Kleindeutsche Lösung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die kleindeutsche Lösung der deutschen Frage war ein in der Frankfurter Nationalversammlung von 1848 diskutiertes und schließlich verabschiedetes Modell für die Vereinigung der Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes unter Führung des Königs von Preußen und unter Ausschluss des Kaiserreiches Österreich. Sie stand im Gegensatz zur großdeutschen Lösung, welche den überwiegenden Teil des deutschen Sprachraums vorsah und die deutschsprachige Bevölkerung des Habsburgerreichs einschloss. Verwirklicht wurde nach den deutschen Einigungskriegen die kleindeutsche Lösung mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 und dessen Erweiterung zum Deutschen Reich 1871.

Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, hatte 1849 die ihm von der Kaiserdeputation der Frankfurter Nationalversammlung angetragene Kaiserkrone einer kleindeutschen konstitutionellen Monarchie noch abgelehnt, dessen Bruder und Nachfolger im Amt, Wilhelm I., nahm sie – unter dem Einfluss seines Kanzlers Bismarck und unter veränderten politischen Verhältnissen – 1871 an.

Die „Deutsche Frage“ im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Diskussionen über die Ausdehnung eines deutschen Nationalstaats wurden seit der Französischen Revolution geführt. Die sogenannte Deutsche Frage, die unter anderen Ernst Moritz Arndt in seinem Gedicht Was ist des Deutschen Vaterland? aufwarf, war eines der drängendsten Probleme der europäischen Politik in den ersten sieben Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Nach der Märzrevolution gehörte sie zu den zentralen Fragen, denen sich die Frankfurter Nationalversammlung, das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament, stellen musste. Das Scheitern der Revolution von 1848 ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Versammlung keine allgemein akzeptierte Lösung für die „Deutschlandfrage“ fand.

Karikatur zur Schaffung eines Nationalstaats durch die Nationalversammlung. Von links: Gagern, Soiron, Welcker, Bassermann.

In der Paulskirche wurde über verschiedene Modelle debattiert. Neben der kleindeutschen stand auch die großdeutsche Lösung zur Diskussion, welche die Einbeziehung der Gebiete Österreichs mit einer deutschen Bevölkerung vorsah. Dies hätte jedoch eine Aufspaltung der Habsburgermonarchie bedeutet, was für Österreich nicht in Frage kam. Diskutiert wurde auch die Einbeziehung der gesamten Donaumonarchie als großösterreichische Lösung. Damit wiederum hätte das neu zu schaffende Staatswesen seinen angestrebten Charakter als deutscher Nationalstaat verfehlt.

Die meisten Abgeordneten aus Österreich lehnten in der Nationalversammlung die großdeutsche Lösung ab; die großösterreichische wiederum fand keine Mehrheit bei den übrigen Parlamentariern. Nachdem die Österreicher aus der Nationalversammlung ausgezogen waren, setzten sich dort die (zumeist protestantischen) Befürworter der kleindeutschen Einigung unter preußischer Führung durch. Doch auch diese Lösung wurde zunächst nicht realisiert, da König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen 1849 die ihm angetragene Kaiserkrone ablehnte.

Nach dem Scheitern der Revolution gab es im Jahre 1850 einen erneuten Versuch Friedrich Wilhelms IV. im Bündnis mit den Königen von Hannover und Sachsen sowie 17 anderen deutschen Fürsten, die Mehrheit der deutschen Länder unter Ausschluss der Habsburgischen Monarchie in Form eines Fürstenbundes zu vereinen.

Dieser Plan fand Unterstützung seitens der Nationalliberalen, die die Frankfurter Nationalversammlung verlassen und im Juni 1849 die „Gothaer Partei“ gegründet hatten. Die Gothaer nutzten die Deutsche Zeitung als Forum und beteiligten sich aktiv an den Wahlen zu einem „Unionsparlament“, das sich am 20. März 1850 in Erfurt versammelte, um den preußischen Entwurf einer Bundesverfassung für den geplanten kleindeutschen Staat anzunehmen. Unter dem Druck der österreichischen Monarchie und des russischen Zarismus gingen mehrere deutsche Fürsten, die vorher Preußen unterstützt hatten, auf die Seite Österreichs über. Daraufhin vertagte die preußische Regierung, die es nicht wagte, gegen Zar Nikolaus I. aufzutreten, am 22. April 1850 das Erfurter Parlament, das danach nicht wieder zusammentrat.

Im Vertrag zu Olmütz (Olmützer Punktation) vom 29. November 1850 musste Preußen gegenüber Österreich auf seine Vereinigungspläne verzichten.

Erst nach dem Deutschen Krieg von 1866, in dem Preußen den Deutschen Bund unter Österreichs Führung besiegte, ergriff der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck neue Möglichkeiten zur Realisierung der kleindeutschen Lösung. Zunächst wurde der Deutsche Bund aufgelöst, womit Österreich aus der gesamtdeutschen Politik ausschied. Unter Preußens Führung wurde 1867 der Norddeutsche Bund gegründet, der Defensivbündnisse mit den vier süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen abschloss. Nachdem im Krieg gegen Frankreich 1870 der Bündnisfall eingetreten war, traten am 18. Januar 1871 auch die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei: Das damit neu gegründete Deutsche Reich war eine Monarchie unter dem Präsidium des Königs von Preußen, Wilhelms I., der den Titel Deutscher Kaiser annahm. Bismarck wurde erster Reichskanzler.

Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Zwischen den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts wurde die Frage „kleindeutsche oder großdeutsche Lösung“ noch einmal aufgeworfen. Nach der Auflösung Österreich-Ungarns am Ende des Ersten Weltkriegs entstand eine neue politische Landkarte. In Österreich (1918/19 Deutschösterreich) traten große Teile der Politiker und der Bevölkerung für einen Zusammenschluss mit dem nun ebenfalls republikanisch gewordenen Deutschen Reich ein. Dies hätte in etwa der großdeutschen Lösung von 1848 entsprochen. Dieser Zusammenschluss wurde jedoch mit den Pariser Vorortverträgen (Vertrag von Saint-Germain, Friedensvertrag von Versailles) obsolet, in denen er ausdrücklich verboten wurde.

1938 erfolgte unter Adolf Hitler der „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich, das von da an (amtlich 1943) als Großdeutsches Reich bezeichnet wurde. Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg brach dieses Reich wieder auseinander, und Österreichs Selbständigkeit wurde wiederhergestellt.

Deutschland wurde, wie auch Österreich bis 1955, in Besatzungszonen geteilt, aus denen 1949 die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik hervorgingen. Deren Vereinigung 1990 mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland entspricht mit Ausnahme der Ostgebiete des Deutschen Reiches und einiger Gebiete im Westen wieder der kleindeutschen Lösung.