakka no nikki (無名作家の日記) - „Tagebuch eines noch unbekannten Dichters“
  • 1919 Tadanao-kyō gyōjōki (忠直卿行状記) „Die Lebensweise des Fürsten Tadanao“
Jenseits von Liebe und Hass

Die Kurzgeschichte erzählt die rührselige Geschichte der Läuterung des Missetäters Ichikuro, der seinen Gebieter erschlägt und als geläuterter Mönch den Bewohnern eines Dorfes einen Dienst erweist. Die Erzählung, die 1725 spielt, beginnt in medias res mit der Auseinandersetzung zwischen Ichikuro und seinem Herrn Nakagawa, der erzürnt, dass Ichikuro ihn mit seiner Nebenfrau betrogen hat, mit dem Schwert auf ihn losgeht. Im Handgemenge erschlägt er Nakagawa, der einen dreijährigen Sohn zurücklässt, und türmt mit seiner ehebrecherischen Geliebten Oyumi aus Yedo. Die beiden Flüchtenden gelangen zum Dorf Yabuhara in der Region Kiso. Da ihnen das Geld ausgeht, eröffnen sie an einem Bergpass ein Teehaus. Während Oyumi die Gäste ausspäht, fängt Ichikuro abreisende Gäste auf ihrem Weg ab, um sie zu erschlagen und zu berauben. So geht das Verbrecherdasein der beiden drei Jahre hin, bis Ichikuro eines Abends, nachdem er einen Seidenraupenhändler und dessen Frau ermordet hat, mit Oyumi in Streit gerät, weil er vergaß den Haarschmuck der Gemeuchelten mitzubringen. Während Oyumi den Haarschmuck holt, treiben Gewissensbisse Ichikuro zur überhasteten Flucht.

Er gelangt zum Tempel Joan-ji in Mino, wo er betet und sich einem buddhistischen Priester anvertraut. Dieser rät ihm, sich nicht der Polizei zu stellen und sich stattdessen dem Buddhismus hinzugeben. Diesem Rat folgend tritt Ichikuro als Mönch Ryokai in den Priesterstand ein, um sich selbst zu „erlösen, indem er sein Leben für die Menschenwelt opfert“. Auf der Suche nach einem Dienst für die Menschheit pilgert er über Kyōto nach Kyūshū, besucht die Tempel Usa Hachiman-gū und Rakan und gelangt schließlich zum Dorf Hida, wo er gebeten wird für einen Verunglückten zu beten. Er erfährt, dass der Mann, wie viele zuvor, auf einem gefährlichen Bohlenweg um einen Felsenklippe herum zu Tode kam. Er sieht seine Chance gekommen und beschließt den Fels auf einer Länge von 400 m mit Hammer und Meißel zu durchstechen, um einen sicheren Weg zu schaffen. Verlacht von den Dorfbewohnern gräbt Ryokai sich innerhalb eines Jahres drei Meter tief in den Fels. Jahr um Jahr arbeitet er sich unter wechselnder Aufmerksamkeit der Dorfbewohner durchs Gestein. Derweil macht sich, nunmehr erwachsen, der Sohn des einst erschlagenen Nakagawa auf die Mordtat an seinem Vater zu rächen und die Familienehre wiederherzustellen. Er findet den ausgemergelten Ryokai 19 Jahre nach dessen Bluttat und gestattet ihm den bevorstehenden Felsdurchstich zu beenden. Die Arbeit zieht sich annähernd zwei weitere Jahre hin, sodass Nakagawas Sohn am 10. September 1746 gemeinsam mit Ryokai den Durchbruch zur anderen Seite erlebt. Zu Tränen gerührt, dass das Lebenswerk gelang, fallen sich beide in die Arme und „vergaßen das Vergangene.“

  • 1919 Onshū no kanata ni (恩讐の彼方に)
    • „Jenseits von Liebe und Hass“, übersetzt von Kakuji Watanabe. In: Japanische Meister der Erzählung, Walter Dorn Verlag, Bremen, 1960, S. 9-28.
  • 1920 Shinju fujin (真珠夫人)
  • Liebesheiratssitte dt. von Hermann Bohner in OAG „Nachrichten“ 45, 46, Tōkyō 1938

Weitere Übersetzungen ins Deutsche finden sich in: Stalph, Jürgen et al (Hrsg.); Moderne japanische Literatur in deutscher Übersetzung. Eine Bibliographie der Jahre 1868-1994; München 1995 (iudicium), S. 85

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Kakuji Watanabe (Hrsg.): Japanische Meister der Erzählung. Walter Dorn Verlag, Bremen 1960, S. 199.
Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Kikuchi der Familienname, Kan der Vorname.