Kinderhospiz

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Ein Kinderhospiz umfasst ambulante und stationäre Einrichtungen für unheilbar und lebensverkürzend erkrankte Kinder und deren Eltern und Geschwister.

Durch die häufig intensive Pflege des Kindes kommen im Alltag die Entlastung der Eltern und die Zuwendung an die Geschwister zu kurz. In einem stationären Kinderhospiz können sich die Eltern für eine begrenzte Zeit aus der Pflege herausnehmen, während die Kinder von den erfahrenen Kinderkrankenschwestern und -pflegern des Hospizes betreut werden. Auf Wunsch kann das kranke Kind mit seiner Familie bis zu seinem Tod (und für kurze Zeit darüber hinaus) im Kinderhospiz bleiben, das (wie auch stationäre Erwachsenenhospize) Sterbebegleitung anbietet und über Erfahrung in Palliative Care verfügt. Ambulante Kinderhospizdienste begleiten das schwerkranke Kind und seine Familie im häuslichen Bereich, übernehmen aber keine pflegerischen Tätigkeiten.

In Deutschland existierten Ende 2012 elf stationäre Kinderhospize sowie zwei solitäre Jugendhospize (mehrere in Planung)[1][2] und über 100 ambulante Hospizdienste.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Idee des weltweit ersten Kinderhospizes entstand Anfang der 1980er Jahre in Großbritannien. Auslöser war ein Mädchen namens Helen, das 1978 an einem Hirntumor erkrankte. Dieser konnte zwar erfolgreich entfernt werden, aber Helens Gehirn war schwerwiegend und irreparabel verletzt. Ihre Kontaktmöglichkeit mit der Umwelt war erheblich eingeschränkt, sie konnte weder sprechen, sitzen noch ihre Körperbewegungen koordinieren.

Schwester Frances Dominica, eine Nonne und Kinderkrankenschwester, lernte Helen und ihre Familie im Krankenhaus kennen. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft. Schwester Frances besuchte Helen immer wieder während ihres langen Krankenhausaufenthaltes. Diese Beziehung setzte sich auch fort, nachdem Helen nach Hause zurückgekehrt war. Um die Eltern immer wieder zu entlasten, nahm Sr. Frances regelmäßig Helen zu sich ins Kloster.

Aus dieser Freundschaft mit Helen und ihrer Familie entwickelte sich „Helen-House“, da ihr klar wurde, dass andere Familien in gleicher Notlage waren wie Helens Familie. Das „Helen House Hospice“ in Oxford nahm als weltweit erstes Kinderhospiz 1982 seine Arbeit auf. In Olpe entstand 1998 in der Trägerschaft der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe das erste Kinderhospiz in Deutschland, das Kinderhospiz Balthasar. In derselben Trägerschaft eröffnete in Olpe 2009 das erste Jugendhospiz für Jugendliche und junge Erwachsene bis ca. 25 Jahre. 1990 gründeten sechs Familien den Deutschen Kinderhospizverein, der seitdem eine Reihe von ambulanten Einrichtungen schaffen konnte.

Der Bundesverband Kinderhospiz wurde 2002 als Dachverband der ambulanten und stationären Kinderhospizorganisationen in Deutschland gegründet. Er vertritt die Interessen der Kinderhospizarbeit und berät Interessierte, Betroffene, Politik und Fachleute. Es gibt in Deutschland 12 Kinderhospize, diese sind in Leipzig, Berlin, Hamburg, Bielefeld, Syke, Düsseldorf, Olpe, Wiesbaden, Dudenhofen, Münster, Bad Grönenbach sowie Tambach-Dietharz (Thüringen) angesiedelt, weitere sind in Planung. Es gibt über 100 ambulante Kinderhospizdienste.[1][2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundesverband Kinderhospiz e. V. (Hrsg.): Grundsatzpapier Kinderhospizarbeit. Olpe 2005.
  • Deutscher Kinderhospizverein e. V. (Hrsg.): Kinderhospizarbeit – Begleitung auf dem Lebensweg. Der Hospiz Verlag, Wuppertal 2006.
  • Natali Metzger: „Dem Tag viel Leben geben.“ Das Kinderhospiz Löwenherz. Bethel-Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-935972-15-4.
  • Sabine Meinig: Wenn Kinder sterben – Die Arbeit im Kinderhospiz, Marburg 2008, ISBN 978-3-8288-9712-0.
  • Uwe Saegner: Papa, wo bist Du? Ein Kinderbuch zu Tod und Trauer für Kinder. Der Hospiz Verlag, Wuppertal 2005, ISBN 3-9810020-4-0.
  • Johann-Christoph Student (Hrsg.): Im Himmel welken keine Blumen – Kinder begegnen dem Tod. 6. Aufl., Verlag Herder, Freiburg 2005.
  • Petra Stuttkewitz: Gelebte Grenzen. Texte aus der Begleitung zweier Kinder in ihrer lebensverkürzenden Erkrankung. Der Hospiz Verlag, Wuppertal 2005, ISBN 3-9810020-3-2.
  • Sven Jennessen, Astrid Bungenstock, Eileen Schwarzenberg: Kinderhospizarbeit. Konzepte – Erkenntnisse – Perspektiven. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-021383-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Überblick Mitglieder stationäre Kinderhospize beim Bundesverband Kinderhospiz, abgerufen am 15. Dezember 2011.
  2. a b Liste stationärer Kinderhospize (PDF; 161 kB) beim Bundesverband Kinderhospiz, abgerufen am 6. März 2013.
  3. Wegweiser Hospiz- und Palliativmedizin, abgerufen am 24. Mai 2011.