Kleobis und Biton

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römischer Grabaltar mit der Darstellung des Mythos von Kleobis und Biton, Rom, Museo Nazionale Romano

Kleobis und Biton (griechisch Κλέοβις und Βίτων) waren ein Brüderpaar in der griechischen Mythologie, Söhne der Kydippe, einer Priesterin der Hera in Argos.

Mythos[Bearbeiten]

Beide Brüder besaßen nur das Notwendigste zum Leben, waren aber mit einer immensen Körperkraft ausgestattet (ῥώμη σώματος), wodurch sie viele Preise bei Kampfspielen errangen. Sie waren durch außergewöhnliche Bruderliebe verbunden und bekannt für unbedingten pflichtgetreuen Gehorsam gegenüber ihrer Mutter.

Als Kydippe anlässlich eines Opferfestes zu Ehren der Hera in Argos zum Tempel gefahren werden musste, die Zugochsen für das Zweigespann aber noch nicht vom Feld zurückgekehrt waren, stellten sich die Brüder selbst unter das Joch und zogen den Wagen eigenhändig die fünfundvierzig Stadien[1] zum Heiligtum. Dort legten sich beide nach dem Opfermahl, völlig ausgelaugt von den Strapazen und der Anstrengung des langen Weges, in den Tempel zur Ruhe und schliefen ein. Die Mutter Kydippe, stolz auf ihre wohlgeratenen Söhne, betete zu Hera und bat, ihren beiden Söhnen als Dank das Beste zukommen zu lassen, was ein Mensch erhalten könne, woraufhin die beiden Söhne nicht wieder aufwachten, sondern sanft entschliefen und somit, noch in Jugend und Schönheit stehend, einen schnellen und sanften Tod errangen. So erwiesen die Götter den beiden ihre besondere Gunst und Huld ("... jung stirbt, wen die Götter lieben ...").

Die Argiver ließen später Statuen von ihnen errichten, weihten sie in Delphi und priesen die beiden Söhne als Wahrzeichen höchster Tugend.

Statuen[Bearbeiten]

Statuen des Kleobis und Biton, Weihegeschenk der Argiver in Delphi. (Delphi, Archäologisches Museum, Marmor, H: A: 2,16, B: 2,18)

Zwei Statuen von Kleobis und Biton wurden in Delphi gefunden, Statue 1 (A) 1893 nordwestlich des Schatzhauses der Athener und Statue 2 (B) 1894 ungefähr 10 m westlich von A.

Inschriften auf den Sockeln identifizieren die Statuen als Kleobis und Biton und – was eher unüblich war auch den Bildhauer [Poly]mides aus Argos. Die Inschrift beginnt links oben auf Sockel B in zwei Zeilen und geht weiter rechts oben auf Sockel A. Die Beiden Inschriften, sind aus Kouroi von Gisela Richter[2] zitiert.

Sockel B

[κλεοβις και βι]τον | ταν ματαρα - - - - - ς hι | - - - - - - - -

Sockel A

Εαγαγον τοι δ΄ υιοι [ ]μεδες εποιεε hαργειος

Statuen A und B sind nicht vollkommen identisch. A wirkt eher länger und B eher breiter. Das muss nicht gewollt sein, da alle Statuen von Hand aus dem Stein geschlagen wurden, waren keine identischen Kopien möglich. Welche von den beiden Kleobis und welche Biton darstellt, weiß man nicht.

Der Torso ist wie bei dem Sounion-Kouros viereckig, aber Kleobis und Biton haben rundere Formen, was auf ein späteres Entstehungsdatum schließen lässt (um 580 v. Chr.). Manche anatomischen Details sind aber noch immer nur in die Oberfläche eingekerbt.

Die Arme und Unterschenkel sind runder. Die Kouroi haben breite Schultern und eine kurze Taille. Der Oberarm ist kurz.

Altertümlich erscheint der Gegensatz von kräftigen Beinen und kegelförmig aus ihnen herauswachsender Rumpf, ein Gegensatz der bereits mit der Sounion Gruppe überwunden war. [3]

Der Kopf ist kubisch geformt und an der Ober- und Rückseite flach. Das Gesicht ist breit mit einer tiefen zurücktretenden Stirn. Die Ohren sitzen auf der anatomisch richtigen Stelle. Die Nase ist breit und kurz. Die früh archaische Augenform wurde aufgegeben. Die kugelig gewölbten Augäpfel werden umrahmt von spiegelbildlich gespannten, an den Winkeln spitz zulaufenden Lidern. Die Haare fallen in 6 Zöpfen am Rücken hinunter und vorne auf jeder Seite in 3 Zöpfen.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bemerkungen bzw Quellen[Bearbeiten]

  1. Antikes griechisches Längenmaß, entspricht 600 Fuß, je nach regionalem Fußmaß zwischen ca. 157 und 211m
  2. Vgl. Gisela Richter: Kouroi. Archaic Greek Youths. A study of the development of the Kouros type in Greek Sculpture. London: Phaidon Press, ,S. 128
  3. Detlev Kreikenbom: Reifchaische Plastik. In: Die Geschichte der antiken Bildhauerkunst. Hrsg. von Peter C. Bol, Bd. I. Frühgriechische Plastik, Mainz 2002, S. 145